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The Room – „Oh, hi Mark!“

30 Jan

The Room

Von Matthias Holm

Drama // Wenn Filme besonders verehrt werden, bekommen sie schnell den Stempel „Kultfilm“. Das trifft auch auf Streifen zu, die an den Kinokassen vorerst nicht erfolgreich waren – ein Beispiel dafür ist die „Rocky Horror Picture Show“, die durch zahllose Wiederaufführungen ihren heutigen Status erreichte. Doch um als Kult zu gelten, muss ein Film nicht immer gut sein, wie man bestens an „The Room“ erkennen kann – für manche der schlechteste Film aller Zeiten.

Die Handlung dreht sich grob um Johnny (Tommy Wiseau). Der ist unsterblich in seine Verlobte Lisa (Juliette Danielle) verliebt. Diese hat jedoch die Faxen dicke und flüchtet sich in die Arme von Mark (Greg Sestero), Johnnys besten Freund. Und dann ist da eine ganze Reihe an Nebenfiguren, die auch hin und wieder durch das Bild laufen und unsinnige Dialoge führen.

Krebs? Halb so wild

Genau hier liegt die Faszination für „The Room“ – es stimmt einfach absolut nichts. Das fängt bei den Figuren und ihren Geschichten an. In einer der unfassbar repetitiven Unterhaltungen zwischen Lisa und ihrer Mutter Claudette (Carolyn Minnot) erzählt Letztgenannte, sie habe Krebs. Diese schockierende Nachricht wird von Lisa nur mit einem saloppen „Es wird schon alles gut“ quittiert – und spielt im weiteren Verlauf keine Rolle.

Immerhin hat Claudette auch eine der besten Zeilen im Film: Als Lisa und sie nach einer Shopping-Tour nach Hause kommen und dort Mike (Mike Scott) und Michelle (Robyn Paris), Freunde von Tommy und Lisa, wild knutschend auf dem Sofa vorfinden, fragt sie „What are these characters doing here?“ Eine absolut berechtigte Frage, denn so viele Figuren in dem Film sind schlichtweg überflüssig – sie tauchen einmal auf und verschwinden danach sofort für immer, ohne auch nur irgendetwas Relevantes beigesteuert zu haben.

Schauspielgott Tommy Wiseau

Das absolute Highlight des Films ist aber Tommy Wiseau. Dieser Mann, dessen Herkunft bis heute weitgehend ungeklärt ist und der wie auch immer ein Vermögen verdient hat und so einen eigenen Film auf die Beine stellen konnte, liefert die wohl schönste schlechte Performance, die je auf Film gebannt wurde. In den besten Fällen ist sein Text durch seinen merkwürdigen Akzent unverständlich, ansonsten sitzt nicht eine Intonation richtig – und zwischenmenschliche Interaktion scheint sein Johnny auch nicht zu verstehen, da wird auf die Geschichte einer verprügelten Frau mit einem schallenden Lachen reagiert.

Wo bleibt die deutsche DVD oder Blu-ray?

Das alles – und noch viel mehr – ergibt zusammen ein unvergleichliches Filmerlebnis. Ja, dieser Film ist, wenn er ernst genommen wird, absolut furchtbar. Aber genau das macht ihn so unfassbar faszinierend. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da, denn ähnlich wie die eingangs erwähnte „Rocky Horror Picture Show“ gibt es bei Special Screenings von „The Room“ spezielle Regeln, die das Publikum involvieren. Also bitte nicht wundern, wenn bei der Sichtung plötzlich die Plastiklöffel tief fliegen. Es wird allmählich Zeit, dass der Film auch in Deutschland ohne Probleme erhältlich ist, zumal gerade dessen Entstehungsgeschichte unter dem Titel „The Disaster Artist“ in die Kinos kommt.

Natürlich ist „Die Nacht der lebenden Texte“ nicht die erste Seite, die sich mit „The Room“ auseinandersetzt. Eine große Empfehlung geht hier an die entsprechende Episode des Nostalgia Critic, der den Film komplett auseinandernimmt. Oder aber, wer es lieber musikalisch mag, sollte sich diesen Song vom YouTube-Kanal schmoyoho zu Gemüte führen, der die berühmtesten Sätze des Films aufgreift.

Veröffentlichung (USA): 28. Dezember 2012 als Blu-ray, 17. Dezember 2005 als DVD

Länge: 99 Min.
Originaltitel: The Room
USA 2003
Regie: Tommy Wiseau
Drehbuch: Tommy Wiseau
Besetzung: Tommy Wiseau, Greg Sestero, Juliette Danielle, Phillip Haldiman, Carolyn Minnot, Robyn Paris, Mike Scott, Dan Janjigian

Copyright 2018 by Matthias Holm
Filmplakat: Fair Use

 

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