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Jamie Marks Is Dead – Toter Einzelgänger kehrt zurück

20 Jan

Jamie Marks Is Dead

Von Volker Schönenberger

Drama // Jamie Marks (Noah Silver) ist tot. Gracie Highsmith (Morgan Saylor) hat ihren Mitschüler am Flussufer gefunden. So recht kannte niemand den introvertierten Jungen. Auch Adam McCormick (Cameron Monaghan) nicht, der sich daran erinnert, wie Jamie zur Mobbing-Zielscheibe einiger Bullys der Schule wurde, ohne dass Adam ihm half. Parallel muss Adam auch damit fertig werden, dass seine Mutter Linda (Liv Tyler) nach einem Autounfall im Rollstuhl landet. Zu seinem älteren Bruder Aaron (Ryan Munzert) hat er obendrein kein gutes Verhältnis.

Als sei das nicht genug, erscheint Adam und Gracie plötzlich der Leichnam von Jamie – nur die beiden können ihn sehen. Als Wiedergänger sucht der Tote fortan Adams Nähe. Anscheinend will er auch im Tode nicht davon ablassen, wenigstens einen Freund zu finden.

Erinnerung an Daniel Radcliffe

Ein wenig erinnert Jamie-Darsteller Noah Silver mit seiner zerbrochenen Brille an Daniel Radcliffe. Weniger an Harry Potter, zumal die Narbe fehlt, als vielmehr an Radcliffes beeindruckende Darstellung als lebende Leiche in „Swiss Army Man“ (2015), dessen Story jedoch weitaus bizarrer anmutet als die von „Jamie Marks Is Dead“. Als Referenz kann man auch „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ von 1986 heranziehen; dort entwickelt sich die Handlung ebenfalls anhand einer Leiche, wenn auch keiner lebenden. Während die Stephen-King-Verfilmung allerdings visuell recht hell ausfällt, ist „Jamie Marks Is Dead“ deutlich dunkler gehalten. Viele Szenen spielen abends und nachts, auch Grundstimmung und Atmosphäre sind düsterer. Beide Dramen eint jedoch das feinfühlig inszenierte Coming-of-Age-Sujet.

Trotz des wandelnden Leichnams haben wir es daher nicht mit einem Horrorfilm zu tun, sondern mit einem übernatürlichen Coming-of-Age-Drama, welches von den Schwernissen des Erwachsenwerdens unter außergewöhnlichen Umständen berichtet. Regisseur und Drehbuchautor Carter Smith („Ruinen“) verfilmte Christopher Barzaks Roman „One for Sorrow“ in bedächtigem Tempo – gerade in der ersten Hälfte leider arg bedächtig. Ein paar Straffungen hätte Smith ruhig vornehmen können. Es bleibt auch offen, was er dem Publikum eigentlich vermitteln will. Natürlich ist es nicht verkehrt, den Zuschauern ihre Interpretation selbst zu überlassen, aber ein wenig mehr an die Hand hätte er uns ruhig nehmen können.

Im Kino nur beim Fantasy Filmfest

Eine breite deutsche Kinoauswertung blieb „Jamie Marks Is Dead“ verwehrt, lediglich beim Fantasy Filmfest 2014 gelangte das Drama auf die große Leinwand. Bedauerlich für die Filmemacher, aber im Heimkino ist es gut aufgehoben. Nur Tempo und Grusel sollte niemand erwarten.

Veröffentlichung: 20. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Jamie Marks Is Dead
USA 2014
Regie: Carter Smith
Drehbuch: Carter Smith, nach dem Roman „One for Sorrow“ von Christopher Barzak
Besetzung: Morgan Saylor, Noah Silver, Cameron Monaghan, Liv Tyler, Judy Greer, Brett DelBuono, Fred Tolliver Jr., Ronen Rubinstein, Ryan Munzert, Connor Antico, Adrian Enscoe
Zusatzmaterial: Originaltrailer, deutscher Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: donau film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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