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Die Hexe – Sie war vor euch hier: Mal wieder Spuk im Spukhaus

07 Mai

The Inhabitants

Von Philipp Ludwig

Horror // Der Film mit dem etwas verqueren deutschen Titel „Die Hexe – Sie war vor euch hier“ (im Original deutlich passender als „The Inhabitants“ tituliert) ist das zweite Regiewerk der gleichzeitig auch als Drehbuchautoren tätigen Brüder Shawn und Michael Rasmussen, die als die Rasmussen Brothers (nicht zu verwechseln mit den Duffer Brothers) bereits einige Erfahrungen im Bereich des B-Movie-Horrorfilms sammeln konnten, beispielsweise als Drehbuchautoren für John Carpenters „The Ward“ (2010) sowie als Autoren und Regisseure ihres eigenen Debütfilms „Dark Feed“ (2013).

Hartgesottene WG-Veteranen dürften derartige Mitbewohner wenig schocken

Die Handlung des als Haunted-House-Schockers bezeichneten „Die Hexe – Sie war vor euch hier“ von 2015 ist schnell erzählt und birgt im Grunde genommen, dem Genre entsprechend, wenig Überraschendes: Die jungen Eheleute Jessica und Dan (Elise Couture, Michael Reed, beide bereits im besagten „Dark Feed“ zu sehen), ziehen in die amerikanische Provinz, wo sie ein altes Haus aus der Siedlerzeit erworben haben. Das darin seit einiger Zeit betriebene „Bed & Breakfast“-Geschäft übernehmen sie von der klischeebedingt geheimnisvollen und wortkargen alten Vorbesitzerin – die dann später mitunter gern mal, natürlich ungebetenerweise, mitten in der Nacht zu Besuch kommen kann. In dem Gebäude lebte im 17. Jahrhundert eine Frau, die der Hexerei beschuldigt und für den Tod mehrerer an Grippe erkrankter Kinder, die sie medizinisch versorgt hatte, verantwortlich gemacht und aufgrund dessen anschließend gehängt wurde. Seitdem gilt das Haus als verflucht, sowohl der Geist der angeblichen Hexe als auch der dort verstorbenen Kinder scheinen als unliebsame Mitbewohner im Kaufpreis inbegriffen zu sein.

Ehemann des Jahres und perfekter Schwiegersohn in Personalunion – Dan (Michael Reed) kann auch seine …

Schaut man sich „Die Hexe – Sie war vor euch hier“ an, sollte man sich zunächst einmal bewusst machen, dass es sich um einen B-Movie-Horrorstreifen handelt, der gar nicht erst den Anspruch erhebt, in die Filmgeschichte eingehen zu wollen. Von daher wird das eher hölzern wirkende Schauspiel des Hauptdarstellerpaars vermutlich nicht zwingend für verwundertes Augenrollen sorgen. Ein Mitfiebern mit den Protagonisten wird uns aufgrund einer damit einhergehenden empathischen Distanz jedoch nicht gerade einfach gemacht. So wird etwa die nach und nach zunehmende Bessessenheit Jessicas durch die im Haus scheinbar herrschende dämonische Kraft wenig auffällig sichtbar, war ihr Schauspiel doch vorher bereits ebenfalls kaum emotional erwärmender. Auch zu ihrem Mann Dan, der im Verlauf zum zentralen Helden avanciert, fällt es schwer, eine Bindung aufzubauen. Kann einem zunächst seine „Ehemann des Jahres“-Attitüde bereits ein ganz klein wenig auf die Nerven gehen, so ist es zudem mitunter amüsant zu betrachten, wie lange er etwa braucht, um zu bemerken, dass eventuell etwas in dem Haus sowie später auch mit seiner Ehefrau nicht so ganz stimmt – freundlich ausgedrückt. Ebenso wird man aufgrund der bereits erwähnten Erwartungshaltung auch über die mechanisch aufgesagten und stets etwas hölzern wirkenden Dialoge wahrscheinlich wohlwollend hinwegsehen können. Beispiele gefällig? Bitte schön:

Dan: Ich weiß, es ist verrückt, eine Frühstückspension zu leiten. Aber, es war immer dein Traum. So lange ich dich kenne.
Jessica: Ich weiß. Ich glaube, jetzt ist es unser Traum.

