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Operation: Overlord – James Ryan im Zombieland

08 Nov

Overlord

Kinostart: 8. November 2018

Von Lutz R. Bierend

Horror-Action // Im Videospielbereich haben Ego-Shooter wie „Castle Wolfenstein“, in denen es um geheime Nazi-Experimente mit Supersoldaten geht, schon lange Konjunktur. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood einmal dieses Konzeptes annahm. Nachdem in „Captain America – The First Avenger“ 2011 eine jugendfreie Version dieser Idee erzählt wurde, bringt J. J. Abrams („Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“, „Star Trek – Into Darkness“) nun als Produzent mit „Operation: Overlord“ eine weniger jugendfreie Version dieses Plots in die Kinos.

Der einzige Kampferfahrene unter den Überlebenden: Corporal Ford

Eigentlich sollte die Fallschirmspringer-Einheit um den Frischling Private Boyce (Jovan Adepo) am 5. Juni 1944 in der Nacht vor dem Sturm auf die Normandie hinter den feindlichen Linien abspringen, um in einem französischen Dorf einen Störsender der Deutschen außer Gefecht zu setzen. Doch nichts läuft wie geplant: Bereits im Anflug wird die Flugzeugstaffel unter Beschuss genommen. Von dem gesamten Platoon überleben nur vier Männer. Von denen nur einer – Corporal Ford (Wyatt Russell) – wirklich Kampferfahrung hat.

Das lief ja nicht so gut. Landung im Trümmerschutt der Flugzeuge

Der Wichtigkeit ihrer Mission bewusst, versuchen die Männer trotzdem, ihre Aufgabe zu erfüllen. In einem Wald überraschen sie die Französin Chloe (Mathilde Ollivier) beim Plündern der Leichen und überreden sie, ihnen ins Dorf zu helfen. Sie erfahren von schrecklichen Experimenten, welche die Nazibesatzer in der lokalen Kirche anstellen. Chloes Eltern sind in der Sperrzone verschwunden, ihre Tante wurde schwer entstellt freigelassen und lebt seitdem bei Chloe und ihrem Bruder Paul (Gianny Taufer).

Private Boyce und Chloe suchen den Bruder der Französin

Chloe steht unter dem persöhnlichen Schutz von Doktor Wafner (Pilou Asbæk), der ausgerechnet in dieser Nacht sein Schäferstündchen einfordert. Als er versucht, Chloe zu vergewaltigen, nehmen die Amerkaner den Nazi gefangen und versuchen, Informationen über den Störsender und die Experimente in der Kirche aus ihm herauszupressen. Während Corperal Ford Wafner foltert, ziehen Boyce und seine zwei Kameraden los, um zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen und nach weiteren Überlebenden zu suchen. Die drei werden getrennt, Boyce landet in der Sperrzone. Er entdeckt die Ausmaße der Nazi-Experimente, die mit Artefakten einer antiken okkulten Fundstelle versuchen, unbesiegbare Zombiesoldaten zu züchten. Die Sprengung des Störsenders gerät plötzlich zur Nebensache, als Doktor Wafner schwerverwundet mit dem kleinen Paul entkommt und das Zombieserum an sich selbst testet.

Ausflug mit Dame – die vier überlebenden GIs und Chloe

Julius Avery („Son of a Gun“) hat mit „Operation: Overlord“ einen unterhaltsamen Versuch unternommen, eine Nazi-Zombie-WWII-Geschichte zu erzählen. Was inzwischen wirklich bemerkenswert ist, ist wie spielerisch die Technik es heute ermöglicht, das düstere zerstörerische Chaos eines Kriegsszenarios umzusetzen. Wenn am Anfang die Fallschirmjäger angsterfüllt auf ihren Einsatz warten und noch einmal daran erinnert wird, wer alles gerade mal seine Grundausbildung absolviert hat, verbreitet sich in Nullkommanichts auf beeindruckende Weise Chaos, wenn die Flugzeuge unter Beschuss geraten und die jungen Soldaten wie die Fliegen sterben.

Deformierte Hundeleichen sind meist kein gutes Zeichen

Trotzdem bleibt die Frage, für wen der Film produziert worden ist. Freunden von „Der Soldat James Ryan“, die sich eine authentische Schilderung der Ereignisse rund um die Invasion erhoffen, werden die mangelnde Ernsthaftigkeit bemängeln. Der grausame Realismus, den Steven Spielbergs Epos in in den ersten 20 Minuten verströmt, wird nie erreicht, und die Figuren sind auch eher wie für einen Teeniefilm gezeichnet.

