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Sy Montgomery: Rendezvous mit einem Oktopus (Buchrezension)

25 Jun

The Soul of an Octopus – A Surprising Exploration into the Wonder of Consciousness

Von Axel Klatt

Meerestiere // In dem romanhaften Sachbuch „Rendezvous mit einem Oktopus“ von Sy Montgomery geht es um die Annäherung eines Menschen – der Autorin – zu dem körperlich so menschenfernen Kraken-Weichtier. Im Bostoner Aquarium (dort lebt auch die Grüne Meeresschildkröte Myrtle, die bei Facebook viele Freunde hat) begleitet die Erzählerin den Lebenszyklus mehrerer (pazifischer) Oktopusse in der Gefangenschaft. Von der Ankunft des im Ozean gefangenen Wildtiers über dessen Leben im Zoo bis zum schnellen Tod.

Drei Herzen schlagen im Weichtier

Der Leser wird mit unzähligen Infomationen versorgt, aber man wird nie satt, noch mehr zu erfahren. Oktopoden werden nicht sehr alt, wachsen extrem schnell, entfleuchen durch kleinste Öffnungen, haben drei Herzen und jeder Arm kann möglicherweise autark denken und agieren. Diese Details und noch viel mehr beschreibt Sy Montgomery detailliert anhand ihrer Besuche hinter den Kulissen des Aquariums. Man lernt die Menschen persönlich kennen, die dort arbeiten, und wird über die sozialen Funktionen informiert, die ein solches Tiergefängnis für die vielen Menschen in und um das Aquarium in New England ausübt. Interessant die Beschreibung der regelmäßigen physischen Kontakte zwischen Mensch und Tier. Beiderseitiges Interesse und Neugier, vor allem ausgehend von den Kraken, verblüffen mich. Der nächste Zoobesuch wird ein anderer sein. Ich werde den Kraken viel genauer und länger in Augenschein nehmen als bisher.

Das Erstaunen ob der Fähigkeiten und Eigenarten dieser Spezies verblüffen beim Lesen, und ich neige oft dazu, das Lesen zu pausieren und das Internet nach dem neu Gelernten zu durchforsten, um mir ein noch genaueres Bild zu machen.

Die Geschichte geht weit über die Aquarienbesuche hinaus. Der Faszination der Kraken erlegen, lernt die Autorin sogar extra das Tauchen, um den Tieren in der Freiheit und ihrer natürlichen Umgebung ganz nah zu sein.

Die Seele eines Oktopus

Die 1958 in Frankfurt/Main geborene und heute in New Hampshire lebende Naturforscherin sucht nach einer Antwort auf die Frage, ob ein Oktopus vielleicht eine „Seele“ im menschlichen Sinne hat. Dies ist das Kernthema des Buches. Vielleicht wird es am Ende etwas zu esoterisch und religiös. Und der Versuch der Vermenschlichung nichtmenschlichen Lebens kann nerven, aber egal – vielleicht bin das auch nur ich, und der Rest der Welt liebt diese Darstellung. Es hat mich deshalb auch irritiert, dass der originale Titel „The Soul of an Octopus“, der viel präziser auf den Punkt kommt, was den Inhalt des Buches angeht, durch den deutschen Titel „Rendezvous mit einem Oktopus“ ersetzt wurde. Aber das kennt man ja zur Genüge von Filmtiteln, die seltsame Wandlungen ins Deutsche erfahren.

Verzichtet man darauf, dieses Buch zu lesen, dann fehlt einem etwas. Ich habe das Buch im März dieses Jahres beendet und es beschäftigt mich nachhaltig. Eine klare Leseempfehlung.

Autorin: Sy Montgomery
Originaltitel (2015): The Soul of an Octopus – A Surprising Exploration into the Wonder of Consciousness
Deutsche Erstveröffentlichung: 29. August 2017
336 Seiten
Übersetzung: Heide Sommer
Verlag: Mare Verlag
Preis: 28 Euro

Copyright 2018 by Axel Klatt

 
 

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Eine Antwort zu “Sy Montgomery: Rendezvous mit einem Oktopus (Buchrezension)

  1. Wulf Brandt

    2018/06/25 at 06:45

    Habe das Buch ebenfalls im März in England in einer Buchhandlung gesehen, gekauft und sogleich gelesen. Ich kann dem Autoren nur zustimmen. Eine überaus spannende und informative Lektüre. Eine schöne Mischung aus Wissenschaft und Unterhaltung. Schön, dass ihr sowas hier rezensiert!

     

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