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Romper Stomper – Russell Crowe als Nazi-Skinhead

06 Jan

Romper Stomper

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Wer will schon in einem düsteren Tunnel einer Horde Nazi-Skinheads über den Weg laufen? Dieses Schicksal widerfährt drei jungen Vietnamesen in Melbourne. Die rechtsradikale Bande um ihren Anführer Hando (Russell Crowe) und dessen besten Freund Davey (Daniel Pollock) schlägt das Trio übel zusammen. So finster beginnt das australische Drama „Romper Stomper“. Kurz danach schließt sich die junge Gabe (Jacqueline McKenzie) aus gutem Hause dem rassistischen Haufen an. Sie will ihrem Vater ausweichen, der sie sexuell missbraucht hat. Die in der Stadt lebenden Vietnamesen sind nicht gewillt, sich von den Skinheads unterkriegen zu lassen. Eine Eskalation der Gewalt ist unausweichlich.

Beste Freunde: Davey (l.) und Hando

Der Begriff „Romper Stomper“ bezeichnet jemanden, der mit dem Fuß von oben auf eine am Boden liegende Person aufstampft. 1994 in Deutschland indiziert, wurde das raue Drama 2012 von der Liste gestrichen und in adäquaten Editionen ungekürzt mit angemessener FSK-18-Freigabe von capelight pictures veröffentlicht. Regisseur und Drehbuchautor Geoffrey Wright („Cherry Falls – Sex oder stirb“) fängt die grobe Körperlichkeit der Skinheads in einigen Szenen sehr gut ein. Die ungeschönte Brutalität des Films löste in einigen Ländern heftige Kontroversen aus. Die Figur des Hando basiert lose auf einem echten Nazi-Gewalttäter, der in Australien wegen Mordes einsitzt. Dem Vernehmen nach ließen sich einige rassistische Gewalttäter von Hando inspirieren. Manche begreifen es halt nie. Angeblich genießt „Romper Stomper“ in der Neonazi- und Skinhead-Szene Kultstatus. Verherrlichung der gezeigten Gewalt konnte ich allerdings nicht bemerken, Faszination ging für mich davon nicht aus. Der im Film zu hörende Nazi-Punkrock inklusive rassistischer Texte wurde eigens dafür komponiert, rechtsradikale Musiklabel bootlegten die Songs leider später. Score und Songs treiben die Handlung passend voran und bringen Tempo.

Zum Scheitern verurteilte Existenzen

Wright geht es weniger um eine Einordnung der politischen Haltung der Nazi-Skinheads – an der Verwerflichkeit ihres Denkens und Tuns besteht ohnehin kein Zweifel. Der Regisseur zeichnet auch kein dokumentarisches Sittenbild einer gewalttätigen Subkultur, er zeigt vornehmlich die Aussichtslosigkeit schäbiger Existenzen, deren Dasein zum Scheitern verurteilt ist. Das ist unbequem anzuschauen und von unangenehmer Intensität. Wenn der Filmemacher denn die Absicht verfolgte, die inneren Motive seiner Protagonisten darzustellen, so erscheint das allerdings misslungen – ich jedenfalls konnte derlei nicht feststellen.

Gabe schließt sich den Nazi-Skinheads an

Russell Crowe war seinerzeit in den USA und Europa noch unbekannt und auch in seiner australischen Heimat kein Topstar. Dies änderte sich mit seiner Hauptrolle des gewalttätigen Neonazis Hando. 1992 wurde er dafür als bester Hauptdarsteller mit dem AFI Award des Australischen Filminstituts geehrt. Auch der Ton und der Score von „Romper Stomper“ erhielten den Preis. Crowes erstes Hollywood-Engagement folgte 1995 in Sam Raimis „Schneller als der Tod“ („The Quick and the Dead“) mit Sharon Stone und Gene Hackman. Stone, die den Western koproduzierte, setzte Crowes Besetzung persönlich durch.

Als TV-Serie umgesetzt

Brandaktuell ist eine australische Serienadaption mit sechs Episoden, die auf dem Film beruht und in Australien bereits heftig diskutiert wird. Geoffrey Wright inszenierte zwei Folgen, einige Darsteller des Films wirken ebenfalls wieder mit, darunter Jacqueline McKenzie. Ob das sein muss, sei dahingestellt und kann ohne Kenntnis der Serie ohnehin nicht beantwortet werden. Der Film „Romper Stomper“ jedenfalls ist in seiner fatalistischen Darstellung der Nazi-Skinheads jederzeit eine Sichtung wert und als wichtiger Karriereschritt des späteren Oscar-Preisträgers Russell Crowe („Gladiator“) ohnehin interessant.

Mit dem jederzeit gewaltbereiten Hando …

Daniel Pollock erlebte den Kinostart von „Romper Stomper“ nicht mehr: Im April 1992 beging er Selbstmord, indem er sich in Sydney vor einen Zug warf. Russell Crowe schrieb darüber das Lied „The Night that Davey Hit the Train“. Pollock ruhe in Frieden.

… legt man sich besser nicht an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Russell Crowe sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Die Skinheads geraten in Bedrängnis

Veröffentlichung: 7. Dezember 2012 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Romper Stomper
AUS 1992
Regie: Geoffrey Wright
Drehbuch: Geoffrey Wright
Besetzung: Russell Crowe, Daniel Pollock, Jacqueline McKenzie, Alex Scott, Leigh Russell, Dan Wyllie, James McKenna, Eric Mueck, Frank Magree, Tony Lee
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Geoffrey Wright, Interviews mit Russell Crowe, Tony Lee, Paul McDonald und Geoffrey Wright, Kinotrailer, nur Blu-ray: Hinter den Kulissen Photoshoot, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshot: © capelight pictures / Al!ve AG

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