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Die dunkelste Stunde – Mehr als nur eine Gary-Oldman-Show?

15 Sep

Darkest Hour

Von Philipp Ludwig

Historiendrama // Was hat dieser Film nach seiner ausgedehnten Festivaltour im Herbst 2017 und dem US-Kinostart am 22. Dezember doch für einen Aufruhr ausgelöst! Zu Beginn des Jahres 2018, nach dem Start in Deutschland sowie im Vorfeld der Golden-Globe- und insbesondere der Oscar-Verleihung nahm der Hype um dessen imposanten Hauptdarsteller beinahe schon unbegrenzte Ausmaße an. Der Oscar für Gary Oldman war angesichts dessen langer und beeindruckender Karriere überfällig – und für seine Verkörperung des so schrulligen wie unbeugsamen britischen Premierministers Winston Churchill auch mehr als verdient. Doch hat das ambitionierte historische Politdrama des britischen Regisseurs Joe Wright („Hanna“, 2011) mehr zu bieten als einen famosen Hauptdarsteller?

London im Mai 1940

Wright hält sich nicht lange mit allzu großen Erklärungen und Einführungen auf. Unvermittelt beginnt „Die dunkelste Stunde“ Anfang Mai 1940 mit einer hitzigen Debatte im britischen Unterhaus. Neville Chamberlain (Ronald Pickup), stark gealterter, noch amtierender Premierminister, steht schwer unter Druck. Fordert die Labour-Opposition doch vehement seinen Rücktritt, aus Unzufriedenheit über seine langjährige und mittlerweile dramatische Unterschätzung der von Nazi-Deutschland ausgehenden Gefahr. Die zentraleuropäische Großmacht hat den Nachbarn Frankreich durch eine blitzartige Invasion an den Rand der Niederlage gebracht. Doch nicht nur die Opposition übt Druck auf den Premier aus, auch in seiner eigenen Partei rumort es. Chamberlain bietet daher zunächst Lord Halifax (Stephen Dillane) als seinen Nachfolger an der Spitze eines überparteilichen Kriegskabinetts an, der jedoch überraschenderweise ablehnt. Die Opposition scheint aber sowieso nur einem Kandidaten aus den Reihen der regierenden Konservativen die Aufgabe zuzutrauen: Winston Churchill (Oldman). Doch der schrullige und sturköpfige, ebenfalls in die Jahre gekommene Politiker ist sowohl in seiner eigenen Partei als auch allgemein ebenfalls nicht gerade unumstritten.

„Give Peace a Chance?“

Die Herausforderungen für den neuen Premierminister sind von Beginn an gewaltig. Durch den drohenden Fall des französischen Bündnispartners ist auch die knapp 400.000-Mann starke British Expeditionary Force (BEF) in akuter Gefahr. Sie war zur Unterstützung im Kampf gegen die Wehrmacht nach Frankreich entsendet worden und steht nach einer Reihe militärischer Niederlagen vom Feind eingekesselt an der Küste Dünkirchens mit dem Rücken zur Wand. Doch statt sich in Ruhe um weitere Möglichkeiten zur Unterstützung Frankreichs geschweige denn um eine Lösung zur Rettung des Herzstücks der britischen Armee zu kümmern, muss sich Churchill zunächst einmal darum bemühen, die zahlreichen politischen Widerstände, vor allem in seiner eigenen Partei, im Keim zu ersticken. Insbesondere sein Vorgänger Chamberlain und dessen Vertrauter Halifax erweisen sich als ärgste Widersacher des eigenwilligen Neu-Premiers – und sie haben weiterhin eine Menge mächtiger Unterstützer, wurden von Churchill aber dennoch ins Kabinett berufen. Sie sind vor allem von dessen meist reißerischen Durchhalteparolen sowie seinen kriegerischen Absichten gegenüber dem Deutschen Reich wenig überzeugt, plädieren weiterhin für eine friedliche Lösung mit dem schier übermächtigen Feind. Ein Friedensabkommen mit dem unberechenbaren Adolf Hitler? Für Churchill unvorstellbar. Zur Seite stehen ihm in seinen Bemühungen um politische Einheit seine Frau Clementine (Kristin Scott Thomas), seine neue, junge Sekretärin Elizabeth Layton (Lily James) sowie sein engster politischer Vertrauter, Anthony Eden (Samuel West). Und dann ist da noch König George VI. (Ben Mendelsohn), der dem neuen Premierminister zunächst ebenfalls skeptisch gegenübersteht. Der Monarch will einerseits, aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen als Marineoffizier im vorherigen Weltkrieg, einen zweiten unbedingt verhindern, andererseits hat er Churchills Unterstützung für seinen großen Bruder, den vorherigen König Edward VIII., in der sogenannten Abdication-Crisis nicht vergessen. Kann sich Churchill mit seinem rigorosen Festhalten am Kurs des kriegerischen Widerstands gegen die Nazis gegen seine Kritiker durchsetzen? Und was passiert nun eigentlich mit den Soldaten in Dünkirchen?

