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Horror für Halloween (XI): The Walking Dead – Nicht Rick und Carl, sondern Boris Karloff

20 Okt

The Walking Dead

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Die Drohungen aus den Kreisen des organisierten Verbrechens haben ihn nicht beeindruckt: Der unbeugsame Richter Roger Shaw (Joe King) schickt den Mobster Stephen Martin (Kenneth Harlan) für zehn Jahre in den Knast. Das überrascht sogar dessen Anwalt Nolan (Ricardo Cortez), der sich kurz zuvor noch siegessicher gegeben hatte. Nun muss Shaw sterben! Um der Öffentlichkeit einen Mörder präsentieren zu können, hecken die Gangster um Nolan einen perfiden Plan aus. John Ellman (Boris Karloff) war vor zehn Jahren von Richter Shaw zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Dem frisch aus dem Knast entlassenen Pianisten wird die Leiche des Juristen untergeschoben und die Bluttat angehängt. Als blanker Hohn wirkt die Tatsache, dass der verbrecherische Anwalt Nolan persönlich Ellmans Verteidigung übernimmt. Folge: das Todesurteil.

Entlastungszeugen kommen zu spät

Die jungen Eheleute Nancy (Marguerite Churchill) und Jimmy (Warren Hull) hatten beobachtet, wie der Tote in Ellmans Auto platziert wurde, sich aber von den Gangstern einschüchtern lassen. Schließlich siegt ihr Ehrgefühl, doch zu spät, um die Exekution zu verhindern. Die Leiche des Unglücklichen wird ins Labor von Dr. Evan Beaumont (Edmund Gwenn) geschafft, für den Nancy und Jimmy arbeiten. Dem Wissenschaftler gelingt mit einer experimentellen Technik das Unvorstellbare: Ellman ins Leben zurückzuholen.

Erst Krimi, dann Science-Fiction, später Horror

Die Mischung aus Kriminalstory, Science-Fiction und Horror war seinerzeit durchaus gängig. Der ebenfalls mit Karloff besetzte „Schwarzer Freitag“ (1940) sei beispielhaft genannt. So wandelt sich im Verlauf der Handlung die Plot-Charakteristik: Als Gangster- und Justizdrama startend, wechselt „The Walking Dead“ im zweiten Drittel zur Science-Fiction, um erst spät zum Horror zu gelangen. Zwar ist Ellman zu keinem Zeitpunkt bewusst, Opfer einer Verschwörung zu sein, dennoch spürt er als Wiedergänger die Schuld derjenigen, die ihn zu Tode brachten. Dies zeigt sich eindrucksvoll in einer Szene, in der der auferstandene Hingerichtete vor einem privat geladenen Publikum Klavier spielt und die Gangster mit starrem Blick fixiert.

Vom Regisseur von „Casablanca“

Ab diesem Moment – etwa 40 Minuten des Films sind vergangen – setzen Regisseur Michael Curtiz („Casablanca“, 1942) und sein Kameramann Hal Mohr („Phantom der Oper“, 1943) vermehrt auf Horrorelemente, vornehmlich mit Perspektiven, Schatten und Karloffs markanter Mimik und Statur. Dabei geht es Ellman gar nicht um Vergeltung, er sucht die Verantwortlichen auf, um herauszufinden, weshalb sie taten, was sie taten: „Why did you have me killed?“ Dass dabei einige Unfalltode zu beklagen sind, ist ein nicht immer elegant konstruierter Nebeneffekt. Schauspielerisch lebt das stark von Karloffs bewegender Darstellung des unglückseligen Ellman. Als skrupelloser Gangster-Advokat bildet Ricardo Cortez („Der Malteser Falke“, 1931) einen starken Gegenpart, gegen diese beiden fallen die übrigen Figuren etwas ab. Ein paar Anleihen beim fünf Jahre zuvor entstandenen Universal-Horrorfilm „Frankenstein“ nahm sich der Regisseur. Als Teil eines für drei Filme geltenden Kontrakts von Boris Karloff mit Warner Bros. markiert „The Walking Dead“ den einzigen Auftritt von Boris Karloff in einer tragenden Rolle eines Films von Michael Curtiz. In dessen Pre-Code-Horrordrama „The Mad Genius“ (1931) trat Karloff lediglich in einer kleinen Nebenrolle in Erscheinung.

Legaler Gratis-Download im Internet-Archiv

Hierzulande ist „The Walking Dead“ im Mai dieses Jahres unter dem Titel „Die Rache des Toten“ in limitierter Auflage von 2.000 Exemplaren auf DVD erschienen. Die Internet Movie Database listet mit „Der wandelnde Leichnam“ einen weiteren deutschen Titel sowie eine westdeutsche Fernsehpremiere am 1. Mai 1979. Ich empfehle die US-Doppel-DVD „Karloff & Lugosi – Horror Classics“ von 2009 mit vier Filmen, die offenbar kürzlich in Neuauflage erschienen ist. Der Film gehört mittlerweile in den Bereich der Public Domain und kann daher gratis und völlig legal im Internet Archive angeschaut und heruntergeladen werden. Es lohnt sich.

Veröffentlichung (D): 10. Mai 2018 als DVD
Veröffentlichung (USA): 11. September 2018 und 6. Oktober 2009 als Teil der Doppel-DVD „Karloff & Lugosi – Horror Classics“ (mit „Frankenstein 1970“, „You’ll Find Out“ und „Zombies on Broadway“)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Michael Curtiz sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Boris Karloff in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 62 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine Angabe
Originaltitel: The Walking Dead
Deutsche TV-Titel: Der wandelnde Leichnam / Die Rache des Toten
USA 1936
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Ewart Adamson, Peter Milne, Robert Hardy Andrews, Lillie Hayward
Besetzung: Boris Karloff, Ricardo Cortez, Edmund Gwenn, Marguerite Churchill, Warren Hull, Barton MacLane, Henry O’Neill, Joe King, Addison Richards, Joe Sawyer, Kenneth Harlan
Zusatzmaterial: 2 Retro-Kunstpostkarten
Label/Vertrieb: SchröderMedia HandelsgmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

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Eine Antwort zu “Horror für Halloween (XI): The Walking Dead – Nicht Rick und Carl, sondern Boris Karloff

  1. Thomas Hortian

    2018/10/21 at 11:01

    Die Story ist, wenn man sie mal genau betrachtet, ganz schöner Schmarren. Es ist schon beachtlich, dass Karloff trotzdem sehr würdevoll wirkt. Aber Karloff würde wahrscheinlich auch noch würdevoll wirken, wenn man ihm eine Torte ins Gesicht wirft oder mit grünen Schleim übergießt. Die Unfälle sind wirklich toll, wir haben hier sehr gelacht letztes Mal. Als ernst gemeinter Horrorfilm funktioniert das ganze heute ja keinen Meter mehr, aber als unfreiwillig komischer Trash, der zudem noch hinreißend aussieht, umso mehr.

     

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