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Human Meat – Mörder. Kannibale. Zombie. Wenn der Appetit in die falsche Richtung geht

08 Feb

Pretty Dead

Von Volker Schönenberger

Horror // Ich will kein Monster mehr sein. Und ich will nicht zur Laborratte werden. So spricht’s Regina (Carly Oates) und steckt sich den Lauf einer Pistole in den Mund. Seit einiger Zeit hatte sie einen Heißhunger auf Menschenfleisch entwickelt.

Die entstellte Regina berichtet …

Im Anschluss an diesen Prolog entfaltet sich in Rückblenden das Schicksal der jungen Frau vollständig in Found-Footage-Bildern. Das Elend begann nach einer exzessiven Partynacht – Regina feierte den Abschluss ihres Medizinstudiums und die Verlobung mit Ryan (Ryan Shogren) bis zur Bewusstlosigkeit inklusive Filmriss. Danach wuchs ihr kannibalistischer Appetit, einhergehend mit außergewöhnlich gutem Heilfleisch bei ihr selbst – Verletzungen verschwinden im Handumdrehen. Das könnte man positiv bewerten, der verschwundene Puls macht Regina aber Sorgen. Ryan steht seiner Verlobten zur Seite, kann aber nicht verhindern, dass Regina ihr Verlangen nach Menschenfleisch in die Tat umsetzt.

Die Kannibalin in der Daily Soap

Ich muss doch aufnehmen. Du hast jemanden umgebracht. So kann man Found Footage natürlich auch begründen. Von der seit „The Blair Witch Project“ (1999) im Horrorgenre unaufhörlich eingesetzten Technik haben sich mittlerweile viele Filmgucker abgewandt. Sie werden durch „Human Meat – Mörder. Kannibale. Zombie.“ nicht zurückgewonnen werden. Beim deutschen Titel hätte sich Tiberius Film aber besser für „Mörderin“ und „Kannibalin“ entschieden – Regina bleibt die einzige Person mit derartigen Gelüsten. Zwar verzichtet der im Original „Pretty Dead“ betitelte Film auf verwackelte Aufnahmen, das Bild erinnert aber arg an Daily Soaps im deutschen Vorabend-Fernsehen.

… den Ärzten von ihrem Schicksal

Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit dem interessanten Psychogramm einer jungen Frau belohnt, die ihren eigenen körperlichen und geistig-moralischen Verfall zu überwinden versucht. Hauptdarstellerin Carly Oates spielt das überzeugend, trotz ihrer „Bissigkeit“ löst sie Mitgefühl aus. Nach dem Prolog spielt sich die Handlung im Übrigen auf zwei Zeitebenen ab: In der einen sitzt Regina bereits in der Psychiatrie ein und berichtet den Ärzten von ihren Erlebnissen. Diese bekommen wir in der zweiten Zeitebene zu sehen. Am Ende folgt ein Epilog, der sich überraschend lang hinzieht. An sich ist der Film längst vorbei, aber es geht weiter und weiter. Da wollte Regisseur Benjamin Wilkins offenbar nicht auf einige Szenen verzichten, an denen er hängt. Es sei ihm verziehen, sie sind ja nicht langweilig geraten. Etwas Humor hätte der Film gut vertragen.

