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The Crucifixion – Teufelsaustreibung in Rumänien

25 Jan

The Crucifixion

Von Andreas Eckenfels

Horror // Mit seinem Spielfilmdebüt „Frontière(s)“ (2007) setzte Xavier Gens die Messlatte in Sachen Gewaltdarstellung enorm hoch. Der Regisseur wurde in einem Atemzug mit seinen französischen Kollegen Alexandre Aja („High Tension“, 2003), Alexandre Bustillo, Julien Maury („Inside“, 2007) sowie Pascal Laugier („Martyrs“, 2008) genannt, die mit ihren Werken die Grenzen des Terrorkinos ausloteten und teils überschritten. Doch nach der Videospielverfilmung „Hitman – Jeder stirbt alleine“ (2007) und dem Endzeithorrorthriller „The Divide“ (2011) wurde es ruhig um Gens. Der Franzose inszenierte lediglich noch die knapp sechsminütige Episode „X is for XXL“ für die Horror-Anthologie-Reihe „The ABCs of Death“ (2012), in der besonders die Make-up-Experten ordentlich zu tun hatten, sowie drei Folgen der Krimiserie „Crossing Lines“. So durfte man zehn Jahre nach dem Erstling durchaus auf seinen vierten Spielfilm „The Crucifixion“ gespannt sein, zumal das Drehbuch zu dem Exorzismus-Horrorfilm auch noch von den Hayes-Zwillingen stammte, die als Autoren für die „Conjuring“-Teile durchaus frischen Wind ins Mainstream-Horrorkino gebracht hatten.

Besessen oder psychisch gestört?

Die junge US-amerikanische Journalistin Nicole (Sophie Cookson, „Kingsman – The Secret Service“) überzeugt ihren Chefredakteur (Jeff Rawle) davon, dass im fernen Rumänien eine Wahnsinnsstory lauert: Ein Priester (Iván González) und eine Gruppe von Nonnen wurden festgenommen, nachdem sie an der angeblich besessenen Schwester Adelina (Ada Lupu) einen Exorzismus inklusive Kreuzigung durchgeführt hatten. Die Ordensfrau starb bei der Teufelsaustreibung qualvoll. Doch der Priester beharrt darauf, nicht er, sondern ein Dämon habe den Tod herbeigeführt. Hat er eine psychisch gestörte Frau getötet oder war sie tatsächlich besessen? Bei ihren Nachforschungen vor Ort macht sich Nicole ein Bild von der Lage. Bis auf Schwester Vaduva (Brittany Ashworth) und Priester Anton (Corneliu Ulici) zeigen sich die weiteren Klostermitarbeiter nicht besonders gesprächsbereit, was auch daran liegen mag, dass die Journalistin seit dem Krebstod ihrer Mutter nicht an Gott und die Kirche glaubt. Doch bald wird Nicole selbst Zeuge seltsamer Ereignisse, für die es keine rationalen Erklärungen zu geben scheint. Hat der Dämon ein neues Opfer gefunden?

Der wahre Fall der Maricica Cornici

Laut einführender Texttafeln basiert „The Crucifixion“ auf einer wahren Begebenheit, welche allerdings nicht genauer benannt wird. Da der Film im Jahr 2004 angesiedelt ist und es auch sonst starke inhaltliche Parallelen gibt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen Fall handelt, der sich 2005 im ostrumänischen Tanacu ereignete: Die 23-jährige Novizin Maricica Cornici starb während einer Exorzismus-Zeremonie. Der verantwortliche Priester beteuerte seine Unschuld, wurde aber 2007 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Geschichte von Maricica Cornici wurde bereits 2012 unter dem Titel „Jenseits der Hügel“ von Cristian Mungiu („4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“) verfilmt.

