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Horror für Halloween (XIV): The Video Dead – Wenn die Untoten aus der Glotze steigen

24 Okt

The Video Dead

Von Volker Schönenberger

Horror // Zwei Packer liefern dem Schriftsteller Henry Jordan (Michael St. Michaels) eine Kiste. Darin enthalten: ein Fernseher. Seine Reaktion: „Was soll ich denn mit einem Fernseher? Ich habe noch nie ferngesehen.“ Abends sitzt Jordan an seiner Schreibmaschine, als er Geräusche aus dem Wohnzimmer vernimmt. Das Gerät läuft, hat sich offenbar selbst angeschaltet. Ein nicht identifizierbarer Sender zeigt den schwarz-weißen Zombiefilm „Zombie Blood Nightmare“, in dem Untote durch den Wald stapfen. Darauf hat Jordan keine Lust, er schaltet ab. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet: Erst als er die Stromverbindung kappt, hat er Ruhe.

Nachts jedoch läuft der Fernseher erneut, wieder läuft der Zombiefilm. Einer der Untoten stutzt, scheint zu begreifen, dass es dort draußen – außerhalb des Films – noch etwas anderes gibt. Das Unfassbare geschieht: Die Zombies steigen aus dem Fernseher.

Zombie meuchelt Pudel

Im Anschluss an diesen kurzen Prolog lernen wir nach einem Zeitsprung von drei Monaten die Geschwister Zoe (Roxanna Augesen) und Jeff (Rocky Duvall) kennen, die Jordans Haus beziehen. Ihre Eltern sind noch in Saudi-Arabien, bereiten nach jahrelangem Auslandsaufenthalt die Rückkehr in die USA vor. Auf dem Dachboden entdeckt Jeff den Fernseher. In einem nahe gelegenen Waldstück lauert bereits ein Zombie. Zunächst fällt ihm ein bedauernswerter Pudel zum Opfer.

Wenn das Gerät unter Stromblitzen und Rauch nach hinten kippt und der erste Zombiekopf aus dem Fernseher herauslugt, wird der trashige Unterton von „The Video Dead“ sogleich deutlich. Seine Verortung in den 80er-Jahren kann und will der Streifen genauso wenig verleugnen wie den schmalen Geldbeutel, mit dem er gedreht worden ist. Die Sets sind begrenzt, die Story ist es ebenfalls. Die Zombies schauen schön verrottet aus, mit etwas Einfallsreichtum kann man eben auch ohne viel Geld kreative Kostüme, Masken und Make-up-Effekte verwirklichen. Sie sind allerdings nicht hungrig auf Menschenfleisch, sondern lediglich mordlüstern, insofern sollte niemand ein Ausweidungs- und Zerfetzungsspektakel erwarten, auch wenn in ein paar Szenen reichlich Kunstblut fließt und sogar eine Kettensäge zum Einsatz kommt. Die eine oder andere Kameraeinstellung auf die Untoten offenbart sogar ein wenig Augenzwinkern von Drehbuchautor und Regisseur Robert Scott. Wie hätte er seinen Film auch ernst nehmen können? Scott gibt sich sogar die Mühe, seinen Zombies eine Psychologie angedeihen zu lassen. Zwar agieren sie aus kruden Motiven, aber das fügt dem Geschehen etwas Hintergrund und ein wenig Komik hinzu.

Kein Sprungbrett in die Weltkarriere

Den Schauspielern merkt man an, dass es für nennenswerte Gagen wohl nicht gereicht hat. Eine erwähnenswerte Karriere beim Film hat keiner der Beteiligten eingeschlagen, für die beiden das Geschwisterpaar verkörpernden Hauptdarsteller ist „The Video Dead“ sogar der einzige Eintrag in ihrer Filmografie geblieben. Robert Scott hat drei Jahre später angeblich den Film „Ratdog“ inszeniert, über den allerdings gar nichts bekannt ist. Scott hat sich ab Anfang der 1990er-Jahre immerhin als Assistenzdirektor beim Fernsehen verdingt.

Mediabook mit Bonusfilm

Seinerzeit war „The Video Dead“ hierzulande unter dem Titel „Zombie Bloody Demons“ auf VHS veröffentlicht worden. Das 2016er-Mediabook von Shamrock Media enthält im Bonusmaterial die Horrorkomödie „Zombie High“ (1987) mit Virginia Madsen („Candymans Fluch“) in voller Länge. Zwar kein berauschender Film, dennoch ein wertiges Extra. Das Booklet bietet einen Essay über die VHS-Ära der 80er, die damals aufkommenden Verteufelungen der Horrorfilme und anderes rund ums Thema, nicht ganz sauber strukturiert, aber unterhaltsam geschrieben, auch wenn der Autor fälschlicherweise anführt, der Zombiefilm im Film trage denselben Titel wie die deutsche VHS-Kassette – da ist er wohl einer Freudschen Fehlleistung aufgesessen. Insgesamt stellt das Mediabook eine schöne Veröffentlichung dar. Beschaffungsprobleme gibt es keine, die Uncut-Fassung hat eine FSK-Freigabe ab 18 Jahren. Dank einiger origineller Ideen erhebt sich „The Video Dead“ am Ende doch über reine Amateurproduktionen und trotz einiger laienhaft wirkender Makel hat der Film doch mehr Aufmerksamkeit verdient, und sei es als nostalgischer Blick auf billigen 80er-Horror.

Veröffentlichung: 8. Juli 2016 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 3 Covermotive à 333 Exemplare) und Blu-ray

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Deutscher Titel: Zombie – Bloody Demons
Originaltitel: The Video Dead
USA 1987
Regie: Robert Scott
Drehbuch: Robert Scott
Besetzung: Michael St. Michaels, Thaddeus Golas, Douglass Bell, Al Millan, Roxanna Augesen, Lory-Michael Ringuette, George Kernan, Rocky Duvall, Jennifer Miro
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Outtakes, Bildergalerie, Trailer „Zombie High“, Bonusfilm „Zombie High“, nur Mediabook: Booklet
Label/Vertrieb: Shamrock Media

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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