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The Curse – Die Farm des Grauens

20 Feb

The Curse

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // In einer friedlich wirkenden US-Vorstadtgegend hat die Polizei ein Haus umstellt. Ein Mann (John Schneider) mit seltsamen Pocken im Gesicht wird in Handschellen abgeführt und in einen Streifenwagen verfrachtet. Während er zur Wache gefahren wird, brüllt er immer wieder mit Wahnsinn in den Augen: „Es ist im Wasser!“

Ein Zeitsprung führt uns sechs Monate in die Vergangenheit ins ländliche Tellico Plains im US-Staat Tennessee. Zack (Wil Wheaton) wird bei der Farmarbeit wieder einmal von seinem tumben Stiefbruder Cyrus (Malcolm Danare) drangsaliert. Nach dem Tod seines Vaters hatte Zacks Mutter Frances (Kathleen Jordon Gregory) den gottesfürchtigen Nathan Hayes (Claude Akins) geheiratet, um ihrem Sohn und der jüngeren Tochter Alice (Amy Wheaton) ein ordentliches Zuhause zu bieten. Nicht nur Frances leidet unter den frommen Ansichten ihres zweiten Gatten, der ihre sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllen will, sodass sie sich hin und wieder des Nachts ins Bett des kräftigen und äußerst behaarten Farmgehilfen schleicht.

Der mysteriöse Meteorit ist gelandet

In einer dieser Nächte geschieht etwas Merkwürdiges: Ein Sturm kommt auf, ein strahlendes Licht erscheint am Himmel und mit einem lauten Rumms landet eine Art Meteorit auf einem Feld in der Nähe der Hayes-Farm. Doch so schnell der mysteriöse Himmelskörper angeflogen kam, ist er ein paar Stunden später auch schon wieder verschwunden. Eine trügerische Ruhe stellt sich ein. Bald darauf machen sich schleichend erste Nebenwirkungen des Meteoriten bemerkbar: Nathan und Frances freuen sich zwar über die üppige Ernte und die extra großen Tomaten, Äpfel und Kürbisse, die auf ihrem Gut gewachsen sind. Aber wenn man das Obst und Gemüse aufschneidet, sind diese innen von Würmern und Maden zerfressen. Die Krankheit überträgt sich offenbar auch auf das Vieh, das zunehmend verrückt spielt und aggressiv wird. Es dauert nicht lange, bis auch die einzelnen Familienmitglieder nacheinander angesteckt werden. Nur Zack ist offenbar immun. Kann er seine Familie retten?

Von H. P. Lovecraft inspiriert

Die Geschichte mag einigen zumindest in Teilen durchaus bekannt vorkommen. Drehbuchautor David Chaskin („Nightmare 2 – Die Rache“) ließ sich stark von H. P. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ inspirieren. Die Kurzgeschichte des Kultautors gehört zu seinen am häufigsten verfilmten Werken. In seiner Rezension zu „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, der ersten Verfilmung des Stoffes, hat „Die Nacht der lebenden Texte“-Betreiber Volker bereits auf weitere Titel hingewiesen. Ganz aktuell wurde bekannt, dass „Dust Devil“-Regisseur Richard Stanley „Color Out of Space“ mit niemand Geringerem als Nicolas Cage in der Hauptrolle inszenieren wird.

Nur Zack erkennt die Gefahr, die von dem Himmelskörper ausgeht

Bis dieser Film fertiggestellt ist, kann man durchaus mit „The Curse“ vorliebnehmen. Mit der deutsch-italienischen Produktion feierte US-Schauspieler David Keith („Der Feuerteufel“) sein Regiedebüt, zwei weitere Werke sollten noch hinzukommen. Manche Quellen sprechen davon, dass es tatsächlich seine Farm in Tennessee war, die als Schauplatz des Grauens diente. Von italienischer Seite war Altmeister Lucio Fulci als Produzent beteiligt. Wie groß sein Einfluss wirklich war, ist nicht genau bekannt. Angeblich übernahm er laut des ägyptischen Produzenten Ovidio G. Assonitis lediglich die Drehs der „Second Unit“, die in Rom stattfanden.

Amerikanische und italienische Einflüsse

Wenn die glühende Masse aus dem Meteoriten fließt, wirkt das herrlich italienisch-atmosphörisch und zeigt klare inszenatorische Parallelen zu Fulcis Werken, etwa „Das Haus an der Friedhofsmauer“ (1981), sowie zu den beiden „Dämonen“-Filmen von Lamberto Bava. Auch einige eingestreute Nacktszenen von Kathleen Jordon Gregory hätte ein amerikanischer Produzent nicht unbedingt durchgewinkt. An Bord war auch Kameramann Roberto Forges Davanzati, der sein Können bereits bei „Nackt und zerfleischt“ (1980) und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (1980) bewiesen hatte.

