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Elizabeth Harvest – Gefährliche Neugierde

22 Jan

Elizabeth Harvest

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Frisch verheiratet fährt der geniale Wissenschaftler Henry (Ciarán Hinds) seine wesentlich jüngere und bildhübsche Braut Elizabeth (Abbey Lee) in sein luxuriöses Anwesen in den Bergen. Hier wird es Elizabeth an nichts mangeln, wie ihr Ehemann ihr erklärt, auch die beiden Hausangestellten Claire (Carla Gugino) und der blinde Oliver (Matthew Beard) stehen ihr zur Verfügung. Teure Kunstwerke, edle Weine, schicke Kleider und viele weitere Kostbarkeiten warten in diesem modernen Märchenschloss auf sie. Elizabeth ist überwältigt von all dem Prunk. Henrys Hausführung endet schließlich an einer verschlossenen Kellertür: „Der einzige Raum, den du nicht betreten darfst, ist dieser Raum. Versprichst du mir, ihn nicht zu betreten?“ Natürlich verspricht sie es.

Frisch verheiratet: Elizabeth und Henry

Doch es kommt, wie es kommen muss: Elizabeth kann ihrer Neugierde nicht lange widerstehen. Was hat ihr Gatte zu verheimlichen? Sie könnte einfach ihren Daumen auf den Sensor drücken, schon wäre die Tür offen. Und so passiert es: Als Henry auf einer Geschäftsreise weilt, betritt Elizabeth den verbotenen Raum – und traut ihren Augen nicht …

Das Märchen vom „Blaubart“

Regisseur und Drehbuchautor Sebastian Gutierrez macht öffentlich keinen Hehl daraus, welches bekannte Märchen ihn zum Schreiben von „Elizabeth Harvest“ inspirierte: „Blaubart“ vom Franzosen Charles Perrault, welches 1697 veröffentlicht wurde. Auch im Interview mit Deadline-Autor Nando Rohner, welches im Mediabook von capelight pictures zusammen mit einigen Szenenbildern abgedruckt wurde, bestätigt er seine Faszination für die zeitlose Botschaft des Stücks: „Viele Geschichten bis hin zu jener von Adam und Eva vermitteln eine Botschaft, die besagt, dass, wenn eine Frau Fragen stellt oder Wissen sucht, die Männer deswegen vollkommen durchdrehen. Gerade dies finde ich eine großartige Basis für eine Geschichte, weil diese Schwäche der starken Männer zeitlos ist.“

Was verbirgt sich hinter der Tür im Keller?

Wer also das Märchen „Blaubart“ kennt, was nicht wenige sein dürften, kann sich denken, was Elizabeth hinter der Kellertür findet und welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann, wenn sie kurze Zeit später von Henry mit einer Machete durchs Haus gejagt wird. Doch dies ist nur der Anfang von Gutierrez’ Geschichte, die immer wieder mit neuen Wendungen aufwartet, von denen einige vorhersehbar und andere äußerst überraschend daherkommen. Damit sein mysteriöses modernes Märchen lange die Spannung aufrechterhält, springt er auch einmal einige Jahre in der Zeit zurück, um uns über die Hintergründe von Henry und seinen sinisteren Hausangestellten aufzuklären und seinen Figuren so mehr Tiefe zu verleihen.

Traumähnliches Kammerspiel

Das abgeschieden gelegene Anwesen und die gerade mal fünf Figuren – zu den bereits genannten Darstellern stößt Dylan Baker als Polizist Logan – ist natürlich wie gemacht für ein rätselhaftes kleines Kammerspiel, welches Gutierrez äußerst elegant in Szene gesetzt hat. Neben der stilvollen Ausstattung des Hauses hervorzuheben: Er nutzt mitunter Splitscreen-Technik und Spiegeleffekte und hüllt die ganze Leinwand in grelle Farbpaletten, wie sie auch aus einem Werk von Dario Argento stammen könnten. Wenn dann in der traumähnlichen Erzählung Fragen nach Identität, Liebe und Narzissmus angerissen werden, kann auch nicht wie so häufig von einem Fall von Stil über Substanz gesprochen werden.

Elizabeth hätte die Tür nicht öffnen sollen

Das schauspielernde Model Abbey Lee („The Neon Demon“) mag anfangs in seiner Darstellung noch etwas affektiert wirken, dies liegt aber in der Rolle begründet. Carla Gugino („San Andreas“, „Spuk in Hill House“) ist die langjährige Freundin des Regisseurs. Der Venezolaner drehte mit ihr unter anderem auch „Judas Kiss“ (1998) und „Women in Trouble“ (2009). Die Werke, die auf seinen Drehbüchern beruhen, sind da wesentlich bekannter und lassen auch eine Parallele zu „Elizabeth Harvest“ erkennen: Sowohl in „Gothika“ (2003) als auch in „The Eye“ (2008) hat er mit Halle Berry beziehungsweise Jessica Alba zwei weibliche Hauptfiguren, die er langsam in den Wahnsinn treibt. Aber Gutierrez zeigt in seinem Schaffen ein breites Spektrum: Am Skript zu „Snakes on a Plane“ (2006) schrieb er ebenfalls mit. Nun fügt sich ein weiterer stilvoller Horrorthriller mit gelungenen Mystery-Elementen passend in seine Filmografie ein.

Das Haus wird für Elizabeth zum goldenen Käfig

Veröffentlichung: 25. Januar 2019 als 2-Disc Limited Edition im Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Elizabeth Harvest
USA 2018
Regie: Sebastian Gutierrez
Drehbuch: Sebastian Gutierrez
Besetzung: Abbey Lee, Ciarán Hinds, Carla Gugino, Matthew Beard, Dylan Baker
Zusatzmaterial: Making-of, Kinotrailer, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Interview von Nando Rohner mit Regisseur Sebastian Gutierrez
Vertrieb: capelight pictures

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2019 capelight pictures

 

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