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Horror für Halloween (XII): Antithese – Der Dämon im Salzkammergut

21 Okt

Antithese

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Horror // In der von Menschen (Igitt!) bevölkerten Stadt kann der Schriftsteller Stephen (Günther Brandl) nicht schreiben, also schnappt er sich Freundin Mia (Miriam Fontaine) und fährt in eine abgelegene Berghütte im Salzkammergut. Mia ist alles andere als begeistert von der Einöde, macht aber auch ohne Handy-Empfang gute Miene zum langweiligen Spiel. Er beginnt, fleißig in die Tasten seiner mechanischen Schreibmaschine zu hauen, sie freut sich, dass Stephen die Protagonistin seines Horrorromans Mia nennt. Noch ahnen die beiden nicht, welches Grauen sie erwartet. Ein Albtraum der jungen Frau ist nur der Auftakt …

Die Berghütten-Idylle …

Stephen deklamiert bedeutungsschwangere Sprüche aus einem alten Buch (in Latein oder Italienisch, das konnte ich nicht genau raushören) – ein Schelm, wer „Tanz der Teufel“ dabei denkt. Auch den sich in die Einöde zurückziehenden Autor kennen wir als Topos zur Genüge. Bei einem Handlungselement haben sich die Regisseure Thomas Binder und Jonas Sommer womöglich von „Stephen Kings Stark – The Dark Half“ (1993) inspirieren lassen. Ich hoffe, damit nicht zu viel zu verraten, und belasse es nun auch dabei, was die Nacherzählung der Story angeht. Da das heutige Horrorgenre ohnehin recht innovationsarm ist, muss sich ein Undergroundfilm wie „Antithese“ sicher nicht daran messen lassen, ob er neue Impulse setzt. Wichtiger ist: Setzt er die bekannten Versatzstücke zu einem stimmigen Ganzen zusammen? Das kann bejaht werden. Der Begriff „Antithese“ bezeichnet einen Gegensatz oder eine Gegenbehauptung, mehr will ich nun aber wirklich nicht verraten. Rund um diesen Gegenentwurf entspinnt sich die recht schnörkellose Story – allzu viele Wendungen verträgt ein knapp halbstündiger Film ohnehin nicht.

… von Stephen und Mia …

Visuell ist das überaus ansprechend umgesetzt worden. Das beginnt mit einem per Drohne gefilmten Bergpanorama zum Auftakt und setzt sich in einer surreal gehaltenen Albtraumsequenz fort, in der sich eine Schöne (Melody Bayer) nackt vor einem Dämon (Jonas Sommer) rekelt – inklusive in Zeitlupe gehaltenem Blutschwall. Den Regiestuhl dieser Szene überließen Sommer und Binder ihrem Beleuchter Martin Faltermeier. Apropos Blut: Ein paar blutige Effekte sind pointiert verteilt worden, alles natürlich handgemacht und schmuck. Die Schauspielkunst bewegt sich zwangsläufig auf Laiendarsteller-Niveau, aber was dem Vorabendprogramm der Fernsehsender recht ist, kann einem Undergroundfilm nur billig sein. Hauptdarsteller Günther Brandl ist in der Independent-Szene jedenfalls kein Unbekannter. Er produziert selbst Filme – etwa „Moor-Monster!“ (2014) – und hat im kürzlich an dieser Stelle rezensierten „Weakness of a Sick Mind“ einen Gastauftritt. Sein Stephen stellt mit Stimme aus dem Off zu Beginn sich selbst und seine Freundin vor – er nennt sie „Frau“, sinniert aber später darüber nach, um ihre Hand anhalten zu wollen. Voice-over ist ein gängiges Stilmittel, um auf einfache Weise Erläuterungen und Charakterisierungen hinzuzufügen, ohne Szenen drehen zu müssen, die die Handlung nicht vorantreiben. Das kann man für einfallslos halten, was es in manchen Fällen sicher ist, findet sich aber auch in Großproduktionen.

