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Archiv für den Monat Dezember 2018

Der Kampf um den Piratenschatz – Stilbildender, wenig vorhersehbarer Flickenteppich

Blackbeard, the Pirate

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Der Navy-Leutnant Robert Maynard (Keith Andes) will dem scheinbaren Ehrenmann Sir Henry Morgan (Torin Thatcher) nachweisen, dass er sich durch Piraterie zu bereichern versucht. Maynard glaubt, Charles Bellamy sei mit Morgan im Bunde, der Offizier versucht daher, sich auf Bellamys Schiff einzuschleichen. Dort erwartet ihn allerdings Edward Teach alias Blackbeard (Robert Newton), während Bellamy hoch an einem Mast baumelt. Gemeinsam mit Edwina Mansfield (Linda Darnell), die Bellamy eigentlich heiraten wollte und ebenso unverhofft auf den irrwitzigen „Schwarzbart“ stößt, gerät Maynard in eine Schatzjagd, die seinen Weg womöglich doch noch mit Henry Morgan kreuzen wird. Nur lebt es sich unter dem Kommando von Blackbeard verdammt gefährlich.

Dass für „Der Kampf um den Piratenschatz“ in den USA ausgerechnet Weihnachten 1952 als Kinostarttermin auserkoren wurde, ist ein bemerkenswerter Umstand. Ein Film voller unsympathischer Charaktere als knallhartes Kontrastprogramm zum romantisch-gemütlichen Einerlei. Halsabschneider, soweit das Auge reicht und der einzige Mehr-oder-minder-Held der Geschichte, Maynard, ist in der Verkörperung von Keith Andes so blass, dass man auf der Seite dieses Bürschchens eigentlich dennoch nicht sein will. Dazu eine Liebesgeschichte, bei der nicht die Bohne ein Funke überspringt. Selbst die Musik von Victor Young, der 1957 posthum den Oscar für seinen Score zu „In 80 Tagen um die Welt“ (1956) gewann, plätschert erstaunlich höhepunktfrei und leblos vor sich hin. Man könnte fast so weit gehen zu sagen, dass dies vielleicht der ultimative Anti-Weihnachtsfilm unter all den Produktionen ist, die zu Zeiten des klassischen Hollywoods je an Weihnachten in den USA im Kino gestartet sind. Ob unfreiwillig oder nicht – auf seine Art ist dieser Film ein ziemlich frecher Biss in jedes weihnachtlich gestimmte Gemüt.

… während man eifrig dabei ist, andere Pläne zu schmieden …

Wenn man sich vor Augen führt, dass für die Besetzung ursprünglich angeblich Robert Mitchum („Weiße Frau am Kongo“), Victor Mature („Sensation am Sonnabend“) und Jack Buetel („An der Spitze der Apachen“) vorgesehen waren, hätte aus „Der Kampf um den Piratenschatz“ wirklich ein origineller Meilenstein werden können. Sie alle sollten an der Seite von Faith Domergue („Metaluna IV antwortet nicht“) agieren, die anstelle von Linda Darnell („König der Toreros“) zu sehen gewesen wäre. Als Regisseur war Robert Stevenson („Mary Poppins“) vorgesehen – nicht zu verwechseln mit Robert Louis Stevenson, dem Autor einer anderen legendären Piratengeschichte: „Die Schatzinsel“. Stattdessen wurde schließlich der Hauptdarsteller der Disney-Verfilmung von „Die Schatzinsel“ (1950), Robert Newton, engagiert, um Blackbeard zu spielen und setzte sich dabei auch gegen Boris Karloff und Charles Laughton durch. Laughton hatte aufgrund seiner Verkörperung von William Kidd in „Unter schwarzer Flagge“ (1945), ähnlich wie Newton, eine Vorgeschichte, die ihn für die Rolle prädestinierte. Man kann guten Gewissens sagen, dass Laughton als Captain Kidd und Newton als Long John Silver Stand 1952 die beiden wahrscheinlich populärsten Inkarnationen reibeiserner Piratenkapitäne mindestens der vorausgegangenen zehn Jahre in Hollywood waren. Während der Zuschlag für Blackbeard bei Robert Newton blieb, kehrte Charles Laughton trotzdem an Bord eines Piratenschiffs zurück und parodierte seine populär gewordene Rolle als Kidd in „Abbott und Costello unter Piraten“, der in den USA fast zeitgleich mit „Der Kampf um den Piratenschatz“ anlief und als unmittelbare Antwort auf selbigen verstanden worden sein könnte.

Leider merkt man dem fertigen Film, aus meiner Sicht, an, dass Alan Le May recht kurzfristig verpflichtet wurde, um das Drehbuch knapp vor Produktionsstart noch einmal neu zu schreiben. Hätte Stevenson die Geschichte mit Mitchum, Domergue, Mature und Buetel verfilmt, wäre die Grundlage also wahrscheinlich ein anderes Drehbuch gewesen. So richtig rund wirkt die Story nicht, eher bruchstückhaft zusammengeschustert, und die Einfallslosigkeit bei der Auswahl der Handlungsorte ist fast schon erschreckend. Selbst wenn die Darsteller alle funktionieren würden und die Musik besser wäre, ist das immer noch eine Menge an Baustellen. Piratenfilme können so wunderbar bunt und abwechslungsreich sein. Dieser Film ist es nicht. Zu lange wird sich nur an Bord des Schiffes herumgetrieben, zu wenig Ideen greifen später an Land. Schauplätze vom Schlage einer Pirateninsel Tortuga fehlen schmerzlich, stattdessen wirken viele Settings, als hätte man absichtlich kostensparend so viel wie möglich im Studio und in kaum wechselnden Kulissen gedreht – was aber nicht zu den teuren Stars und einem Regisseur der Hausnummer Raoul Walsh passt. Obendrein fehlen bis auf wenige Ausnahmen kantige Gesichter und Nebenrollen von einer gewissen Gestalt unter den Piraten, die Robert Newton wenigstens ansatzweise das Wasser reichen könnten. Aus unklaren Gründen wurden prägnante Charakterdarsteller wie insbesondere Anthony Caruso („Flucht aus Zahrain“) und Jack Lambert („Die Killer“) in Kleinstrollen verheizt. Amüsant immerhin Alan Mowbray („Gold in Neuguinea“), der als durchgeknallter Blackbeard-Doppelgänger kaum wiederzuerkennen ist.

Auffällig ist, dass die Rolle des Maynard, in der Art, wie er quasi von außen in die Geschehnisse und eine ihm fremde Welt fällt, und wie er dabei stellenweise als beobachtender Erzähler der Geschichte agiert, der auf spektakuläre Gestalten stößt, sehr an Richard Webb (in der Rolle des Lieutenant Tufts) in Walshs an Weihnachten im Jahr zuvor veröffentlichtem Western-Meisterwerk „Die Teufelsbrigade“ erinnert. Diese Rollen-Parallele sowie die Besetzung eines Webb optisch ähnelnden Schauspielers in „Der Kampf um den Piratenschatz“, können auf den Einfluss des Regisseurs hinweisen. Der Ansatz birgt auch Potenzial, wenn der Schauspieler es zu tragen versteht. Dann ist da aber eben das Problem, dass Webb in „Die Teufelsbrigade“, trotz der wenigen Möglichkeiten sich zu profilieren, die diese Rolle ihm bot, um Längen überzeugender ist als der damals noch höchst unerfahrene Andes, der zuvor nur wenige Filme gedreht hatte, in „Der Kampf um den Piratenschatz“. Nicht zuletzt fehlt Andes einfach ein Gary Cooper an seiner Seite, der die eigentlichen Heldenaufgaben stemmt, denn in „Die Teufelsbrigade“ war dies gar nicht Richard Webbs Job, sondern der von Cooper. Keith Andes, Linda Darnell und eine dauerkreischende Dienerin allein mit einem Rudel Piraten auf dem Schiff – das ist schlicht zu wenig.

Im Zuge seiner unbeholfenen Bauart sowie der Konstellation mit vielen unsympathischen Figuren erweist sich der Film aber kurioserweise auch als wenig vorhersehbar und dadurch in gewisser Hinsicht spannend, wenngleich eine Figur zum Andocken und Mitfiebern fehlt. Wenn man so will, generiert er seine größte narrative Stärke also aus einer Schwäche.

Der geistige Vater von Jack Sparrow

Am Ende retten drei Piraten den „Kampf um den Piratenschatz“ quasi im Alleingang. Robert Newtons Blackbeard folgte dem Aussehen nach natürlich historischen Überlieferungen, sein extrovertiertes Spiel aber setzte Maßstäbe, die eindeutig ihm selbst zuzuschreiben sind. Einer der anschaulichsten Belege in der Filmgeschichte, wie effektiv „Overacting“ in geeignetem Kontext sein kann. Einmal auf der stimmlichen Ebene, und erst recht hinsichtlich seiner ständig wechselnden Miene, womit er gewissermaßen immer wieder seine Gedanken nach außen trägt, oder mimisch sein gesprochenes Wort oder die Aussagen anderer, höchst anschaulich überzeichnend, kommentiert. Er nutzt Grimassen, macht sich das ausdrucksstarke Bewegen oder auch Zusammenkneifen der Augen vielfach zunutze, bewegt den Kopf häufig hin und her als würde er unter Drogeneinfluss stehen. Es ist davon auszugehen, dass diese Performance auch auf Johnny Depps Verkörperung des Captains Jack Sparrow in der „Fluch der Karibik“-Reihe einen gewissen Einfluss hatte. In der deutschen Fassung wurde er, wie auch schon in „Die Schatzinsel“, von Eduard Wandrey synchronisiert, der den hartkantigen Piraten bestens draufhatte. In der Originalfassung merkt man allerdings zudem gewisse Abstufungen, die ich persönlich so interpretieren würde, dass Newton versuchte, den schwankenden Alkoholisierungspegel seiner Figur stimmlich zu differenzieren. So hört er sich tagsüber zum Teil wirklich anders, etwas klarer, jünger und weniger exzentrisch an als zu späterer Stunde – eine witzige Idee, die allerdings leider etwas untergeht, oder doch schlichtweg einer von der Chronologie im Film abweichenden Drehreihenfolge der Szenen, je nach Handlungsort, geschuldet? Wer weiß?

