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Muse – Worte können tödlich sein: Ungeküsster Mystery-Horror

04 Nov

Muse

Von Andreas Eckenfels

Mystery-Horror // Literaturprofessor Samuel Solomon (Elliot Cowan) gibt am Trinity College in Dublin ein Seminar über Dantes „Inferno“ ohne zu ahnen, dass er schon bald seine eigene Hölle durchleben wird: Die Studentin Beatriz (Manuela Vellés), mit der er seit einem knappen Jahr eine geheime Liebesbeziehung pflegt, begeht Selbstmord. Am Boden zerstört, wird Samuel fortan immer vom selben Albtraum geplagt: Darin wird eine Frau durch eine Villa gejagt und brutal hingerichtet. Nur seiner besten Freundin und Kollegin Susan Gilard (Franka Potente) vertraut er sich an. Susan ist es auch, die Samuel kurze Zeit später auf die lokalen TV-Nachrichten aufmerksam macht: Eine Frau wurde umgebracht. Die Polizei vermutet einen Ritualmord. Samuel kennt das Opfer – aus seinen Träumen.

Samuel erzählt Susan von seinen Albträumen

Um herauszufinden, warum er diese Vorahnung hatte, fährt der Akademiker zum Tatort. Dort trifft er auf Rachel (Ana Ularu), die in dem Haus herumstöbert. Auch sie hat von dem Mord geträumt. Gemeinsam versuchen Samuel und Rachel, die Identität der ermordeten Frau zu entschlüsseln. Dabei stoßen sie auf den mysteriösen Club „Der weiße Kreis“, dessen Mitglieder offenbar alle ermordet wurden. Die Körper der Leichen waren übersät mit ins Fleisch geritzten Verszeilen. Samuel gelingt es, das letzte lebende Mitglied ausfindig zu machen: Bernard Rauschen (Christopher Lloyd) kannte die ermordete Lidia (Leonor Watling) und berichtet ihm von der Obsession des weißen Kreises mit dem griechischen Mythos der Musen, die seine Kollegen alle das Leben gekostet hat. Er gibt Samuel eine Warnung mit auf den Weg: „Tun Sie, was die Musen Ihnen sagen!“

Unfreundliche Musen

Der spanische Regisseur Jaume Balagueró („[REC]“) verfilmte den Roman „Die dreizehnte Dame“ des in Havanna geborenen Autors José Carlos Somoza. Das Buch kenne ich nicht, aber wie man aus dem Titel schließen kann, sind es darin vermutlich dreizehn Musen, die die Protagonisten heimsuchen – im Film sind es sieben. Da die Musen allesamt unterschiedliche Eigenschaften besitzen, ist es verständlich, dass in der Verfilmung nicht alle dargestellt werden können. Wie man sich anhand der Inhaltsangabe schon denken kann, sind die Musen den Menschen nicht unbedingt freundlich gesinnt – zumindest nicht auf Dauer. Die Idee, aus den mystischen Figuren eine Art Hexenkult zu machen, dem ein eigener Code aus Regeln obliegt, ist durchaus originell und interessant.

Am Tatort trifft Samuel auf Rachel

Die Konstellation mit Professor und junge Frau, die gemeinsam in der Gegenwart einem Mysterium aus der Vergangenheit nachspüren, erinnert an die Robert-Langdon-Reihe mit Tom Hanks und den dazugehörigen Romanen von Dan Brown („Inferno“). Auch Samuel und Rachel gehen verschiedenen Hinweisen nach und hetzen von einem Ort zum nächsten. Dies geschieht allerdings weniger detailverliebt als bei Dan Brown: Schöne Schauplätze fehlen, richtige Rätsel gibt es auch nicht zu knacken und die Verbindungen zur Literaturgeschichte sind schnell egal, aber es verbleibt der einzige Antrieb der holprigen Handlung.

Doc Brown kann auch nicht helfen

Jaume Balagueró vernachlässigt seine Figuren sträflich. Viel erfahren wir über Samuel nicht, außer dass er an einer Schreibblockade leidet. Rachel ist alleinerziehende Mutter, wird in einem Stripschuppen zum Tanzen gezwungen, aber sobald die Jagd nach der Wahrheit beginnt, spielt das keine große Rolle mehr. Dadurch wirkt das überraschende Finale auch weniger mitreißend, als es hätte sein können. Auch die Schauspieler haben mit diesem Umstand zu kämpfen, dass das Drehbuch keine ordentlichen Figuren aus ihnen macht. Zwei der Nebendarsteller stechen aufgrund ihrer Namen natürlich heraus: Franka Potente, die man viel zu selten heutzutage noch in Filmen sieht, und „Zurück in die Zukunft“-Star Christopher Lloyd. Besonders viel zu tun bekommen sie allerdings nicht.

Wer sich mit den Musen anlegt …

„Poesie kann Unglaubliches bewirken“, heißt es gegen Ende des Films. Balagueró versteht es zwar, stimmungsvoll zu inszenieren, aber „Muse – Worte können tödlich sein“ ist weit davon entfernt, poetisch zu sein. Dafür hätte die Erzählung stringenter erzählt werden und dem Ursprung der Musen mehr Beachtung geschenkt werden müssen. So bleibt ein Mystery-Thriller mit wenigen Horrorelementen, bei dem einen das Gefühl beschleicht, dass José Carlos Somoza wesentlich stärker von der Muse geküsst wurde als Jaume Balagueró. Ob alles in der Vorlage wirklich ausgeklügelter beschrieben ist, vermag vielleicht ein Kenner des Romans uns mitzuteilen.

… muss mit Konsequenzen rechnen

Veröffentlichung: 9. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Muse
SP/IRL/BEL/F 2017
Regie: Jaume Balagueró
Drehbuch: Jaume Balagueró, Fernando Navarro, nach dem Roman „Die dreizehnte Dame“ von José Carlos Somoza
Besetzung: Elliot Cowan, Franka Potente, Ana Ularu, Leonor Watling, Manuela Vellés, Joanne Whalley, Christopher Lloyd, Cally O’Connell
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshot: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

 

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