Aus dem Schneideraum auf den Regiestuhl

Sein geringes Budget atmet der Film aus jeder Pore. Der FSK-18-Freigabe für die ungeschnittene Fassung zum Trotz sollte niemand ein Splatterfestival erwarten. Bei Kamera und Bildgestaltung wurde zwangsläufig gespart, Found Footage darf ja nicht nach Profi-Equipment aussehen. Vielleicht war es auch genau andersherum: Weil das Budget keine Spitzenkameras hergab, entschied sich Drehbuchautor und Regisseur Benjamin Wilkins bei seinem bislang einzigen Film für Found Footage. Er ist nicht der erste Independent-Regisseur, der sich auf diese Weise sein Debüt ermöglicht. Hauptsächlich arbeitet er ansonsten im Schneideraum fürs US-Fernsehen, seine Filmografie weist zudem diverse Regie-Assistenz-Jobs auf – ebenfalls kleine Produktionen. „Human Meat – Mörder. Kannibale. Zombie.“ ist sicher kein neuer Stern am Found-Footage-Firmament, aber wer dieser Technik des Filmens etwas abgewinnen kann, macht nicht viel falsch. Welche Horrorfilme sind eure absoluten Found-Footage-Favoriten, und welche könnt Ihr überhaupt nicht ausstehen?

So kommt sie jedenfalls nicht an Menschenfleisch

Veröffentlichung: 2. Januar 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 78 Min. (Blu-ray), 74 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Pretty Dead
USA 2013
Regie: Benjamin Wilkins
Drehbuch: Benjamin Wilkins
Besetzung: Carly Oates, Ryan Shogren, Quantae Love, Heather Anne Wood, Emily Button, Dave Matos, Joshua Grote, Daesha Lynn, Robert Keniston
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

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25 Antworten zu “Human Meat – Mörder. Kannibale. Zombie. Wenn der Appetit in die falsche Richtung geht

  1. Christian Oppat

    2018/02/24 at 12:48

    Blairwitch war ganz cool

     
  2. Alantoli

    2018/02/20 at 10:15

    Ich hasse Tierhorror

     
  3. Dirk B.

    2018/02/19 at 22:41

    Wüsste jetzt auch nur Blairwitch und the Bay, beide sehr gut.

     
  4. Rhode

    2018/02/18 at 21:10

    Da fällt mir nur „The Blair Witch Project“ ein.

     
  5. Frogman

    2018/02/18 at 19:31

    Klare Sache, REC 1+2
    Troll Hunter fand ich irgenwie auch noch ganz amüsant.
    Grave Encounters war ehr eine Enttäuschung. Leider viel zu viel von den ganzen „Spannungs aufbau“ ohne das irgenwas passiert.

     
  6. Matthias

    2018/02/18 at 15:57

    Blair Witch Project

     
  7. TomHorn

    2018/02/18 at 01:48

    Ich hab letztens „The Bay“ und „The Borderlands“ gesehen, die fand ich eigentlich recht knorke. Aber ansonsten kann ich die Filme der Found Footage Welle nach dem unglaublich langweiligen und peinlichen „Blair Witch Project“ nicht viel anfangen. „Frankenstein’s Army“ war teilweise recht witzig, konnte nur leider mit seiner Grundidee nicht über Spielfilmlänge überzeugen.

     
  8. Michael Behr

    2018/02/17 at 22:13

    Mein absoluter FF-Favorit ist uneingeschränkt „Cloverfield“. Und wenn es nach mir gegangen wäre, wäre die ganze Welle niemals losgetreten worden, denn ich fand „The Blair Witch Project“, ja, das Original, so richtig, richtig mies. Ich habe nie verstanden, was an dem so toll sein soll.

     
  9. A key to my World

    2018/02/16 at 22:21

    Mein absoluter Liebling ist Katakomben und absolut gar nicht mag ich Blair witch zumindest den neusten Teil.

     
  10. Rico Lemberger

    2018/02/16 at 20:41

    Ich finde auch die REC-Reihe richtig gelungen. Als Geheimtipp habe ich noch HALLOWEEN – RESSURECTION. Die HALLOWEEN-Reihe hat zwar nach dem erstklassigen 1. Teil mit jeder weiteren Fortsetzung extrem nachgelassen, macht jedoch ab H20 wieder richtig Spaß. Den 1. Teil von BLAIR WITCH PROJECT konnte ich nichts abgewinnen. Den 2. Teil fand ich wiederum in Ordnung.

    Im Übrigen DANKE an TIBERIUS für die vielen bereitgestellten Filme.

