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Detroit – Todesspiel im Algiers Motel

24 Apr

Detroit

Von Andreas Eckenfels

Thriller-Drama // Trayvon Martin, Michael Brown oder Eric Garner: Nur drei von unzähligen Namen, die auf tragische Weise in die amerikanische Geschichte eingegangen sind. Drei afroamerikanische US-Bürger, die in den vergangenen Jahren durch Polizeigewalt ums Leben kamen. Die weißen Gesetzeshüter wurden nicht für ihre Taten verurteilt, was in weiten Teilen der USA und der restlichen Welt große Empörung auslöste. Es kam zu massiven Protesten. Die Bewegung „Black Lives Matter“ erhielt Zuwachs.

Die Rassenunruhen in Detroit nehmen ihren Anfang

Diese traurigen Ereignisse nahmen die 2010 für „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ mit zwei Oscars (beste Regie, bester Film) gekrönte Kathryn Bigelow und der Drehbuchautor Mark Boal zum Anlass, um auf einen Vorfall zurückzublicken, der sich in Detroit vor knapp über 50 Jahren ereignet hat.

Ausnahmezustand in Detroit

Juli 1967: Die Rassenunruhen von Detroit sind in vollem Gange. Soziale Ungleichheiten, Arbeitslosigkeit und der alltägliche Rassismus haben zu den Ausschreitungen geführt. Sogar die Nationalgarde wurde einberufen, um die örtliche Polizei zu unterstützen. Vom Algiers Motel aus, welches hauptsächlich von schwarzen Gästen bewohnt wird, werden Schüsse auf die Polizei abgegeben. Sie stammen aus einer ungefährlichen Schreckschuss-Pistole.

Polizist Philip Krauss schießt Flüchtenden auch gern mal in den Rücken

Der Polizist Philip Krauss (Will Poulter) nimmt diesen Angriff zum Anlass, um das Motel mit einigen Kollegen und dem schwarzen Wachmann Melvin Dismukes (John Bogoya) zu durchsuchen. Er tötet einen Flüchtigen mit einem Schuss in den Rücken und schiebt ihm ein Messer unter. Schließlich soll keiner merken, dass der Tote unbewaffnet war. Da Krauss den vermeintlichen Schützen nicht ausmachen kann, hält er einige unbescholtene Gäste fest, darunter die Afroamerikaner Larry Reed (Algee Smith), Sänger der Band The Dramatics, dessen Kumpel Fred (Jacob Latimore) sowie Greene (Anthony Mackie), der mit zwei jungen, weißen Frauen (Hannah Murray, Kaitlyn Dever) in seinem Zimmer gefeiert hat. Sie müssen sich mit erhobenen Händen gegen eine Wand stellen. Die Durchsuchung verläuft erfolglos – die Waffe wird nicht gefunden. Als Krauss mit seinen wehrlosen Opfern beginnt, ein – wie er es nennt – „Todesspiel“ zu spielen, gerät die Situation zunehmend außer Kontrolle.

Der Kampf im Innern

Nachdem sich Bigelow („Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“) in „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (2008) und „Zero Dark Thirty“ (2012) mit den außenpolitischen Kriegsschauplätzen der USA auseinandergesetzt hat, blickt die Regisseurin nun auf den Kampf im Innern, der in den Vereinigten Staaten seit Jahrhunderten brodelt und, wie die eingangs erwähnten Todesfälle zeigen, leider noch immer hochaktuell ist. Aber nicht nur in den USA ist der tägliche Rassismus in all seinen Formen noch immer allgegenwärtig. Es ist ein weltweites Problem, welches die Menschheit spaltet. Somit wirken die Geschehnisse aus „Detroit“ universell. Geschichte wiederholt sich eben immer wieder.

Im Algiers Motel gerät die Situation bald außer Kontrolle

In der schicksalshaften Nacht kamen im Algiers Motel drei Schwarze ums Leben. Neun weitere Menschen, darunter zwei weiße Frauen, wurden von der Polizei misshandelt. Boal hat für sein Drehbuch viel recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen und zog das Buch „Zwischenfall im Motel“ von John Hersey zu Rate. Was wirklich alles passiert ist, ist allerdings auch heute noch immer nicht hundertprozentig klar, wie Texttafeln im Film einräumen. Die Ereignisse wurden dramatisiert; Fakten mit Fiktion verbunden. Einige Figuren gab es wirklich, den rassistischen Polizisten Philipp Krauss hingegen nicht. Sein Charakter wurde durch die Taten mehrerer Gesetzeshüter inspiriert, die im Algiers Motel dabei waren. Auch vom anschließenden Gerichtsprozess, mit dem der Film endet, sind nicht alle Einzelheiten final verbürgt.

Geschichte muss sich nicht wiederholen

Bigelow lässt ihr historisches Thrillerdrama wie einen Nachrichten-Bericht aus dem Krisengebiet Detroit beginnen und verdichtet zunehmend die Erzählung in die Form eines nervenaufreibenden Kammerspiels. Durch ihren halbdokumentarischen Stil mit Handkamera und schnellen Schnitten wird das Publikum mitten ins Geschehen hineingeworfen. Ebenso wie die gedemütigten Opfer haben auch die Zuschauer kaum eine Chance zu entkommen. Der Machtmissbrauch der Beamten macht wütend und traurig zugleich.

Sicherheitsmann Melvin kann nur hilflos zusehen

Der hauptsächlich durch Komödien wie „Wir sind die Millers“ bekannte Will Poulter macht hier eine starke Wandlung ins dramatische Fach durch. Das Mitwirken von „Star Wars“-Star John Boyega und Anthony Mackie („The First Avenger – Civil War“) ist neben der handwerklichen Perfektion des Films ein weiterer Pluspunkt. Vielleicht wird durch sie auch die junge Generation auf „Detroit“ aufmerksam, die sich sonst nicht dafür interessiert hätten. Nur durch sie kann ein Umdenken stattfinden, sodass es in 50 Jahren vielleicht endlich heißt: Geschichte muss sich nicht wiederholen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Kathryn Bigelow haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Anthony Mackie unter Schauspieler.

Wer überlebt die schicksalshafte Nacht?

Veröffentlichung: 5. April 2018 als 4k UHD (inkl. Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 144 Min. (4k UHD/Blu-ray), 138 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Detroit
USA 2017
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Mark Boal
Besetzung: John Boyega, Anthony Mackie, Algee Smith, Will Poulter, Ben O’Toole, Jack Reynor, Anthony Mackie, Hannah Murray, Samira Wiley, John Krasinski, Jacob Latimore, Kaitlyn Dever
Zusatzmaterial (nur Blu-ray und DVD): fünf Featurettes („Die Wahrheit von Detroit“, „Die Besetzung von Detroit“, „Die Invasion von Detroit“, „Die Hoffnung von Detroit“, „Damals und heute“), Musikvideo „Grow“ mit Algee Smith und Larry Reed, Bildergalerie, deutscher Kinotrailer, Original Kinotrailer
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Concorde Home Entertainment

 

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