RSS

Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre – Jagdszenen im Hinterland

01 Feb

The Texas Chainsaw Massacre

Von Volker Schönenberger

Horror // Ob es Marcus Nispel gefallen hat, dass seine Regiearbeit ausgerechnet für die Veröffentlichung in seiner deutschen Heimat den Namen des Produzenten Michael Bay im Titel verpasst bekam? Das hat schon etwas von Herabwürdigung eines Regisseurs. Andererseits war „Texas Chainsaw Massacre“ sein erster Kinofilm, dafür nahm er das wohl gern in Kauf – ändern konnte er es sowieso nicht. Trotz Erfahrungen als Regisseur von Musikvideos und einigen Auszeichnungen in dem Bereich hatte Nispel zu dem Zeitpunkt sicher keine fette Verhandlungsmasse.

Leatherface statt Lynyrd Skynyrd

Am 18. August 1973 fahren fünf junge Leute in ihrem Minibus von Mexiko zurück in die Staaten. Mit reichlich Marihuana im Gepäck wollen Kemper (Eric Balfour), seine Freundin Erin (Jessica Biel), Morgan (Jonathan Tucker), Andy (Mike Vogel) und Pepper (Erica Leerhsen) zu einem Konzert von Lynyrd Skynyrd in Dallas. Als sie auf einer einsamen Landstraße eine verstörte junge Frau aufgabeln, ist die lockere Stimmung schnell vorbei. Bald macht Leatherface (Andrew Bryniarski) mit seiner Kettensäge Jagd auf das Quintett.

Ein Remake von Tobe Hoopers legendärem „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chainsaw Massacre“) – das weckte bei Horrorfans mit modernen Sehgewohnheiten Begehrlichkeiten nach einer Schlachtplatte, während Puristen die Nase rümpften. Die verstörende Wirkung und der Einfluss des Originals bleiben unerreicht, aber Marcus Nispel lieferte beinhartes Terrorkino ab, das er mit ein paar pointiert eingesetzten Splattereffekten garnierte. Die Vorlage kam ohne aus und brauchte sie auch nicht. Obwohl das Remake somit in puncto Schauwerte härter daherkommt, blieb es immerhin von deutschen Zensoren verschont und kann auf Blu-ray, DVD und im deutschen Fernsehen zu später Stunde ungeschnitten genossen werden.

Nicht dem Sheriff in die Hände fallen!

Die sorgfältige Backwoods-Ausstattung und das gar nicht mal aufdringliche Sounddesign bringen die Atmosphäre im texanischen Hinterland gut zur Geltung. Hoopers 1974er-Variante ist räudiger, aber auch in der von Marcus Nispel mit etwas mehr Hochglanz in Szene gesetzten Provinz will ich nur ungern tot über dem Zaun hängen. Ein großer Pluspunkt: der von R. Lee Ermey („Full Metal Jacket“) verkörperte Sheriff Hoyt. Diesem Ordnungshüter will wirklich niemand ausgeliefert sein. Jessica Biel wiederum gibt ein überzeugendes „Final Girl“ ab.

Eine Handlungsklammer zu Beginn und am Ende des Films suggeriert Authentizität und Doku-Drama-Charakter. Das ist stimmungsvoll, aber mittlerweile wissen „Texas Chainsaw“-Experten unter den Horrorfans natürlich, dass die Handlung von Original wie Remake nur lose von ein paar Motiven aus dem Wirken des Serienkillers Ed Gein inspiriert ist.

Am Sockel des 1974er-Originals kann das Remake nicht kratzen, auch wenn manche Filmgucker anderes behaupten. Einen Terror-geschwängerten Abend kann es uns aber bescheren – das ist doch was. Jonathan Liebesman drehte drei Jahre später das auf ähnlichem Niveau angesiedelte Prequel „The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“. Marcus Nispel blieb dem Remake-Wesen treu: 2009 kam seine Version von „Freitag der 13.“ in die Kinos, 2011 eine Neuverfilmung von „Conan der Barbar“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jessica Biel haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen auflistet, Filme mit R. Lee Ermey unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 3. Mai 2012 als Blu-ray, 8. Juli 2004 als 2-Disc Premium Edition DVD im Digipack und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Texas Chainsaw Massacre
USA 2003
Regie: Marcus Nispel
Drehbuch: Scott Kosar
Besetzung: Jessica Biel, Eric Balfour, Jonathan Tucker, Andrew Bryniarski, R. Lee Ermey, Erica Leerhsen, David Dorfman, Lauren German, Heather Kafka, Kathy Lamkin, Brad Leland
Zusatzmaterial: Interviews mit Darstellern und Crew (18 Min.), Blick hinter die Kulissen (9 Min.), Darstellerinfos, Trailershow, nur Blu-ray und 2-DVD-Edition: 3 Audiokommentare, Casting von Jessica Biel, Eric Balfour und Erica Leerhsen (7 Min.), Doku über Ed Gein (25 Min.), entfernte Szenen (17 Min.), Die Geschichte und Entstehung der Filme „Texas Chainsaw Massacre“ (76 Min.), Geschichte und Entstehung der Filme „Texas Chainsaw Massacre“ (ca. 76 Min.), TV-Spots (5 Min.), Musikvideo „Suffocate“ (3 Min.)
Label/Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Packshot Blu-ray: © 2012 Constantin Film

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

 
%d Bloggern gefällt das: