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Archiv für den Monat März 2018

Ernest Borgnine (V): Verdammt in alle Ewigkeit – Klassisches Hollywood in seiner ganzen Pracht

From Here to Eternity

Von Volker Schönenberger

Militärdrama // Im Juni 1941 trifft der US-Soldat Robert E. Lee Prewitt (Montgomery Clift) in den Schofield-Kasernen auf der Hawaii-Insel Oahu ein. Bei seinem neuen Vorgesetzten Captain Dana Holmes (Philip Ober) macht er sich sogleich unbeliebt, als er erklärt, auf keinen Fall dem Boxteam des Regiments beitreten zu wollen. Prewitt hatte zuvor versehentlich einen Kameraden blindgeschlagen. Der ehrgeizige Holmes hofft, mit Erfolgen seiner Boxer Meriten einfahren zu können, und hat deshalb kein Problem damit, dass Prewitt von den übrigen Faustkämpfern unter den Soldaten gemobbt wird. Im vorlauten Angelo Maggio (Frank Sinatra) findet Prewitt immerhin einen Freund.

Warden beginnt eine Affäre mit der Frau seines Vorgesetzten

Der in Europa tobende Krieg scheint im Pazifik noch weit entfernt zu sein. Der aufrechte Sergeant Milton Warden (Burt Lancaster) nutzt die Gelegenheit und bändelt mit Holmes’ vernachlässigter Ehefrau Karen (Deborah Kerr) an. Prewitt wiederum lernt in einem Nachtclub die kühle Lorene (Donna Reed) kennen, die ihm die Kraft gibt, die Schikanen in der Kaserne zu überstehen. Maggio hingegen hat nichts Besseres zu tun als sich mit dem hinterhältigen Sergeant „Fatso“ Judson (Ernest Borgnine) anzulegen, dem Aufseher des örtlichen Militärknasts.

Angriff auf Pearl Harbor erst im Finale

Gedreht wurde an Originalschauplätzen auf Hawaii. Vom Militär- zum Kriegsdrama wird „Verdammt in alle Ewigkeit“ erst zum Finale mit dem Angriff auf Pearl Harbor, der Attacke der Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfte auf die US-Pazifikflotte am 7. Dezember 1941. Bis dahin gestaltet sich der Film als Beziehungsdrama mit psychologischer Tiefe und großer Schauspielkunst aller Beteiligten, seien es Clift, Lancaster, Sinatra und Borgnine, seien es Deborah Kerr und Donna Reed, die aus ihren Rollen das herausholen, was es in diesem Männerfilm um Ehre und Prinzipientreue herauszuholen gab.

Haben Karen und der Sergeant eine gemeinsame Zukunft?

James Jones (1921–1977) erlebte Pearl Harbor als US-Soldat und verarbeitete seine Erfahrungen im 1951 veröffentlichten Roman „Name“ („From Here to Eternity“), der die Vorlage des Films bildet. Jones war auch bei der Schlacht um Guadalcanal dabei, was ihn zu dem Roman „Insel der Verdammten“ („The Thin Red Line“, 1962) inspirierte. Auf diesem beruht Terrence Malicks meisterhaftes Kriegsdrama „Der schmale Grat“ von 1998.

In der ersten Hälfte der 50er-Jahre hielten sich die Hollywood-Studios noch sehr genau an den zur Prüderie verpflichtenden Hays Code. Anders als in der Romanvorlage war Lorene im Film deshalb keine Prostituierte, sondern Gesellschaftsdame im Nachtclub. Die Offiziersgattin Karen hat sich im Roman aufgrund der Untreue ihres Ehemanns eine Geschlechtskrankheit zugezogen, weshalb sie sich die Gebärmutter entfernen lassen musste. Im Film wird die Entfremdung der Eheleute damit begründet, dass Karen eine Fehlgeburt erlitten hat, weil ihr nach einem Rendezvous mit einer anderen Frau besoffener Gemahl nicht in der Lage war, Hilfe zu holen. Im Roman thematisierte Homosexualität fiel vorauseilendem Gehorsam zum Opfer. Andere Änderungen gegenüber der Vorlage resultierten aus Forderungen der US Army, welche die Produktion von Hollywood-Kriegsfilmen traditionell unterstützte, dafür aber in einem guten Licht dargestellt werden wollte. Dem Vernehmen nach waren Army-Vertreter dennoch nicht besonders zufrieden mit dem Resultat.