… endet, als der Schriftsteller die falschen Sprüche deklamiert

„Antithese“ ist kurzweilig geraten – ehe ich es mich versah, lief der Abspann. Aber Obacht: Im Anschluss daran folgt noch eine Szene. Regisseur Jonas Sommer erklärt im Making-of, er habe das Ende offen halten wollen, die zusätzliche Sequenz aber für Leute hinzugefügt, die einen etwas runderen Abschluss bevorzugen. Mir brachte die Szene nicht viel, aber das mag daran liegen, dass ich es nicht für kritikwürdig halte, wenn ein paar Fragen offen bleiben. Man sieht „Antithese“ nicht an, dass es sich um die erste Regiearbeit von Thomas Binder und Jonas Sommer handelt, das respektable Ergebnis sollte mindestens bei Underground-Fans auf Wohlgefallen stoßen.

Ein dämonischer …

Das österreichische Undergroundlabel Black Lava Entertainment hat der DVD von „Antithese“ sogar ein wertiges Mediabook spendiert, das zwar schmal, aber gehaltvoll ausgefallen ist. Das schön bebilderte Booklet enthüllt die gesamte Entstehungsgeschichte des Films und einige Döntjes vom Dreh. Begonnen hatte alles im November 2014 mit der Idee Thomas Binders, einen Film zu drehen – was für einen auch immer. Dreieinhalb Jahre später erblickte „Antithese“ das Licht der DVD-Welt. Wer nicht nur im Booklet darüber lesen will, findet im Bonusmaterial des Mediabooks reichlich audiovisuelles Futter inklusive eines Easter Eggs.

… Albtraum nimmt seinen Lauf

Beim vom 9. bis 11. November 2018 stattfindenden „House of Horrors“ in der Turbinenhalle Oberhausen wird es einen „Antithese“-Stand geben, auch wird der Film dort im Rahmen des „Dead End“-Awards gezeigt. Wer die Veranstaltung nicht besucht, kann „Antithese“ im Webshop von Black Lava Entertainment beziehen. Außer dem Mediabook ist auch eine auf 20 Exemplare limitierte VHS-Kassette lieferbar – ein Gimmick für Retro-Fans, die der Goldenen Ära der Videotheken und heruntergenudelten Leihvideos hinterhertrauern. Mit dem Portfolio von Black Lava bin ich überhaupt nicht vertraut. Welche Filme aus dem Sortiment des Labels könnt Ihr empfehlen?

Veröffentlichung: 3. April 2018 als DVD im auf 500 Exemplare limitierten Mediabook, als DVD in auf 50 Exemplare limitierter Hartbox und als auf 20 Exemplare limitierte VHS-Kassette

Länge: 29 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Antithese
A/D 2017
Regie: Thomas Binder, Jonas Sommer (Albtraumsequenz: Martin Faltermeier)
Drehbuch: Jonas Sommer
Besetzung: Melody Bayer, Günther Brandl, Martin Faltermeier, Miriam Fontaine, Nicole Lauer
Zusatzmaterial: Making-of (12:43), Mia’s Nightmare – Making-of (3:20), The Art of SFX (5:25), deleted Intro Shots (2:56), deleted Scene: Mia’s Nightmare V 1.0 (0:59), Antithese Highspeed Shots Promo Clip (1:40), Easter Egg (1:23), 16-seitiges Booklet
Label/Vertrieb: Black Lava Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2018 Black Lava Entertainment

 
 

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29 Antworten zu “Horror für Halloween (XII): Antithese – Der Dämon im Salzkammergut

  1. TomHorn

    2018/11/25 at 15:05

    Black Lava ist schon ziemlich speziell und meist nahe am Fetisch, wenn nicht schon tief drin. Mit den Lucifer Valentine-Sachen bspw. kann ich nicht besonders viel anfangen, auch Doras Cannibal oder die August Underground-Reihe (obwohl ich dem ersten Teil eine gewisse Originalität attestieren muss) waren nicht so meins. Am ehesten kann ich mich für so etwas wie Uncut Police erwärmen. Diese extremen Sickos sind da nicht so mein Ding.

