RSS

Horror für Halloween (XVIII): Beyond Re-Animator – Dr. West experimentiert im Knast

28 Okt

Beyond Re-Animator

Von Andreas Eckenfels

Horror // Ganze 14 Jahre nach „Bride of Re-Animator“ (1989) durfte unser Lieblings-Mad-Scientist Dr. Herbert West endlich wieder seinen Arztkittel überstreifen. Brian Yuzna übernahm 2003 erneut die Regie und auch Jeffrey Combs durfte in seiner Kultrolle natürlich nicht fehlen. Gedreht wurde in Spanien, wo Yuzna Anfang 2000 gemeinsam mit dem in Barcelona ansässigen Produktionsstudio Filmax International das Label Fantastic Factory gegründet hatte, welches sich auf kostengünstige Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Filme spezialisierte. Die erste Produktion war Yuznas „Faust – Love of the Damned“ (2000).

Neuer Partner für Dr. West

Dementsprechend betrug das Budget des dritten Teils der „Re-Animator“-Reihe auch nur niedrige drei Millionen US-Dollar. Eingespart wurde das Geld offensichtlich am recht karg, aber ausreichend ausgestatteten Setting, dem Gefängnis, in dem sich Dr. Herbert West 13 Jahre nach seiner Verhaftung noch immer befindet. Wer unseren Wiedererwecker kennt, weiß, dass er diesen langen Zeitraum nicht Däumchen drehend herumsitzen kann. Mit den ihm zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln setzt West in seiner Zelle seine Forschungen fort. Als Versuchskaninchen nutzt er die Ratten, die in den Knastgängen zuhauf herumstreunen. Während seiner Experimente mit Nanoplasma gelingt dem Wissenschaftler ein entscheidender Fortschritt: Mit der Substanz soll es möglich sein, dass reanimierte Tote nicht zu degenerierten Zombies mutieren, sondern ihre Persönlichkeit zurückerhalten.

Du sollst doch nicht aus der Tüte trinken!

Unverhoffte Hilfe erhält Dr. West vom neuen Gefängnisarzt Dr. Howard Phillips (Jason Barry), der sich den bekannten Insassen ausdrücklich als Kollegen gewünscht hat. Dr. Phillips gesteht ihm auch gleich, dass er eine Obsession für ihn hegt. Wie wir Zuschauer uns schon denken können, ist er der Junge, dessen Schwester im Prolog vor seinen Augen von einem entlaufenen Versuchsobjekt getötet wurde. Anschließend flog Dr. West auf und wurde festgenommen. Dabei fand Dr. Phillips die Spritze mit dem grünschimmernden Serum, die er seitdem aufbewahrte und Dr. West sogleich stolz überreicht. Ein schöneres Geschenk hätte er dem genialen Wissenschaftler nicht machen können. Das neue Duo macht sich an die Arbeit und setzt damit grauenvolle Ereignisse innerhalb der Knastmauern in Gang, die in einer blutigen Gefängnisrevolte gipfeln.

Screaming Mad George demonstriert sein Können

Meine letzte Sichtung von „Beyond Re-Animator“ war etwa zu Zeiten der DVD-Veröffentlichung, also gegen 2004. Ich hatte ihn als einen relativ überflüssigen Aufguss des Kultklassikers in Erinnerung. Umso überraschter war ich nun, dass ich bei der Zweitsichtung gut unterhalten wurde. Natürlich versprüht der dritte Teil trotz des wie immer genial aufspielenden Jeffrey Combs nicht mehr den Charme des Erstlings. Yuznas Film fehlt in der Inszenierung eine klare Linie, alles wirkt schon recht trashig – wie häufig bei dem Filmemacher. Seinen Stil kann man mögen, muss man aber nicht.