Die Lage ist ernst für das Vereinigte Königreich

Um die Frage aus der Überschrift direkt zu beantworten: Ja, der Film hat definitiv mehr zu bieten als nur seinen Hauptdarsteller. Joe Wright ist ein vorzügliches und interessantes historisches Politdrama gelungen, das die ersten Wochen von Churchills Amtszeit spannend und nervenaufreibend, gleichzeitig aber auch äußerst unterhaltsam wie auch gefühlvoll darstellt. Insbesondere die angespannte Stimmungslage in England im Angesicht der drohenden Niederlage Frankreichs und der schieren Übermacht Nazi-Deutschlands sowie die damit einhergehende politische Spaltung im Land in Bezug auf das weitere Vorgehen sind hervorragend getroffen. In Verbindung mit dem an vielen Stellen Spannung erzeugenden Soundtrack sind die politische Unruhe und Unsicherheit jener Zeit deutlich spürbar. „Die dunkelste Stunde“ ist daher stellenweise fast schon in den Bereich des Polit-Thrillers einzuordnen. Auch wenn es durchaus immer mal wieder ruhige und mitunter sehr emotionale Momente gibt – diese wirken dadurch umso nachdrücklicher. Ebenso wie eine Reihe humoristischer Passagen, die der ungewöhnliche und mit zahlreichen Macken versehene Charakter Churchills zuhauf bietet.

Auch beim Zuschauen bleibt nur wenig Zeit zum Durchatmen

Regisseur Wright verlangt uns Zuschauern eine Menge ab, verzichtet er doch auf große Erklärungen. Das Tempo der Handlung und der gesamten Inszenierung erfordert hohe Aufmerksamkeit, ansonsten kann man in dem ereignisreichen Plot schnell den Faden verlieren. Ebenso ist ein gewisses Grundwissen über die historischen Ereignisse hilfreich, droht doch aufgrund der Fülle an historischen Persönlichkeiten sowie einer eher sparsamen Informationspolitik des Regisseurs in der einen oder anderen Situation ansonsten Ratlosigkeit aufzukommen. Aber selbst wer nicht sämtliche Zusammenhänge immer so ganz verstehen sollte, kann durch die ansprechende und kurzweilige Inszenierung wohl dennoch zufriedengestellt werden. Zur Lektüre sei das Sachbuch „Die dunkelste Stunde: Churchill – Als England am Abgrund stand“ („Darkest Hour – How Churchill Brought us Back from the Brink“) vom neuseeländischen Drehbuchautor Anthony McCarten („Die Entdeckung der Unendlichkeit“, 2014) empfohlen, in dem dieser die im Film dargestellten, ereignisreichen Wochen des Mais 1940 gut recherchiert und ebenfalls außerordentlich spannend aufbereitet hat. Passenderweise ist er auch für das Skript des hier behandelten filmischen Werks verantwortlich.