Dazu William Bendix („Blut im Schnee“), der als Typ und sogar stimmlich ähnelnd, so etwas wie der Mario Adorf des klassischen Hollywood-Kinos war. Ein sympathischer, vielseitiger Schauspieler, dem man gern zusieht, und der sich hier mal von seiner eher komödiantischen Seite zeigen durfte. Als Dritter im Bunde Skelton Knaggs – ein unglaubliches Gesicht, vor allem durch düstere Krimis und Horrorfilme bekannt –, der allein zwar nicht reicht, um einen bunten Piratenhaufen zu repräsentieren, aber zumindest die richtige Richtung aufzeigt, zumal er schauspielerisch durchaus versiert war, in diesem Film wunderbar selbstironisch agiert, aber auch regungslos mit einem Blick verharrend immer noch eine Menge gruseliger Energie über die Leinwand schickt. Sein Gesicht könnte als Vorbild für die Zeichnung von „Billy the Kid“ im gleichnamigen Lucky-Luke-Comic gedient haben – die Ähnlichkeit ist jedenfalls verblüffend. Tragisch, dass sowohl er als auch Robert Newton nur wenige Jahre später an den Folgen von Alkoholismus starben.

Weihnachten am Galgen, unter Dieben und Mördern

Eine offizielle DVD-Veröffentlichung des Films scheint es in Deutschland bisher noch nicht zu geben. RKO-Filme sind auf dem deutschen DVD-Markt leider generell recht unterpräsent – vermutlich, weil es das Studio schon seit circa 60 Jahren nicht mehr gibt, obwohl es bis dahin zu den fünf größten Hollywoods (neben MGM, Warner, 20th Century Fox und Paramount) gehörte und der Rechtebestand daher logischerweise anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, als es im Regelfall bei Filmen damaliger Studios der Fall ist, die es heute auf die eine oder andere Art immer noch gibt. Eine verstärkte Erschließung der von RKO produzierten Filme für den deutschen DVD-Markt, wäre einer meiner Weihnachtswünsche, nicht nur weil ein Anti-Weihnachtsfilm wie „Der Kampf um den Piratenschatz“, der allen Widrigkeiten zum Trotz doch irgendwie sehenswert ist, eine angemessene Würdigung erfahren sollte.

Ferner ist die popkulturelle Bedeutung der Piratendarstellungen von Robert Newton wirklich nicht zu unterschätzen und allein schon eine große Veröffentlichung wert. Der Mann hat unser Bild von Piratenkapitänen und davon, wie sie sich angeblich gebärden, wahrscheinlich mindestens genauso sehr geprägt wie Pierre Brice unser Bild von Indianern. Der Unterschied ist allerdings, dass bei Newton die Bekanntheit seines Wirkens heute eher indirekter Natur ist. Dieses gewisse Bild vom Piraten ist präsent, aber man verbindet Newton kaum noch damit. Sein Wirken überdauert für das heutige Publikum eher durch spätere Darstellungen anderer von ihm inspirierter Schauspieler sowie durch Figuren in Computerspielen oder in Animationsfilmen, die auf Newtons Piratendarstellungen fußen – während die ursprünglichen Vorlagen mit ihm selbst, die in „Die Schatzinsel“, der zugehörigen Fortsetzung und der zugehörigen TV-Serie sowie in „Der Kampf um den Piratenschatz“ zu sehen sind, zumindest in Deutschland mittlerweile weniger Bekanntheit genießen. Dies ist zweifelsohne unter anderem den vielen Remakes des „Schatzinsel“-Stoffes geschuldet, die davon ablenken, sich auch einmal die Version mit Newton anzuschauen, zumal diese auch bereits ein Remake und nicht wirklich „Das Original“ war.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Raoul Walsh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Blackbeard, the Pirate
USA 1952
Regie: Raoul Walsh
Drehbuch: Alan Le May, nach einer Vorlage von DeVallon Scott
Besetzung: Robert Newton, Linda Darnell, William Bendix, Keith Andes, Skelton Knaggs, Torin Thatcher, Alan Mowbray, Irene Ryan, Richard Egan, Anthony Caruso
Verleih: RKO Radio Pictures

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

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Mary Poppins’ Rückkehr – Magisch, zauberhaft und herrlich bunt

Mary Poppins Returns

Kinostart: 20. Dezember 2018

Von Iris Janke

Fantasy-Komödie // An „Mary Poppins“ als schwebendes Kindermädchen mit Schirm erinnert sich wohl beinahe jedes Kind. Vor allem die über 40-Jährigen dabei vermutlich eher an die fünffach Oscar-gekrönte erste Kino-Umsetzung aus dem Jahr 1964 von Robert Stevenson mit Julie Andrews in der Titelrolle. Und auch, wer den Film nicht gesehen hat, hat vermutlich eines der Kinderbücher im Regal stehen, gelesen oder vorgelesen bekommen – der erste „Mary Poppins“-Roman der Australierin Pamela Lynwood Travers war 1934 veröffentlicht worden. Einem klassischen Märchen gleich werden die Bücher immer noch von Oma und Opa, Tante und Onkel oder von guten Kindermädchen selbst dem Nachwuchs geschenkt und vorgelesen.

Mary Poppins hat ein Auge auf die drei Banks-Kinder

2014 verkörperte Emma Thompson in „Saving Mr. Banks“ die störrische Romanautorin, mit der Tom Hanks als Walt Disney seine liebe Not bei hatte, seine Vision der Vorlage zu verwirklichen. Höchste Zeit also, dem magischen Kindermädchen Mary Poppins zu einem neuen Leinwandauftritt zu verhelfen. Inhaltlich ist „Mary Poppins’ Rückkehr“ von Regisseur Rob Marshall („Chicago“, „Into the Woods“) weder eine komplette Neuverfilmung noch schließt ihre Rückkehr nahtlos an die Story des 1964er-Films an. Allerdings ist im Film weit weniger Zeit vergangen als zwischen dem ersten und zweiten Teil in der Realität.

Das Kindermädchen schwebt wieder mit dem Schirm herbei

Ist „Mary Poppins“ in der britischen Hauptstadt wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt, spielt „Mary Poppins’ Rückkehr“ im London der 1930er-Jahre. In beiden Teilen steht die Familie Banks im Mittelpunkt. Doch während im ersten Teil die Eltern von Jane und Michael Banks selbst ein Kindermädchen suchen, schwebt in der Fortsetzung das Kindermädchen Mary Poppins (Emily Blunt, „Sicario“) unaufgefordert per Schirm herbei, um den inzwischen erwachsenen Geschwistern Jane (Emily Mortimer, „The 51st State“) und Michael Banks (Ben Whishaw) bei der Erziehung von Michaels eigenen Kindern zu helfen.

Der magische Papierdrachen hilft im Park

Michael Banks wirkt damit überfordert, nach dem Tod seiner Frau die drei Kinder Anabel (Pixie Davis), Georgie (Joel Dawson) und John (Nathanael Saleh) allein erziehen zu müssen. Die Katastrophe scheint zudem ihren Lauf zu nehmen, als das geliebte alte Haus im Kirschbaumweg 17 wegen Überschuldung an die Bank und deren bösen Boss Wilkens (Colin Firth, „Tatsächlich … Liebe“) zu fallen droht. Die Einzige, die die ausweglose Situation der Familie Banks anscheinend retten kann, ist Mary Poppins. Gemeinsam mit dem munteren Laternenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda) taucht sie in eine fantastische Märchenwelt ein, um dort sogar das Unmögliche möglich zu machen.

Emily Blunt verzaubert Jung und Alt

Dass Rob Marshalls neue Umsetzung überaus gelungen ist, liegt vor allem an Hauptdarstellerin Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“). Ganz wie ihre Vorgängerin Julie Andrews verzaubert die Britin Jung und Alt, singt, tanzt und wirbelt durch reale und bunt-animierte Kulissen. Dabei agiert sie als Kindermädchen gleichzeitig streng, wunderbar ironisch und immer bezaubernd.

In Mary Poppins’ bunter Fantasiewelt ist ein Hund der Kutscher

Regisseur Marshall gelingt dabei das Kunststück, sogar nicht dem Musical zugeneigte Filmgucker mit seiner wunderbar märchenhaften Kulisse zu faszinieren. Alles ist bunt, schnell, ein bisschen zuckerig, irgendwie unwirklich, aber immer vor Magie sprühend. Wenig verwunderlich also, dass irgendwann Meryl Streep als Mary Poppins’ magische Cousine Topsy Turvy auftaucht. Alles ist möglich …

Laternenanzünder Jack hat das richtige Gleichgewicht

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Emily Blunt und Meryl Streep sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Colin Firth in der Rubrik Schauspieler.

Mary Poppins hat viele Fans und wird auf Händen getragen

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Mary Poppins Returns
USA 2018
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: David Magee, nach den Vorlagen von P. L. Travers
Besetzung: Emily Blunt, Lin-Manuel Miranda, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Julie Walters, Colin Firth, Meryl Streep, Dick Van Dyke, Angela Lansbury, David Warner, Pixie Davies, Joel Dawson
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 © Disney Enterprises, Inc. All rights reserved.

