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Archiv für den Monat Januar 2018

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone: Würdiges Grande Finale

Maze Runner – The Death Cure

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Iris Janke

SF-Action // Labyrinth, Wüste – keine Frage, im Finale der „Maze Runner“-Trilogie von Regisseur Wes Ball können Thomas (Dylan O’ Brien, „American Assassin“) und seine Mitstreiter keineswegs aufatmen.

Böse: Wicked-Chefin Ava Paige

Auch in „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“, dem letzten Teil der dystopischen Trilogie, stehen Newt (Thomas Brodie-Sangster, „Tatsächlich … Liebe“) und Gally (Will Poulter, „The Revenant – Der Rückkehrer“) ihrem Freund und Leidensgenosen Thomas bei. Gleich in der ersten Szene gibt es Action und Spannung pur: Thomas und die Rebellen wollen ihre vom Bio-Konzern Wicked gefangen gehaltenen Kameraden aus dem durch die Wüste Richtung Last City rasenden Zug befreien. Sie versuchen den Waggon abzukoppeln. Doch der Coup misslingt. Thomas und die Rebellen bleiben außerhalb der Last City und müssen sich unterirdisch den Weg in die Stadt suchen.

Der unterirdische Weg in die Last City

Über der Erde befindet sich die Last City fest in der Hand von Wicked, unterirdisch jedoch formieren sich die Rebellen und die bereits vom Virus befallenen und zu Zombies mutierten Menschen. Um die Jugendlichen zu befreien, müssen sich Thomas und seine Ferunde unter der Mauer hindurch- und an den Zombies vorbeischummeln. In der Last City wird Minho (Ki Hong Lee) gefangen gehalten – in den ersten beiden „Maze Runner“-Teilen „Die Auserwählten im Labyrinth“ und „Die Auserwählten in der Brandwüste“ gehörte er zu den Hauptfiguren. Er wird von Janson (Aidan Gillen, „Game of Thrones“) und Ava Paige (Patricia Clarkson, „Herbststurm“) als menschliches Versuchskaninchen missbraucht. Beide wollen herausfinden, was Minho gegen das Virus immunisiert. Mit ihrem medizinischen Fachwissen scheint sogar Thomas’ hübsche und schlagkräftige Freundin Teresa (Kaya Scodelario, „Pirates of the Caribbean – Salazars Rache“) die Bio-Konzern-Bosse zu unterstützen.

Auserwählt, aber nicht völlig immun: Newt, Thomas und Minho (v. l.)

„Maze Runer – Die Auserwählten in der Todeszone“ versöhnt als Abschluss der Trilogie mit dem gegenüber dem ersten Teil „Die Auserwählten im Labyrinth“ schwächeren zweiten Teil „Die Auserwählten in der Bramdwüste“ – Mittelteile von Trilogien haben ja oft Probleme. Spektakulär gelingt die lange, aber keinewegs zu lange Einstiegsszene mit dem Transportzug. Optisches Highlight sind auch die gläsernen Hochhausfassaden, etwas düster hingegen: die Verfolgungsjagden durch die unterirdischen Zombie-Gewölbe. Trotzdem: Dieser dritte Teil setzt im Gegensatz zu einigen anderen letzten Teilen diverser Kinoreihen nicht darauf, die Hauptdarsteller am Ende auf eine Blumenwiese zu setzen und nach einem düsteren finalen Gemetzel in der letzten Szene alles rosarot und weich zu spülen. Nicht nur deshalb ein Muss für alle „Maze Runner“-Fans.

Unterstützt Teresa (l.) Ava Paige?

„Maze Runner“ bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste: Der offizielle Prequel-Comic
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)
The Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone (2018)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Patricia Clarkson und Kaya Scodelario sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Barry Pepper unter Schauspieler.

Gemeinsam gegen Wicked: Thomas (r.) und Newt

Länge: 142 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Maze Runner – The Death Cure
USA 2018
Regie: Wes Ball
Drehbuch: T. S. Nowlin, nach James Dashners Roman „Die Auserwählten in der Todeszone“ („The Death Cure“)
Besetzung: Dylan O’Brien, Kayla Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Ki Hong Lee, Rosa Salazar, Jacob Lofland, Aiden Gillen, Patricia Clarkson, Giancarlo Esposito, Walton Goggins, Katherine McNamara, Nathalie Emmanuel, Barry Pepper
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2018/01/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Logan Lucky – Steven Soderbergh ist zurück

Logan Lucky

Von Simon Kyprianou

Thriller // 2013 hielt Steven Soderbergh auf dem San Francisco Film Festival eine vielbeachtete Rede über den aktuellen Zustand des Kinos und beschließt in als Filmemacher „in Rente“ zu gehen, sein letzter Film sollte der fürs Fernsehen inszenierte „Liberace – zu viel des Guten ist wundervoll“ werden. Vier Jahre später kehrt er mit „Logan Lucky“ doch wieder ins Kino zurück, sein nächster Film – der auf einem iPhone gedrehte „Unsane“ – ist auch schon fertig und wird auf der Berlinale Premiere feiern. Während seiner kurzen, selbst verordneten „Rente“ hat er zwei Staffeln seiner HBO-Serie „The Knick“ gedreht, von Ruhestand konnte also sowieso keine Rede sein.