Oder der hier:

Dan: Hey Schatz, wann willst du morgen früh aufstehen?
Jessica: Mmh. Früh, so gegen 6.
Dan: Ok, geht klar. Ich mach uns Frühstück im Bett. Sag mal, willst du Pancakes oder Waffeln?
Jessica: Pancakes … Ich bin so fertig.
Dan: War ein langer Tag, ja?
Jessica: Ja.

… zunehmend dämonische Ehefrau Jessica so schnell nicht aus der Ruhe bringen

Und diese zwei Dialoge entstammen gerade einmal den ersten zehn Minuten. Man muss aber fairerweise sagen, dass dies natürlich auch ein Stück weit der deutschen Synchronisation geschuldet sein kann – die Originalfassung zum Vergleich lag mir leider nicht vor. Aber auch abseits der Dialoge bietet das Skript leider nur wenig Finesse und kaum Überraschungen, denn es wurden nicht nur nahezu alle Klischees des Haunted-House-Szenarios aufgegriffen, darüber hinaus bedienten sich die Rasmussen-Brüder bei einer ganzen Reihe anderer, Erfolge des Genres. Neben „Paranormal Activity“ sei hier auch an „The Conjuring“, „Sinister“ und die populäre Serie „American Horror Story“ erinnert. Es kommt einem daher vieles bekannt vor und das Publikum weiß leider oft schon früh (zumindest weit vor den immer etwas auf den Schlauch stehenden Protagonisten), worum es geht und was als Nächstes passieren wird.

Mit besten Grüßen an „Paranormal Aciticity“

Dennoch sei festgestellt, dass der Film definitiv auch eine Reihe positiver Aspekte und Ansätze zu bieten hat, mit denen er stellenweise durchaus imstande ist, sein Publikum zu erschrecken und zumindest phasenweise so etwas wie Spannung und Grusel zu erzeugen. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere das herausragende Sounddesign, das den eigentlichen Star des Films, das Haus, hervorragend in Szene setzt. Überall knarzt und knirscht es, der Wind zieht durch die Fugen, der Regen tröpfelt durchs Dach, und in die allgemeine Geräuschkulisse scheint sich ständig ein geheimnisvolles dämonisches Flüstern zu mischen, wodurch sich auf jeden Fall mitunter ein unbehagliches Gefühl einstellen kann. Auch die musikalische Untermalung ist in dieser Hinsicht äußerst stimmig. Ebenso lässt die Bildqualität nichts zu wünschen übrig, was der durchweg guten Kameraarbeit absolut zugute kommt, die die vielen dunklen Geheimnisse des Hauses visuell und dramaturgisch ansprechend in Szene setzt. Denn trotz der umfangreichen Bedienung bei einer ganzen Reihe an Genre-Klassikern zeigen die Rasmussen-Brüder mitunter durchaus, dass sie auch zu eigenen innovativen Ansätzen in der Inszenierung fähig sind, wie etwa in einer überaus interessant gefilmten Badewannen-Abtauchszene Jessicas zu bewundern ist. Positiv hervorzuheben ist ebenfalls, dass sich die Brüder dem allgemein im Horror-Genre zu erkennenden Trend zur übermäßigen Nutzung von Jump Scares verweigern. So verwenden sie zwar dennoch selbstverständlich wiederholt eine ganze Reihe davon, doch wissen diese dennoch, aufgrund einer geschickten Platzierung in der Dramaturgie und trotz ihrer eventuellen Vorhersehbarkeit durchaus zu erschrecken und somit ihrem eigentlichen Sinn eher zu entsprechen, als das etwa so manche aktuelle und große Blockbuster-Schocker und Jump-Scare-Festivals à la „Es“ tun.

Der eigentliche Star des Films

Wer die Erwartungen dem B-Movie-Charakter des Films entsprechend richtig einordnet und keinen hochwertigen Horrorklassiker in spe erwartet, dem kann sich durchaus, trotz der genannten Mängel in Sachen Schauspielkunst, Dialogen und dem munteren Skript-Patchwork, ein kurzweiliges und mitunter sogar zumindest etwas gruseliges Filmerlebnis bieten. Muss aber auch nicht.

Jessica erkundet die dunklen Geheimnisse des vermeintlichen Traumhauses

Veröffentlichung: 3. Mai 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Inhabitants
USA 2015
Regie: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen
Drehbuch: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen
Besetzung: Elise Couture, Michael Reed, India Pearl, Vasilios Asimakos, Edmund Donovan, Erica Derrickson, Judith Chaffee, Rebecca Whitehurst
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2018 by Philipp Ludwig
Fotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

 

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