 

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Pony Express – Der Stoff, aus dem Legenden sind

Pony Express

Von Ansgar Skulme

Western // Die USA kurz vor Beginn des Bürgerkrieges: Zwischen Missouri und Kalifornien soll der sogenannte Pony-Express seinen Betrieb aufnehmen. Buffalo Bill (Charlton Heston) und Wild Bill Hickok (Forrest Tucker) geben den Organisatoren Rückendeckung, denn dem Projekt droht Gefahr von kalifornischen Separatisten, die teils politisch-ambitionierte, teils rein wirtschaftliche Ansinnen verfolgen. Ferner halten die Sioux unter ihrem grobschlächtigen Anführer „Gelbe Hand“ (Pat Hogan) wenig von den ungebetenen Gästen, die ihr Land kreuzen wollen. Mit Unterstützung von keinem Geringeren als Jim Bridger (Porter Hall), der zweifelnden Separatistin Evelyn Hastings (Rhonda Fleming), der nur auf den ersten Blick burschikosen Denny Russell (Jan Sterling) und vielen mehr stürmt der Pony-Express seinem waghalsigen Start entgegen.

Der Westen – unendliche Weiten …

Historische Genauigkeit darf man von „Pony Express“ nicht erwarten. Um sich darüber klar zu werden, genügt schon allein die Feststellung, dass Buffalo Bill im Jahre 1860 eigentlich erst 14 Jahre alt war. Der Western ist allerdings ohnehin das Genre der Legendenbildung und durch das Aufgreifen historischer Figuren wie Buffalo Bill, Wild Bill Hickok und Jim Bridger ist ein Film wie „Pony Express“ in diesem Kontext lediglich eine Art Vorreiter. Dass die Figuren hier nicht für voll zu nehmen sind, gilt ebenso für die Helden wie auch die Indianer auf der anderen Seite, an denen der Film kein gutes Haar lässt, die sich als Antagonisten in der atmosphärisch dicht gestrickten Story aber dennoch sehr gut machen.

Unterbewertete Klasse-Western

„Pony Express“ war der erste von drei 1953 erschienenen Filmen, die nach einem Drehbuch von Charles Marquis Warren, mit dem zweifachen Oscar-Preisträger Ray Rennahan („König der Toreros“) an der Kamera und mit Musik von Paul Sawtell durch den Produzenten Nat Holt über Paramount Pictures in die Kinos gebracht wurden. Alle drei – die beiden Western „Pony Express“ und „Die Bestie der Wildnis“ sowie der Actionkrimi „Flug nach Tanger“ – schafften es bereits im Folgejahr in einer synchronisierten Fassung in die deutschen Kinos. Nat Holt war einer der wichtigsten Western-Produzenten der ersten Hälfte der 50er-Jahre, der dem Genre neben den beiden besagten Kollaborationen mit Charles Marquis Warren auch Filme wie „Die Todesschlucht von Arizona“ (1950), „Am Marterpfahl der Sioux“ (1951), „Die roten Teufel von Arizona“ (1952) oder „Terror am Rio Grande“ (1952) schenkte – kurzum: eine ganze Reihe sowohl farblich sehr schöner als auch atmosphärisch fesselnder Produktionen. Neben Marquis Warren gehörte Frank Gruber zu den maßgeblich für die Nat-Holt-Erfolge verantwortlichen Autoren. Gegenüber den Indianern waren diese Filme oft eher negativ eingestellt – vor allem in den Western, zu denen Marquis Warren das Drehbuch schrieb –, allerdings sind sie mitreißend inszeniert und schildern den existenzialistischen Kampf um das Land in ähnlich gekonnter Art und Weise wie beispielsweise „Die Teufelsbrigade“ (1951).

Nicht perfekt, aber mit natürlichen Fehlern schön

„Pony Express“ wurde als einzige der drei Nat-Holt-Produktionen nach Drehbüchern von Marquis Warren nicht von letzterem selbst inszeniert, sondern von Jerry Hopper. Dieser schuf gemeinsam mit Kameramann Rennahan ein malerisches Western-Erlebnis mit ein paar handwerklichen Schwachstellen, dafür aber stylishen Actionszenen und weiteren guten erzählerischen Ideen. Gekrönt von Paul Sawtells teils furioser, stellenweise aber auch fast schon mystisch-düsterer Musik. Wenngleich die Kamera manchmal überraschend unvorteilhaft positioniert scheint, stehen dem diverse tolle Einstellungen gegenüber – darunter ein grandioses Eröffnungs- sowie ein gleichsam episches Schlussbild. Die Weite der Landschaft wird mehrfach herrlich bebildert.