Dr. West hat seine Spritze wieder

Was noch immer großartig funktioniert, sind die wunderbaren, zum Großteil handgemachten Make-up-Effekte von Screaming Mad George. Auch wenn das in der Reihe gewohnt wilde, aber im Vergleich zu den vorigen Teilen doch eher zurückgenommene Gore-Finale eher einer Nummernrevue gleicht, beweist der Japaner mit seinen verrückten Ideen hier wieder sein ganzes Können. Gleich zu Beginn gibt es einen Zombie ohne Unterkiefer zu sehen, der verzweifelt versucht, Milch zu trinken. Bei dem Junkie-Insassen, der sich mit dem grünen Serum eine Überdosis setzt und Dr. West anschließend in ziemlich deformiertem Zustand nach einem Nachschlag fragt, blitzt auch der tiefschwarze Humor wieder auf, welcher „Re-Animator“ auszeichnete. Und dann ist da noch der Running-Gag mit der Ratte und dem abgebissenen Penis, der selbst während des Abspanns weitergeht. Diese und einige Szenen mehr sorgen bei uns Horrorfreaks für denkwürdige Momente, für die es sich lohnt, den dritten Teil mal wieder in den Player zu legen.

Dr. Phillips (l.) hilft bei den Experimenten

Ein kurzer Blick auf die Schauspielerriege zeigt, dass hier besonders bei den spanischen Darstellern einige Talente in Nebenrollen dabei sein durften, die auch heute gut im Geschäft sind: Der erwähnte Junkie wurde von Santiago Segura gespielt, der in seiner Heimat besonders durch die durchgeknallte Cop-Reihe „Torrente“ bekannt ist. Enrique Arce als Rattenfreund Cabrera, der selbst als Torso nicht aufgibt zu kämpfen – einer der wenigen digitalen Effekte im Film –, ist aktuell in der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ und demnächst im „Terminator“-Reboot zu sehen. Die attraktive Journalistin Laura, die vom schmierigen Knastchef Brando angemacht wird, kann sogar Blockbuster-Erfahrung in Hollywood vorweisen: Elsa Pataky spielte in den Teilen 5 bis 8 des „Fast and Furious“-Franchises die Polizistin Elena, die sich in Vin Diesels Figur Dominic Toretto verliebt.

Kehrt Dr. West zurück?

Inzwischen sind erneut 15 Jahre vergangen, seitdem „Beyond Re-Animator“ erschienen ist. Da der letzte Eintrag in Brian Yuznas Filmografie von 2011 datiert, erscheint es doch mehr als fraglich, ob Dr. Herbert West erneut wiederkehren wird. Die Figur wäre sicher auch – wie schon einmal von Yuzna geplant – für eine TV-Serie geeignet, denn auch von H. P. Lovecrafts (1890–1937) Buchvorlage sind sechs Teile erschienen. Immerhin wurde von Ohno! Comics eine neue Comic-Reihe über den Re-Animator veröffentlicht. Wir werden sehen, ob irgendwann auch eine filmische Wiederkehr ansteht. So lange können wir uns dank capelight pictures nun die komplette Trilogie ins Regal stellen und noch einmal auf Blu-ray genießen.

Nicht alle Experimente verlaufen nach Plan

Das dritte Mediabook passt mit seinem grün-schwarzen Design optisch perfekt zu den Veröffentlichungen von „Re-Animator“ und „Bride of Re-Animator“ aus demselben Hause. In seinem lesenswerten Booklet-Text geht Christoph N. Kellerbach ausführlich auf die Produktionsgeschichte des Films ein. Unter den zahlreichen Extras ist besonders das Featurette „All in the Head – Brian Yuzna on the Re-Animator Chronicles“ interessant, die ursprünglich von der englischen Arrow-DVD stammt. Wer sich der Trilogie nostalgisch verbunden fühlt, greift zur Retro-Edition im VHS-Design, in der alle drei „Re-Animator“-Teile vereint sind. Zurückspulen muss man hier ausnahmsweise nicht.

Journalistin Laura wird erschreckt

Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray und DVD), DVD und 4-Disc Limited Retro-Edition im VHS-Design (mit „Re-Animator“ (1985) und „Bride of Re-Animator“ (1989)), 13. Mai 2004 als 2 DVD-Special-Edition (e-m-s)

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Beyond Re-Animator
SP/USA 2003
Regie: Brian Yuzna
Drehbuch: José Manuel Gómez, Miguel Tejada-Flores
Besetzung: Jeffrey Combs, Tommy Dean Musset, Jason Barry, Bárbara Elorrieta, Elsa Pataky, Santiago Segura, Enrique Arce, Simón Andreu
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Brian Yuzna, Featurette „All in the Head – Brian Yuzna on the Re-Animator Chronicles“, Interviews, Making-of, Tonspur mit isolierter Filmmusik, Production Art Gallery, Musikvideo, Originaltrailer
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2018 capelight pictures

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: