RSS

Der 27. Tag – Die Macht über Leben und Tod

19 Feb

The 27th Day

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // Am Strand von Cornwall wird Eve Wingate (Valerie French) von einem Fremden überrascht. Er fordert die Britin mit freundlicher Stimme dazu auf, ihm zu folgen. Ähnlich ergeht es auch dem deutschen Wissenschaftler Prof. Klaus Bechner (George Voskovec), dem amerikanischen Reporter Jonathan Clark (Gene Barry), der Chinesin Su Tan (Marie Tsen) und dem osteuropäischen Soldaten Ivan Godofsky (Azenath Janti), der offenbar aus der Sowjetunion stammen soll, was aber im Film nicht explizit erwähnt wird. Alle fünf Erdenbürger finden sich plötzlich in einem Raumschiff wieder. Ein Außerirdischer (Arnold Moss) in Menschengestalt erklärt ihnen den Grund für ihre kurzzeitige Entführung: Seine Spezies ist vom Aussterben bedroht. Um zu überleben, benötigt sie dringend neuen Lebensraum – die Erde.

Der Außerirdische macht fünf Menschen ein ungewöhnliches Angebot

Im Gegensatz zum Menschen lehnen die Außerirdischen aus moralischen Gründen kriegerische Auseinandersetzungen ab. Deshalb gibt das Alien den fünf Erdlingen mit einer Art Wunderwaffe die Gabe, über Leben und Tod selbst zu entscheiden: Es handelt sich um eine kleine Schatulle, in der drei Kapseln enthalten sind. Die Schatulle kann nur von der ausgewählten Person geöffnet werden. Nach Aktivierung der Kapsel und der genauen Benennung geographischer Koordinaten löscht die Waffe einen Großteil der Menschheit innerhalb eines 3.000-Meilen-Radius aus. Dabei bleiben andere Lebewesen wie Tiere und Pflanzen als auch Bauwerke verschont.

Jonathan und Eve schotten sich in einer Hütte von der Außenwelt ab

Ein weiterer Vorteil für diese Lösung: Wenn sich die Menschheit früher oder später sowieso selbst zerstören würde, wäre die Erde wohl auch nuklear verseucht. Dies wäre nun nicht der Fall, wenn die fünf ausgewählten Personen ihre Aufgabe erfüllen. Werden die Waffen nicht eingesetzt, werden sie nach 27 Tagen oder dem Tod des jeweiligen Besitzers unbrauchbar – die außerirdische Lebensform ist in dem Fall dem Untergang geweiht. Zurück auf der Erde überlegen Eve, Prof. Bechner, Jonathan, Su Tan und Ivan zunächst unabhängig voneinander, wie sie sich entscheiden sollen und kommen dabei auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensumstände zu verschiedenen Ergebnissen.

Jagd auf die fünf Auserwählten

Das klingt, als ob die Ausgewählten sich einfach zurücklehnen und im Nichtstun verharren könnten. Damit wäre das Problem doch gelöst, oder? Die Aliens sind ja sowieso in ein paar Tagen Geschichte und keiner würde davon etwas bemerken. Doch so einfach macht es John Mantley den Protagonisten nicht. Der Schriftsteller der Romanvorlage und Drehbuchautor von „Der 27. Tag“, dem inzwischen neunten und damit vorletzten Beitrag in der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“, findet einen feinen Kniff, um die fünf aus der Reserve zu locken: Das Alien offenbart der Menschheit die Identitäten der Auserwählten, wodurch sie zu Gejagten werden.

Der sowjetische General (M.) verhört Ivan (l.) und schreckt dabei auch nicht vor Folter zurück

„Der 27. Tag“, routiniert inszeniert vom vornehmlich fürs Fernsehen tätigen William Asher („Verliebt in eine Hexe“, „Die Bären sind los“), bietet mit vielen Dialogen und ohne große Spezialeffekte – eine kurze Außenansicht des Raumschiffs wurde aus „Fliegende Untertassen greifen an“ (1956) übernommen – eine interessante Ausgangssituation: Was würde man tun, wenn man die Macht über Leben und Tod in der Hand hält? Im weiteren Verlauf stellt sich dazu noch die Frage, ob es die Menschheit überhaupt wert ist, gerettet zu werden, wenn sie doch sowieso nur Selbstzerstörung im Sinn hat.

Die rote Gefahr lauert überall

Ohne den Kalten Krieg hätten die großen und kleinen Science-Fiction-Filme der 1950er- und 60er-Jahre und damit besonders auch „Der 27. Tag“ sicherlich anders ausgesehen. Eine fremde, bösartige Spezies welche wie in Don Siegels Klassiker „Die Dämonischen“ (1956) die amerikanische Bevölkerung unterwandert und umpolen will oder die Außerirdischen, die in „Invasion vom Mars“ (1953) die Menschheit bedrohen, dies alles sind bekanntermaßen Interpretationen der roten Gefahr, die hinter dem Eisernen Vorhang lauerte.

Doch im Unterschied zu anderen Science-Fiction-Filmen dieser Ära macht „Der 27. Tag“ kaum einen Hehl daraus, dass die eigentliche Bedrohung der Menschheit nicht von den Aliens ausgeht, sondern von der Sowjetunion: Der böse russische General (Stefan Schnabel) foltert den Soldaten Ivan, bis dieser schließlich das Geheimnis der Kapseln preisgibt. Nun strebt er nichts Geringeres als die Weltherrschaft an, während die Amerikaner ihre Truppen abziehen. Stärker als hier wurde antirussische Propaganda selten dargestellt. Die klare Gut-und-Böse-Zeichnung tut allerdings der Spannung keinen Abbruch. Die universelle Geschichte erinnert mit ihrer humanitären Botschaft und dem Außerirdischen, der der Menschheit eine Lektion erteilen will, zwangsläufig an „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) von Robert Wise, der allerdings in einer höheren Liga spielt. Dennoch entwickelt „Der 27. Tag“ genügend eigene Ideen und überzeugt nicht nur als Produkt seiner Zeit, sondern auch als Zukunftsvision, die heute noch zum Nachdenken anregt.

Professor Becher (2. v. r.) sucht nach einer Lösung …

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauens schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Ein lesenswerter Text zu „Der 27. Tag“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

… doch die Zeit drängt: Die Sowjets wollen die Kapseln für ihre Zwecke nutzen

Veröffentlichung: 16. Februar 2018 als 2-Disc-Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 72 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The 27th Day
USA 1957
Regie: William Asher
Drehbuch: John Mantley
Besetzung: Gene Barry, Valerie French, George Voskovec, Arnold Moss, Stefan Schnabel, Ralph Clanton, Azemat Janti, Paul Birch, Friedrich von Ledebur
Zusatzmaterial: amerikanische und deutsche Kinofassung, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, Audiokommentar mit Bodo Traber und Ingo Strecker, amerikanischer und deutscher Kinotrailer, spanische und portugiesische Titelsequenz, amerikanischer und deutscher Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: