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Valdez – Gealterter Mexikaner begehrt auf

09 Okt

Valdez Is Coming“

Von Volker Schönenberger

Western // In der Titelrolle von „Valdez“ sehen wir Burt Lancaster einmal nicht aufrechten Ganges, als wackeren Recken oder gar mit seinem berühmten breiten Grinsen. Dass er facettenreicher spielen kann als in „Der rote Korsar“ (1952) und „Vera Cruz“ (1954), wissen wir natürlich bereits seit seinem Spielfilmdebüt „Die Killer“ (1946), auch in „Der Gefangene von Alcatraz“ (1962) war er alles andere als der strahlende Held. So demütig und gebeugt wie als Bob Valdez hat man ihn aber selten gesehen.

Valdez (2. v. l.) bewacht eine Postkutsche

Valdez verdingt sich als Constable, eine Art Hilfssheriff, dessen Aufgabe meist darin besteht, Überlandkutschen als Begleiter zu sichern. Zufällig gerät der gealterte Mexikaner in eine Racheaktion des mächtigen Grundbesitzers Tanner (Jon Cypher) und ist kurz darauf gezwungen, einen Unschuldigen (Lex Monson) zu erschießen. Als er kurz darauf von Tanner 100 Dollar für die indianische Witwe (Juanita Penaloza) erbittet, lässt der ihn erst auflaufen und demütigt ihn dann auf brutale Weise. Nun ist das Maß für Valdez voll. Er erinnert sich an seine Vergangenheit als Soldat im Einsatz, zieht seine alte Uniform an und wandelt sich vom Bittsteller zu jemandem, mit dem nicht zu spaßen ist, wenn man seine Forderungen nicht erfüllt. Bald darauf hat er Tanners Geliebte Gay Erin (Susan Clark) als Geisel.

Der Einfluss des Italowesterns auf Hollywood

1971 stand das US-Westerngenre längst unter dem Einfluss von New Hollywood und des Italowesterns, allein schon wegen des Drehorts Spanien. Burt Lancasters Figur gibt dafür ein gutes Beispiel – zehn Jahre früher wäre Valdez womöglich noch der strahlende Held gewesen. Dreckig geht es zu in „Valdez Is Coming“, so der Originaltitel, der darauf anspielt, dass Valdez Tanner sein Kommen ankündigen lässt. Eine unangenehme Atmosphäre durchzieht den Film, wohl kann sich dort niemand fühlen. Kurz nur findet Valdez auf der Ranch seines Freundes Diego (Frank Silvera) Frieden, doch bald brennt sie nieder.

Der herrische Tanner …

Regisseur Edwin Sherin (1930–2017) interessiert sich mehr fürs Innenleben seiner Figuren als für ihre Taten. Lancaster tut gut daran, sein Charisma nicht voll auszuspielen, das verleiht Bob Valdez Wahrhaftigkeit. Die phasenweise zu bemerkende Dialoglastigkeit, der Mangel an Action und Tempo erklären sich aus der Theater-Herkunft Sherins, der am Broadway gearbeitet hatte und später in erster Linie fürs Fernsehen auf dem Regiestuhl Platz nahm, so etwa für die Krimiserie „Law & Order“. Im selben Jahr wie „Valdez“ inszenierte er mit „My Old Man’s Place“ seinen zweiten und letzten Kinofilm.

Western in Deutschland mehrfach aufgelegt

„Valdez“ markiert eine interessante, gleichwohl unspektakuläre Rolle in Burt Lancasters Filmografie. Die vergleichsweise hohe Zahl an DVD- und Blu-ray-Auflagen allein in Deutschland deutet immerhin eine konstante Nachfrage nach dem Western an. Kein großes Genre-Highlight, aber sehenswert – und für Lancaster-Fans sowieso.

… demütigt den alten Mexikaner

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Burt Lancaster sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Dessen Gerechtigkeitssinn erwacht

Veröffentlichung: 24. August 2018, 27. Januar 2017 sowie 31. Mai 2013 als Blu-ray und DVD, 6. August 2007 als DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Valdez Is Coming
USA/SP 1971
Regie: Edwin Sherin
Drehbuch: Roland Kibbee, David Rayfiel, nach einem Roman von Elmore Leonard
Besetzung: Burt Lancaster, Jon Cypher, Susan Clark, Richard Jordan, Barton Heyman, Frank Silvera, Hector Elizondo, Phil Brown, Werner Hasselmann, Lex Monson, Juanita Penaloza
Zusatzmaterial 2018: Originaltrailer, Filmografien, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Trailershow, Wendecover
Label 2018: Spirit Media GmbH
Vertrieb 2018: WVG Medien GmbH
Label 2017 & 2013: explosive media
Vertrieb 2017 & 2013: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2007: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Spirit Media GmbH

 

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