Filmische Grenzgänge zwischen Fakten und Fiktion

Auch „Die dunkelste Stunde“ zeigt uns, dass historische Spielfilme als cineastische Grenzgänger zwischen Fakten und Fiktion in erster Linie, bei aller Faktentreue, vor allem fiktionale Spielfilme sind – und sich daher auch künstlerische Freiheiten in der Umsetzung ihrer historischen Vorlagen erlauben können und dürfen. McCartens Drehbuch macht da keine Ausnahme. Denn ohne zu viel verraten zu wollen, sind doch einige Momente des Films (beispielsweise Churchills nächtlicher und verzweifelter Anruf bei US-Präsident Roosevelt sowie seine erste Fahrt mit einer Londoner U-Bahn nebst emotionalen Diskussionen mit der britischen Bevölkerung) zwar besonders eindrücklich inszeniert, historisch betrachtet aber Humbug. Es sei den Machern verziehen. Die Eckpunkte der Geschehnisse hingegen sind treffend und historisch korrekt zusammengefasst, der Ernst der Lage kommt eindrucksvoll rüber. Auch sind die imposanten und mitreißenden Durchhaltereden von Churchill nach dessen Amtsantritt hervorragend und mitunter äußerst innovativ in Szene gesetzt. Gerade die Inszenierung seiner ersten Radioansprache lässt sich besonders sehen, ist hier doch die Macht der Stimme audio-visuell bestens in Szene gesetzt worden. Interessant ist auch, dass diese berühmten Reden Churchills, wie etwa die von „blood, toil, tears, and sweat“ und „We shall fight on the beaches“ aufgrund ihrer Imposanz zwar in die Historie eingegangen sind und bis heute allen an jener Epoche Interessierten ein Begriff sein dürften, insbesondere von seinen politischen Zeitgenossen jedoch durchaus mit einer – milde ausgedrückt – gewissen Skepsis bedacht wurden.

Der neue Premierminister checkt die Stimmung in der Bevölkerung

Prunkstück von „Die dunkelste Stunde“ ist und bleibt dieser eine Mann: Gary Oldman. Wie die britische Schauspielgröße hier eine der interessantesten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte interpretiert, ist einfach nur phänomenal, und ich ziehe daher einfach mal sämtliche Hüte, obwohl ich gar keine besitze. Angesichts einer ganzen Reihe an Churchill-Interpretationen, die die Film- und Fernsehgeschichte zu bieten hat, lehne ich mich einfach mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass es etwas Vergleichbares noch nicht gegeben hat. Nicht nur dank einer hervorragenden Maske wird Oldman quasi mit Haut und Haaren sowie mit seinem gesamten Körper, mit Geist, Gestik, Mimik und Sprache in aller Umfänglichkeit zum ehemaligen britischen Premierminister. Zudem verleiht er seiner historischen Figur große Tiefe, stellt er doch nahezu sämtliche Facetten dieses vielseitigen und höchst interessanten Charakters eindrucksvoll zur Schau. So war ich am Ende vor allem deswegen enttäuscht, nun nicht noch mehr von Oldmans ganz persönlicher Churchill-Show zu sehen zu bekommen. Ich hätte ihm noch Stunden dabei zusehen können, wie er einfach nur bei seinem umfangreichen Frühstück im Bett sitzend Anweisungen bellt, in der Badewanne liegend nuschelnd Reden und Briefe diktiert oder was auch immer gerade treibt. Selbst einen schlafenden Churchill würde Oldman wohl noch mit Bravour darstellen. Selten war ein Oscar verdienter als in diesem Fall. An dieser Stelle wieder einmal meine nachdrückliche Empfehlung: Schaut „Darkest Hour“ in der Originalfassung. Selbst wenn man des Englischen nicht so mächtig sein sollte, sollte man dieser einfach eine Chance geben – zur Not mit Untertiteln. Denn Churchill zeichnete sich ja neben den vielen politischen und charakterlichen Aspekten auch durch seine besondere Stimme und seine Sprechweise aus – diesem Umstand in der deutschen Synchronisation auch nur annähernd gerecht zu werden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Auch wenn sich Oldmans Stammsynchronsprecher Udo Schenk selbstverständlich redlich bemüht.

Trotz aller nach außen gezeigter Zuversicht und Stärke …

Oldman bietet uns eindrucksvoll eine Figur an, die, trotz all ihrer Eigenheiten und nach außen gezeigter Zuversicht und Stärke auch sehr verletzlich scheint und aufgrund der schwierigen Situation oft kurz vor der Überforderung steht. Wir haben es mit einem zutiefst menschlichen Churchill zu tun, der, in seiner verständlichen Erschöpfung und drohenden Resignation, eine breite Basis für eine hohe Empathie unsererseits bietet. Denn der für uns heute oft als selbstverständlich hingenommene spätere Kriegsverlauf war im Mai 1940 alles andere als sicher. Ganz im Gegenteil, eine drohende Niederlage war für England ein nur allzu reales und bedrohliches Szenario, vielleicht damals sogar wahrscheinlicher als etwa der tatsächliche Kriegsverlauf mit dem endgültigen Sieg der Alliierten im Mai 1945. Blogbetreiber Volker hat das in seiner Rezension von Christopher Nolans „Dunkirk“ (2017) bereits beschrieben, ich zitiere ihn einfach mal: Die Vernichtung oder Gefangennahme der in Dünkirchen eingekesselten Alliierten hätte wahrscheinlich die Kapitulation des Vereinigten Königreichs zur Folge gehabt – mit kaum auszudenkenden Folgen für den Kriegsverlauf. Die Welt wäre heute vielleicht eine ganz andere.

