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Volcano – Los Angeles und die Lavamassen

08 Nov

Volcano

Von Volker Schönenberger

Katastrophen-Action // In L. A. bricht ein neuer Tag an, die Menschen bereiten sich auf die Arbeit vor, ein lebendiges Treiben beginnt. In Beverly Hills demonstrieren Bürger gegen eine geplante Erweiterung einer U-Bahnlinie. Im St. Vincent Krankenhaus in Downtown Los Angeles wird gerade ein Verwundeter mit Schusswunden eingeliefert, als ein Erdbeben die Stadt leicht durchschüttelt. Der geschiedene Mike Roark (Tommy Lee Jones), Leiter des für den Katastrophenschutz zuständigen Los Angeles County Office of Emergency Management, will an sich eine Woche Urlaub mit seiner 13-jährigen Tochter Kelly (Gaby Hoffmann) machen, fährt nun aber doch an seinen Arbeitsplatz, um nach dem Rechten zu sehen.

Dr. Amy Barnes und Mike Roark müssen Schlimmes verhindern

Bei einem mysteriösen Hitzeausstoß in einem Abwasserkanal unter dem MacArthur Park sterben sieben städtische Arbeiter. Als Roark und sein Mitarbeiter Gator Harris (Michael Rispoli) den Ort des Geschehens untersuchen, kommt es erneut zu dem Phänomen, die beiden können sich mit Müh und Not retten. Roark zieht die Geologin Dr. Amy Barnes (Anne Heche) zu Rate, deren Thesen ihn vorerst auch nicht voranbringen. Das Unglaubliche geschieht: Mitten in Los Angeles bricht ein Vulkan aus.

Kalifornien und die Plattentektonik

Mit seiner San-Andreas-Verwerfung eignet sich Kalifornien vorzüglich zum Entwerfen spektakulärer seismischer und tektonischer Katastrophenszenarien fürs Kino. Davon zeugen Filme wie „San Francisco“ (1936) mit Clark Gable und Spencer Tracy, in welchem das Erdbeben von San Francisco 1906 aufgearbeitet wird, der starbesetzte „Erdbeben“ (1974) und zuletzt „San Andreas“ (2015) mit Dwayne Johnson. Neu war 1997 die Idee, mitten in der Millionenmetropole Los Angeles einen Vulkan entstehen und ausbrechen zu lassen.

Kann Roark seine Tochter Kelly retten?

Regisseur Mick Jackson („Bodyguard“) hatte Los Angeles sechs Jahre zuvor in „L. A. Story“ mit Steve Martin ungleich humoriger und charmanter inszeniert. In „Volcano“ setzt er seine Figuren nach üblichem Schema mitten hinein ins Katastrophen-Szenario: Der Vater ist zu pflichtbewusst, um seiner Tochter die Priorität einzuräumen, die sie genießen sollte, lässt sie sogar in brenzligster Situation allein – und ist am Ende natürlich dennoch ihr Held. Das Attribut „plump“ passt darauf sehr gut. Der Hickhack zwischen warnenden Stimmen und Verharmlosern ist ebenfalls kein Neuland, nimmt in diesem Fall glücklicherweise nicht allzu großen Raum ein, schließlich soll beizeiten das Spektakel losgehen, und angesichts aus der Kanalisation hervorschießender Lavamassen will sich immerhin niemand mehr mit „Alles halb so wild“ zum Deppen machen. Zwischen den Hauptdarstellern Tommy Lee Jones und Anne Heche stimmt die Chemie so einigermaßen. Die Beziehung ihrer beider Figuren ist von Anfang an nicht darauf angelegt, dass sie sich ineinander verlieben, und mangels Fokus auf Dialogregie bekommen wir auch keine scharfzüngigen Wortgefechte zu hören. So bleibt denn ihre Starpower als Plus der Besetzung. Die Nebendarsteller (u. a. Don Cheadle, Keith David und John Corbett) dienen eher als Stichwortgeber.

Die Feuerwehr hat es doppelt schwer

Wie wissenschaftlich haltbar das Geschehen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei meiner Sichtung kam mir mehrfach das schöne Wort „hanebüchen“ in den Sinn, das ich ohnehin gern einsetze, um es vor dem Aussterben zu bewahren. Also bitte: Sowohl die Katastrophe als auch einige Gegenmaßnahmen erscheinen mir hanebüchen. Angesichts der launigen Lust an der Zerstörung ist das aber zu verschmerzen. Wie in auf großes Kinopublikum schielenden Katastrophenfilmen üblich wird direkt vor der Kamera kaum gestorben, um keine Zuschauerinnen und Zuschauer zu verschrecken oder eine zu hohe Altersfreigabe zu riskieren. Angesichts dessen überrascht die eine oder andere Szene dann doch. Wenn etwa ein Feuerwehrmann langsam und schreiend in der Lava versinkt, hat das durchaus Intensität.

In Konkurrenz zu „Dante’s Peak“

„Volcano“ war 1997 nicht der einzige cineastische Vulkanausbruch: Zweieinhalb Monate zuvor war „Dante’s Peak“ mit Pierce Brosnan und Linda Hamilton in die Kinos gekommen, der sich etwas mehr Mühe gab, sein Szenario realistisch zu gestalten. Das mag einem besser gefallen, für eindreiviertel Stunden Over-the-Top-inszenierte Katastrophen-Action eignet sich der eine wie der andere gleichermaßen. Hartgesottene schaffen beide sicher auch als Double Feature, Katastrophenfilm-Verächter wird keiner von ihnen bekehren. Welche hier noch nicht genannten Katastrophenfilme mit Vulkanausbrüchen oder Erdbeben fallen euch ein?

