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Winterhawk – Die Rache des Häuptlings

18 Dez

Winterhawk

Von Volker Schönenberger

Western // In the history of mankind, there has been no race of men who have lived with more passion, poetry and nobility than the American Indian of the 19th Century. Never have there been braver knights, more reckless horsemanship, such tragic nobility … Bound together by some strange enchantment that dismissed all misery and poverty, blending the reality of the great outdoors with fantasy, rituals, spirits and dreams, the have created a sober history that will never die; poetry made of blood, not flowers, that will touch a light to the spirit as long as America is remembered … To this magnificent race of men and women – – – the American Indian – – – this picture is respectfully dedicated.

Ein edler Häuptling – Winterhawk

Leidenschaft, Poesie und Edelmut zeichnen die Indianer Nordamerikas also mehr aus als jedes andere Volk. Nun ja. Nach dieser die Ureinwohner des Kontinens vielleicht etwas überhöhenden Widmung per Texteinblendung sehen wir Häuptling Winterhawk (Michael Dante), der seinen Sohn betrauert – der Junge ist der unter dem Stamm der Schwarzfuß-Indianer grassierenden Pocken-Epidemie zum Opfer gefallen. Sein weißer Freund Guthrie (Leif Erickson) rät ihm, zu den Weißen zu gehen, um ein Heilmittel zu erhalten. Kurz darauf erklärt uns eine Stimme aus dem Off die historische Einordnung: Im Sommer 1840 fielen mehr als die Hälfte aller Schwarzfuß-Indianer einer Pockenepidemie zum Opfer. Ich war damals ein junges Mädchen, und das Land war bekannt als Indianer-Territorium. Später kamen die langen Wagentrecks mit Siedlern, die ihr Glück im Westen suchten. Cowboys trieben riesige Rinderherden heran und verdrängten die Büffel von ihren saftigen Weiden. Und 49 Jahre später wurde aus dem Indianer-Territorium der Staat Montana. Aber in meiner Jugend gehörten der weite Himmel und das Land dem Adler, dem Elch, dem Büffel und dem Bären. Die Menschen, die hier lebten, gehörten genauso zu diesem Land wie der Wind und die Sonne. Etwas weiter nördlich begann Kanada, wo die stolzen und unnahbaren Stämme der Schwarzfuß-Indianer wie Schatten mit der Landschaft verschmolzen. Viele Generationen lang erzählte man sich an den Lagerfeuern die Legende von einem großen jungen Schwarzfuß-Häuptling und einem weißen Mädchen. Ich war dieses Mädchen, und der Schwarzfuß-Häuptling hieß Winterhawk.

Trapper lauern Indianern auf

Hm – so viele Generationen können seit den Ereignissen nicht ins Land gezogen sein, wenn ein damals beteiligtes Mädchen sie noch nacherzählen kann, aber vielleicht bin ich da kleinlich. Jedenfalls erreicht Winterhawk mit ein paar Begleitern eine Siedlung der Weißen. Als er die Krankheit erwähnt, weichen die Menschen entsetzt zurück. Ein paar Trapper bedeuten ihm, ihnen zu folgen, sie würden ihn zu einem Mann führen, der über das Heilmittel verfüge – doch sie legen einen Hinterhalt und erschießen Winterhawks Begleiter, um die Felle zu stehlen, die die Indianer zum Tauschen mitgebracht haben. Nur knapp entrinnt der Häuptling demselben Schicksal. Im Gegenzug entführt er die junge Clayanna Finley (Dawn Wells) und ihren Bruder Cotton (Chuck Pierce Jr.).

Aufbruch, um Medikamente zu besorgen

In „Grauadler“ ließ Regisseur Charles B. Pierce die Indianer 1977 eher als Staffage erscheinen. Zwei Jahre zuvor machte er das mit „Winterhawk“ besser. Beide Filme nehmen die Perspektive der nordamerikanischen Ureinwohner ein, doch nur „Winterhawk“ inszeniert sie als bedeutsame Figuren des Westens, denen übel mitgespielt wurde. Beide Western kommen jedoch merkwürdig bieder daher, auch „Winterhawk“ zeigt sich trotz ein paar böser Szenen gänzlich unbeeinflusst vom Jahre zuvor aus Europa herübergeschwappten Italowestern mit seinen zynischen Antihelden. Dafür bemüht sich der Film um eine aufrichtig sympathisierende Haltung gegenüber den Indianern, wobei ich das zwiespältig auslegbare „bemüht“ bewusst gewählt habe.

Ansprechende Landschaftsaufnahmen

Einen großen Pluspunkt bietet die Kameraarbeit von James W. Roberson, der auch bei Pierces Regiearbeiten „Der Umleger“, „Herbststürme“ (beide 1976) und „Grauadler“ fürs Bild zuständig war. In Colorado und Montana zum Teil in Indianer-Reservaten gedreht, zeigt „Winterhawk“ prächtige Landschaftspanoramen, schön anzuschauen, keine Frage. Mit Darstellern wie Leif Erickson, Woody Strode, Elisha Cook Jr., Arthur Hunnicutt und anderen wartet der Western mit einigen Genre-erfahrenen Akteuren auf, von denen es jedoch keiner zu nachhaltigem Ruhm gebracht hat – sonst wären sie womöglich nicht in einem Mittsiebziger-Werk von Charles B. Pierce aufgetaucht. Auch der Winterhawk verkörpernde Michael Dante hat die hinteren Reihen der Schauspielgilde nie verlassen, das Elvis-Presley-Vehikel „Harte Fäuste, heiße Liebe“ („Kid Galahad“, 1962) markiert den bekanntesten Titel seiner Kino-Filmografie. Trotz lebendiger Story bleibt uns keine der Figuren groß in Erinnerung. So endet „Winterhawk“ mit seiner reduzierten und immerhin nicht symbolisch überfrachteten Story als Fußnote im Westerngenre, aus historischem Interesse einmal gut anzuschauen und dabei auch unterhaltsam, insgesamt aber doch unbedeutend und zügig dem Gedächtnis entfleuchend.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Charles B. Pierce sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Indianerin in Bedrängnis

Veröffentlichung: 9. Februar 2018 als Blu-ray, 29. Mai 2015 als DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Winterhawk
USA 1975
Regie: Charles B. Pierce
Drehbuch: Charles B. Pierce
Besetzung: Michael Dante, Leif Erickson, Woody Strode, Denver Pyle, L. Q. Jones, Elisha Cook Jr., Seamon Glass, Dennis Fimple, Arthur Hunnicutt, Dawn Wells, Jimmy Clem
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Pidax Film

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