Schwester Adelina stirbt einen qualvollen Tod am Kreuz

Ob der Priester schuldig ist oder nicht, spielt in Gens’ Film keine Rolle. Der reale Vorfall dient lediglich als Aufhänger für eine Aneinanderreihung von Genreklischees über Dämonen und Besessenheit, die man so oder ähnlich schon viele Male gesehen hat – und das meist auch weitaus origineller und furchteinflößender. Nach der durchaus gelungenen Eingangssequenz, in der Schwester Adelina am Kreuz gefesselt Qualen durchleidet, stellt sich besonders in der ersten Hälfte schnell Leerlauf ein. Wenn die Journalistin Nicole ihren Recherchen nachgeht und in endlos wirkenden Dialogen Einheimische befragt, wirkt die Handlung mehr wie ein Kriminalstück statt wie ein Horrorschocker. Dabei wird das Mysterium, ob es Mord war oder vielleicht doch eine übernatürliche Macht gewerkelt hat, von Anfang an verworfen. „The Crucifixion“ macht keinen Hehl daraus, dass ein Dämon die Schuld trägt – und wirft dadurch einiges an Spannungspotenzial über Bord.

Propaganda für den Katholizismus?

Es ist natürlich schwer, dem Exorzistenhorror-Subgenre neue Aspekte abzugewinnen. Doch von dem Gespann Gens-Hayes hätte man mehr erwarten dürfen als nur ein paar vorhersehbare, in regelmäßigen Abständen eingestreute Jump-Scare-Momente, die den Zuschauer kurzzeitig aus der Lethargie hochschrecken lassen sollen. Auch wer aufgrund des Regisseurs auf Gewaltspitzen hofft, wird enttäuscht. Da gibt es nicht viel zu sehen, was die Freigabe ab 16 Jahren in Frage stellen würde. Und wenn gegen Ende endlich die Teufelsaustreibung vollzogen wird, ist sie auch nur von kurzer Dauer und unspektakulär in Szene gesetzt. Eine schnelle Erlösung. Dabei stößt besonders übel auf, dass die gepredigte Botschaft über die Macht des Glaubens sich wie ein unterschwelliges Propagandaprogramm für den Katholizismus anfühlt.

Journalistin Nicole forscht in Rumänien nach

Es bleibt zu hoffen, dass Xavier Gens mit seinem neuen Film zu alter Form zurückfindet: Der Survival-Thriller „Cold Skin“ wurde bereits auf den diesjährigen Fantasy Filmfest White Nights gezeigt. Welche Exorzisten-Filme jenseits von William Friedkins 1973er-Meisterwerk „Der Exorzist“ könnt Ihr empfehlen?

Schwester Adelina (l.) hat sich nicht immer vorbildlich benommen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Xavier Gens sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 1. Februar 2018 als 3D-Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Crucifixion
USA/GB/RUM 2017
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Chad Hayes, Carey W. Hayes
Besetzung: Sophie Cookson, Corneliu Ulici, Brittany Ashworth, Ada Lupu, Iván González, Matthew Zajac, Radu Bânzaru, Florian Voicu, Jeff Rawle
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Der Dämon lässt einiges auf Nicole niederprasseln

Fotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

 
 

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25 Antworten zu “The Crucifixion – Teufelsaustreibung in Rumänien

  1. Robert

    2018/02/08 at 13:16

    Tanz der Teufel

     
  2. Dirk Busch

    2018/02/05 at 13:44

    Kenn mich in diesem Genre nicht so wirklich aus,aber Possession hat mir sehr gut gefallen.

     
  3. Daniel Gleske

    2018/02/05 at 11:42

    Kein richtiger Exorzistenfilm glaub ich ..aber „ENTITY – Es gibt kein Entrinnen“ find ich klasse.

     
  4. Michael Behr

    2018/02/04 at 21:27

    Ich fand seinerzeit den direkten Vergleich zwischen „Exorzist – Der Anfang“ und „Exorzist: Dominion“ sehr interessant. Beide Filme werden oft eher schwächer gesehen, aber wenn man sie nicht direkt in eine Linie mit dem ersten Teil stellt, kommen sie schon wesentlich besser weg. Besser jedenfalls als der in meinen Augen völlig belanglose und langweilige „Der Exorzist II“.

