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Videospielverfilmungen (XII): It Came from the Desert – Angriff der Riesenameisen

11 Apr

It Came from the Desert

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // Beim Namen Cinemaware werden bei Retro-Gamern Erinnerungen wach: Die kalifornische Videospielschmiede bewies 1986 mit dem Adventure „Defender of the Crown“, welche Grafikleistung im Commodore Amiga und anderen Heimcomputern steckte. Bis zum Bankrott der Firma im Jahr 1991 folgten eine Handvoll weiterer Spiele, die famos aussahen und gleichzeitig Erzählungen klassischer Filme als Ausgangssituation nutzten. Darunter war auch das erstmals 1989 veröffentlichte Action-Adventure „It Came from the Desert“, welches mit seiner Riesenameisen-Thematik auf dem legendären Creature-Feature „Formicula“ und weiteren B-Movies aus den 1950er-Jahren basierte.

Jorge (l.) und sein Freund werden von einer Riesenameise überrascht

Als Fan des Spiels trug der finnische Regisseur Marko Mäkilaakso („War of the Dead – Band of Zombies“) die Idee einer Adaption schon länger mit sich herum. Wie er im Gespräch mit dem Filmmagazin „Deadline“ erklärte, war er dann durchaus überrascht darüber, dass Cinemaware ihm für die filmische Umsetzung keine Steine in den Weg legte und er die Rechte problemlos übertragen bekam. Allerdings entschied sich Mäkilaakso dazu, nicht die Geschichte des im Jahr 1951 angesiedelten Spiels zu verfilmen. Stattdessen verlegte er die Handlung in die Gegenwart und schuf so eine Quasi-Fortsetzung zu „It Came from the Desert“.

Hungrige Riesenameisen stören die Wüstenparty

Draufgänger Lukas (Alex Mills) ist zwar nicht gerade der hellste Kopf unter der Mittagssonne, dafür ist er aber ein Ass auf seinem Motocross-Bike. Sein Kumpel Brian (Harry Lister Smith) ist dagegen das krasse Gegenteil. Er ist ein cleverer Kerl und Tüftler, dem es allerdings gehörig an Selbstvertrauen mangelt. Deshalb ist Brian auch zunächst nicht gerade darüber erfreut, dass Lukas auf ihrer gemeinsamen Fahrt zum Motocross-Rennen durch die Wüste mit anschließender Party auch noch Lisa (Vanessa Grasse, „Leatherface – The Source of Evil“) einsammelt. Brians heimliche Flamme sieht nicht nur hübsch aus und ist intelligent, sie teilt obendrein auch seine Vorliebe für die knallharten „Eradicator“-Actionfilme, dessen kerniger Hauptdarsteller nach dem Wettbewerb als Stargast geladen wurde. Eine echte Traumfrau also, vor der er allerdings kaum ein sinnvolles Wort herausbekommt.

Ein Motocross-Rennen in der Wüste macht durstig

Nach dem Rennen entdecken Lukas und Brian mitten in der Wüste eine unterirdische militärische Forschungseinrichtung, in der offensichtlich kürzlich ein Unglück passiert ist. Auf ihrer Erkundungstour trauen sie ihren Augen nicht: Sie treffen auf mehrere mutierte Riesenameisen, die schon bald ihre frisch gewonnene Freiheit genießen und sich das Partyvolk als Leckerbissen einverleiben wollen.

Trash mit Leidenschaft

Zwar erinnern die mauen Effekte eher an eine Produktion aus dem Hause Asylum, doch diese sind eindeutig dem geringen Budget von etwa 400.000 Euro geschuldet, die Mäkilaakso laut eigenen Worten zur Verfügung standen. Denn ansonsten hat „It Came from the Desert“ nicht viel mit den Machwerken des US-Studios zu tun, das billigsten Trash wie „Megashark versus Kolossus“ am Fließband auf den Markt schmeißt. Keine Frage, dass man sich diese zwischendurch auch mal ansehen kann, wenn man gerade Lust darauf hat und die Qualitäts-Messlatte weit nach unten legt. Doch diesen Produktionen fehlt es eben meist an Leidenschaft für das jeweilige Projekt. Eine wichtige Zutat, die den Unterschied zwischen guten und schlechten Trash- oder besser Low-Budget-Werken nun mal ausmacht.

