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Das Geheimnis der roten Quaste – Agentenfilm auf eigenen Wegen

28 Aug

Das Geheimnis der roten Quaste

Von Ansgar Skulme

Agentenkrimi // Der Geheimagent Richard Warren (Dietmar Schönherr) will sich durch den Verkauf einer Uranformel um 100.000 Dollar bereichern. Sein Vorhaben führt ihn nach Caracas. Schon kurz nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Venezuelas hat er plötzlich eine Ermittlung wegen Mordes an einer Striptänzerin am Hals und muss schleunigst untertauchen. Richard gerät an die Verkäuferin Regina (Vivi Bach), die ihn mit einer Falschaussage deckt. Davon, dass sich alles zum Guten wenden wird, ist diese aufkeimende Beziehung aber noch viel weiter entfernt, als es zunächst den Anschein macht.

Richard Warren hat ernste Probleme

Zugegeben: „Das Geheimnis der roten Quaste“ ist alles andere als ein Actionfeuerwerk und auch nicht von durchweg fesselnder Spannung gekennzeichnet, bleibt überraschenderweise aber trotzdem über seine kurze Laufzeit von 70 Minuten interessant. Der Grund hierfür ist, dass das Spielfilm-Regiedebüt von Hubert Frank sich nicht in plumper Nachahmung großer Vorbilder mit Low-Budget-Mitteln versucht. Das Ansinnen, James Bond nachzueifern, muss nicht unbedingt ein Fehler sein, dann allerdings braucht es zumindest ein paar gute Actionszenen, eine aufgeblasene Story, abgedrehte Schurken, kuriose technische Spielereien und/oder eine Reihe an Beinahe-Bond-Girls. „Das Geheimnis der roten Quaste“ schlägt allerdings einen gegenteiligen Weg ein. Kein Farbfilm, sondern in Schwarz-Weiß gedreht, wenige Figuren, keine visionären technischen Hilfsmittel für den Agenten, kaum Action; an einem exotischen Handlungsort zwar, den man jedoch so gut wie nicht gezeigt bekommt.

Nouvelle Bond

Im Grunde genommen ist „Das Geheimnis der roten Quaste“ schon beinahe so etwas wie eine Kreuzung aus Autoren- und Agentenfilm, wenn man sich vor Augen führt, dass Hubert Frank neben der Regie auch für das Drehbuch zuständig war. Zwar ist die Geschichte sicher nicht überaus innovativ, dafür sind aber die immer wieder positiv überraschenden Kameraeinstellungen und sonstigen Regieeinfälle sehenswert. Die Montage weckt gelegentlich sogar vorsichtige Erinnerungen an die experimentellen Regieabenteuer der französischen Nouvelle Vague. Unter dem Strich bleibt der Film unberechenbar, und dass es gelingt, das Element der Vorhersehbarkeit zu umschiffen, führt automatisch zu einem gewissen Mehr an Spannung.

Ist es wahre Liebe, die niemals vergeht?

Natürlich mag man hin und wieder dann aber auch enttäuscht sein, dass sich zur geringen Vorhersehbarkeit nicht zuweilen noch mehr krönende Überraschungen gesellen. Den Beigeschmack, an einer gewissen Blutleere zu kranken, wird der Film leider nie los. Das liegt unter anderem daran, dass man Vivi Bach und Dietmar Schönherr die Liebesgeschichte nur mit zwei zugedrückten Augen abkauft und somit ein dramatischer Aspekt an Wirkung verliert. Nicht zuletzt kostet das Fehlen eines bunten Nebendarsteller-Ensembles einen Agentenfilm viel Charisma. Schauspielerisch im Gedächtnis bleibende Auftritte lässt „Das Geheimnis der roten Quaste“ komplett vermissen.

Ein Jugoslawien ohne Winnetou & Schlagergeplänkel ohne Sinn und Verstand

Zu den filmhistorisch besonders interessanten Aspekten des Films zählt ferner, dass er im damaligen Jugoslawien, auf dem Gebiet des heutigen Sloweniens, produziert wurde. Jugoslawien! Ein Faktor, den man aus dem deutschsprachigen 60er-Kino ansonsten eigentlich von Karl-May-Western kennt – einer der wenigen Nebendarsteller mit Sprechrolle, Demeter Bitenc, dürfte eingefleischten Karl-May-Fans aus heutiger Sicht auch durchaus ein Begriff sein. Für einen solchen, primär für den deutschen Markt inszenierten Krimistoff ist Jugoslawien als Produktionsstandort eine doch recht untypische Wahl, noch dazu vor dem Hintergrund, dass es sich nicht um eine bundesdeutsche, sondern eine österreichische Produktion handelt. Leider geht der Film allerdings sehr sparsam mit Außenaufnahmen um, was für die Illusion, dass er in Südamerika spielt, nicht unbedingt förderlich ist – auch wenn es vermutlich schwierig geworden wäre, Jugoslawien fortwährend nach Venzuela aussehen zu lassen. Das Vermeiden von Außenaufnahmen ist insofern kurios, als die jugoslawischen Schauplätze für die Karl-May-Western eben gerade aufgrund ihrer Landschaften und nicht nur allein des Geldes wegen ausgewählt wurden. Hier hingegen ging man zwar nach Jugoslawien, flüchtete sich dann aber hauptsächlich in Innenaufnahmen. Gelegentlich scheint es so als sei das Budget nicht nur gering, sondern sogar fast gen Null gewesen und als habe man sich mangels Drehgenehmigungen nicht auf die Straße getraut. Dieser Eindruck mag täuschen, aber allein schon, dass es so wirkt, hilft dem Film nicht gerade weiter. Unglücklich auch der unpassende, banale Schlager-Titelsong gleich zu Beginn, der der Geschichte von vornherein Dramatik stiehlt und ihr den Anstrich leichter Unterhaltung zum denkbar ungünstigsten, frühesten Zeitpunkt verpasst.

Die Möglichkeit einer längeren Fassung

Die auf der DVD von Pidax vorliegende, zuweilen sprunghafte Version dieses Films macht den Eindruck, dass es sich um eine schon seit langem gekürzte Fassung handeln könnte – einige Bild- und Handlungssprünge scheinen sich nicht allein durch beschädigtes Ausgangsmaterial zu erklären. Gerüchteweise war für die Kinoauswertung in Österreich eine längere Fassung von etwa 89 Minuten geplant oder in irgendeiner Weise im Umlauf, die möglicherweise sogar offiziell im Kino erschienen, aber mittlerweile verschollen ist. Es mag sein, dass der Film in einer längeren Fassung anders wirken würde. Der Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne, der der DVD, wie für Pidax üblich, beiliegt, löst dieses Rätsel ebenfalls nicht, erzählt aber stattdessen die Handlung bis zum Ende nach – beim Lesen ist somit Vorsicht geboten, wenn man sich die Spannung an einem Film nicht von vornherein nachhaltig verderben will!

Warum ein Nein akzeptieren, wenn man es auch ignorieren kann …

Veröffentlichung: 17. August 2018 als DVD

Länge: 70 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Das Geheimnis der roten Quaste
Alternativtitel: Das Rätsel der roten Quaste
A 1963
Regie: Hubert Frank
Drehbuch: Hubert Frank
Besetzung: Dietmar Schönherr, Vivi Bach, Laya Raki, Slavo Schweiger, Demeter Bitenc, Mario Di Stella, Joze Pengov
Zusatzmaterial: Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne Nr. 6647, Bildergalerie
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Ansgar Skulme

Die Melancholie des Augenblicks

Fotos & Packshot: © 2018 Al!ve AG / Pidax Film

 

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