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Summer of 84 – Mein Nachbar ist ein Serienkiller

08 Dez

Summer of 84

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Bereits ein knappes Jahr bevor Netflix mit „Stranger Things“ endgültig den 80er-Jahre-Retro-Hype in alle Wohnzimmer brachte, setzte das kanadische Filmkollektiv RKSS mit dem grundsympathischen und extrem unterhaltsamen Science-Fiction-Abenteuer „Turbo Kid“ (2015) dem Jahrzehnt sein eigenes kleines postapokalyptisches Denkmal. Nun meldet sich RKSS, kurz für „Roadkill Superstar“ und namentlich bestehend aus François Simard sowie den Geschwistern Anouk und Yoann-Karl Whissell, mit einer weiteren filmischen Hommage an ihre Lieblingsära zurück.

Jagd auf den Schlächter von Cape May

Sommer, 1984: Der 15-jährige Davey (Graham Verchere) lebt in der Kleinstadt Ipswich im US-Staat Oregon und hat ein Faible für urbane Legenden und abstruse Verschwörungstheorien. Als in den Nachrichten wieder einmal über den seit Jahren in der Gegend umgehenden „Schlächter von Cape May“ berichtet wird, ist sein Interesse geweckt. In einem offenen Brief gibt der Serienkiller zu, dass er bereits 13 Jugendliche und zwei Erwachsene ermordet hat.

Verschwörungstheoretiker Davey (l.) glaubt …

Davey versteift sich darauf, dass ausgerechnet sein Nachbar Wayne Mackey (Rich Sommer) alle Anzeichen erfüllt, der Killer zu sein. Als er seine Freunde „Eats“ (Judah Lewis), „Woody“ (Caleb Emery) und Curtis (Cory Grüter-Andrew) in seine Theorie einweiht, halten die ihren Kumpel für komplett bekloppt. Der alleinstehende Mr. Mackey wird schon seine Gründe haben, warum er kiloweise Erde, einen Pickel und weitere Materialien im örtlichen Baumarkt einkauft. Außerdem spricht Mr. Mackeys Beruf dagegen: Er ist schließlich ein angesehener Polizist in Ipswich.

… dass sein Nachbar Mr. Mackey (r.) ein Serienkiller ist

Letztlich gelingt es Davey doch noch, seine Freunde umzustimmen: Auf einer Milchtüte ist ein Junge abgebildet, der seit einiger Zeit vermisst wird. Davey schwört Stein und Bein, dass er diesen Jungen vor wenigen Tagen im Haus von Mackey gesehen hat. Er muss ihn entführt haben! Das Quartett beginnt damit, den Tagesablauf des Verdächtigen zu dokumentieren und Beweise zu sammeln, dass der Cape-May-Schlächter wirklich in Daveys Nachbarhaus wohnt.

Subtile Nostalgiemomente

BMX-Räder, Ferngläser, Walkie-Talkies sind dabei – und natürlich darf auch die hübsche Nachbarin Nikki (Tiera Skovbye), Daveys Traumfrau und Ex-Babysitterin, nicht bei der Mörderjagd fehlen: Wie zuvor schon „Turbo Kid“ atmet auch „Summer of 84“ mit jeder Pore den Geist der Achtziger. Als Werbezeile darf der Vergleich zu „Stranger Things“ gestattet sein – in beiden geht eine Gruppe von Freunden im Jahr 1984 zu einem tollen Synthie-Soundtrack einem Mysterium nach –, dennoch gibt es auch mindestens zwei gravierende Unterschiede zum Netflix-Hit: „Summer of 84“ bleibt stets bodenständig, es gibt keine übernatürlichen Elemente in der Geschichte.

