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23 Schritte zum Abgrund – Blinder jagt Kidnapper

05 Feb

23 Paces to Baker Street

Von Simon Kyprianou

Thriller // Obgleich Adaption eines Romans von Philip MacDonald, kann und will Henry Hathaways Thriller seine Verwandtschaft mit Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ nicht leugnen. Es ist ein Thriller, wie es sie viele gibt, insbesondere in den 50er- und 60er-Jahren, aber durchaus auch später, nur eben vereinzelter, der deutlich und gewollt im Fahrwasser von Hitchcocks Kino schwimmt.

Der blinde Autor Hannon (M.) belauscht die Planung eines Verbrechens

Der blinde Theaterautor Phillip Hannon (Van Johnson) lebt vorübergehend in London in einem schönen Apartment über der Themse. Mit seiner Blindheit hat er sich mittlerweile arrangiert, er bewegt sich frei in seiner Wohnung und auch der Weg in die Bar ein paar Straßen weiter ist kein Problem. Als er seine Bitterkeit dort eines Nachmittags im Whisky ertränken will, hört er Fetzen einer seltsamen Unterhaltung anderer Gäste mit, aus denen er den Schluss zieht, dass ein Mann ein Kindermädchen angestiftet hat, ihm bei einer Kindesentführung in einer Woche zu assistieren. Er nimmt seine Erinnerung des Gesprächs auf Band auf und benachrichtigt die Polizei, die ihn aber natürlich nicht ernst nimmt. Zusammen mit seinem Sekretär Bob (Cecil Parker) und seiner ehemaligen Verlobten Jean Lennox (Vera Miles) nimmt Hannon daher selbst Ermittlungen auf.

Thriller von der Stange, aber schön

„23 Schritte zum Abgrund“ ist sozusagen Stangenware, das aber im bestmöglichen Sinne. Was Classical-Hollywood-Veteran Henry Hathaway hier liefert, ist perfektes Handwerk, dem zuzuschauen großes Vergnügen bereitet. Hathaway inszeniert den Film absolut souverän, vor allem visuell ist er wunderbar – zum Beispiel gibt es immer wieder wirklich schöne Bilder vom verbitterten Hannon auf seinem Balkon und im Hintergrund das vernebelte London im zarten Morgenlicht. Die London-Bilder sind generell sehr gelungen und Hathaway findet auch einen hervorragenden Bruch mit seinen eigenen schönen Motiven, wenn später ein im Krieg zerbombtes und zerstörtes Haus in einer Nacht beinahe zur Todesfalle wird. Es ist auch ein sehr präzise inszenierter Film im Hinblick auf Stimmungen und Figurenzeichnung.

Die Polizei glaubt ihm nicht

Auch eine Gemeinsamkeit zu „Das Fenster zum Hof“: Ein großer Teil der Handlung findet in Hannons Apartment statt. Die Blindheit ist für Hathaway nicht nur das Gimmick seiner Hauptfigur, sondern wird auch zum essenziellen Bestandteil der Handlung und der Inszenierung. Hitchcock sagte einmal in einem Interview, die Figuren im Film sollten immer die in ihrer Situation naheliegendsten Dinge zu ihrer Verteidigung verwenden: Wenn Cary Grant also in „Der unsichtbare Dritte“ auf einer Auktion in Bedrängnis gerät, befreit er sich durch Bieten. Und wenn der Fotograf Jefferies in „Das Fenster zum Hof“ angegriffen wird, blendet er den Angreifer mit Blitzen seiner Kamera. Auch Hathaway befolgt diesen Rat und lässt im hervorragend inszenierten Finale Hannon mit seinen ihm eigenen Mitteln kämpfen.

Leider keine Untertitel

Der Film ist also uneingeschränkt sehenswert, die Blu-ray von Pidax Film ist ebenfalls zufriedenstellend, einziges Manko sind die fehlenden Untertitel, die manche bei der englischen Sprachfassung sicherlich hilfreich fänden.

Mit seiner Freundin Jean stellt Hannon selbst Untersuchungen an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Henry Hathaway sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Vera Miles unter Schauspielerinnen.

Dabei gerät er in Lebensgefahr

Veröffentlichung: 9. Februar 2018 als Blu-ray, 15. Mai 2015 als DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: 23 Paces to Baker Street
USA 1956
Regie: Henry Hathaway
Drehbuch: Nigel Balchin, nach einem Roman von Philip MacDonald
Besetzung: Van Johnson, Vera Miles, Cecil Parker, Patricia Laffan, Maurice Denham, Estelle Winwood, Liam Redmond, Martin Benson, Isobel Elsom, Natalie Norwick
Zusatzmaterial: Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © Al!ve AG / Pidax Film

 

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