Interessant ist auch der Eintritt in die Story, da sich die ersten 15 Minuten des Films nahezu in Echtzeit abzuspielen scheinen. Erst als die kurzhaarige Denny Russell das erste Mal auftritt, spürt man einen wirklichen Szenen- und Schauplatzwechsel, nachdem man sich zuvor ohne nennenswerte Unterbrechungen fortlaufend gemeinsam mit Buffalo Bill durch die Landschaft bewegt und bereits mehrere Abenteuer mit ihm bestanden hat. Zum Zeitpunkt des Sprungs in die Stadt sind sowohl die Sioux als auch die Separatisten als gegnerische Gruppen eingeführt, und die Beziehung zwischen Buffalo Bill und Evelyn Hastings ist ebenfalls bereits ein gutes Stück vorangekommen. Der Film zieht den Zuschauer dadurch recht schnell in seinen Bann. Man hat von vornherein das Gefühl, sehr nah an Buffalo Bill dran zu sein – eine erzählerische Stärke, die sich auch ganz am Ende bezahlt machen wird.

Denny (l.) macht sich nichts aus klassischen Frauenrollen

Sehenswert ist zudem die eher unscheinbar, manchmal regelrecht heimtückisch gehaltene Komposition der Tiefe des Bildes. Da tauchen auch mal Bedrohungen durch Menschen im Hintergrund auf, die man – wie der Held selbst – zunächst gar nicht bemerkt. Der Ansatz hat etwas Erfrischendes, da es hier weniger darum geht, dass die Bilder ästhetisch tipptopp aussehen, als darum, dass sie ihren Zweck erfüllen, und das ist hier nun einmal der Überraschungseffekt. Sehr stark auf ein ästhetisch-stilistisch spektakuläres Aussehen hin komponierte Bilder verlieren im Normalfall automatisch den Faktor der Unscheinbarkeit von Begebenheiten im Bild, auch im Raum bzw. im Hintergrund – aber genau dieser Bruch, nämlich eine scheinbare Sicherheit, die urplötzlich komplett kippt und zu Verfolgungsjagden oder Schießereien führt, ist hier der springende Punkt. Es ergibt Sinn, dass die Bilder nicht immer wie gelackt aussehen, dafür stellenweise aber etwas ziemlich Unvorhersehbares haben.

Die Schusswechsel gefallen ferner dadurch, dass die Action stark durch die Bewegungen im Bild, innerhalb einer Einstellung, statt durch Schnitte und häufige Einstellungsgrößenwechsel kommt. Charlton Heston zeigt sich dabei mehrfach als um keinen Sprung in den Dreck verlegen – mag die Szenerie noch so ruhig erscheinen, lässt er sich auf einmal überraschend fallen, um gegnerischen Kugeln auszuweichen und diese zu erwidern. Aus dem Nichts, wie ein nasser Sack, wechselt er seine Position im Bild in die Horizontale. Ein Schelm, wer dabei an Neymar denkt. Wenn Kinder „Cowboy und Indianer“ spielen, sieht es nicht viel anders aus – und das hat Charme. Das wirkt tatsächlich auch nicht lächerlich, sondern eher sehr ursprünglich und auf eine Art ehrlich – da die Schießerei nicht durch Kameraeinstellungen und Schnitte aufgebauscht wird, sondern gewissermaßen auf den Kern der Sache reduziert. Schießereien in Western hätten öfter so minimalistisch inszeniert werden sollen – wirklich eine nette Abwechslung. Dass die Macher von „Pony Express“ es auch anders konnten, zeigt wiederum eine fetzige Kamerafahrt auf einen der Separatisten, während dieser zusammengeschossen wird, im finalen Feuergefecht. Das ist dann visionäre Action, wie man sie noch heute findet; ein Spiel mit der Bewegung des Bildes zur Steigerung der Spannung und mit der Einnahme der Perspektive eines der Protagonisten durch den Zuschauer.

Figuren, die bleiben

Der heimliche Star von „Pony Express“ ist allerdings eine Frau – Denny Russell, gespielt von Jan Sterling. Eine der interessantesten Frauenfiguren der Westernhistorie, die in einer glaubwürdig gebastelten Liebesgeschichte mit ihrer natürlichen Art, redend wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und offen über ihre Gefühle sprechend, emotional ans Herz geht. Die außerdem mit ihrer Kurzhaarfrisur und ihrem ungezwungenen, authentischen Auftreten, anstelle jeder Etikette, allen Klischees beziehungsweise der typischen Rolle der Frau im Western einen Strich durch die Rechnung macht. Auch ihr Widerstreit mit Evelyn Hastings um die Gunst von Buffalo Bill ist sympathisch gelöst und spiegelt eine recht große Bandbreite an emotionalen Ebenen zwischen beiden Frauen. Am Ende findet der Film zu einem ergreifenden Finale, das auch die Bedeutung der Natur für einen Mann wie Buffalo Bill eindrucksvoll unterstreicht. Ebenso kommt das Motiv der Männerfreundschaft – für den Western gleichsam wichtig – in der gesamten Geschichte nicht zu kurz. Das erste Zusammentreffen von Buffalo und Will Bill gerät denkwürdig: Beide schießen sich gegenseitig eine ganze Ladung an Kugeln vor die Füße und um die Ohren, treffen sich dabei aber mit Absicht nicht. Eine kultverdächtige Art, „Hallo!“ zu sagen.

