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Der Satan mit den langen Wimpern – Vision oder Wahn?

23 Jan

Nightmare

Von Volker Schönenberger

Psychothriller // Die 17-jährige Janet (Jennie Linden) irrt des Nachts durch einen dunklen Gang, wie magisch angezogen von einer Stimme. Janet betritt einen Raum – darin befindet sich ihre Mutter, die als Geisteskranke eingesperrt worden ist und sich freut, dass ihre Tochter ihr nun Gesellschaft leistet. Janet beginnt zu schreien – und erwacht im Schlafraum des Internats, das sie besucht. Es war nur ein Albtraum.

Lehrerin Mary (l.) lernt die Krankenpflegerin Grace kennen

Die Lehrerin Mary Lewis (Brenda Bruce) sorgt sich um ihre Schülerin, will sie psychiatrisch behandeln lassen, was die junge Frau aber verweigert. So fahren die beiden in Janets Heimatort zu ihrem Vormund Henry Baxter (David Knight). Janets Mutter hatte sechs Jahre zuvor in einen Wahn von Geisteskrankheit ihren Ehemann – den Vater des Mädchens – erstochen. Auch in ihrer Heimat wird Janet weiterhin von beängstigenden Visionen und Träumen heimgesucht. Als ihre Gesellschafterin wurde Grace Maddox (Moira Redmond) engagiert – eine Krankenpflegerin, wie Mary Lewis herausfindet.

Psychothriller aus dem Hause Hammer Films

Mehr Psycho- als Horrorthriller – eher ungewöhnlich für die britische Produktionsfirma Hammer Films. Wird Janet wie ihre Mutter wahnsinnig? Oder was steckt hinter den Visionen der jungen Frau? Ein heftiger Bruch nach einer knappen Dreiviertelstunde lässt die Handlung eine völlig andere, ebenso spannende Richtung nehmen, aber ich will nicht spoilern und unterlasse es deshalb, über die Handlung des Schwarz-Weiß-Films weitere Worte zu verlieren.

Janet (r.) wird von Visionen heimgesucht

„Die Teuflischen“ („Les diaboliques“) wirkte 1955 stilbildend auf das Psychothriller-Subgenre. Wie viele Epigonen kann und will auch „Der Satan mit den langen Wimpern“ den Einfluss von Henri-Georges Clouzots Regiearbeit nicht leugnen. Die bedrückende Atmosphäre, einige albtraumhaft inszenierte Sequenzen sowie überraschende Wendungen machen „Nightmare“, so der Originaltitel, zu einer sehr untypischen Hammer-Films-Produktion. Der Verzicht auf die ansonsten für Hammer so prägenden Kulissen steht dem Film gut zu Gesicht und legt den Fokus so ganz auf die Figuren und ihre rätselhaften Beziehungen zueinander. Über die Qualität von Bild, Ton und Veröffentlichung etwas zu schreiben, heißt Eulen nach Athen zu tragen. Ich würde mich ohnehin nur wiederholen, belassen wir es also dabei, dass die Editionen von „Der Satan mit den langen Wimpern“ das hohe Level von Anolis Entertainment halten.

Regisseur Freddie Francis mit Oscars als Kameramann

Regisseur Freddie Francis (1917–2007) hat in seiner Filmografie mit 37 Regiearbeiten sogar einen Film mehr stehen als mit seinem Wirken als Kameramann, doch mit letztgenannter Profession hat er mehr Meriten erworben: Für die Schwarz-Weiß-Kameraarbeit von „Söhne und Liebhaber“ erhielt er 1961 ebenso den Oscar wie 1990 für die Kamera von „Glory“. „Der Satan mit den langen Wimpern“ lief seinerzeit im Doppelprogramm mit dem ebenfalls von Francis inszenierten „Frankensteins Ungeheuer“. Aus dem Jahr 1964 datiert auch sein deutsch-englischer Edgar-Wallace-Krimi „Das Verrätertor“ mit Klaus Kinski und Eddi Arent. Ein Jahr später kam Francis’ Episoden-Horrorfilm „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ in die Kinos, den er für den Hammer-Films-Konkurrenten Amicus gedreht hatte.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Freddie Francis sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Der Satan mit den langen Wimpern“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Veröffentlichung: 24. November 2017 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 10. Juli 2009 als DVD

Länge: 82 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Nightmare
GB 1964
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Jimmy Sangster
Besetzung: David Knight, Moira Redmond, Jennie Linden, Brenda Bruce, George A. Cooper, Clytie Jessop, Irene Richmond, John Welsh, Timothy Bateson, Elizabeth Dear
Zusatzmaterial Blu-ray: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, „Nightmare in the Making“, „Madhouse – Inside Hammer’s Nightmare“, Jennie Linden Memories, US-Kinotrailer, Werberatschläge, Filmprogramm, Bildergalerie, nur Mediabook: 36-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Uwe Huber
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment (Vertrieb DVD: Koch Media)

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Anolis Entertainment

 
 

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2 Antworten zu “Der Satan mit den langen Wimpern – Vision oder Wahn?

  1. TomHorn

    2018/01/23 at 18:47

    „Mehr Psycho- als Horrorthriller – eher ungewöhnlich für die britische Produktionsfirma Hammer Films.“
    Wieso? Jimmy Sangster hat doch zwischen 1960-72 eine ganze Reihe „Mini-Hitchcocks“, wie er sie nannte, für Hammer geschrieben. Die waren zu der Zeit ziemlich beliebt. Ich mag ja auch „A Taste of Fear“, „Paranoic“, „Fanatic“ und „The Nanny“ sehr gerne. Und Thriller-Stoffe gab es bei Hammer schon, bevor man erfolgreich das Horror-Genre beackerte…

     
    • V. Beautifulmountain

      2018/01/24 at 05:32

      An sich hast du natürlich recht. Aber Hammer wird heute von vielen in erster Linie als Horrorspezialist wahrgenommen. Das mag allerdings auch an den schönen Anolis-Veröffentlichungen liegen, bei denen es sich ja meist um Gruselfilme handelt.

       

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