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Akropolis Connection – Das Geschäft der einsamen Wölfe

19 Jun

Sono stato un agente C.I.A.

Von Ansgar Skulme

Agententhriller // Der ehemalige CIA-Agent Lester Horton (David Janssen) hat sich als Buchautor eine neue Existenz aufgebaut, doch abgeschlossen hat er mit seinem früheren Leben noch lange nicht. In Griechenland kommt er seinem alten Chef Maxwell (Arthur Kennedy) bei der Suche nach einem Informanten namens Benson in die Quere. Wie sich herausstellt, soll dieser ein brisantes Tonband aufgenommen haben. Die Spur führt zu Hortons früherer Liebe Anna Florio (Corinne Cléry), deren Ehemann John (Maurizio Merli) Kontakt zu Benson hatte. Horton ist plötzlich Jäger und Gejagter zugleich. Maxwell geht über Leichen und keine Risiken ein.

Als sich die Eurospy-Welle der 60er-Jahre gelegt hatte, hielt auch im italienischen Genrekino langsam aber sicher eine andere Art von Agentenfilm Einzug. „Akropolis Connection“ ist ein recht düsterer Abgesang auf einen der einsamen Agentenwölfe; inhaltlich eher mit „Affäre in Berlin“ (1970) als James Bond verwandt. Die jeweiligen Hauptdarsteller beider Filme, David Janssen und Darren McGavin, verbindet zudem eine ähnliche Vergangenheit: Sie waren und sind in den USA primär durch ihre Fernsehrollen bekannt, gehörten sogar zu den Schauspielern, die mit mehreren Serienhauptrollen Erfolg hatten. In US-Kinofilmen konnten die beiden charismatischen harten Hunde als Hauptdarsteller jedoch zu Unrecht nur schwer Fuß fassen. Eine Alternative boten Hauptrollen in Fernsehfilmen und Kinoproduktionen abseits der USA. „Akropolis Connection“ wurde David Janssens erster und einziger italienischer Film.

Besser als gedacht?

Der Film hat im Allgemeinen nicht unbedingt positive Kritiken erhalten. Insbesondere wenn man ihn vor diesem Hintergrund schaut, ist man am Ende doch recht angenehm überrascht. Dass ein Film, der mit David Janssen, Maurizio Merli, Philippe Leroy, Arthur Kennedy, Ivan Rassimov und Faidon Georgitsis gleich sechs mehr als nur im Ansatz hauptrollenerprobte Schauspieler zu bieten hat, zu einem Langweiler verkommen könnte, ist an sich auch eine recht kühne Vorstellung. Rassimov war sicherlich kein besonders talentierter Schauspieler, macht sich gerade in „Akropolis Connection“ aber überraschend gut als stummer, eiskalter Verfolger, der am Ende doch Emotionen zeigt. Ich habe ihn bisher noch nie besser gesehen. Dass Maurizio Merli hier zum ersten und einzigen Mal seit seinem Durchbruch 1975 eine Nebenrolle anstelle der Hauptrolle in einem 70er-Jahre-Kinofilm übernahm, gibt dieser Produktion zudem einen besonderen Beigeschmack. Der nächste italienische Film, in dem Merli eine Nebenrolle spielte, kam erst 1983 in die Lichtspielhäuser. Mit David Janssen verbindet ihn das tragische Schicksal, dass beide wenige Wochen vor beziehungsweise nach ihrem 49. Geburtstag starben.

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass man trotz guter Besetzung am Ende in reißerischem Trash landet, aber dass dies mit einem Regisseur wie Romolo Guerrieri („Auf verlorenem Posten“, 1973), von dem man recht sachliche Bilder und sorgsam aufgebautes Erzählen kennt, eher nicht zu befürchten ist, weiß man als Fan des italienischen Genrekinos eigentlich auch. Besonders sympathisch an „Akropolis Connection“ ist das sehr verwundbare Agentenbild, das der Film zeichnet. Horton ist privat von Anfang an gebeutelt und es kommt sogar noch schlimmer, zudem wird er in einem recht desillusionierenden, bedrückenden Abschnitt des Films in einer psychiatrischen Einrichtung mutwillig beinahe zugrunde gerichtet. Ein neues Leben, abseits des Agentendaseins, scheint für ihn eine Erlösung zu sein. Man ist hier sehr weit weg vom Bild eines Superhelden, ohne dass die Hauptfigur deswegen aber den Eindruck eines Verlierers oder plakativ ins Feld geführten „Anti-Helden“ machen würde. Ob man den Film nun für plausibel hält oder auch nicht: der Protagonist jedenfalls macht einen nachfühlbaren Eindruck. Sehenswertes 70er-Agentenkino in oft recht tristen Bildern, vor wunderbarer griechischer sowie italienischer, aber griechisch anmutender Kulisse, mit viel antikem Charisma und mit einem Arthur Kennedy, der als hinterhältiger, in die Jahre gekommener Schuft manchmal ein wenig an Sir Laurence Olivier in „Der Marathon-Mann“ (1976) erinnert.

