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The Strangers – Opfernacht: Wer klopft da wieder an der Tür?

18 Jun

The Strangers – Prey at Night

Kinostart: 21. Juni 2018

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // „Das nächste Mal wird es einfacher sein!“ lautete der letzte Satz, den man von den drei maskierten Killern aus „The Strangers“ (2008) für lange Zeit gehört hat, nachdem sie sich nach verrichteter Arbeit mit ihrem Ford-Pick-up-Truck davonmachten. Obwohl der intensive Home-Invasion-Thriller bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam und Regisseur und Drehbuchautor Bryan Bertino („The Monster“) bereits kurze Zeit nach dem Erstling ein Skript für ein Sequel fertigstellte, sollten aufgrund von mehrfachen Rechtewechseln schließlich stolze zehn Jahre ins Land ziehen, bis der zweite Teil realisiert werden konnte.

Cindy und Mike hätten die Tür nicht öffnen sollen

Der horrorerfahrene Regisseur Johannes Roberts („47 Meters Down“) nahm sich „The Strangers – Opfernacht“ an, der auf den Fantasy Filmfest Nights 2018 seine Deutschland-Premiere feierte. Roberts betont, der sei Film keine direkte Fortsetzung des ersten Teils, sondern erzähle eine eigenständige Geschichte rund um das bekannte Terror-Trio Dollface (Emma Bellomy), Pin-up Girl (Lea Enslin) und dem Man in the Mask (Damian Maffei).

Ist Tamara da?

Cindy (Christina Hendricks) und ihr Ehemann Mike (Martin Henderson) sehen keinen anderen Ausweg mehr: Sie müssen ihre rebellische Teenager-Tochter Kinsey (Bailee Madison) in ein Internat stecken. Vielleicht bekommt sie dann endlich ihre Probleme und sich selbst in den Griff. Kinsey ist über die Entscheidung natürlich alles andere als erfreut, sie fügt sich aber schließlich ihrem Schicksal. Doch bevor es für sie in die „Besserungsanstalt“ geht, beschließen Cindy und Mike, einen letzten gemeinsamen Familienausflug mit ihrer Tochter und ihrem Sohn Luke (Lewis Pullman) zu unternehmen. Auf dem Weg wollen sie einen Zwischenstopp bei ihren Verwandten einlegen, die einen Trailerpark betreiben. Als die Familie am späten Abend mit dem Auto ankommt, wundert sie sich darüber, dass die gesamte Anlage mausetot erscheint. Immerhin finden sie einen Zettel vor, der sie willkommen heißt. Sie sollen das Mobile Home Nummer 47 zum Übernachten nutzen.

Problemkind Kinsey ist am Boden zerstört

Gerade haben sie sich einigermaßen häuslich eingerichtet, da klopft es plötzlich an der Tür. „Ist Tamara da?“, fragt eine Frauenstimme. Cindy geht davon aus, dass sie sich den falschen Trailer ausgesucht hat und verneint die Frage. Die Frau verschwindet. Doch schneller als gedacht kehrt sie mit ihren zwei maskierten Freunden im Schlepptau zurück. Für Cindy, Mike, Kinsey und Luke beginnt eine Nacht des Grauens. Die Opfernacht.

Auf dem Retro-Zug

Der erste Akt, in welchem uns die schablonenhaft gezeichneten Figuren vorgestellt werden, ist viel zu lang geraten. Einzig für die von der solide aufspielenden Bailee Madison („Don’t Be Afraid of the Dark“, 2010) verkörperte Kinsey kann der Zuschauer noch etwas Mitgefühl entgegenbringen. Denn wirklich nachvollziehbar ist es nicht, warum die Eltern ihre Tochter aufs Internat stecken wollen. Ihre einzige rebellische Attitüde besteht offenbar darin, dass sie raucht und ein T-Shirt der Ramones trägt. Ganz schön wild, die junge Dame …

Der Man in the Mask steht bereit

Auch Roberts springt auf den zurzeit beliebten Retro-Zug auf und nutzt von Beginn an Musik aus den 1980er-Jahren. So wirkt es inhaltlich treffend, wenn Kim Wildes Klassiker „Kids in America“ ertönt, gleichzeitig aber auch arg selbstzweckhaft. Zwar kann man „The Strangers – Opfernacht“ als Kommentar auf die US-Jugend lesen, die aus reiner Langweile zum Spaß wildfremde Menschen terrorisiert und tötet, aber da spricht man dem Werk mehr Tiefe zu, als es zu bieten hat. Besonders schmerzlich ist allerdings der Score von Adrian Johnston, dessen Klänge klar an die von John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) erinnern. Das ist schon keine Hommage mehr, sondern eine ärgerliche Kopie.

Hell und dunkel

Während „The Strangers“ noch ein reinrassiger Terrorfilm war, der clever mit seinem begrenzten Setting spielte und mit markerschüttertem Sounddesign für Angst und Schrecken sorgte, entpuppt sich das Sequel als geradliniger Slasher, der im zweiten Akt immerhin schnell in die Vollen geht. Das größer gefasste Gelände des Campingplatzes bietet den mutmaßlichen Opfern mehr Freiheiten, um um ihr Leben zu rennen. Gleichzeitig geht dadurch auch einiges von der klaustrophobischen Spannung verloren, die den Erstling auszeichnete. Die Kills sind durchaus ansehnlich, aber nicht zu blutig, um die vergebende Altersfreigabe von 16 Jahren infrage zu stellen.

Luke (r.) kämpft ums Überleben

Roberts hat visuell einige gute Ideen auf Lager. Wie es der Titel schon andeutet, spielt fast der komplette Film in einer nebligen Nacht und somit im Dunklen. Wie die bekannten und meist stummen Maskengesichter langsam bedrohlich vor den Familienmitgliedern aus dem Nichts auftauchen, wirkt durchaus bedrohlich. Die gelungenste Szene von „The Strangers – Opfernacht“ spielt sich allerdings im Hellen ab: rund um einen von in neonfarbenen Palmen beleuchteten Swimmingpool. Die blutige Sequenz wird dabei mit dem Bonnie-Tyler-Hit „Total Eclipse of the Heart“ gekonnt konterkariert. Leider bleiben dies die einzigen Höhepunkte des Horrorthrillers, der ansonsten überraschungsarm seinem vorhersehbaren Ende entgegensteuert. Obwohl natürlich Platz für eine weitere Fortsetzung geschaffen wird, sollten die Maskenkiller besser nicht mehr an fremde Türen klopfen.

Auch mit dem Auto gibt es kein Entkommen

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Strangers – Prey at Night
USA 2018
Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Ben Ketai, Bryan Bertino
Besetzung: Bailee Madison, Christina Hendricks, Martin Henderson, Emma Bellomy, Lewis Pullman, Damian Maffei, Preston Sadleir, Lea Enslin
Verleih: Universum Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Filmplakat & Szenenfotos: © 2018 SquareOne/Universum

 

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