Es gibt angenehmere Situationen als diese – wenn auch wenige heißere

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mick Jackson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Tommy Lee Jones unter Schauspieler.

Ein Lavastrom zieht durch Los Angeles

Veröffentlichung: 19. Oktober 2018 als Blu-ray,14. September 2018 als Blu-ray im Mediabook (seit 27. April 2018 bereits exklusiv über eine Drogeriekette vertrieben), 30. März 2018 als DVD, 16. Februar 2018 als Blu-ray im Steelbook, 7. Oktober 2016 als Blu-ray im limitierten Digipack, 29. Juli 2004 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Originaltitel: Volcano
USA 1997
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: Jerome Armstrong, Billy Ray
Besetzung: Tommy Lee Jones, Anne Heche, Don Cheadle, Gaby Hoffmann, Jacqueline Kim, Keith David, John Corbett, Michael Rispoli, John Carroll Lynch, Marcello Thedford, Bert Kramer, James MacDonald, Dayton Callie, Michael Cutt
Zusatzmaterial Mediabook: Booklet mit einem Text von Johannes Bluth
Label/Vertrieb: FilmConfect Home Entertainment
Label/Vertrieb 2004er-DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © 2018 FilmConfect Home Entertainment

 
 

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19 Antworten zu “Volcano – Los Angeles und die Lavamassen

  1. Torsten Wilk

    2018/12/02 at 22:26

    Mir fällt spontan noch Achterbahn ein zum Thema.

     
  2. Marcus Wosch

    2018/12/02 at 19:38

    Dante’s Peak

     
  3. Katja

    2018/11/27 at 20:36

    Mir fällt noch ein „Der Untergang Japans“. Der Film beruht auf dem Roman „Japan sinkt“. Buch und Film kann ich sehr empfehlen.

     
  4. Ramona

    2018/11/25 at 10:47

    Der gute alte Earthquake von 1974

     
  5. Christoph Leo

    2018/11/25 at 00:55

    Mir fällt „2012“ ein, fand den allerdings ziemlich langweilig. Volcano war tatsächlich wesentlich besser.

     
  6. Michael Behr

    2018/11/23 at 21:10

    Da könnte ich jetzt praktisch jeden Asylum-Heuler nennen, in dem keine Haie mitspielen 😉 . Ich nenne mal „Airplane vs. Volcano“ mit Dean Cain.

     
  7. Till Bamberg

    2018/11/23 at 20:53

    DER TAG, AN DEM DIE WELT UNTERGING von 1980 mit Paul Newman war gut, wenn auch ziemlich abwegig. Zudem ist im Grunde auch DIE ZEITMASCHINE (1960) mit von der Partie.

     
  8. Lacy Leech

    2018/11/23 at 20:06

    Eruption

     
  9. Samara

    2018/11/23 at 19:05

    Ich glaube den Film Pompeii (2014) hat hier noch keiner erwähnt…ist auch ein Kastastrophenfilm mit einem Vulkan Ausbruch.

     
  10. härtelt andreas

    2018/11/23 at 15:52

    Dantes Peak

     
  11. Matthias

    2018/11/23 at 11:13

    Lava – Die Erde verglüht

     
  12. Diana Köppen

    2018/11/23 at 08:52

    Krakatoa ,Katastrophenfilm von 1969, schon oft geschaut und in meiner Filmsammlung 😀

     
  13. Philipp Mourner

    2018/11/23 at 08:49

    Jurassic World 2, zwar kein richtiger Katastrophenfilm, aber trotzdem mit Vulkan.

     
  14. Rene Dippelhofer

    2018/11/23 at 08:46

    Da fällt mir doch gleich „Verdammtes Fracking – Das Erdbeben-Inferno “ ein. Alleine der Filmtitel ist Horror Pur 😀

     
  15. Sven Plog

    2018/11/23 at 08:09

    Um Zeit zu sparen kann man auch beide Katastrophen in Emmerichs „2012„ haben…
    Qualitativ natürlich fragwürdig, hängen bleibe ich wegen John Cusack in einer seiner letzten Rollen vorm Abstieg in die B Ecke dennoch

     
  16. Sascha Grunert

    2018/11/23 at 08:09

    Mount St. Hellens Der Killervulkan.Und natürlich Erdbeben.

     
    • Tobias Staub

      2018/11/23 at 21:22

      Pompeii sehr Geiler Film

       
  17. Rainer Pampuch

    2018/11/10 at 09:06

    Im Kino gefiel der mir damals durchaus (besagte Szene mit der Lava hat mich da schon berührt), heutzutage müsste ich ihn mir allerdings gar nicht mehr geben. ^^ Dante´s Peak, von dem ich damals den Trailer von einer UIP-CD kannte 😀 , wollte ich dann unbedingt sehen, als es dann aber etliche Jahre später so weit war, fand ich ihn zu bestimmt 70% doof. Stichwort: „Hund“.

    Ansonsten fällt mir nur noch „St. Helens“ von 1981 ein: https://ssl.ofdb.de/film/31906,Mount-St-Helens—Der-Killervulkan

     
  18. Adrian Lübke

    2018/11/09 at 08:30

    Da fällt mir noch der Film 2012 von Randale Roland ein.

     

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