Plötzlich spielt Stiefbruder Cyrus verrückt …

Für Hauptdarsteller Wil Wheaton, den die jüngeren Leser aus seinen Gastauftritten bei „The Big Bang Theory“ kennen und gegen den ältere Leser eventuell durch seine Rolle als Wesley Crusher in „Star Trek – The Next Generation“ eine Abneigung entwickelt haben, war es der Folgefilm zum Kinohit „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986). Ein begnadeter Schauspieler war er nie, erst recht nicht damals mit 14 Jahren. Den Film kann er nicht tragen, aber gerade weil Wheaton mit seinem unschuldigen Blick und dünner Statur sehr zart wirkt, fiebert man durchaus mit dem Jungen mit, wenn er gegen das Böse kämpft. Er selbst soll rückblickend gemeint haben, das einzig Gute, was er über „The Curse“ sagen könne, sei, dass er wenigstens mit seiner jüngeren Schwester Amy zusammenarbeiten konnte. Wesentlich glaubwürdiger und furchteinflößender kommt da Charakterdarsteller Claude Akins („Wer den Wind sät“, „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“) als gläubiger Stiefvater daher. Malcom Danare („Christine“) als Cyrus wirkt hingegen als dicklicher, fieser Junge mit seinem bauchfreien Shirt wie eine Karikatur und recht eindimensional. Wenn er gegen Ende in voller Maske mit Zack kämpft, sieht das alles recht unfreiwillig komisch aus.

Hoher Ekelfaktor

Neben der unheimlichen Atmosphäre und dem zwischenmenschlichen Terror enthält „The Curse“ einige Ekelfaktoren, die vielleicht für einige Zuschauer ungenießbar sind. Die schon genannten Würmer und Maden sind da nur der Anfang. Dazu streift Keiths Film auch das Subgenre des Tierhorrors, wenn die Hühner einen blutigen Angriff auf die kleine Amy starten. Das Thema „vergiftetes Wasser“ ist eine universelle Angst, mit der sich in einem Horrorfilm perfekt spielen lässt und die beim Zuschauer auch im Anschluss an die Sichtung gut nachwirkt. Ist mein Wasser vielleicht auch nicht so porentief rein? Hinzu kommen einige deftige Splatterszenen, die für die damalige Zeit handwerklich ordentlich gemacht sind. Und zwar so gut, dass der Film kurz nach seiner gekürzten FSK-18-Veröffentlichung auf VHS 1989 in Deutschland indiziert wurde und lange im Giftschrank lagerte. Er erschien hierzulande auch nie auf DVD.

Zurück aus dem Giftschrank

Es sei Wicked-Vision Media ausdrücklich gedankt, dass das Label „The Curse“ nach der bereits 2014 erfolgten Listenstreichung des Films endlich als Blu-ray veröffentlicht hat – und dies ungeschnitten im schicken Mediabook als Limited Collector’s Edition. Der zuvor fehlende Epilog wurde im Original mit Untertiteln hinzugefügt. Darin liefert ein TV-Nachrichtensprecher eine recht simple und interessante Verbindung, aus welchem Grund die Farben aus dem All auf die Erde niedergesaust sein könnten. Extratechnisch sieht es diesmal etwas mager aus, dafür entschädigen aber der Booklet-Text von Christoph N. Kellerbach und der hörenswerte Audiokommentar des Trios Dr. Naumann, Künnecke und Klaese.

„The Curse“ entwickelte sich in den USA wohl nicht zuletzt aufgrund seiner interessanten italienischen und amerikanischen Einflüsse zu einem Kulthit. Zumindest wurde der Titel zur besseren Vermarktung zweier anderer Filme weitergetragen – obwohl die Fortsetzungen keine inhaltlichen Parallelen zum Erstling aufweisen. Es folgten „Curse II – The Bite“ (1989)“ und „Curse III – Blood Sacrifice” (1991), in welchem sich sogar Christopher Lee die Ehre gibt.

… und auch Mama Frances zeigt ihre gemeine Fratze

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als 2-Disc Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray & DVD), limitiert auf 888 Exemplare

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Curse
USA/IT 1987
Regie: David Keith
Drehbuch: David Chaskin, nach Motiven von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „Die Farbe aus dem All“ („The Colour Out of Space“)
Besetzung: Wil Wheaton, Claude Akins, Malcom Danare, Cooper Huckabee, John Schneider, Amy Wheaton, Steve Carlisle, Kathleen Jordon Gregory, Hope North
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese, Originaltrailer, Bildergalerie, Trailer, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach
Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos: © 2018 Wicked-Vision Media

 

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