Die Familie Logan zieht den Überfall gemeinsam durch

„Logan Lucky“ eignet sich gut für Soderberghs Kino-Rückkehr, für den Regisseur der „Oceans“-Reihe ist das Genre des Heist-Films bekanntes Terrain und man merkt dem Film Soderberghs Lust am Inszenieren an. Und sowieso ist das Genre des Heist-Movies ein sehr filmisches Genre, weil es so sehr um Beobachtung geht: die Beobachtung des Ortes, die Beobachtung der entscheidenden Mechanismen, die Beobachtung des Geldflusses – der Raubzug selbst ist dann wie eine Kettenreaktion, auch wunderschön zu beobachten. Und so unterschiedlich die Filme von Steven Soderbergh auch oft sind, sie verbindet, dass der Regisseur vornehmlich an Strukturen, Texturen, Kompositionen und Rhythmus interessiert ist und weniger an Dialogen oder Erklärungen. Folglich macht Soderbergh Kamera und Schnitt unter verschiedenen Pseudonymen auch selbst und auch das vermeintlich von der unbekannten Rebecca Blunt verfasste Drehbuch stammt angeblich von Soderbergh persönlich.

Überfall auf ein NASCAR-Büro

Natürlich erinnert „Logan Lucky“ inhaltlich und strukturell an die „Oceans“-Reihe, es ist eher der Kontext, den Soderbergh austauscht: Aus Las Vegas wird der heruntergekommene Süden, aus den Gentleman-Gangstern mit Charme und Geld werden die etwas dumpfbackigen, von Pech verfolgten Logan-Brüder. Jimmy (Channing Tatum) hatte eine große Karriere als Football-Star vor sich, aber eine Knieverletzung lässt den Traum platzen, jetzt ist der geschiedene Vater arbeitslos und pleite. Immerhin ist seine kleine Tochter obenauf, die eifrig an Schönheits- und Talentwettberwerben teilnimmt. Jimmys Bruder Clyde (Adam Driver) hat im Irakkrieg einen Arm verloren und jobbt als Barmann in einer kleinen Kneipe. Die Schwester Mellie (Riley Keough) arbeitet als Friseurin. Der verzweifelte Jimmy plant einen Überfall auf den Tresor einer NASCAR-Rennstrecke, er hat einen vermeintlich perfekten Plan. Aber dafür müssen sie zuerst den Sprengstoffprofi Joe Bang (Daniel Craig) aus dem Gefängnis holen.

Dafür brauchen sie die Hilfe von Joe Bang

Es ist ein schöner Film geworden, inszenatorisch sicher, Soderbergh erzählt ökonomisch und schnell. Nicht ganz so schön wie „Ocean 11“ oder „Ocean 12“, dafür ist er zu inkonsistent im Tonfall, verlässt sich dann doch nicht immer genug auf seine Bilder und ist immer im Zwiespalt zwischen dem strengen durchstrukturierten Aufbau, den kalten, distanzierten Beobachtungen und der Lockerheit, die von den Figuren kommt – als könne sich Soderbergh nicht entscheiden. Dafür dringt Soderbergh zu seinen Figuren durch und dreht mit „Logan Lucky“ zweifellos den witzigsten Film seiner Karriere, mit wunderbaren Schauspielleistungen, insbesondere von Adam Driver und Daniel Craig.

Filme über Trump-Wähler?

Oft wurde in Rezensionen zu „Logan Lucky“ angemerkt, Soderberghs Figurenpersonal stamme eben aus der gesellschaftlichen Schicht, aus der auch die Mehrheit der Trump-Wähler kommt, aus der weißen Unterschicht, die enttäuscht vom eigenen Land und den Lebensbedingungen ist. Es ist sicher begrüßenswert, dass sich Soderberghs Film diesen Menschen zuwendet, und das sehr emphatisch, ohne sie in ihrer Einfachheit bloßzustellen, aber es ist glücklicherweise auch nicht so, als würde Soderbergh einen aufdringlichen politischen Überbau konstruieren.

Der sitzt leider im Gefängnis

„Logan Lucky“ ist ein amüsanter Film, der sich aber leider zu jedem Zeitpunkt der Handlung so anfühlt, als bleibe er unter Sonderbergs Möglichkeiten, als verstünde der Regisseur ihn nur als Fingerübung. So oder so – jede von Soderberghs Regiearbeiten ist interessant, seine Rückkehr zum Kino erfreulich.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Soderbergh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Hilary Swank in der Rubrik Schauspielerinnen, Filme mit Adam Driver und Channing Tatum unter Schauspieler.