     
  2. Daniel G.

    2018/11/22 at 19:46

    CANNIBAL – AUS DEM TAGEBUCH DES KANNIBALEN (MARIAN DORA)

    Die VOMIT GORE Reihe

    THANATOMORPHOSE

    FETUS

     
  3. Diana Dörnbach

    2018/11/21 at 09:54

    Thanatomorphose fand ich richtig gut!

     
  4. Carsten L.

    2018/11/20 at 21:06

    Also eigentlich das komplette Sortiment 😊
    Alle Marian Dora Filme
    Vomit Gore Reihe
    August Underground
    HI8
    Fetus
    Isolation
    Cryptic Plasm
    Snuff Tape und und und

     
  5. Rico Lemberger

    2018/11/19 at 20:44

    Ich kenne leider auch keinen Film von denen, bin aber nach Durchsicht der Website sehr interessiert.

     
  6. Julian Conrad

    2018/11/19 at 17:39

    Ich kann die Filme von Kasper Juhl (A God without a Universe, Madness of Many) empfehlen; kontroverse Filme die mit wenig Budget gedreht worden sind, aber überhaupt nicht so wirken! „Cryptic Plasm“ von Brian Paulin ist ebenfalls toll; eine schöne Mischung aus einer Art Found-Footage Film und derben handgemachten Splattereffekten. Die Vomit Gore Teile von Lucifer Valentine haben mittlerweile schon Kultstatus und sollte man zumindest mal gesehen haben, um mitreden zu können 😉

     
  7. Maximilian Lödl

    2018/11/19 at 07:22

    Alle Lucifer Valentine Filme z.b. Perfect Childs of Satan, Vomit Dolle….

     
  8. Matthias

    2018/11/18 at 16:25

    Suicide Desire

     
  9. Michael Behr

    2018/11/18 at 14:38

    Ich muss mich bei denen einreihen, die noch nie einen Film des Labels gesehen haben. Klingt aber so, als ob das hier mal eine positive Underground-Überraschung wäre.

     
  10. Frank Hillemann

    2018/11/17 at 20:24

    Ich kenne weder das Label noch einen Film. Kann man aber mit diesem Gewinn ändern.

     
  11. Frank Idstein

    2018/11/17 at 17:50

    Ich besitze „Lock the doors“ von Black Lava, haben auch sonst einige für mich interessante Filme wie Cannibal oder Isolation evt. auch die Vomit Gore Reihe im Sortiment, wobei ich mir bei letztgenannten nicht so ganz sicher bin, ob das was für mich ist,…aber gesehen haben will man es ja irgendwie schon mal;) Ein schönes Restwochenende wünsch ich!

     
  12. Martin

    2018/11/17 at 17:23

    Naja, wer experimentellen weirden Shit mag und einen starken Magen hat, wird den Lucifer Valentine-Filmen vielleicht was abgewinnen können (also die Vomit Gore Reihe etwa), tragischer als Vomit Gore ist Black Metal Veins – dass die verheerenden Folgen von jahrelanger harter Drogensucht schonungslos offenlegt. Cannibal von Marian Dora, der ja auch den sehr harten Melancholie der Engel gedreht hat, ist auch eine Empfehlung.

     
  13. teamo

    2018/11/17 at 00:31

    Leider kenne ich noch keinen Film des Labels. Das würde ich mit dem Gewinn gerne ändern.

     
  14. Marcel Hill

    2018/11/16 at 22:40

    Ich muss auch zugeben, dass ich aus dem Label noch gar nichts kenne (bin aber mit dem Underground generell noch nicht allzu bewandert). Der Film klingt jedenfalls interessant und macht hungrig auf mehr 🙂

     
  15. Tomasz Kordula

    2018/11/16 at 21:09

    Kenne leider keinen veröffentlichten Titel des Labels.

