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The 12th Man – Kampf ums Überleben: So weit die Kräfte reichen

13 Jun

Den 12. mann

Von Andreas Eckenfels

Kriegsdrama // Im April 1940 startete die deutsche Wehrmacht mit dem „Unternehmen Weserübung“ die Besetzung von Norwegen und Dänemark. Um ihre Heimat zu befreien, wurden daraufhin norwegische Soldaten im Exil von britischen Truppen in Schottland ausgebildet, um gezielte Sabotage-Akte gegen die Besatzer auszuführen.

Jan Baalsrud ist in den eiskalten Weiten Norwegens auf der Flucht

Am 24. März 1943 begann die Kompanie Linge mit der „Operation Martin Red“. Zwölf norwegische Widerstandskämpfer nahmen in einem Fischkutter Kurs auf Tromsø. Sie sollten deutsche Stützpunkte in Norwegen sabotieren. Doch aufgrund eines Verrats schlug die Mission fehl. Einer aus der Gruppe wurde erschossen. Zehn wurden von der Gestapo gefangengenommen, verhört, gefoltert und später hingerichtet. Nur einem Norweger gelang die Flucht: Jan Baalsrud (1917–1988).

Nach einer wahren Geschichte

Die wahre Geschichte von Jan Baalsrud kennt in Norwegen fast jedes Kind. Schwer verletzt und verfolgt von Nazis kämpfte sich der Soldat durch die eiskalten und gnadenlosen Winterlandschaften Nordnorwegens. Seine Füße froren ein, weshalb sich Baalsrud einige Zehen entfernen musste. Er wurde von einer Lawine begraben und litt an Schneeblindheit. Doch allen widrigen Umständen zum Trotz überquerte er am 30. Mai 1943 – knapp zwei Monate nach seiner Flucht – die Grenze zum neutralen Schweden und brachte sich so in Sicherheit.

Gestapo-Chef Kurt Stage ist ihm dicht auf den Fersen

Baalsrud wurde unter anderem zum „Member of the Order of the British Empire“ ernannt und von seinem Heimatland mit der St.-Olav-Medaille geehrt. Doch er sah sich nie als Held. Denn ohne den Mut eines Teils der norwegischen Bevölkerung hätte er wohl kaum überlebt. Sie gaben ihm zu essen, versorgten seine Wunden, versteckten ihn und organisierten seine Flucht nach Schweden. Dabei liefen die Widerständler selbst immer Gefahr, von den Nazis entdeckt zu werden. Diesem Umstand trägt Regisseur Harald Zwart („Chroniken der Unterwelt – City of Bones“) Rechnung, indem er sich ausreichend Zeit nimmt, um außer Baalsruds Durchhaltevermögen auch die Leistung der zahlreichen Helfer und deren Zivilcourage zu würdigen. Dabei verzichtet er zum Glück größtenteils auf übertriebenes Pathos.

DJ quält sich durch den Schnee

Den außergewöhnlichen Überlebenskampf erzählt Zwart als packendes Winter-Abenteuer mit eindrucksvollen Naturaufnahmen, die den Vergleich mit großen Vorbildern wie „The Revenant – Der Rückkehrer“ nicht zu scheuen brauchen. Hauptdarsteller Thomas Gullestad, der in Norwegen mehr als DJ der Hip-Hop-Kombo Klovner I Kamp bekannt ist, erreicht zwar nicht die Klasse eines Leonardo DiCaprio. Seiner Figur fehlt es etwas an Persönlichkeit, was aber mehr dem Drehbuchautoren anzulasten ist. Aber Gullestad quält sich ähnlich überzeugend durch die Naturgewalten, wie der große Hollywood-Star in seiner mit dem Oscar gekrönten Rolle. Und die Zuschauer leiden mit ihm.

Gudrun und Marius Grønvoll bieten Jan einen Unterschlupf

Als fieser Antagonist tritt Jonathan Rhys Meyers als Gestapo-Chef Kurt Stage in Erscheinung, der die Suche nach Baalsrud zu seiner persönlichen Angelegenheit erklärt. Der irische Schauspieler lernte für die Rolle extra Deutsch, seine nicht ganz akzentfreie Stimme ist aber nur in der Originalfassung zu hören. Meyers Darbietung als böser Nazischerge lässt dennoch frösteln, auch wenn er mitunter zum Overacting neigt.

Der norwegische Widerstand im Film

„The 12th Man – Kampf ums Überleben“ ist nicht die erste Verfilmung des Stoffs. Bereits 1957 entstand „Soweit die Kräfte reichen“ von Arne Skouen nach dem Buch „We Die Alone“ (1955) von David Howarth. Die Adaption ging 1958 für Norwegen ins Oscarrennen. Den Preis für den besten fremdsprachigen Film erhielt allerdings Federico Fellinis „Die Nächte der Cabiria“.

Der Weg nach Schweden ist weit

Wer sich für weitere Weltkriegsfilme interessiert, die den norwegischen Widerstand thematisieren, dem seien Anthony Manns „Kennwort ,Schweres Wasser‘“ (1965) mit Kirk Douglas, „Max Manus“ (2008) und „The King’s Choice – Angriff auf Norwegen“ (2016) empfohlen. Wenn es um eine Flucht durch eisige Landschaften geht, werden sich viele ältere deutsche Fernsehzuschauer sicher an den Sechsteiler „So weit die Füße tragen“ (1959) nach dem Tatsachenroman von Josef Martin Bauer erinnern. Der spätere „Das Traumschiff“-Kapitän Heinz Weiss spielte darin einen deutschen Wehrmachtssoldaten, der aus einem ostsibirischen Kriegsgefangenenlager flieht. Eine deutsche Kino-Adaption des Romans entstand 2001.

Wer nicht mehr laufen kann, wird getragen

Veröffentlichung: 7. Juni 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 136 Min. (Blu-ray), 130 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Den 12. mann
NOR 2017
Regie: Harald Zwart
Drehbuch: Petter Skavlan (als Alex Boe)
Besetzung: Thomas Gullestad, Jonathan Rhys Meyers, Marie Blokhus, Mads Sjøgård Pettersen, Martin Kiefer, Vegar Hoel, Håkon T. Nielsen
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, deutscher und norwegischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Trailer & Packshot: © 2018 Constantin Film

 

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