Mit acht Oscars ausgezeichnet

Acht Oscars stehen zu Buche und machen „Verdammt in alle Ewigkeit“ zu einem der großen Klassiker des goldenen Zeitalters der Hollywood-Studios. 1954 wurde das Militärdrama als bester Film geehrt, auch Regisseur Fred Zinnemann („12 Uhr mittags“) erhielt den Academy Award – seinen zweiten von insgesamt vier. Frank Sinatra und Donna Reed wurden als Nebendarsteller/in geehrt, wobei die Frage erlaubt sei, weshalb Reed als Nebendarstellerin nominiert war, Deborah Kerr hingegen als Hauptdarstellerin. Beide Rollen sind in etwa gleichwertig, was Bedeutung und Leinwandzeit der Figuren angeht. Auch fürs Drehbuch, die Schwarz-Weiß-Kamera, den Ton und den Schnitt gab es Oscars. Nominiert waren auch Montgomery Clift und Burt Lancaster als Hauptdarsteller, die beiden unterlagen jedoch William Holden, der die Trophäe für „Stalag 17“ einsackte, aber immerhin äußerte, Clift und Lancaster hätten den Academy Award mehr verdient gehabt als er. Deborah Kerr unterlag Audrey Hepburn, die für „Ein Herz und eine Krone“ ausgezeichnet wurde. Der Vollständigkeit halber seien auch die Oscar-Nominierungen für das Schwarz-Weiß-Kostümdesign und die Musik genannt.

Die ausgelassene Stimmung im Lokal …

Der Originaltitel „From Here to Eternity“ von Roman wie Film stammt aus dem Gedicht „Name“ des Literaturnobelpreisträgers Rudyard Kipling („Das Dschungelbuch“). Die Zeile lautet vollständig „Damned from here to Eternity“, insofern gibt der deutsche Titel „Verdammt in alle Ewigkeit“ sie sogar treffend wieder.

… schlägt schnell um

Eine Aussage über den Zweiten Weltkrieg im Allgemeinen und den Konflikt zwischen den USA und Japan im Besonderen ist in „Verdammt in alle Ewigkeit“ nicht zu finden. Auch Kritik an Militarismus muss man mit der Lupe suchen. Das Unbill, welches Prewitt und Maggio widerfährt, resultiert im Film nicht aus grundlegenden Mängeln des Militärapparats, sondern an selbstsüchtigen beziehungsweise übel gesinnten Individuen. Es ändert nichts an der Größe dieses mächtigen Militärdramas, das mit etlichen bewegenden Momenten aufwartet, auch heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat und die Strahlkraft des klassischen Hollywoods in seiner ganzen Pracht präsentiert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Fred Zinnemann sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine und Burt Lancaster unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 17. Oktober 2013 als Blu-ray, 7. Februar 2008 als DVD (Award Winner Collection), 13. November 2001 als DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: From Here to Eternity
USA 1953
Regie: Fred Zinnemann
Drehbuch: Daniel Taradash, nach einem Roman von James Jones
Besetzung: Burt Lancaster, Montgomery Clift, Deborah Kerr, Donna Reed, Frank Sinatra, Ernest Borgnine, Philip Ober, Jack Warden, Harry Bellaver
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Tim Zinnemann und Alvin Sargent, Making-of, Fred Zinnemann: „So wie ich es sehe“, Ewige Geschichte: „Graphics-in-Pictures Track“
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © 2013 Sony Pictures Home Entertainment

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Gewinnspiel: Boy Missing – 1 x auf Blu-ray, 1 x auf DVD

Verlosung

Von Oriol Paulo, dem Regisseur und Drehbuchautor von „The Body – Die Leiche“, kommt ein Thrillerdrama um eine Kindesentführung, in deren Folge die Mutter es nicht hinnehmen will, dass der vermeintliche – oder tatsächliche? – Kidnapper davonkommt. OFDb Filmworks hat uns eine Blu-ray und eine DVD von „Boy Missing“ zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Andreas’ Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 8. April 2018, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Fallen euch keine Antworten ein, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf ihren Gewinn. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die DVD gewinnt Rico Lemberger, die Blu-ray geht an Daniela Schmitz. Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Boy Missing“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Shock Wave – Der Countdown läuft …

Chai dan zhuan jia

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // Der rote oder der gelbe Draht? Wenn es mal wieder besonders brenzlig zugeht, bestellt die Hongkonger Polizei ihren erfahrenen Bombenentschärfungsexperten Choi-san Cheung (Andy Lau) ein. Bevor der Countdown abgelaufen ist, muss er in Sekundenschnelle eine Wahl treffen, die zwischen Leben und Tod entscheidet. Ein heikler Job, für den man ein ruhiges Händchen und einen kühlen Kopf benötigt.

Bombenexperte Cheung in voller Schutzmontur

Bald bekommt Cheung mehr Arbeit als ihm lieb ist: Eine Gruppe von Terroristen hat den stark befahrenen Cross-Harbour Tunnel mit Hunderten von Geiseln in ihre Gewalt gebracht. Deren Anführer ist Kai-pang Hung (Jiang Wu), der sich aufgrund seiner Vorliebe für Sprengstoff selbst den Namen „Blast“ gegeben hat und ein alter Bekannter von Cheung ist: Vor einigen Jahren hatte der Polizist bei einem Undercover-Einsatz dessen jüngeren Bruder Kai-piu (Leo Wang) festgenommen. Nun droht Blast damit, den Tunnel in die Luft zu sprengen, wenn sein Bruder nicht freigelassen wird.