… befindet sich auch Winston Churchill (hier mit seiner Frau Clementine) oft am Rande der Verzweiflung

Es sind vor allem ruhige Momente, die überzeugen und uns einen Menschen in einer Extremsituationen zeigen, der dem Druck einer ganzen Nation, ja beinahe schon eines ganzen Kontinents oder gleich der ganzen Welt auf seinen Schultern ausgesetzt ist. Hier sei erneut auf die besonders eindrückliche Szene verwiesen, in der ein erschöpfter und fast schon hoffnungs- wie auch ratloser Churchill in seinem unterirdischen Hauptquartier Präsident Roosevelt anruft und diesen (vergeblich) um Unterstützung beinahe schon „anbettelt“. Auch wenn es für diese Szene keinerlei Belege gibt, bestand im Mai 1940 doch noch gar keine feste Standleitung zwischen den USA und Großbritannien, wie der Film suggeriert.

Muss sich an ihren neuen Chef erst gewöhnen: Sekretärin Elizabeth Layton

Doch wäre es unfair, sich in Bezug auf die schauspielerischen Leistungen auf den Hauptdarsteller zu beschränken – ist doch auch der restliche Cast hochkarätig mit namhaften und vor allem aus britischen Filmen und Serien bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern gespickt, die ebenfalls durchweg zu überzeugen wissen. Hier sei vor allem die wieder einmal bezaubernde Lily James („Downton Abbey“) hervorzuheben, die Churchills neue Sekretärin Elizabeth Layton verkörpert. Mit ihr sind wir auf Zuschauerseite von Beginn an besonders eng verbunden, ist ihr erstes, außerordentlich nervenaufreibendes Zusammentreffen mit ihrem neuen, cholerischen Chef doch auch unser erstes Aufeinandertreffen mit Churchill. Auch danach sehen wir viele der Ereignisse durch ihre Augen. Ebenso bietet uns diese Figur wiederum die Möglichkeit, über das Verhältnis von Fakten und Fiktion zu fabulieren: Zwar hat es die Sekretärin von Churchill wirklich gegeben und wurde sie tatsächlich zu einer seiner engsten Vertrauten, zu seinem Stab stieß sie allerdings tatsächlich erst nach den im Film dargestellten Ereignissen. Auch ist ihr Bruder nicht, wie im Film suggeriert, beim Rückzug nach Dünkirchen gefallen. Aber zurück zu Lily James. Diese gehört für mich zu den größten schauspielerischen Nachwuchstalenten, von ihr werden wir in Zukunft hoffentlich noch einiges zu sehen bekommen. Auch wenn die 1989 in England Geborene schon nicht mehr wirklich als Talent bezeichnet werden kann, sondern eher schon als neue feste Größe in der Kinolandschaft (schaut man sich ihre exponentiell steigende Rollenzahl über die vergangenen Jahre einmal an). Sie weiß aber irgendwie immer zu überzeugen und auch in diesem Werk zeigt sie wiederholt, dass sie imstande ist, ihre Figuren mit Herzlichkeit, Wärme und Tiefe auszustatten und durch eine ungemeine Leinwandpräsenz zu brillieren. Für mich ist es immer wieder eine Freude, Lily James bei der Arbeit zusehen zu dürfen. Ja, ich gebe zu, ich bin ein kleiner Fan.

Ist Ben Mendelsohn der Zwillingsbruder des Königs?