Herausforderungen beim Dreh

Die Fertigstellung des Films wurde von dem Kuriosum überschattet, dass Passagen, in denen im Rahmen der Produktion tatsächlich mit Waffen Schüsse abgegeben wurden, offenbar durchweg in Griechenland gedreht werden mussten, da es in Italien diesbezüglich neue offizielle Einschränkungen gab. Man versuchte damit wohl zu verhindern, dass Gewalt im Alltag durch im eigenen Land produzierte Filme befördert wurde. Da das italienische Genrekino in den 60ern und 70ern wie kaum ein zweites von Schießereien, im Italowestern wie auch im Action- und Polizeithriller, gelebt hatte, mutet dieser Ansatz – mag er noch so gut gemeint sein – allerdings ausgesprochen albern an. Im damaligen italienischen Kino das Abfeuern von Schusswaffen unter derartige Auflagen zu stellen, ist etwa so, als hätte man in Hongkong plötzlich ein Edikt gegen den Kung-Fu-Film erlassen. Es ist gut möglich, dass dieser Hintergrundaspekt samt aller damit korrespondierenden Zusammenhänge einen gewissen Anteil daran hatte, dass das italienische Kino in den 80ern nicht mehr ansatzweise an die Erfolge der beiden vorausgegangenen Jahrzehnte anknüpfen konnte und sich davon bis heute nicht erholt hat.

David Janssen war zudem enttäuscht darüber, dass im italienischen Genrefilm damals immer noch auf Live-Ton verzichtet und somit auch „Originalfassungen“ synchronisiert wurden. Teilweise sprachen die Schauspieler in Szenen mit ihm daher im Dialog sogar andere Sprachen als er selbst – dieser Produktionsumstand ist hierzulande vor allem von der deutschen Winnetou-Reihe bekannt, wenn beispielsweise Jugoslawen an der Seite von Deutschen, Amerikanern, Briten oder Franzosen agierten, war aber auch im damaligen italienischen Kino verbreitet. Heute beklagen sich Schauspieler darüber, wenn sie ihre Szenen vor einem Greenscreen drehen müssen und nicht einmal mehr sehen, mit wem sie gerade sprechen, da ihre Gegenüber entweder komplett am Computer animiert oder beispielsweise zu kleinen Hobbits gemacht werden – das Mehrsprachen-Problem bei Filmen wie „Akropolis Connection“ ist in gewisser Weise das Pendant des früheren Kinos dazu. Auch wenn es für die Schauspieler phasenweise sicher anstrengend war, hat die damit verbundene Vernetzung internationaler Darsteller über alle Sprachbarrieren hinweg, mittels Synchronisation aller Fassungen, aber zweifelsohne viele Vorzüge.

Ein seltenes Vergnügen

„Akropolis Connection“ ist einer der wenigen Filme, denen das Privileg zuteil geworden ist, über zwei verschiedene, gute bundesdeutsche Synchronfassungen auf Augenhöhe zu verfügen, die zudem auch mit relativ kurzem zeitlichem Abstand zueinander entstanden sind. Meist liegen zwischen unterschiedlichen Synchronfassungen größere Zeitspannen und/oder signifikante Qualitätsunterschiede – unter anderem, weil spät entstandene Versionen am Aspekt des zeitgenössischen Klanges scheitern. Bei der Fassung „Rauschgift tötet leise“, mit Horst Naumann als Stimme von David Janssen, dürfte es sich um die deutsche Kinofassung handeln. Es gibt davon aber ebenso eine Videoveröffentlichung wie von der wahrscheinlich extra für die Videoauskopplung erstellten Synchronversion „Akropolis Connection“, bei der es sich um eine Fassung des Films mit Gottfried Kramer als Janssens Sprecher handelt. Sowohl Naumann als auch Kramer passen hervorragend auf David Janssen. Dass ein einzelner Film gleich zwei mehr oder minder ideale Synchronbesetzungen für denselben Schauspieler zutage fördert, die beide noch dazu wohl in keinem weiteren Spielfilm als Stimme dieses Schauspielers zum Einsatz kamen, ist schon äußerst ungewöhnlich.

Interessanterweise sind diese beiden, mir vorliegenden Videofassungen so gut wie gleich lang und unterscheiden sich inhaltlich nur minimal – am auffälligsten in der Szene zu Beginn, als das Durchschneiden der Kehle in „Akropolis Connection“ explizit zu sehen ist und in „Rauschgift tötet leise“ nicht. Die fast identische Laufzeit ist insofern bemerkenswert, als diese beiden Videoversionen trotzdem ungefähr zehn Minuten kürzer als die für den Film überlieferte Kinolänge sind. Eine DVD-Veröffentlichung mit zusätzlichen Szenen und zwei deutschen Fassungen könnte daher eine recht spannende Angelegenheit werden. Ob es sich bei den bisher im Ausland erhältlichen Versionen um offizielle Auskopplungen handelt, ist auf den ersten Blick nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Eine DVD-Auflage mit sehr guter Bildqualität und zudem Ton-Optionen, die ein internationales Publikum erreichen, lässt in jedem Fall auf sich warten.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Arthur Kennedy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Sono stato un agente C.I.A
Deutscher Alternativtitel: Rauschgift tötet leise
IT/GR 1978
Regie: Romolo Guerrieri
Drehbuch: Vittorio Schiraldi, Mino Roli, Nico Ducci, John Crowther, Romolo Guerrieri
Besetzung: David Janssen, Corinne Cléry, Arthur Kennedy, Maurizio Merli, Ivan Rassimov, Philippe Leroy, Giacomo Rossi Stuart, Faidon Georgitsis, Dimitris Ioakeimidis, Tom Felleghy
Verleih: Mires Cinematografica, Greka Film

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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