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Death Race – Anarchy: Frankenstein steigt wieder ins Rennauto

13 Okt

Death Race 4 – Beyond Anarchy

Von Volker Schönenberger

SF-Action // In einer nicht exakt terminierten Zukunft befindet sich die US-Wirtschaft in einer unkontrollierbaren Abwärtsspirale, die Arbeitslosigkeit hat eine Quote von 21,6 Prozent erreicht. Auch die Kriminalitätsrate schnellt nach oben, besonders in den Städten ist die Polizei völlig überfordert. Die Regierung übt ihr Recht auf Eminent Domain aus, mit dem sie die Kontrolle von Privatbesitz zum Zweck öffentlicher Nutzung übernimmt. Konkret: Eine aus den Fugen geratene Arbeiterstadt wird mittels einer überdimensionalen Mauer zu einem 138-Quadratmeilen-Gefängnis. Die privat geführte Gefängnisbetreiber-Firma Weyland erhält den Auftrag, die Verwaltung von „The Sprawl“, wie der Komplex genannt wird, zu übernehmen.

Sogar ein Polizeiauto mischt mit

Im Innern des großen Knastes findet regelmäßig das „Death Race“ statt, ein Autorennen, bei dem es keine Rücksicht auf Verlust gibt und keine Gefangenen gemacht werden. Weyland entsendet ein SWAT-Team, um dem Treiben ein Ende zu setzen, doch die Einheit gerät in einen Hinterhalt und wird mit Schusswaffen niedergemäht – ein paar Kettensägen schwingende Gesellen besorgen den Rest. Der Konzern wird nervös, droht doch der Kontrakt über „The Sprawl“ verloren zu gehen, sollte es nicht gelingen, das Todesrennen zu beenden. Auch dessen Veranstalter Baltimore Bob (Danny Glover) und seine rechte Hand Lists (Fred Koehler) sorgen sich im Knast – ihre Einnahmenquelle droht zu versiegen: Weil Top-Fahrer Frankenstein (Velislav Pavlov) unbesiegbar erscheint, sinken die Wettquoten, die aus dem Knast heraus übers Dark Web auch draußen Einnahmen bringen sollen. Ein neuer Insasse kommt da gerade recht: Connor Gibson (Zach McGowan) scheint das Format zu haben, dem nur maskiert auftretenden Frankenstein Paroli zu bieten.

Baltimore Bob (r.) zieht beim Todesrennen die Fäden

„Death Race – Anarchy“ dockt an „Death Race“ von 2008 mit Jason Statham an, der wiederum als Neuverfilmung des von Roger Corman produzierten „Frankensteins Todesrennen“ („Death Race 2000“, 1975) durchgeht. Corman produzierte auch „Death Race 2050“ (2017), während „Death Race – Anarchy“ ohne seine Beteiligung entstand. Fans der genannten SF-Actionfilme werden auch an diesem Beitrag zum Todesrennen-Universum ihre Freude haben. Ausstatter und Kostümbildner durften sich im Rahmen von B-Movie-Budgetdimensionen nach Herzenslust austoben. „Death Race – Anarchy“ zeigt haufenweise Endzeit-futuristische Fahrzeuge aller Art, aggressiv aufgemotzt, mit Waffensystemen gespickt und tödlich. Das Exploitation-Gemisch aus Motoröl und Blut funktioniert wie seine Vorgänger. Die Figuren können da nicht mithalten – müssen sie aber auch nicht. Sie bilden übliche Stereotype billiger Action-Ensembles ab. Schöner Name allerdings für eine Filmfigur: Die bulgarische Schauspielerin Lorina Kamburova spielt eine „Nazi Bitch“. Sogar eine Liebesgeschichte bekam Protagonist Connor Gibson spendiert – er verguckt sich in die schöne Barkeeperin Jane (Christine Marzano).

Auch die holde Weiblichkeit ist mit von der Partie

Down goes Frazier!“, schreit Baltimore Bob begeistert auf, als Connor einen mächtigen Kampfgegner ausschaltet – eine feine Anspielung auf den „The Sunshine Showdown“ genannten WM-Boxkampf zwischen Joe Frazier und George Foreman am 22. Januar 1973 in Kingston, Jamaika, bei dem Foreman den favorisierten Weltmeister Frazier sechs Mal auf die Bretter schickte und damit entthronte, was den Fernsehreporter zu besagtem Aufschrei veranlasste. Als Baltimore Bobs Bindeglied in die Außenwelt fungiert von einer Kneipe aus Goldberg, verkörpert von Danny „Machete“ Trejo, dessen Szenen allerdings von der Haupthandlung abgekoppelt wirken. Womöglich diente die Figur eher dazu, Trejo eine Rolle zu verschaffen, um einen weiteren prominenten Namen aufs Cover packen zu können.

Connor Gibson kann jede Hilfe brauchen

Das oben erwähnte Abschlachten der SWAT-Einheit bildet dabei einen blutigen Höhepunkt in dem brutalen Treiben. Das ließ die ungeschnittene Unrated-Fassung bei der FSK scheitern, weshalb Universal Pictures „Death Race – Anarchy“ hierzulande mit SPIO/JK-Siegel und Status „keine schwere Jugendgefährdung“ auf den Markt wirft. In den USA existiert auch eine R-Rated-Fassung, die allerdings noch nicht veröffentlicht wurde. Ob auf dieser basierend auch in Deutschland eine zensierte Version – dann mit FSK-Freigabe – erscheinen wird, ist offen. Sie wäre ohnehin verzichtbar, da eine um Gewaltszenen erleichterte Fassung eines Gewaltfilms nun überhaupt keinen Sinn ergibt. In ungeschnittener Form bereitet „Death Race – Anarchy“ Freunden kerniger B-Action Freude – und Fans des Franchises sowieso.

Frankenstein (r.) hat Connors Herzdame als Geisel im Auto

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Danny Trejo sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Es geht explosiv zu

Veröffentlichung: 18. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 111 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FKS ungeprüft
SPIO/JK: keine schwere Jugendgefährdung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Türkisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch u. a.
Originaltitel: Death Race 4 – Beyond Anarchy
USA/BUL 2018
Regie: Don Michael Paul
Drehbuch: Tony Giglio, Don Michael Paul
Besetzung: Zach McGowan, Frederick Koehler, Christine Marzano, Yennis Cheung, Cassie Clare, Lucy Aarden, Danny Glover, Danny Trejo, Nicholas Aaron, Lorina Kamburova, Cameron Jack, Kellie Blaise
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Don Michael Paul und Zach McGowan, Featurettes („Im Inneren der Anarchie“ – 5:50, „Abgesessene Zeit – Lists und Goldberg“ – 3:01), „Auf den Straßen von Death Race – Anarchy“ – 2:45)
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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3 Antworten zu “Death Race – Anarchy: Frankenstein steigt wieder ins Rennauto

  1. christianneffe

    2018/10/14 at 16:21

    Jetzt mal Butter bei die Fische: Ich habe noch keinen Film der Reihe gesehen. Gibt es irgendeinen Teil, den man nicht bereuen würde?

     
    • V. Beautifulmountain

      2018/10/14 at 21:28

      Gegenfrage: Weshalb sollte man überhaupt einen der Teile bereuen? Klar, die Filme nicht nichts für Leute, die nur Arthauskino schauen, aber wer räudiger SF-Action etwas abgewinnen kann, wird daran seine Freude haben.

       
      • christianneffe

        2018/10/15 at 22:30

        Die ist für mich: Ist es dann wenigstens gut machte Action oder eher so Taken 2 Niveau?

        Oder vielmehr: Justice League Niveau?

         

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