Und somit macht die Mischung aus CGI- und praktischen Effekten, mit der die Riesenameisen zum Leben erweckt wurden, natürlich auch den besonderen Charme des Creature-Features von Mäkilaakso aus. Man merkt jederzeit, dass er eben nicht eine der vielen seelenlosen Videospiel-Adaptionen abliefern wollte – dem Regisseur liegt der Stoff am Herzen. Sein „It Came from the Desert“ ist eine unterhaltsame Hommage an den Spieleklassiker für alle Fans, wie er selbst einer ist. Bei den 20 Tage andauernden Dreharbeiten in Spanien und Finnland wollten er und seine mit Absicht recht holprig agierenden Darsteller einfach eine gute Zeit haben, die sich schnell auch auf die Zuschauer überträgt. Auch wenn nicht alle Scherze zünden und dem Film etwas mehr schauspielerische Klasse gutgetan hätte.

Keine deutsche Heliumstimme

Etwas schade ist es, dass in der deutschen Synchronisation zumindest ein gelungener Gag verloren geht, der mir durch Zufall aufgefallen ist. Als Lisa von einem angetrunkenen Biker-Konkurrenten angemacht wird, tritt sie ihm kurzerhand in die Weichteile. Während er in der deutschen Fassung am Wüstenboden kauernd normal weiterspricht, redet er in der englischen Originalfassung nach dem schmerzhaften Tritt mit einer Heliumstimme weiter. Keine Ahnung, warum dies nicht angepasst wurde.

Brian (l.) und Lukas entdecken eine geheime Forschungseinrichtung

Obwohl die Riesenameisen schnell und präzise zuschlagen und unzählige Kugeln auf die mutierten Insekten abgefeuert werden, sollte man kein großes Gemetzel à la Paul Verhoevens blutiger Käferjagd in „Starship Troopers“ (1997) erwarten. Es herrscht eine lockere, nie bedrohliche Grundstimmung vor. Die FSK gab „It Came from the Desert“ somit folgerichtig bereits ab zwölf Jahren frei. Wer darüber etwas die Nase rümpft, sei an ein anderes spaßiges Creature-Feature erinnert, mit dem Mäkilaaksos Werk nicht nur die Grundthematik gemeinsam hat: „Arac Attack – Angriff der achtbeinigen Monster“ (2002) von Ellory Elkayem, der hierzulande ebenfalls eine Einstufung ab 12 Jahren erhielt.

Für Liebhaber des Spiels hat sich Mäkilaakso für den Abspann noch etwas Besonderes einfallen lassen: Währenddessen läuft parallel das komplette Videospiel „It Came from the Desert“ von Cinemaware im Schnelldurchlauf mit. Welche bislang nicht berücksichtigten Videospiel-Verfilmungen sollen wir bei „Die Nacht der lebenden Texte“ noch beackern?

Ungebetene Riesenameisen sorgen auf der Party für Angst und Schrecken

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

It Came from the Desert (Horrorkomödie, FIN/GB/KAN 2017)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Street Fighter – Assassin’s Fist (Action, GB 2014)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Alone in the Dark (SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)

Lisa setzt sich zur Wehr

Veröffentlichung: 5. April 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: It Came from the Desert
FIN/GB/KAN 2017
Regie: Marko Mäkilaakso
Drehbuch: Marko Mäkilaakso, Trent Haaga, Hank Woon Jr.
Besetzung: Vanessa Grasse, Mark Arnold, Harry Lister Smith, Alex Mills, Claudia Trujillo, Callum McGowan, Andrew Horton
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb/Label: Tiberius Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Tiberius Film

 
 

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19 Antworten zu “Videospielverfilmungen (XII): It Came from the Desert – Angriff der Riesenameisen

  1. Gabor

    2018/05/27 at 16:17

    Die Resident Evil Reihe, da die ja wirklich von jedem unterschiedlich aufgefasst wird

     
  2. Andreas Wesp

    2018/05/27 at 10:39

    Mortal Kombat und Street Fighter wären mal interessant, wenn auch kein Horrorfilm.
    Gruß Andreas

     
  3. Ingo Maaßen

    2018/05/25 at 15:53

    Videospiel-Verfilmungen??? Da kenne ich kaum welche, aber Postal habe ich tatsächlich schon mal als Film gesehen, wusste aber bis grad gar nicht, dass es dazu ein Videospiel gibt :-p

     
  4. Frank Hillemann

    2018/05/22 at 18:03

    Da fällt mir spontan “ Doom “ ein oder von Dr. Uwe Boll “ House of the Dead „.