Davey, „Eats“, „Woody“ und Curtis (v. l.) gehen auf ihren BMX-Rädern auf Mörderjagd

Außerdem tut RKSS gut daran, mit den Querverweisen auf Filme und Popkultur der achtziger Jahre wesentlich subtiler als die Konkurrenz umzugehen. Durchgestylter Retro-Chic wird hier nicht betrieben und wenn die Freunde mit ihren BMX-Rädern zum Hit „Cruel Summer“ von Bananarama durch die Stadt Richtung Bowlingcenter fahren, erkennen wohl nur eingefleischte 80er-Jahre-Nostalgiker die kleine Parallele zu „Karate Kid“ (1984). Bekannte Szenenfolgen werden hier nicht einfach fast eins zu eins kopiert, sondern äußerst rücksichtsvoll behandelt.

Auch Traumfrau Nikki unterstützt Davey

Dies trifft auch auf das Drehbuch der Debütanten Matt Leslie und Stephen J. Smith zu: Die Geschichte wirkt stark von Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ (1954) und auch von „Disturbia – Auch Killer haben Nachbarn“ (2007) inspiriert. Aber während in diesen beiden Filmen der einzelne Protagonist aus unterschiedlichen Gründen an seine Wohnung gefesselt ist und seine Nachbarn per Fernglas beobachtet, können sich Davey und seine Freunde frei bewegen, was der Geschichte einen größeren Rahmen verleiht und somit dem Film mehr Schauplätze als lediglich zwei Häusereinheiten gibt.

Ob die Jungs ausreichend Batterien dabei haben?

Bis „Summer of 84“ allerdings die Frage klärt, ob Mr. Mackey oder vielleicht doch ein anderer Täter der gesuchte Killer ist, vergeht ein wenig zu viel Zeit. Alles ist ein wenig repetiv erzählt. Die Jungdarsteller spielen ordentlich, doch wirklich mitgefiebert, wie etwa mit den Kids aus „Stranger Things“, habe ich mit Davey und seinen Freunden nicht. Dafür sind die Jungs dann doch zu stereotyp geraten – der Schlaue, der Dicke, der Rebell und der Nerd – und erhalten zu generische Hintergrundgeschichten. Hier hätte man durchaus mehr Fingerspitzengefühl von RKSS erwarten können, gerade weil ihre zwei Hauptfiguren aus „Turbo Kid“ so grandios charmant geraten sind. Dennoch gelingt es dem Thriller, rechtzeitig die Spannungsschraube anzuziehen und dabei ein ordentliches Finale abzuliefern, welches man mit so einer Konsequenz nicht unbedingt erwartet hätte.

VHS ausverkauft

„Summer of 84“ war einer der ersten Filme, dem hierzulande die neue Verpackungsart der Retro-VHS-Hülle zuteilwurde. Auf passende 1984 Einheiten limitiert, ist diese Fassung bereits ausverkauft und auf dem Sammlermarkt nur noch zu Mondpreisen zu finden. Nach der regulären Blu-ray und DVD-Variante folgt ein auf 2000 Exemplare limitiertes Mediabook mit dem schönen Milchtüten-Cover, welches wie die VHS-Edition die Blu-ray, die DVD und erfreulicherweise auch den großartigen Soundtrack von Le Matos beinhaltet. Ob „Turbo Kid 2“, das nächste Projekt von RKSS, ebenfalls so eine würdige Veröffentlichung erhalten wird?

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als Collector’s Edition im limitierten Mediabook (Blu-ray & DVD), 26. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD, 5. Oktober 2018 als Retro-VHS-Edition (Blu-ray und DVD)

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Summer of 84
KAN/USA 2018
Regie: RKSS (François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell)
Drehbuch: Matt Leslie, Stephen J. Smith
Besetzung: Graham Verchere, Judah Lewis, Caleb Emery, Cory Grüter-Andrew, Tiera Skovbye, Rich Sommer, Jason Gray-Stanford, William MacDonald
Zusatzmaterial: Audiokommentar von RKSS, Grußwort von RKSS, Originaltrailer, Original Kinotrailer, Trailershow, Outtakes, Faketrailer „Demonitron: The 6th Dimension“, Nur Mediabook und Retro-Edition: Original Soundtrack von Le Matos auf CD, nur Amaray-Case: Wendecover
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2018 Pandastorm Pictures

 

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