Aber die Logan Brüder haben schon einen Plan

Veröffentlichung: 25. Januar 2018 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray, 4K-UHD-Blu-ray und DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Logan Lucky
USA 2017
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Rebecca Blunt
Besetzung: Channing Tatum, Adam Driver, Riley Keough, Daniel Craig, Katie Holmes, Katherine Waterston, Seth MacFarlane, Hilary Swank
Zusatzmaterial: Deleted Scenes, Making-of, Interviews
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2018 Studiocanal Home Entertainment

 

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The Terror – Schloss des Schreckens: Von Corman zu Coppola

The Terror

Von Volker Schönenberger

Horror // In seiner Rezension von „Mutant – Das Grauen im All“ hat Andreas es kürzlich erwähnt: Der Produzenten- und Regielegende Roger Corman verdanken einige illustre Namen erste Gehversuche im Filmgeschäft. Da liegt es nahe, dass wir uns beispielhaft eines solchen Films annehmen: „The Terror – Schloss des Schreckens“ (1963) vereint Francis Ford Coppola („Apocalypse Now“) und Jack Nicholson („Einer flog über das Kuckucksnest“). Dessen Entstehung mutet allerdings kurios an: Roger Corman drehte 1962 die Edgar-Allan-Poe-Adaption „Der Rabe – Duell der Zauberer“ („The Raven“) mit Vincent Price, Peter Lorre und Boris Karloff, auch Jack Nicholson tauchte in einer Nebenrolle auf. Weil drei Tage Drehzeit übrig waren und um die Sets kostensparend erneut einzusetzen, verfiel er auf den Gedanken, zügig einen weiteren Film herunterzukurbeln. Gesagt, getan, später wurde auch in den Kulissen von „Die Folterkammer des Hexenjägers“ („The Haunted Palace“) gedreht. Corman durfte selbst aus gewerkschaftlichen Gründen nicht Regie führen – die Aufgabe übernahmen andere, darunter Francis Ford Coppola, am letzten Drehtag sogar Jack Nicholson, der die Hauptrolle übernommen hatte.

Jack Nicholson als französischer Soldat

Im Prolog sehen wir eine sturmumtoste Burg an irgendeiner Küste. Der Herr des Gemäuers stapft mürrisch durch die Räume – später erfahren wir, dass es sich um Baron Victor Frederick von Leppe handelt, verkörpert von Boris Karloff. Nach dem Vorspann ist der Sturm gleißendem Sonnenschein gewichen. Ein französischer Soldat, Leutnant André Duvalier (Nicholson), irrt zu Pferde verloren und durstig an einem deutschen Strand entlang. Eine schöne Unbekannte (Sandra Knight) führt ihn zu sprudelndem Süßwasser. Nachdem er sich gelabt hat, verschwindet die Frau – und Duvalier ertrinkt beinahe beim Versuch, ihr zu folgen. Er kommt in der Hütte der alten Katrina (Dorotyh Neumann) zu sich und trifft bald darauf im Wald erneut auf die Holde – um sie bald wieder zu verlieren. Die weitere Suche führt den Soldaten in die Burg von Baron von Leppe, der ein düsteres Geheimnis verbirgt.

Roger Cormans verrücktester Film?

Für Roger Corman ist „The Terror – Schloss des Schreckens“ „der verrückteste Film, den ich je gedreht habe“, so der Regisseur und Produzent 2008 in einem Interview. Das schlägt sich in der etwas verwirrenden Handlung nieder, übt aber auch seinen Reiz aus. Lange Zeit bleibt unklar, wohin die Reise für den französischen Soldaten hingeht, zu was für Erkenntnissen ihn die Suche nach der Frau führen wird. In erwähntem Interview äußert sich Corman verwundert darüber, wie gut der Film seinerzeit aufgenommen worden war: „Die Kritiker waren so sehr damit beschäftigt, herauszufinden, worum es in ,The Terror‘ geht, dass sie nicht merkten, wie schlecht der Film war.“ Ganz so arg ist es nicht. Sets, Kulissen und Soundtrack bringen eine schön schaurige Atmosphäre, da fällt es nicht so sehr auf, wie ziellos einige Szenen um den Plot herumlavieren.

Jeder darf „The Terror“ veröffentlichen

Weil „The Terror – Schloss des Schreckens“ als Teil der Public Domain keinen Coypright-Beschränkungen unterliegt, existieren weltweit etliche, qualitativ meist unterdurchschnittliche Editionen auf Blu-ray und DVD. Der Film kann obendrein kostenlos und völlig legal heruntergeladen werden. Das US-Label HD Cinema Classics veröffentlichte 2011 eine restaurierte Fassung, die das Label Savoy Film / Intergroove im selben Jahr auch in Deutschland herausbrachte – es dürfte die beste lieferbare Version sein. „The Terror – Schloss des Schreckens“ darf eher zu Cormans Fließbandarbeiten gezählt werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman und Francis Ford Coppola sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Boris Karloff und Jack Nicholson unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 22. Juli 2011 als Blu-ray, 5. August 2011 als DVD, 25. September 2000 als DVD (E-M-S)

Länge: 79 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel:
Originaltitel: The Terror
USA 1963
Regie: Roger Corman, ohne Credits: Francis Ford Coppola, Monte Hellman, Jack Hill, Jack Nicholson
Drehbuch: Leo Gordon, Jack Hill
Besetzung: Boris Karloff, Jack Nicholson, Sandra Knight, Dick Miller, Dorothy Neumann, Jonathan Haze
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: Savoy Film / Intergroove

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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