Seine Hechtsprünge machen Buffalo Bills Schießeinlagen ziemlich unberechenbar

An dieser Stelle will ich eine Lanze für Forrest Tucker brechen. Tucker, der hier als Wild Bill Hickok zu sehen ist, war einer der kernigsten Hauptdarsteller, die der damalige Western zu bieten hatte, machte sich aber auch als Sidekick für eine andere Hauptfigur, wie hier in „Pony Express“, oder als Schurke gut. Oder irgendwo dazwischen: mal grobschlächtig, mal verbohrt und gestrig, mal als derjenige, der sich am Ende doch noch auf den richtigen Pfad besinnt, selbst wenn ihn das das Leben kostet, mal als vernünftiger Gegenpart zu einem Antihelden am Scheideweg. Zudem besaß er auch komödiantisches Talent. Ohne Forrest Tucker wäre der US-Western der 50er-Jahre nicht das, was er ist. Er beherrschte gewissermaßen das komplette Portfolio aller Männer-Rollen, die das Genre hergab, gegebenenfalls sogar Charaktere spielend, die deutlich älter waren als er selbst. Nur als Indianer wurde er, aufgrund seiner physischen Beschaffenheit, soweit ich den Korpus überschaue, offenbar nie besetzt – wenngleich es andere gab, die ähnliche Rollen wie Tucker im Western spielten, aber auch einmal oder mehrmals einen Ureinwohner. Beispielsweise Stuart Randall, der in „Pony Express“ als Verschwörer Pemberton zu sehen ist, im selben Jahr aber auch einen Indianer in Lew Landers’ Pocahontas-Verfilmung „Steppe in Flammen“ verkörperte, oder der in Berlin geborene Henry Brandon, der in „Pony Express“ den geldgierigen Joe Cooper spielt und eine seiner bekanntesten Rollen als Indianer in John Fords „Der schwarze Falke“ (1956) hatte.

Und dann gab es Schauspieler wie Pat Hogan, die über ihre gesamte Karriere hinweg meist als Ureinwohner besetzt wurden. So in „Pony Express“ als „Gelbe Hand“, der offenbar vor allem von dem Gedanken angetrieben wird, sich damit Ruhm zu verdienen, Buffalo Bills Leben zu einem Ende zu führen. Hogan spielte wohlgemerkt nicht nur negativ behaftete Indianer, sondern beispielsweise auch erinnerungswürdig den treuen Gefährten des Helden in Anthony Manns „Draußen wartet der Tod“ (1955). Nichtsdestotrotz lieferte er aber auch einige der besten Darstellungen flach-brutaler Indianer mit simpler „Weißer Mann, du sterben! Weiße Frau, du brennen!“-Ideologie ab. Rollen, die sicherlich politisch fragwürdig wären, hätten politische Diskussionen in Bezug auf den Western so etwas wie einen Mehrwert. Figuren, die allerdings Spaß machen und überzeugen, wenn man sie im selben Kontext betrachtet wie beispielsweise die Figur des Dr. No im ersten Film der heute noch erfolgreichen James-Bond-Reihe. Es sind absichtlich überzeichnete Antagonisten mit exotischem Touch, mehr nicht. Wer unbedingt eine Rassismus-Diskussion um klassische US-Western und deren Indianer-Bilder vom Zaun brechen will, muss sich dann eigentlich auch fragen, ob „Dr. No“ (1962) alle Asiaten oder „Leben und sterben lassen“ (1973) alle Afro-Amerikaner diskriminiert. Und dass derartige Diskussionen die Bond-Reihe bisher in über 50 Jahren nicht wirklich belastet haben, hat gute Gründe. Warum der klassische US-Western davon bis heute mehr belastet wird, ist diskutabel.

