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China Salesman – Propaganda-Machwerk in Actionfilm-Tarnung

09 Sep

China Salesman

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // In einem nicht näher genannten, vom Bürgerkrieg gezeichneten nordafrikanischen Land hat der Wiederaufbau begonnen. Das hat die internationale Geschäftswelt auf den Plan gerufen. Für einen chinesischen Konzern will der junge Geschäftsmann Yan Jian (Dong-xue Li, „Brotherhood of Blades – Kaiserliche Assassins“) einen Vertrag für den Aufbau des Mobilfunknetzes abschließen. Doch er bekommt es mit korrupten Gegnern und einer groß angelegten Verschwörung zu tun.

Tausendsassa Yan Jian (M.) findet sich …

Name-Dropping gleich zum Auftakt: „China Salesman“ beginnt mit einer Barszene, in der gleich Mike Tyson und Steven Seagal eingeführt werden. Der Ex-Box-Champion spielt Kabbah, der sich von einem skrupellosen US-Konzern instrumentalisieren lässt, Seagal tritt als undurchsichtiger Schmuggler in Erscheinung. Seine Hauptaufgabe besteht darin, in wenigen Szenen einfach da zu sein. In besagter Startszene bestreitet er sogar eine Kampfeinlage gegen Tyson. Worum es dabei geht – egal, Hauptsache, die chinesische Produktion kann sich mit zwei international bekannten Akteuren brüsten.

China und seine edlen Absichten

Als Hauptfigur fungiert erwähnter Yan Jian, ein redlicher, etwas naiv wirkender Geselle, der jedoch in diversen Situationen eine Lösung parat hat – und bei telefontechnischen Problemen sowieso. Die Botschaft ist klar: Er personifiziert ein China, das nur lautere Ziele verfolgt und der Welt das Gute bringen will. Wiederholt schwenkt Yan Jian die Flagge der Volksrepublik China, wobei nicht ganz deutlich wird, was er in dem Moment damit bezweckt. Letztlich bleibt der junge, nicht korrumpierbare Chinese die einzige Person, die verhindern kann, dass das afrikanische Land in den Bürgerkrieg zurückgeworfen wird. Der US-Konkurrent zieht natürlich das eine oder andere fiese Ass aus dem Ärmel, während die Chinesen nur Gutes im Sinne haben und niemals Daten missbrauchen würden. Ist klar! Die plump vorgetragene propagandistische Intention von „China Salesman“ gibt Anlass zu Kritik, aber auch das US-Actiongenre hat sich ja wiederholt auf diese Weise missbrauchen lassen. Dass diesmal vornehmlich Weiße die Schurkenparts innehaben, kann man für rassistisch halten, aber da es oft genug andersrum ist, werden wir Hellhäutigen das verschmerzen können. Ärgerlicher ist da schon die Art und Weise, wie Chinesen gegenüber Afrikanern als überlegen präsentiert werden.

… in jeder Situation …

Auch die dreiste Behauptung, das Gezeigte basiere auf einer wahren Geschichte, lässt den einen oder anderen Zehennagel aufgerollt zurück. Die Action ist dafür explosiv und bleihaltig inszeniert, reißt das Ruder aber auch nicht herum. Für Regisseur und Ko-Drehbuchautor Tan Bing ist es das Filmdebüt, er ist international ein unbeschriebenes Blatt. Ob er mehr drauf hat, als chinesische Propaganda zu verbreiten, wird womöglich die Zukunft zeigen. Für eine gradlinige Story mangelte es ihm wohl an Erfahrung, die Handlung verliert sich in Nebensträngen.

… heldenhaft zurecht

Mike Tyson tummelt sich seit geraumer Zeit im Filmgeschäft. Häufig war er in Cameos als er selbst zu sehen, etwa in „Hangover“ (2009) nebst Fortsetzung und „Scary Movie 5“ (2013). Zuletzt trat er verstärkt auch in Nebenrollen in Erscheinung, etwa im kernigen Actioner „Kickboxer – Die Abrechnung“. Uns soll’s recht sein. In „China Salesman“ stört er nicht weiter, bis er im Showdown aber leider einen arg peinlichen und pathetischen Abgang hinlegt. Ein westliches Raubein mit asiatischem Pathos zu versehen, funktioniert eher suboptimal.

Wann geht Steven Seagal in den Ruhestand?

Steven Seagal demontiert weiter fleißig sein Denkmal, das er sich einst mit Filmen wie „Nico“ (1988) und „Alarmstufe: Rot“ (1992) im Actiongenre errichtet hat. Mittlerweile reicht die Kraft offenbar nur noch für wenige Szenen pro Film. Und wenn er mal seine Kampfkunst demonstriert wie zu Beginn, wird seine mangelnde Beweglichkeit mit reichlich Schnitten kaschiert. „China Salesman“ steht in der Hinsicht in einer Reihe mit Billigware vom Schlage „Code of Honor – Rache ist sein Gesetz“ und „Sniper – Special Ops“ (beide 2016). 2016 nahm Seagal die russische Staatsbürgerschaft an, im August 2018 ließ der russische Präsident Vladimir Putin ihn zum Sondergesandten für humanitäre Beziehungen mit den USA ernennen. Irgendjemand hätte ihm vielleicht „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ zurufen sollen, aber seine Actionleisten sollte Seagal mittlerweile besser an den Nagel hängen. „China Salesman“ belegt dies leider eindrucksvoll.

Ob er auch mit Kabbah (l.) fertig wird?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steven Seagal sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Was will der denn hier?

Veröffentlichung: 6. September 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: China Salesman
Alternativtitel: Deadly Contract
CHN 2017
Regie: Tan Bing
Drehbuch: Tan Bing, Scott Salter
Besetzung: Steven Seagal, Mike Tyson, Dong-xue Li, Janicke Askevold, Li Ai, Eriq Ebouaney, Zijian Wang, Bryan Byrne, Anthony Gavard, Marc Philip Goodman, Diana Hübel
Zusatzmaterial: Trailershow
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

 
 

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Eine Antwort zu “China Salesman – Propaganda-Machwerk in Actionfilm-Tarnung

  1. TomHorn

    2018/09/09 at 14:09

    Der Film ist so unglaublich scheiße, wir haben so gelacht. Danach lief dann allerdings „The Asian Connection“, und der ist leider nur langweilig.

     

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