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The Night Eats the World – Kammerspiel mit Untoten

03 Jun

La nuit a dévoré le monde

Von Volker Schönenberger

Horrodrama // Eine wilde Party in der Wohnung seiner Ex-Freundin Fanny (Sigrid Bouaziz), dazu noch deren unsympathischer neuer Kerl – dabei wollte Sam (Anders Danielsen Lie) doch nur seine Tapes abholen, die er nach der Trennung bei ihr gelassen hatte. Der von dem Treiben eingeschüchterte Mann zieht sich in ein leeres Zimmer am Ende des Flurs zurück und schläft ein. So entgeht ihm, dass in der Nacht die Katastrophe über die Party und womöglich ganz Paris – ganz Frankreich? Die ganze Welt? – hereingebrochen ist.

Nach der Party gibt es für Sam …

Als Sam den Raum verlässt, findet er die Wohnung im Chaos und mit blutbespritzten Wänden vor. Vor der Tür des Appartements kauert seine entstellte Ex-Freundin – und als sie ihn bemerkt, versucht sie, in mörderischer Absicht über ihn herzufallen. Es gelingt Sam, sich in der Wohnung einzuschließen. Der Blick aus dem Fenster offenbart ihm, dass Menschen in wilder Raserei über andere Menschen herfallen, um sie zu zerfleischen. Vorerst bleibt ihm nichts übrig, als sich in Fannys immerhin großräumiger Altbau-Bleibe häuslich einzurichten.

… ein böses Erwachen

Das bekannte Szenario einer Zombie-Apokalypse eignet sich nicht nur für den nächsten uninspiriert heruntergekurbelten Action-Horrorstreifen, sondern auch ganz vorzüglich für ruhige Kammerspiele mit Fokus auf der Psyche ihrer Figuren – dann nämlich, wenn es darum geht, wie Überlebende sich in der Isolation einrichten. Das Langfilm-Regiedebüt – nach zwei Kurzfilmen – des französischen Regisseurs Dominique Rocher ist so ein Werk, und ein Glücksfall dazu.

Phasenweise ein Ein-Mann-Stück

Das liegt nicht zuletzt am norwegischen Schauspieler Anders Danielsen Lie („Personal Shopper“, 2016), der „The Night Eats the World“ schauspielerisch über weite Strecken zwangsläufig allein stemmen muss. Sam ist ein absoluter Normalo, vielleicht etwas langweilig und introvertiert veranlagt, vielleicht sogar ein wenig nerdig – denn die Tapes, die er von Fanny zurückverlangt, sind tatsächlich Audiokassetten, die heute arg unpraktisch und veraltet erscheinen (der Film ist im Hier und Heute angesiedelt).

Ist die Wohnung unter ihm sicher?

Über ein Loch, das er in den Boden schlägt, erkundet Sam nach und nach die Wohnung unter ihm und das Gebäude. Ab und zu geht er Risiken ein, die unnötig wirken, das mag der Notwendigkeit geschuldet sein, dass auch mal etwas passieren muss. Denn ein Actionfilm ist „The Night Eats the World“ keineswegs. Mit ruhigem, phasenweise komplett verstummendem Score hat Dominique Rocher ein minimalistisches Endzeit-Drama inszeniert, das über weite Strecken ohne Dialoge und auch Monologe Sams auskommt. Was richtet totale Isolation mit uns an? Diese Frage interessiert den Regisseur offenbar mehr als die Frage, wie wir in einer von Zombies bevölkerten Welt überleben. Selbstmord durch eine in den Mund gesteckte Schrotflinte wird früh im Film als Alternative aufgeworfen. Wird es eine für Sam?

Auf den Straßen wandeln die Zombies

Manch ein Zuschauer wird sich während der Sichtung fragen, ob und wie er selbst eine solch isolierte Situation überstehen würde. Dass es Rocher gelingt, das fantastische Zombie-Sujet auf diese Weise in die Realität zu übertragen, ist ein großer Pluspunkt des Films. Und so wird „The Night Eats the World“ vielleicht all jene eher langweilen, die sich vom nächsten Zombiefilm die übliche Untoten-Action versprechen, wer etwas über diesen Tellerrand hinausschauen kann, bekommt dafür einen originellen Genrebeitrag zu sehen, der auf weitere Regiearbeiten von Dominique Rocher hoffen lässt. Welche Endzeit-Filme – ob mit oder ohne Zombies – mit Kammerspiel- oder Isolations-Szenarien könnt Ihr empfehlen?