Überraschung inmitten der Masse

Für alle, die sich fragen, warum auf der Vorderseite des Covers der deutschen Blu-ray und DVD von einem Film des Regisseurs James Cruze die Rede ist, sei erwähnt, dass dieser den Stummfilm „The Pony Express“ (1925) inszenierte. Der wertschätzende Kommentar auf dem vorliegenden Cover bezieht sich auf ebendiesen und nicht auf den Film, der sich auf der Disc befindet. Das ist insofern etwas unglücklich, als das falsch ausgewählte Zitat auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es handle sich bei der vorliegenden Veröffentlichung um eine nicht sorgfältig gestaltete und womöglich sogar um ein Bootleg – zumal in jüngerer Zeit einige klassische US-Western ohne Nennung der Verleihe bzw. Rechteinhaber auf dem Cover in Deutschland auf DVD erschienen sind, wenn auch nicht bei Black Hill Pictures (Spirit Media), die für „Pony Express“ verantwortlich zeichnen. Bei solchen Erscheinungen werden die Hinweise auf den Verleih auch gern mal aus dem Vorspann und gegebenenfalls Abspann entfernt. Wer sich vom äußerlichen Trugschluss anhand der Vorderseite des Covers blenden lässt, verpasst mit „Pony Express“ eine komplett legale Veröffentlichung mit schönem Bild, gutem Ton sowie einem Mindestmaß an Standard-Bonusmaterial, die auch das Paramount-Logo überall dort vorweist, wo es hingehört. Nun also doch Sublizenzen bei Klassikern aus dem Hause Paramount? Sehr gut! Da geht noch einiges – nicht nur im Bereich Western. Ärgerlich, dass viele Paramount-Western der damaligen Zeit mittlerweile nun schon in fragwürdiger Qualität auf unseren DVD-Markt geworfen worden sind. Das dürfte sie für neuerliche Veröffentlichungen in vollständig professioneller Qualität für die Labels vorerst uninteressant machen.

Wenn das Geld stimmt, ist Joe Cooper (vorn) für jede Revolution zu haben

Die deutsche Synchronfassung weiß mit dem als Western-Held immer überzeugenden Heinz Engelmann in der Hauptrolle zu gefallen, der Charlton Heston nur zu Beginn seiner Karriere sprach – darunter allerdings fallen beide Western in Zusammenarbeit mit Charles Marquis Warren, „Pony Express“ und „Die Bestie der Wildnis“ –, ehe sich schließlich Ernst Wilhelm Borchert mit Filmen wie „Die zehn Gebote“ und „Ben Hur“ als erste große Stammkraft etablierte und dabei auch gegen Gert Günther Hoffmann sowie Horst Niendorf durchsetzte. Sehr gelungen ist ferner die etwas überraschende Besetzung von Siegfried Schürenberg für Forrest Tucker. Der eloquente, elegant klingende Schürenberg – besser bekannt vor der Kamera als Sir John in vielen Edgar-Wallace-Filmen der 60er-Jahre – gibt dem kantigen Tucker eine interessante, recht reife und schlaue Note. Dass ein Revolverheld mit rauer Schale im Western vom ersten Moment an auch sehr gebildet erscheint, ist nicht unbedingt der Regelfall. Während Axel Monjé in zwei vorausgegangenen Western-Hauptrollen einfach nur zu jung und glatt für Tucker klingt – als radikales Kontrastprogramm zur reibeisernen Schale –, findet Schürenberg genau den richtigen Mittelweg. Fritz Tillmann spricht in „Pony Express“ wie auch in „Die Bestie der Wildnis“ den blutrünstigen Indianerhäuptling, hier Pat Hogan, dort Jack Palance in einer wesentlich größeren Rolle – beide Synchronfassungen dürften in recht engem Austausch entstanden sein. Tillmanns ungewöhnlich emotionslose Darbietung in „Pony Express“ mit sonderbarer Betonung, erweckt tatsächlich ein wenig den Eindruck, dass „Gelbe Hand“ sowohl die Sprache kaum versteht als auch psychisch ziemlich neben der Spur ist. Mit gekonnter Einfühlung ist es Tillmann geglückt, den Eindruck völliger Fremdheit dieser Figur – gegenüber Buffalo Bill, den Eindringlingen im Sioux-Land und deren „weißer“ Kultur – zu erwecken. Ein schönes Kontrastprogramm zu den sonst oft extrovertiert krakeelenden Antagonisten dieser Art. Tillmann spricht die Rolle, als hätte er sich den Indianer vorgestellt, wie er selbst im Synchronstudio steht und das erste Mal in seinem Leben ein Mikrofon und eine Leinwand sieht – eine kurze, aber außergewöhnliche Performance, ohne jede Theaterhaftigkeit.

Ein Mann, ein Sattel, schier grenzenlose Natur – das Kernrezept des Westerns

Veröffentlichung: 30. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Pony Express
Deutscher Alternativtitel: Die Outrider
USA 1953
Regie: Jerry Hopper
Drehbuch: Charles Marquis Warren, nach einer Vorlage von Frank Gruber
Besetzung: Charlton Heston, Rhonda Fleming, Jan Sterling, Forrest Tucker, Stuart Randall, Pat Hogan, Michael Moore, Henry Brandon, Richard Shannon, Porter Hall
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer, Deutscher Kinotrailer, Super-8-Vorabversion, Bildergalerie, Biografien
Label: Black Hill Pictures / Spirit Media
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2018 by Ansgar Skulme

Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2018 Black Hill Pictures / Spirit Media

 

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