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Outrage Coda – Otomos Schwanengesang

22 Sep

Outrage Coda

Von Volker Schönenberger

Gangsterdrama // Fünf Jahre, nachdem das Sanno-kai-Syndikat zerschlagen und der Hanabishi-kai-Organisation einverleibt wurde, lebt Otomo (Takeshi Kitano) in Südkorea, wo er für den dortigen Paten auf der Insel Jeju tätig ist. Als der renitente Yakuza Hanada (Pierre Taki) vom Hanabishi-Clan in einem Hotel zwei Prostituierte verprügelt, die seine Wünsche nicht erfüllen wollen, beginnt damit eine neue Spirale der Gewalt. Statt eine Entschädigung zu zahlen, lässt Hanada ein Mitglied des koreanischen Clans ermorden. In der Folge entbrennt in Japan ein Machtkampf in der Unterwelt, der Otomo schließlich wieder zurück in seine Heimat führt. Das wiederum bekommt etlichen dortigen Gangstern gar nicht gut.

Eskalation unter Gangstern

Mit „Outrage Coda“ beendet Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller und Japan-Superstar Takeshi Kitano seine 2010 mit „Outrage“ begonnene und zwei Jahre später mit „Outrage Beyond“ fortgesetzte Trilogie. Er nimmt besonders die zweifelhafte „Ehre“ der japanischen Gangster aufs Korn. Bei all ihren schmutzigen Geschäften und ohne jede Hemmung ausgeführten Morden müssen sich die Herren Verbrecher ihre Moral doch arg zurechtbiegen. Und gemordet wird nach eher ruhigem Auftakt viel in „Outrage Coda“. Besonders Otomo zeigt einmal mehr etlichen Kontrahenten, wo der Hammer hängt.

Die Bosse beraten sich

Mit Detective Shigeta (Yutaka Matsushige) taucht auch ein nicht korrumpierbarer Polizist auf. Ihm sind allerdings die Hände gebunden, und er ist letztlich zu ehrbar, um Otomo und den anderen Gangstern auf Augenhöhe zu begegnen, was seine Figur schwach erscheinen lässt und damit letztlich wenig bedeutend macht. Die Figur des Yakuza Hanada hätte das Zeug zu einem starken Antagonisten Otomos gehabt, aber danach stand Takeshi Kitano offenbar nicht der Sinn. Anfangs gibt sich Hanada zwar großmäulig und unantastbar, aber letztlich hat er nicht viel zu sagen und entpuppt sich als kleine Wurst. Otomos Urgewalt ist ohnehin niemand gewachsen. Es dürfte kein Zufall sein, dass ausgerechnet dieser Schurke Kitano zu einer Trilogie veranlasst hat – er spielt ihn mit Verve und hat den Gangster auf eine krude Weise sicher ins Herz geschlossen. „Outrage Coda“ reicht insgesamt nicht ganz an die beiden Vorgänger heran, schließt die Trilogie um Otomo aber würdig ab.

Otomo greift ein

Mal erleidet einer der Bosse einen Wutausbruch aufgrund der Unfähigkeit seiner Untergebenen, mal geht es eher lakonisch zu – bis dann irgendjemand eine Waffe zieht und die Gewalt explodiert. Nicht immer halten die großen Gangster dabei das Heft sicher in der Hand. Große Bosse, mittlere Führungsriege, kleine Handlanger – es fällt nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, wenn die Gangster ihre Intrigen spinnen, Eskalationen zu vermeiden zu versuchen oder sie herbeiführen. Das Booklet des Mediabooks von „Outrage Coda“ hilft da nicht weiter, da es keinen Essay zum Film enthält, sondern einen Text über die Geschichte des Yakuza-Films – auch gut. Mangels geeigneten Zusatzmaterials über den Film entschied sich capelight pictures zum wiederholten Mal, einer Takeshi-Kitano-Veröffentlichung gleich einen ganzen Film als Bonus beizulegen: Kitanos Komödie „Getting any?“ („Minnâ-yatteruka!“) von 1994. Ein schönes Extra. Wer darauf verzichten kann und die beiden Vorgängerfilme noch nicht im Regal stehen hat, ist mit der „Outrage Trilogie“ gut bedient, die mit allen drei Filmen auf Blu-ray im Digipack daherkommt.

Leichen pflastern seinen Weg

Die beiden Vorgängerfilme ebenfalls zu sichten und zu rezensieren, war zeitlich leider nicht möglich, daher verweisen wir auf Christoph vom „Fluxkompensator“, der dies sowohl für „Outrage“ als auch für „Outrage Beyond“ erledigt hat. Und selbstverständlich hat er auch einen Text zu „Outrage Coda“ beigesteuert. Das hat das Filmforum Bremen bereits vor einiger Zeit erledigt.

Der alternde Otomo befindet sich am Scheideweg

Veröffentlichung: 14. September 2018 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray, DVD & Bonus-Blu-ray), als Blu-ray in der „Outrage Trilogy“-Box und DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Outrage Coda
JAP 2017
Regie: Takeshi Kitano
Drehbuch: Takeshi Kitano
Besetzung: Takeshi Kitano, Toshiyuki Nishida, Tatsuo Nadaka, Ken Misuishi, Ikuji Nakamura, Yutaka Matsushige, Ren Osugi, Hiro Honda, Hiroyuki Ikeuchi
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Trailershow, nur Mediabook: Blu-ray mit Takeshi Kitanos Komödie „Getting any?“, Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 capelight pictures

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