     
  11. Claudia benz

    2018/02/16 at 20:32

    Grave encounters 1 und 2 und rec ❤️❤️❤️

     
  12. Sebastian Graf

    2018/02/16 at 16:37

    Ich mag „Rec“ sehr und auch den deutschen Genrebeitrag „UFO- Es ist hier“. Dagegen konnte ich mit „Cloverfield“ interessanterweise nicht so viel anfangen, obwohl auch die anderen o.g. das typische Fond-Footage Logikproblem haben. Vielleicht zeigt das aber auch das ich von dem Genre zu wenig Ahnung habe…

     
  13. Oliver Linden

    2018/02/16 at 13:33

    Cannibal Holocaust
    Blair Witch Project
    Cloverfield
    REC
    Evidence

    Eigentlich mag ich das Genre grundsätzlich…Gallows fand ich sehr langweilig…

     
  14. Matze Müller

    2018/02/16 at 13:07

    Blair witch ist zum Beispiel no go bei mir. Story ist gut aber die Umsetzung mit dieser Kamera Führung ohne mich. Ich bin sehr fasziniert von conjuring das Story Board ist echt mega. Die wahre Annabelle Story ist auch mega wobei das Cross over aber sehr aus dem Zusammenhang fällt. Liebe Grüße

     
  15. Dirk Busch

    2018/02/16 at 12:02

    Den Film muß man wohl nicht wirklich haben.Mir macht aber Sorgen,das du weißt,wie Daily Soaps im deutschen Vorabend-Fernsehen aussehen. 🙂

     
  16. Oliver Maey

    2018/02/16 at 11:00

    Das is ganz einfach.. keine faves, alle blöd.. 😁

     
    • V. Beautifulmountain

      2018/02/16 at 11:11

      Legitime Haltung. Aber weshalb willst du dann einen gewinnen?

       
      • Oliver Maey

        2018/02/16 at 12:38

        Weil meine freundin zombie verrückt ist..

         
      • Bianca Bauer

        2018/02/16 at 12:53

        Die VHS-Reihe mag ich am liebsten. Einen den ich gar nicht mag gibt es im Moment nicht.

         
  17. Marie Humke

    2018/02/16 at 10:53

    Ich muss gestehen, mir fällt grad spontan keiner ein.

     
  18. Sascha Grunert

    2018/02/16 at 10:44

    Diary of the dead fand ich gut.Blairwitch ging gar nicht.

     
  19. Jens Albers

    2018/02/16 at 10:41

    Zu meinen lieblings found footage Filmen gehört, wenn man ihn als solches bezeichnen will, cannibal Holocaust. Ansonsten aber auch die paranormal activity Reihe. Welchen ich so gar nicht ausstehen kann, ist REC. Der nervt mich nur und auch Jeruzalem ging für mich gar nicht.

     
  20. Filmschrott

    2018/02/16 at 10:34

    Favorit nach wie vor „Blair Witch Project“, einfach weil es einer der wenigen Filme ist, die verstanden haben, wie man Found Footage sinnvoll einsetzt um Spannung zu erzeugen.

    Richtig kacke fand ich hingegen „Blair Witch“, der alles was Teil 1 richtig gemacht hat auf den Kopf stellt und somit zu einer absolut unerträglichen Wackeldröhnnervschwachsinnsnummer mutiert, in der nichts auch nur ansatzweise Sinn ergibt.

     
  21. Michael Hug

    2018/02/16 at 10:32

    Unter der Masse an diesen Filmen konnten mich folgende begeistern:
    – Deodatos „Cannibal Holocaust“ (die Mutter aller Found Footage Filmen)
    – „The Blair Witch Project“ (nur der erste Teil)
    – „Rec“ (das spanische Original und nicht die schlechte US-Kopie)
    – „Troll Hunter“
    – „Der letzte Exorzismus“

     

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