     
  16. Dirk B.

    2018/11/16 at 20:54

    Muss ich leider auch passen, Der Film wäre ein guter Einstieg… 🙂

     
  17. Rene Dippelhofer

    2018/11/16 at 20:21

    Der Film hört sich interessant an, aber von dem Label kenne ich leider keine Filme 😉

     
  18. Isabel La

    2018/11/16 at 18:19

    Ui das ist ein feiner Gewinn. Aus der Black Lava Reihe kann ich die Dora Filme empfehlen, Fetus ist auch ein liebevoller Splatterfilm. Thanatomorphose ist einer meiner Lieblinge ein kleiner bklemmender Bodyhorror und mit wirklich tollen Fx. Tales from deep hell sind tolle kurzfilme. Flesh of the Void ist ein Film da war ich fasziniert beim schauen aber was da passiert bleibt mir ein Rätsel aber dennoch ist es ein Schmuckstück.

     
  19. Samara

    2018/11/16 at 17:54

    Hallo 😊

    Ich kenne mich leider damit gar nicht so richtig aus und kann dadurch gar keine vernünftige Antwort geben. Der Film der hier beschrieben steht, klingt auf jeden Fall interessant.

     
  20. renewiesner

    2018/11/16 at 17:07

    Black Lava hat schon einige interessante Filme. Am ehesten würde ich Cannibal von Marian Dora und Black Metal Veins von Lucifer Valentine empfehlen. Sind aber bestimmt nicht jedermanns Sache.

     
  21. Frank Schüller

    2018/11/16 at 14:15

    Mediabook ist schon länger auf meiner Wunschliste. Was ich empfehlen kann von Black Lava ist definitiv Snufftape Anthology wenn noch verfügbar, Philosophy of a Knife, oder Isolation einer der geilsten deutschen Indie Filme.

     
  22. Dirk Busch

    2018/11/16 at 09:33

    Ich würde ja gerne auf die Frage antworten,aber da ich mich in Sachen Underground auch erst so langsam rantaste,geht es mir wie dir Volker.Es sei denn,das der Film Fetus bei Black Lava erschienen ist.Der hat mir gut gefallen.Wünsche ein schönes Wochenende.

     
  23. Adrian Lübke

    2018/11/16 at 08:57

    UNCUT POLICE fand ich sehr sehr unterhaltsam. Da ist derzeit Teil Zwei in Arbeit.
    HI8 war leider nicht so gut wie ich erhofft hatte. Ich kenne ein paar der Leute die am Film gearbeitet haben.
    KÖNIG DER KANNIBALEN und LOCK THE DOORS stehen noch ungesehen im Regal.
    ANTITHESE wäre auf jeden Fall eine tolle Erweiterung meiner Sammlung. Es gibt durchaus gute deutsche Horrorfilme. Den schlechten Ruf hat der deutsche Horrorfilm mMn zum Teil wegen der Mainstream-Gucker. Z.B. bin ich sehr gespannt auf SCARS OF XAVIER und MONTRAK. Solche Filme unterstütze ich auch gerne,

     
  24. Jens Albers

    2018/11/16 at 08:51

    Was ich natürlich auch empfehlen kann sind die Kasper Juhl Filme. Besonders a God without a universe um Mal einen zu nennen.
    Gerne auch die Filme von El Gore, da ist mein Favorit die Snuff Tape Anthology.
    Die Brian Paulin Filme gehen auch gut klar, da empfehle ich stets gerne Fetus. Und wenn man es sehr speziell haben will, dann natürlich noch die Luzifer Valentine Filme, wie die vomit gore Reihe oder auch Black metal veins, der mich doch recht mitgenommen hatte nach der Erstsichtung.

     
  25. Oliver Maey

    2018/11/16 at 08:42

    Die Filme von Brian Paulin und Kasper Juhl..

    Außerdem Thanatomorphose..

    Vom Gewinnspiel nehme ich Abstand da Jonas Film schon als MB und HB im Regal steht.. Viel Glück den anderen Teilnehmern.. 🙂

     
  26. Michael Speier

    2018/11/16 at 08:40

    Das Review macht Neugierig. Zu der Frage: Die kann ich leider nicht beantworten. Hab mir gerade mal die Seite angesehen, aber mir kommt keiner der Titel auch nur annähernd bekannt vor.

     
  27. Mathias Wagner

    2018/11/16 at 08:14

    Ich kenne gar nichts aus dem Sortiment :O Aber von HI8 hab ich immerhin schon gehört 😀

     

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