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Das Geheimnis von Marrowbone – Die Geister der Vergangenheit

02 Dez

Marrowbone

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Jedes Jahr verleiht das Fantasy Filmfest den „Fresh Blood“-Award, mit dem das Festival das beste Erstlingswerk würdigt. Da nicht die Veranstalter oder eine handverlesene Jury, sondern das Publikum darüber entscheidet, wer den Preis erhält, hat diese Auszeichnung durchaus Gewicht. Denn man muss ja nicht Kritiker begeistern, sondern den Geschmack der Zuschauer treffen. Kein einfaches Unterfangen. 2018 ging der Hauptpreis an die finnische Komödie „Heavy Trip“, auf Platz zwei landete der anarchische „Bomb City“, den dritten Rang belegte „Das Geheimnis von Marrowbone“, der nun seinen Weg in unsere Heimkinos sucht.

Flucht in die USA

Ende der 60er-Jahre: Rose (Nicola Harrison) flüchtet mit ihren vier Kindern Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und Sam (Matthew Stagg) von Großbritannien in die USA. In Marrowbone, dem Haus ihrer Kindheit, will sie einen Neustart wagen – sie hofft, dass ihr gewalttätiger Ehemann seine Familie dort niemals finden wird. Allerdings erkrankt Rose schwer, kurz vor ihrem Tod muss ihr ihr ältester Sohn Jack versprechen, dass er die Nachricht ihres Ablebens vor der Außenwelt geheimhalten wird. Sie fürchtet, dass die Kinder ansonsten voneinander getrennt werden. Sobald er in einigen Monaten 21 Jahre alt wird, soll Jack das Sorgerecht für seine Geschwister beantragen.

Die Geschwister kommen in ihrem neuen Zuhause an

So kommt es, dass die Geschwister sich meist nur noch in dem abgelegenen Anwesen aufhalten. Nur Jack geht hinaus in die Stadt, um Besorgungen zu machen oder seine Freundin Allie (Anya Taylor-Joy) zu treffen. Sie hatte die Familie bereits am Tag ihrer Ankunft kennengelernt. Doch Jack lässt auch sie nicht mehr ins Haus, aus Sorge, sie könne die Wahrheit über seine angeblich kranke Mutter und die dunkle Vergangenheit der Familie herausfinden. Für reichlich Ärger sorgt der neugierige Anwalt Porter (Kyle Soller), der ebenfalls ein Auge auf Allie geworfen hat und deswegen seinem Rivalen das Leben schwer macht. Doch nicht nur außerhalb, auch innerhalb von Marrowbone gehen seltsame Dinge vor. Langsam legt sich ein unheilvoller Schleier über das geheimnisvolle Anwesen.

Vom Autor von „Das Waisenhaus“

„Das Geheimnis von Marrowbone“ mag zwar das Regiedebüt von Sergio G. Sánchez darstellen, dennoch ist der Spanier kein Neuling im Filmgeschäft. Außer den Drehbüchern zu „Ende“ (2012) und „The Impossible – Nichts ist stärker als der Wille, zu überleben“ (2012) schrieb er ebenfalls das Skript zum schaurig-schönen „Das Waisenhaus“ (2007). Der damalige Regisseur J. A. Bayona („Jurassic Park – Das gefallene Königreich“) tauschte mit Sánchez sozusagen die Seiten und war bei dessen Erstling nun als ausführender Produzent tätig. Sicherlich trug auch seine filmische Expertise dazu bei, dass sich die angesagten Jungstars George MacKay („Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“), Anya Taylor-Joy („Split“), Charlie Heaton („Stranger Things“) und Mia Goth („A Cure for Wellness“) für das Projekt gewinnen ließen. Aufgrund der internationalen Besetzung ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die spanische Produktion komplett in englischer Sprache gedreht wurde.

Während Jack in der Stadt heimlich Freundin Allie trifft …

Zwar bietet „Das Geheimnis von Marrowbone“ im Grunde nicht viel Innovatives, für einige Passagen ließen sich Referenzfilme aufzählen, aber es ist die meisterhafte Art und Weise, wie Sànchez seine Geschichte erzählt, die fasziniert. Sein Debüt strahlt eine einzigartige Mischung aus Melancholie und Unbehagen aus. Gleichzeitig fiebert man auch mit dem hervorragenden, zurückhaltend agierenden Darsteller-Ensemble unweigerlich mit – auch ohne Geistererscheinungen.

Die Geister der Vergangenheit

Wer einen ähnlichen Haunted-House-Grusler wie „Das Waisenhaus“ erwartet, der liegt zwar aufgrund der bedrückenden Atmosphäre, die das marode Anwesen ausstrahlt, nicht ganz falsch, dennoch halten sich die Gänsehautmomente bei „Das Geheimnis von Marrowbone“ im bescheidenen Rahmen. Das soll nicht negativ klingen, denn Sànchez hat gar nicht die Absicht, einen Horrorfilm mit Dämonen abzuliefern, wie es vielleicht der Trailer suggeriert. Wenn überhaupt, geht es ihm um die inneren Dämonen, die Geister der Vergangenheit, mit denen sich die Figuren auseinandersetzen müssen und welche sie niemals ruhen lassen.

… müssen Jane, Sam (v.) und Billy (r.) in dem maroden Anwesen verharren

Sein Werk, für welches er auch das Drehbuch schrieb, ist eher ein Familiendrama mit mysteriösen Untertönen, welches sich ausgiebig und sehr emotional mit den Auswirkungen von Trauer und Verlust beschäftigt. Dabei spielt natürlich die rätselhafte Vorgeschichte der Familie eine große Rolle, die Sànchez mithilfe von Zeitsprüngen innerhalb der Handlung lange im Unklaren lässt. Nur zaghaft entschlüsselt er dieses Geheimnis, bis die Geschichte mit einem traurigen Knalleffekt endet. Je nachdem, wie man diesen aufnimmt, wird man sich darüber ärgern oder „Das Geheimnis von Marrowbone“ ein weiteres Mal ergründen wollen.

Langsam liegen die Nerven im Haus blank

Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Marrowbone
SP/USA 2017
Regie: Sergio G. Sánchez
Drehbuch: Sergio G. Sánchez
Besetzung: George MacKay, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton, Mia Goth, Matthew Stagg, Nicola Harrison, Kyle Soller
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2018 Universum Film

 

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