Zwei Hongkong-Veteranen wieder vereint

Als Produzent und Hauptdarsteller ließ sich Hongkong-Legende Andy Lau („The Great Wall“) die Rolle des Helden auf den nicht mehr ganz so jungen Leib schreiben, die er gewohnt ruhig und charismatisch ausfüllt. Der Superstar lockt in seiner Heimat noch immer die Massen ins Kino. Mit einem Einspielergebnis von mehr als 25 Millionen Hongkong-Dollar war „Shock Wave“ die zweiterfolgreichste einheimische Produktion im Kinojahr 2017. Natürlich steuerte Andy Lau auch den Titelsong „Getting Used To“ bei.

Im Cross-Harbour Tunnel trifft Cheung auf einen alten Bekannten

Mit Regisseur und Drehbuchautor Herman Yau („The Second Coming – Die Wiederkehr“) drehte Andy Lau bereits die Actionkomödie „Don’t Fool Me“ (1991) und die Romanze „Fascination Amour“ (1999). Beide sind alte Hasen im Filmgeschäft, die genau wissen, was das Publikum sehen will. So ist „Shock Wave“ ein klassischer Hongkong-Actionthriller geworden – mit all seinen Stärken und Schwächen.

Gangster Blast (r.) hat dort zahlreiche Geiseln genommen

Für uns westliche Zuschauer wirkt besonders der ordentliche Schuss an Pathos mal wieder ein wenig zu viel des Guten. Doch über die offenkundige Huldigung an die aufopferungsvolle Arbeit der Polizei Hongkongs sowie die unnötig eingestreute Liebesgeschichte kann man getrost hinwegsehen, denn die aufwendigen Actionsequenzen in den Straßen der in höchstem Glanz erstrahlenden Metropole sind – wie nicht anders zu erwarten – mitreißend inszeniert. Die Schießereien fordern eine überraschend hohe Opferanzahl. Darunter sind auch viele Geiseln, die vom eiskalten Gangster Blast, gespielt von Jiang Wu („A Touch of Sin“), oder seinen Schergen niedergeschossen werden. Für die Dreharbeiten wurde ein Teil des Cross-Harbour Tunnels nachgebaut. Im Making-of bekommt man einen näheren Eindruck davon, wie präzise Kameramänner und Stuntfahrer in der engen Röhre zu Werke gehen mussten.

Explosive Spannung

Doch wie es der Filmtitel bereits verrät, zählen besonders die Bombenentschärfungsszenen zu den Höhepunkten. Die eingangs eingestreute Frage, welcher Draht denn der richtige sei, ist auch für den Experten Cheung bei den immer raffinierter zusammengebauten Sprengsätzen nicht mehr so leicht zu beantworten. Dazu sorgt mit dem Ablaufen des Countdowns der Zeitfaktor für zusätzlichen Nervenkitzel. Diese Spannungsschraube funktioniert im Kino so gut wie immer, sei es in zahlreichen „James Bond“-Filmen, „Lethal Weapon“ oder eben aktuell in „Shock Wave“.

Gelingt es Cheung (r.), rechtzeitig den Bombengürtel seines Kollegen zu entschärfen?

Andy Lau glaubt sogar fest daran, dass die explosive Bomben-Formel ein weiteres Mal die Zuschauer ins Kino lockt: Ein zweiter Teil ist bereits für 2019 in Planung. Doch zuvor dürfen sich Andy Lau und Herman Yau Hoffnung auf ein paar Trophäen machen: Am 15. April wird zum 37. Mal der Hongkong Film Award vergeben, bei dem „Shock Wave“ in sieben Kategorien nominiert ist. Welche fernöstlichen Actionthriller könnt Ihr uns oder den Leserinnen und Lesern von „Die Nacht der lebenden Texte“ wärmstens ans Herz legen?

Cheung und Polizeichef Kong müssen eine Entscheidung treffen

Veröffentlichung: 22. März 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Chai dan zhuan jia
CHN/HK 2017
Regie: Herman Yau
Drehbuch: Herman Yau, Erica Lee
Besetzung: Andy Lau, Jiang Wu, Jia Song, Philip Keung, Ron Ng, Felix Wong, Sau Sek, Kai Chi Liu, Kai-Chung Cheung
Zusatzmaterial: Trailer, Making-of, Behind the Scenes
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Packshot, Fotos & Trailer: © 2018 Koch Films

 
 

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