     
  5. Samara

    2018/05/20 at 09:05

    Da fällt mir spontan auch Doom & Alone in the Dark dazu ein.

     
  6. Rico Lemberger

    2018/05/18 at 19:49

    Es wurde ja schon vieles genannt. Mir fehlt aber dennoch noch eine stark unterschätzte Videospielverfilmung: Max Payne mit Mark Wahlberg aus dem Jahr 2008. M. E. eine der besten Videospielreihen und der Film ist einfach nur super. Wirklich schade, dass der Film nicht sehr erfolgreich war.

    „Final Fantasy – Die Mächte in dir“ wäre auch noch eine Rezension wert. „Advent Children“ fand ich trotz besserer Wertungen auf den einschlägigen Portalen etwas schlechter.

     
  7. Dirk B.

    2018/05/18 at 18:45

    Bin da leider nicht so versiert, würde aber gern mit in den Topf.

     
  8. TomHorn

    2018/05/18 at 14:08

    Wollt ihr richtig leiden? Dann seid mutig und öffnet euch DOUBLE DRAGON, MORTAL KOMBAT: ANNIHILATION, WING COMMANDER oder AUTOBAHNRASER. Empfehlenswert ist noch LIKE A DRAGON (nach der Yakuza-Reihe) von Takashi Miike.

     
  9. Melanie Wehrmann

    2018/05/18 at 14:05

    Also mega freuen würde ich mich ja über „Postal“ 😀 :-D.
    Oder ganz klassisch „Tomb Raider“.
    Klassiker, aber top.
    Hab ich als Kind schon auf der PS1 gezockt und hab die ganze Reihe heut noch im Regal stehen.

     
  10. Jo Romic

    2018/05/18 at 11:38

    Ab in den Boll-Kosmos mit House of the Dead ! 😀

     
  11. Andres

    2018/05/18 at 11:12

    Hattet ihr Doom schon rezensiert? Wenn nicht…. Das wäre fein!

     
  12. Michael Kleu

    2018/05/18 at 10:57

    Ich habe dieses Spiel geliebt!

    „Alone in the Dark“ habt Ihr noch nicht besprochen, wenn ich das gerade richtig sehe.

     
  13. Darth Oedel

    2018/05/18 at 10:13

    Da fehlt definitiv noch „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“! 1.) Da der Street Fighter von 2014 schon Teil der Liste ist. Und 2.) weil damit das Schaffen Van Dammes einen weiteren Eintrag erhält.

     
  14. Filmschrott

    2018/05/18 at 08:41

    Beide Mortal Kombat Teile. Einer davon war gut der andere kompletter Krampf. Welcher was ist, dürft ihr dann selbst entscheiden.

     
    • Rico Lemberger

      2018/05/18 at 19:58

      Sollte da nicht schon längst ein neuer Teil gedreht werden?

      Ich habe den 1. Teil mit 16 im Kino gesehen. Fand den auch ziemlich gut. Den 2. hatte ich mal im TV angeschaut. Hätte man sich wirklich sparen können.

       
      • Filmschrott

        2018/05/19 at 11:52

        Gerüchte gibt es da immer wieder aber braucht man davon wirklich noch einen Teil? Strenggenommen gibt es sogar noch einen Dritten. Das war dann der Pilotfilm zu der Serie, die ebenfalls Grütze war.

         
  15. Michael Behr

    2018/05/18 at 07:21

    Ich wäre für „Doom“. Und, als Quasi-Videospielverfilmung, natürlich für „Pixels“.

     
  16. Holger Jekel

    2018/05/18 at 07:13

    -Doom
    -Mortal Kombat
    -Double Dragon
    -Wing Commander

     
  17. Sven Plog

    2018/05/18 at 06:34

    Och, so ein Best Of Boll;)
    House of the Dead, Bloodrayne etc. hätte Unterhaltungswert:)

     

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