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Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen: Die dunkle Seite der Macht

13 Nov

Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald

Kinostart: 15. November 2018

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Der November 2018 ist zwar noch nicht so kalt, wie er sein sollte – die Temperaturen halten sich recht wacker im zweistelligen Bereich –, dennoch ist nun die perfekte Jahreszeit gekommen, um endlich wieder in die wohlig warme Wizarding World von J. K. Rowling abzutauchen. Zwei Jahre nachdem wir in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erstmals Newt Scamander (Eddie Redmayne) begegnet sind, steht für den magiebegabten Zoologen das nächste Abenteuer an. Es wird nicht sein letztes sein, insgesamt soll die Reihe fünf Filme mit fortlaufender Handlung umfassen.

Tina und Newt treffen in Paris wieder aufeinander

1927: Unter Newts Mithilfe konnte der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in New York enttarnt und vom Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika – kurz MACUSA – festgenommen werden. Doch trotz Hochsicherheitsverwahrung gelingt dem Schurken die Flucht. Grindelwald taucht in Paris unter, wo er seine Gefolgschaft um sich schart und hofft, einen wichtigen Verbündeten auf die dunkle Seite der Macht zu locken: den Waisenjungen Credence Barebone (Ezra Miller), der bereits im ersten Teil aufgrund seiner unterdrückten Zauberkräfte als Obscurus ungewollt allerhand Chaos stiftete und nun in der französischen Hauptstadt nach seiner Mutter sucht. Mit Credences Fähigkeiten will Grindelwald seinen Plan in die Tat umsetzen: die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen.

Grindelwald schart seine Gefolgsleute um sich

Albus Dumbledore (Jude Law) erkennt die Gefahr, die von Grindelwald ausgeht, allerdings kann er aufgrund eines alten Schwurs nicht selbst aktiv werden. Aus diesem Grund entsendet er seinen ehemaligen Hogwarts-Schüler Newt nach Paris, um dem magischen Schwerverbrecher Einhalt zu gebieten. Newt kommt dieser Wunsch gerade recht. Er kann etwas Ablenkung gebrauchen, denn seine große Liebe Leta Lestrange (Zoë Kravitz) hat sich mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) verlobt. Unterstützung erhält Newt erneut von den zauberhaften Schwestern Tina (Katherine Waterston) und Queenie (Alison Sudol), dem Muggel Jacob (Dan Fogler) sowie von zahlreichen Tierwesen, die er in seinen Koffer gepackt hat.

Konkurrenz für Lord Voldemort

Schon nach den ersten Minuten, in denen sich Grindelwald im tosenden Unwetter aus seiner fliegenden Gefängniskutsche befreit, wird klar: Die dunklen Wolken werden sich nicht so schnell verziehen. Johnny Depp, dessen Besetzung im Vorfeld für viel Kritik sorgte, ist drauf und dran, eine ernsthafte Konkurrenz für Lord Voldemort als Bösewicht zu werden. Es ist schön, den Star endlich mal wieder außerhalb seiner „Jack Sparrow“-Routine zu sehen. Hier spielt er durchaus ernsthaft und furchteinflößend. Vielleicht kann Depp durch die Rolle seinen tiefen Fall von der Karriereleiter doch noch aufhalten. Bedenkt man die Zeit, in dem die „Phantastische Tierwesen“-Reihe angesiedelt ist, sind die Parallelen zur Naziherrschaft durch Grindelwalds „Arier“-Pläne, seine blonden Haare und seinen Ledermantel offensichtlich. Ebenso wie sein deutsch klingender Name ist dies kein Zufall. J. K. Rowling lässt häufig reale historische Ereignisse in die Handlung miteinfließen. Die Auswirkungen des bevorstehenden Kriegs der Zauberer und der bald beginnende Krieg der Muggel werden im Verlauf der nächsten drei Filme näher beleuchtet werden.

Niffler darf ordentlich mitmischen

Aber auch, wenn es noch so düster in der Fortsetzung zugeht, für die die FSK im Gegensatz zum Erstling eine FSK-12- statt einer FSK-6-Einstufung vergab, gibt es natürlich wieder einige heitere Momente, die für Licht in dunklen Zeiten sorgen. Endlich sehen wir etwas mehr von Newts Arbeitsumfeld und lernen dabei jede Menge neue phantastische Tierwesen kennen. Allerdings: So toll die neuen Wesen auch animiert sein mögen, den süßen Niffler schlägt keines von ihnen. Das maulwurfartige Tier mit dem Entenschnabel, welches eine besondere Vorliebe für Glitzerkram besitzt, erweicht auch diesmal am meisten unser Herz. Schön, dass ihm im Film sogar eine entscheidende Rolle zukommt.