„Huch, eben war ich doch noch mit fünf Kugeln im Leib tot?!“

Für all jene, die eine filmische Hommage an die Castle-Wolfenstein-Reihe erwarten, ist der genretypische Horroranteil zu unterrepräsentiert. Doktor Wafner sieht zwar gegen Ende gruselig aus, aber eben auch so, als sei die Altersfreigabe ab 16 Jahren wirklich wichtig gewesen – was vermutlich auch der Fall war. Es verhält sich ein wenig wie bei „Zombieland“: Das Ganze ist ganz unterhaltsam, ohne wirklich wehzutun, und hat mit seiner Altersfreigabe wohl die richtige Zielgruppe gefunden. Als Erwachsener kann man sich phasenweise ebenfalls unterhalten fühlen, aber mehr ist nicht drin. Vor allem wenn man weiß, welche Stimmung vergleichbare Videospiele heutzutage verströmen, ist man doch etwas enttäuscht.

Tumbe Nazizombies zu erledigen, geht ans Eingemachte

Länge: 110 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Overlord
USA 2018
Regie: Julius Avery
Drehbuch: Billy Ray, Mark L. Smith
Besetzung: Wyatt Russell, Mathilde Ollivier, Pilou Asbæk, John Magaro, Iain De Caestecker, Bokeem Woodbine, Jovan Adepo, Jacob Anderson, Dominic Applewhite, Hèlène Cardona, Gianny Taufer
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Paramount Pictures Germany

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2018/11/08 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Operation: Overlord – James Ryan im Zombieland

  1. christianneffe

    2018/11/11 at 16:20

    Phasenweise unterhaltsam, aber mehr ist nicht drin – sehr gut auf den Punkt gebracht.

     
  2. Thomas Hortian

    2018/11/08 at 22:13

    „Für all jene, die eine filmische Hommage an die Castle-Wolfenstein-Reihe erwarten, ist der genretypische Horroranteil zu unterrepräsentiert. Doktor Wafner sieht zwar gegen Ende gruselig aus, aber eben auch so, als sei die Altersfreigabe ab 16 Jahren wirklich wichtig gewesen – was vermutlich auch der Fall war.“
    What? Ab hier komme ich nicht mehr wirklich mit in der Argumentationskette. Der Film ist also gar nicht für den amerikanischen Markt konzipiert worden?
    Doch, ist er. Und dann erst für den Rest der Welt. Dass man kein „Hard R“ geht, um nur hartgesottene Horrorfans abzuholen, war klar. Aber dass der Film jetzt doch nicht zu furchteinflößend sein soll, macht mich etwas stutzig, denn das hätte man für eine niedrigere Freigabe, ein PG-13, in Betracht gezogen, um auch die jüngere Zielgruppe mitzunehmen. Mit dem Blick auf ein R-Rating wird es zweitrangig gewesen sein, ob der Film in Deutschland ein „ab 16“ oder „ab 18“ bekommen würde, da man auch die Möglichkeit gehabt hätte, für eine niedrigere Freigabe einige Gewaltspitzen kürzen zu können, ohne an einer dreckigen, grausigen Atmosphäre etwas missen zu müssen.
    „Wolfenstein“, das ist als ein brutaler jüdischer Amerikaner Nazis abzuballern, die Experimente durchführen, um die Menschen zu unterdrücken. Das ist bissiger Humor, das Spiel mit Symbolik, Blut und Monstrosität. Wenn man von einem richtigen „Wolfenstein“-Film ein düsteres Gorefest, eine Splatterorgie erwarten würde, dann hat man „Wolfenstein“ nicht gespielt oder verstanden.

    Mich persönlich haben die Trailer, vor allem wegen des Kriegs- und Schlachtenszenarios, welches es in „Wolfenstein“ nur ganz am Rande gab, mehr an die Zombie-Modi in „Call of Duty“-Spielen erinnert. Krieg, Zombies, Blut. Irgendwo zwischen Grauen und Party. Wenn es jetzt doch „Wolfenstein“ wird, okay, auch gut…

     

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