Lärm lockt die Untoten an

Veröffentlichung: 6. Juni 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: La nuit a dévoré le monde
F 2018
Regie: Dominique Rocher
Drehbuch: Jérémie Guez, Guillaume Lemans, Dominique Rocher, nach einem unter dem Anagramm-Pseudonym Pit Agarmen veröffentlichten Roman von Martin Page
Besetzung: Anders Danielsen Lie, Golshifteh Farahani, Denis Lavant, David Kammenos, Sigrid Bouaziz
Zusatzmaterial: Trailer
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

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33 Antworten zu “The Night Eats the World – Kammerspiel mit Untoten

  1. Julian Conrad

    2018/07/01 at 11:23

    The Road

     
  2. Yvonne Arndt

    2018/07/01 at 09:07

    The divide gehört zu mein lieblingen, echt bedrückend und der Soundtrack dazu. Hostile hat mich auch zutiefst berührt

     
  3. Jan

    2018/06/28 at 18:43

    Der Omega-Mann!

     
  4. Ralf

    2018/06/23 at 11:03

    Es wurde ja schon sehr viel erwähnt, daher werfe ich einfach noch „Snowpiercer“ in den Raum.

     
  5. Samara

    2018/06/23 at 10:00

    Da gibt es ja recht viele Endzeitfilme… Ich hoffe, was ich aufzähle, gehört mit dazu.
    Ich schließe mich bei den vorherigen Aufzählungen Dawn of the Dead und Armageddon mit an… Was ich persönlich auch noch ganz gut gemacht finde ist der Film 2012 und Krieg der Welten. Man könnte noch viel mehr gute Filme aufzählen, aber das würde den Rahmen hier sprengen. 🙂

     
  6. Jörn Budde

    2018/06/22 at 20:59

    Ich kann 28 days Later empfehlen da es ein doch realistisches scenario ist mit dem Virus. Dann noch Carriers und Hell auch beide sehr realistisch und gut dargestellt und natürlich I am Legend oder das Original Der Omega Mann.

     
  7. Andrea Merz

    2018/06/22 at 18:51

    Ich kann den Film Hidden aus dem Jahr 2015 sehr empfehlen.
    Er nimmt eine sehr überraschende und unerwartete Wendung und ist sehr spannend.

     
  8. Andrea Merz

    2018/06/22 at 18:50

    Hidden (von 2015)

     
  9. Melanie Wehrmann

    2018/06/22 at 18:24

    Also spontan fällt mir da „Hidden“ ein. Wobei mir das Ende nicht sehr gefallen hat, aber passt zum Film.

     
  10. Melanie Schäfer

    2018/06/22 at 16:58

    Melancholia, The Devide und unbedingt These final hours… letzterer hat es durch Score und Atmosphäre geschafft, dass es mir am Ende wirklich mies ging. Der Film hat tief gewirkt und Eindruck hinterlassen. Ah und da fällt mir noch eine relativ unbekannte brasilianisch-kanadisch-japanische Produktion ein mit Julianne Moore und Mark Ruffalo ein … Die Stadt der Blinden. Endzeitdrama mit ner extrem dichten Atmosphäre und 1-2 wirklich knackigen Szenen.

     
  11. belmonte

    2018/06/22 at 16:43

    Das letzte Ufer (Gregory Peck, Ava Gardner, Fred Astaire, Anthony Perkins)

     
  12. René Dippelhofer

    2018/06/22 at 16:21

    „Maggie“ mit Arnold Schwarzenegger finde ich echt gut gemacht. Er zeigt Arnie von einer sehr verletzlichen Seite und der Zuschauer hoffft eigentlich vergebens auf ein Happy End.

     
  13. Florian

    2018/06/22 at 15:27

    Ich wuerde sehr gern gewinnen.
    Mein Favorit film aus dem zombiegenre. Daen of the dead. Und ich liebe filme aus Frankreich.

     
  14. Dirk B.

    2018/06/22 at 15:26

    Kann man Maggie mit Schwarzenegger dazu zählen?
    Und ganz tolle Sache: Extinction mit Matthew Fox, recht unbekannt.

     
    • Dirk B.

      2018/06/22 at 15:34

      Ach ja, The Day – Fight Or Die mit Shawn Ashmore und Dominic Monaghan, auch zu empfehlen.