     
  5. Andreas Hilt

    2018/02/04 at 16:12

    Der Antichrist

     
  6. Ralf

    2018/02/03 at 19:14

    Filme? Ehrlich gesagt keinen. Aber ich mag die aktuelle TV-Serie „Outcast“.

     
  7. Marco Schopf

    2018/02/03 at 17:21

    Der letzte Exorzismus und The Vatican Tapes. Beides tolle und unterschätze Genrevertreter.

     
  8. Christian Anger

    2018/02/03 at 10:12

    Possesion von Ole Bornedal. Toller Film und für mich einer der besten Regisseure der Gegenwart.

     
  9. C.G.

    2018/02/03 at 09:38

    The rite war der letzte gute Film m.E.

     
  10. Christoph Jäger

    2018/02/02 at 21:29

    American Guinea Pig: Song of Solomon

     
  11. Dirk B.

    2018/02/02 at 20:21

    Der Fluch der Betsy Bell, das Buch ist auch sehr empfehlenswert. Und dann noch The Devil inside…

     
  12. Graf Melanie

    2018/02/02 at 17:16

    Ich fand the rite sehr gut, aber auch conjuring und the vatican tapes. Emily Rose fand ich auch nicht schlecht.

     
  13. Rico Lemberger

    2018/02/02 at 16:10

    STIGMATA ist m. E. mittlerweile ein echter Klassiker und einer meiner Lieblingsfilme. Von den neueren Exorzismusfilmen fand ich THE VATICAN TAPES sehr gelungen.

     
  14. Sascha Grunert

    2018/02/02 at 13:29

    Der letzte Exorzismus.

     
  15. Sven Plog

    2018/02/02 at 13:15

    Ich fand auch Possesion sehr gut. Unterhaltsam war auch der Spanier Possesed. Sehr lustig.

     
  16. Heidi Weber

    2018/02/02 at 12:45

    Conjuring

     
  17. Melanie Wehrmann

    2018/02/02 at 12:33

    Ich glaube Filme in denen Exorzismus vorkommt habe ich nicht soooo viel gesehen.
    Aber mal vom Klassiker aus den 70ern abgesehen, finde ich „Possession – Das dunkle in dir“ wirklich gut und unterhaltsam.

     
  18. Claudia benz

    2018/02/02 at 11:07

    Lost Souls oder Constantin was auch Mega ist ist die Serie Outcast 😘

     
  19. Claudia

    2018/02/02 at 09:49

    Constantine

     
  20. Alexandra Deppe

    2018/02/02 at 09:46

    Ich fand „The Rite“ und „Der letzte Exorzismus“ ganz gut

     
  21. Thomas

    2018/02/02 at 09:22

    Das ist nicht so mein Fachgebiet, da fällt mir im Augenblick nur „Conjuring“ ein.

     
  22. Mike Hennig

    2018/02/02 at 08:52

    Für mich ist William Peter Blatty’s Der Exorzist 3 noch sehr sehenswert. Besonders das Zusammenspiel zwischen dem Polizisten Kinderman und Father Dyer ist herrlich. Aber auch Brad Dourif’s Schauspiel ist absolut genial. The Rite mit Anthony Hopkins fand ich auch nicht schlecht.

     
  23. Maik Gießler

    2018/02/02 at 08:36

    Mir fällt spontan Lost Souls oder auch Constantine ein.

     
  24. Michael Kleu

    2018/02/02 at 08:14

    So richtig überzeugend waren nicht so viele. Ich bin mir sicher „The Rite“ gesehen zu haben, kann mich aber kaum noch dran erinnern. War vermutlich nicht so der Brüller 😉

     
  25. Michael Kleu

    2018/01/26 at 08:26

    Als regelmäßiger Rumänienfahrer muss ich mir den Film mal merken. „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ war übrigens ziemlich gut.

     

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