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The Darkest Minds – Die Überlebenden: Oops! They Did It Again

14 Aug

The Darkest Minds

Kinostart: 16. August 2018

Von Paula Bierend

SF-Thriller // Hollywood bleibt in Recycling-Laune: „Die Tribute von Panem“, „Die Bestimmung“, nun „The Darkest Minds – Die Überlebenden“ – sie alle erzählen von einer jungen Heldin, die plötzlich anders ist als alle anderen und somit der Schlüssel ist für die Tür in eine bessere Welt. Der Verantwortung und ihrer Aufgabe fühlt sie sich nicht gewachsen und zweifelt an sich selbst. Doch ihr Team steht hinter ihr (natürlich inklusive einer großen Liebe), und gemeinsam können sie dann wohl doch alles schaffen.

Nur Auserwählte überleben

Die Prämisse dieser „Auserwählten“-Geschichte: Eine geheimnisvolle Krankheit tötet alle Kinder und diejenigen, welche die Pandemie überleben (kreativ „die Überlebenden“ genannt) entwickeln übernatürliche Kräfte – es gibt fünf Gruppen: Die Grünen erweisen sich als hochintelligent, die Blauen haben telekinetische Fähigkeiten, die Goldenen manipulieren Elektrizität, die Roten tun ebensolches mit Feuer und die seltensten und die am meisten gefürchteten Orangenen können die Gedanken und Handlungen anderer Menschen beeinflussen.

Liam befreit sich und andere Camp-Insassen

Ruby (gut und facettenreich gespielt von Amandla Stenberg) ist die junge Heldin von „The Darkest Minds – Die Überlebenden“. Gemeinsam mit drei Verbündeten (Harris Dickinson, Skylan Brooks, Miya Cech) kämpft sie gegen die böse Regierung unter Präsident Snow … Verzeihung: Gray (Bradley Whitford, erinnert optisch mehr an Präsident Snow als Donald Sutherland, der jene Rolle trotzdem großartig ausfüllte). Die Regierung sperrt die Überlebenden in Camps ein und zwingt die vielversprechendsten unter ihnen in die Armee. Was die Eltern dazu sagen, bleibt offen. Die Regierung füttert sie offensichtlich mit Lügen über ein Heilmittel, das bereits den Sohn des Präsidenten kuriert hätte. Alle vier Hauptfiguren sind aus ihren Camps geflohen und suchen nach einem sicheren Ort. Doch gibt es den überhaupt? Niemandem kann vertraut werden, alle sind Feinde, als einzige Lösung erscheint es, die Regierung auszuschalten …

Im Fahrwasser der „Tribute von Panem“

Wer die Romane der „Die Tribute von Panem“-Reihe (erschienen zwischen 2008 und 2010) oder „Die Bestimmung“ (2011) verschlungen hat, den wird der Trailer von „The Darkest Minds – Die Überlebenden“ zweifellos ansprechen, auch wenn er von dem 2012 in den USA veröffentlichten ersten Band der Reihe nichts gehört hat – in deutscher Übersetzung ist der Roman seit 2014 lieferbar. Die Kino-Umsetzung ist aber eher enttäuschend. Es handelt sich um die Adaption des ersten Teils einer fünfbändigen Reihe, und danach hat sich der Film auch stark angefühlt. „The Darkest Minds – Die Überlebenden“ wirkt wie ein langer Prolog, der notwendig ist, um die folgende Geschichte zu verstehen.

Liam, Chubs, Zu und Ruby (v. l.) suchen nach einem sicheren Ort

Der Film hat an sich alle Aspekte einer guten Teenie-Dystopie. Die Gruppe junger Helden, die böse Regierung bzw. Organisation, der obligatorische Plottwist zum Ende und ein tatsächlich recht herzzerreißendes Ende („Find Me“ von Sigma featuring Birdy wurde hier perfekt eingesetzt). Doch es fehlt das gewisse Extra, der „Wow“-Effekt. Es war alles so perfekt nach Rezept gekocht, das fast nichts Unerwartetes passiert. Ab einem bestimmten Punkt ist alles vorhersehbar. Das mag an der Unerfahrenheit der südkoreanischen Regisseurin Jennifer Yuh Nelson liegen, die zuvor lediglich vier Folgen der TV-Serie „Spawn“ sowie die Computertrickfilme „Kung Fu Panda 2“ und „Kung Fu Panda 3“ inszeniert hatte, welche zugegeben recht erfolgreich waren.

Amandla Stenberg überzeugt als Ruby

An Amandla Stenbergs Spiel ist nichts auszusetzen, sie fängt die Unschuld des Charakters sehr gut ein, und trotz der deutschen Synchronisation hat sie es geschafft, mich zu rühren. Doch die Art und Weise, wie die Geschichte verläuft, lässt stark daran zweifeln, dass man gerade tatsächlich einem Menschen dabei zusieht, wie er all das durchlebt. Egal was passiert, Ruby macht weiter als sei nichts geschehen. Wer so ein Camp durchlebt, trägt Narben davon, das hätte mehr thematisiert werden müssen. Alles scheint an Ruby vorbeizuwabern, ohne einen Effekt auf ihr Denken und Tun zu haben – abgesehen davon, dass sie niemandem vertraut und sich aus Angst vor ihren Fähigkeiten nicht anfassen lassen will (was im Verlauf immer unglaubhafter wird, denn es gibt vermehrt Körperkontakt). Es fehlen die moralische Tortur, die Grauzonen, die Echtheit, es fehlt einfach die Menschlichkeit in der Geschichte.

Die frisch Verliebten genießen einen Moment des Friedens

Nichtsdestotrotz bietet der Film ordentliche Unterhaltung. Er wurde halt nach dem altbekannten, gut funktionierenden Erfolgrezept gemacht, um Jugendliche und auch den einen oder anderen Erwachsenen ins Kino zu bekommen. Der prologartige Charakter macht tatsächlich neugierig auf den zweiten Teil, auch wenn zu hoffen ist, dass die Macher daraus mehr herausholen und dieser Jugend-Dystopie Besonderheit einhauchen. Insofern funktioniert die Geldmaschine Hollywoods also.

Empfehlung: „The Young Elites“

Abschließend ein Lektüretipp: Wer eine originelle Variante dieser klassischen „Auserwählten“-Geschichte lesen will, dem sei die „The Young Elites“-Reihe von Marie Lu ans Herz gelegt. Die Romane erzählen eine sehr ähnliche Geschichte wie „The Darkest Minds – Die Überlebenden“, nur dass diese in einer eher mittelalterlichen Gesellschaft spielt, wesentlich interessantere Charakterentwicklungen darstellt und nicht mit dem simplen „Der Auserwählte rettet die Welt“-Plot aufwartet. Marie Lu lässt alles sehr real und menschlich werden, weil sie auch in die menschlichen Abgründe der Helden schaut. Dieses Buch ist eine der wenigen Teenager-Dystopien bei denen sich nicht das Gefühl „Been there, done that“ einschleicht und die auch Erwachsene fesseln kann.

Es kommt zum Showdown

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Darkest Minds
USA 2018
Regie: Jennifer Yuh Nelson
Drehbuch: Chad Hodge, nach einem Roman von Alexandra Bracken
Besetzung: Amandla Stenberg, Harris Dickinson, Miya Cech, Skylan Brooks, Mandy Moore, Bradley Whitford, Gwendoline Christie, Patrick Gibson, Mark O’Brien, Wallace Langham, Golden Brooks
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2018 by Paula Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

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