       
  15. Marcel Schäfer

    2018/06/22 at 13:57

    Hiii 🙂
    also mich persönlich hat „The Devide“ sehr überrascht. Ansonsten würde ich „Train to Busan“ oder I am a Hero“ empfehlen. The Devide ist ein Endzeit Film, wo sich das ganze in einem „Schutzbunker“ abspielt..
    Und Busan und I Am A Hero sind Zombiefilme.. das Verhalten jedoch ist faszinierend unterschiedlich..
    unbedingt alle 3 ansehen 🙂
    Falls es was mit weniger Horror sein soll..
    The Road oder Hell anschauen 🙂

     
  16. Elisabeth verch

    2018/06/22 at 13:45

    Ich liebe zombiefilme aber weiss die frage nicht um das zu gewinnen

     
  17. Christian Oppat

    2018/06/22 at 13:03

    Armageddon, is für mich einer der besten. Wenn man bedenkt, es kann manchmal ganz schnell zu Ende gehen.

     
  18. Christian Anger

    2018/06/22 at 10:49

    den neuseeländischen Klassiker „A Quiet Earth“ mit grandioser One-Man-Performance des unvergessenen Bruno Lawrence, die Cormack McCarthy Verfilmung „The Road“ oder auch den vergessenen, überragenden „Glen and Randa“ als Cineasten-Geheimtipp… sind nur drei von vielen, die mir gerade nicht einfallen wollen 😉

     
  19. Sascha Grunert

    2018/06/22 at 10:19

    Der letzte gute war The Girl with all the Gifts.Omega man finde ich noch stark.

     
  20. Dirk Busch

    2018/06/22 at 08:29

    So auf Anhieb fällt mir da 10 Cloverfield Lane ein.

     
  21. Filmschrott

    2018/06/22 at 08:22

    Ich werfe mal 10 CLOVERFIELD LANE in den Raum. Nicht direkt Apokalypse und keine Zombies, aber trotzdem oder gerade deswegen ziemlich guter Film, mit leider vergurktem Ende.

     
  22. Sascha Dubrau

    2018/06/22 at 06:39

    Mir fällt da sofort „A quiet Earth“ ein…. fand den zu jüngeren Jahren genauso wie auch jetzt noch absolut klasse….
    Ebenso „The Road“ und „Into the Forest“ … die Filme haben mich allesamt doch sehr beeindruckt.

     
  23. Tomasz Kordula

    2018/06/22 at 06:36

    Ich würde ja spontan „The Rover“ nennen.
    Der Hauptcharakter lebte ja recht isoliert.

     
  24. Andreas Freese

    2018/06/22 at 06:27

    Also ich fand „The Book of Eli“ sehr gut, auch wenn er ohne Zombies daher kommt, einfach genial! Habe mir diesen Film schon etliche Male angeschaut.

     
  25. Sebastian Graf

    2018/06/22 at 06:16

    Ich fand THE ROAD nach dem Roman von Cormac McCarthy ziemlich gelungen.
    Auch INTO THE FOREST von Patricia Rozema mit Evan Rachel Wood und Ellen Page konnte mich begeistern.
    Beides ohne Zombies (was nicht heißt das ich was gegen Zombies habe!!!!), aber psychologisch durchaus, auf ganz unterschiedliche Art, sehr effektvoll.

     
    • V. Beautifulmountain

      2018/06/22 at 06:25

      Ja, die sind beide sehr gut. Völlig legitim, etwas gegen Zombies zu haben, da kommt heutzutage ja viel Billigkram raus, wie man ihn schon x-mal gesehen hat. Immerhin gibt es mit „The Cured“ einen weiteren gelungenen Vertreter. Kürzlich erschienen, gerade geschaut, Rezension ist in Vorbereitung.

       
  26. Frank Idstein

    2018/06/22 at 05:58

    Spontan würde ich mal zwei Klassiker nehmen, Night of the living dead und den Omega Mann!

     
  27. Brian Mac Gowan

    2018/06/22 at 05:30

    Seit meiner Kindheit bin ich begeistert von „A quiet Earth“…ein Endzeitfilm, der mir nie aus dem Kopf ging, weil ich auch unbedingt mal Kaufhäuser und co durchforsten wollte, ohne dass ich auf Menschen treffe 😉
    PS: Ich habe keinen BluRay Player 😉

     
  28. Rico Lemberger

    2018/06/22 at 05:13

    Night of the Living Dead und Dawn of the Dead von Großmeister Romero sowie I Am Legend von 2007.

     
  29. Frank Hillemann

    2018/06/04 at 19:17

    Quiet Earth.

     
  30. Michael Behr

    2018/06/03 at 14:33

    Der gerade erst gelaufene „A Quiet Place“ – auch wenn der hier auf der Seite, wenn ich mich richtig erinnere, nicht uneingeschränkt für gut befunden wurde.

     

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