Ebenso überzeugt Ben Mendelsohn („Rogue One – A Star Wars Story“, 2016) in der schwierigen Rolle des populären Königs George VI. Der australische Schauspieler, den ich vor allem seit seiner beeindruckenden Performance in der tollen Netflix-Serie „Bloodline“ außerordentlich schätze, bietet hier sowohl vom äußerlichen Erscheinungsbild als auch in Gestus und Sprache ein Abbild des echten Königs. Man könnte fast meinen, er sei dessen Zwillingsbruder, so stark ähneln sich beide im Aussehen sowie in ihrer reservierten und förmlichen, stets aber auch warmen, herzlichen und offenen Art. Daher ist es auch eine große Freude, die Entwicklung einer beginnenden Freundschaft zwischen Churchill und George VI. aufgrund deren jeweiligen tollen Darsteller präsentiert zu bekommen. Im Vergleich zur damals zwar großartigen schauspielerischen Leistung von Colin Firth als George VI. in „The King’s Speech“ (2010), der hierfür auch völlig zu Recht einen Oscar erhalten hat, dem echten König aber überhaupt nicht ähnelte, wird uns hier nun eine beeindruckend authentische filmische Version des historischen Vorbilds geboten. Auch wird dessen berühmtes Stottern hier deutlich näher dem realen Vorbild entsprechend inszeniert. Neben James und Mendelsohn ist auch die übrige Besetzung hervorzuheben, sie hat es verdient: ob etwa Kristin Scott Thomas („Der englische Patient“, 1996) als Clementine Churchill, die als einzige Person ihren Mann wirklich im Griff zu haben scheint, Stephen Dillane („Game of Thrones“) als gefasster, edler und nobler, aber auch hartnäckiger politischer Widersacher Lord Halifax oder Samuel West („Mr. Selfridge“) als unermüdlicher Unterstützer Antony Eden.

Erst Skeptiker, dann freundschaftlicher Verbündeter Churchills: König George VI.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist zudem die innerhalb kürzester Zeit erneute filmische Behandlung der historischen Ereignisse von Dünkirchen. Nur wenige Monate vor Joe Wrights Churchill-Film hatte Christopher Nolan seinen imposanten Kriegs-Thriller „Dunkirk“ in die Kinos gebracht. Beide Werke waren dann auch in der gleichen Oscarverleihung nominiert. Auch wenn Wright in seinem Werk, im Gegensatz zu „Dunkirk“, die Evakuierung der Soldaten nur als Randthema verwendet und nicht groß in Szene setzt, ist es dennoch interessant, in der Kombination dieser beiden zeitlich nah beieinander entstandenen Filme eine Art filmisch abgerundetes Bild präsentiert zu bekommen.

Churchill erklärt Elizabeth die angespannte Lage in Dünkirchen

Joe Wright gelingt mit „Die dunkelste Stunde“ also ein beeindruckendes und kurzweiliges historisches Politdrama, das in seiner knapp zweistündigen Laufzeit ungemein viel zu bieten hat: Es ist sowohl Historiendrama und Biopic als auch Politthriller mit einer Menge Spannung sowie Gefühl, Emotionen, stillen Momenten und sogar einer ganzen Reihe humoristischer Elemente. Zu bemängeln gibt es eigentlich kaum etwas. Höchstens die mutige Entscheidung des Regisseurs sowie seines Drehbuchautors McCarten, den Zuschauern relativ wenige Informationen an die Hand zu geben, sodass in der mitunter rasanten Abhandlung der historischen Ereignisse der Überblick verloren gehen mag. Ebenso sind die mitunter recht hanebüchenen künstlerischen Freiheiten in Bezug auf die historische Faktentreue zwar für die filmische Inszenierung von zentraler Bedeutung und bilden hier auch einige der stärksten Momente, bieten aber durchaus Potenzial für Kritik. Dies ist aber wohl stark vom jeweiligen subjektiven Rezeptionsverhalten abhängig. In welchen Ausmaßen man bei solchen Filmen vollständige historische Korrektheit erwartet, unterliegt wohl der Bewertung jedes einzelnen Zuschauers. Wer „Die dunkelste Stunde“ bislang noch nicht gesehen hat: Schaut ihn euch an – es lohnt sich.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lily James sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Kann der neue Premier seine Skeptiker überzeugen?

Veröffentlichung: 24. Mai 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Darkest Hour
GB/USA 2017
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Anthony McCarten
Besetzung: Gary Oldman, Lily James, Ben Mendelsohn, Kristin Scott Thomas, Stephan Dillane, Ronald Pickup, Samuel West, David Schoefield
Zusatzmaterial: Featurettes zu Regie und Besetzung
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Philipp Ludwig

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH

 

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