Theseus (l.) hat sich mit Leta Lestrange verlobt

Viele neue Locations, wie das französische Zaubereiministerium, fügen sich mit ihrer Detailfreude bestens in die „Wizard World“ ein. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Eine kurze Rückkehr nach Hogwarts versprüht zusammen mit dem klassischen „Harry Potter“-Thema von John Williams nostalgische Gefühle. Dennoch ist dem zweiten Teil ein wenig die Verspieltheit abhandengekommen. Nur selten, etwa wenn Newt einen Windzauber auf einen Verfolger oder Queenie einen Liebeszauber auf Jacob ausspricht, fühlt man sich zum Beispiel an die wunderbare Kochszene aus dem Erstling erinnert. Auch um die Ernsthaftigkeit noch etwas herunterzuschrauben, hätten ein paar mehr neue Zaubersprüche zusätzliche Auflockerung gebracht.

Experten-Wissen gefragt

Mit Newt werde ich allerdings noch immer nicht ganz warm. Nicht falsch verstehen: An Eddie Redmaynes liebenswert-verhuschter Darstellung ist nichts auszusetzen. Er wirkt nur nicht wie eine echte Heldenfigur. Das mag sich in den weiteren Fortsetzungen noch ändern. Aber in „Grindelwalds Verbrechen“ ist dies wohl auch dem Drehbuch von J. K. Rowling zuzuschreiben, welches sich mehr als der Erstling darum bemüht, sich in die historische „Harry Potter“-Zeitlinie einzuordnen und so häufig den Fokus auf seinen Hauptcharakter verliert.

Der Niffler muss von seinen Abenteuern etwas verschnaufen

Damit kommen wir zum für mich größten Problem des zweiten Teils: Wo echte „Harry Potter“-Experten wahrscheinlich mit der Zunge schnalzen, werden die normalen Zuschauer schnell überfordert sein. Die Geschichte verzettelt sich in einer Vielzahl von Nebenhandlungen und stellt zu viele Figuren vor, die einfach schwer einzuordnen sind, wenn man all die Zauberer-Stammbäume nicht auswendig kennt. So hätte ich nicht mehr gewusst, dass Alchemist Nicolas Flamel, gespielt übrigens von Brontis Jodorowsky, dem Sohn von „El Topo“-Regisseur Alejandro Jodorowsky, der Schöpfer des berühmten Steins der Weisen ist, der im ersten „Harry Potter“-Abenteuer eine große Rolle spielt. Vielleicht fügen sich die Nebenstränge in den weiteren drei Filmen zu einem großen Ganzen zusammen, sodass wir nach dem Finale sagen werden: J. K. Rowling hat alles richtig gemacht. Aktuell spürt man allerdings, dass der Film eben einen Mittelteil bildet und noch nicht alle Karten ausspielt, sodass auch der überraschende Cliffhanger ein wenig an Zauberkraft einbüßt.

Zeit für eine Wachablösung?

Ebenfalls sollten sich die Produzenten Gedanken machen, ob David Yates wie geplant auch die nächsten „Phantastische Tierwesen“-Filme dreht, da seine Arbeit mehr und mehr zur Routine verkommt. Seit „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ (2007) ist er am Ruder, somit hat er bis jetzt sechs Filme des Franchises am Stück abgedreht. Gerade der großartige „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) von Alfonso Cuarón („Gravity“) hat doch gezeigt, dass ein frischer Wind auf dem Regiestuhl der Reihe durchaus guttut.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp, Jude Law und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Albus Dumbledore kennt Grindelwald aus früheren Tagen

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald
GB/USA 2018
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Jude Law, Johnny Depp, Alison Sudol, Ezra Miller, Zoë Kravitz, Claudia Kim, Callum Turner, Wolf Roth
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Warner Bros. Ent. All rights reserved. Wizarding World™ Publishing Rights © J.K. Rowling, WIZARDING WORLD and all related characters and elements are trademarks of and © Warner Bros. Entertainment Inc.

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