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James Cameron (V): Solaris – Stanislaw Lem war gar nicht angetan

26 Feb

Solaris

Ja, dies ist zweifellos eher ein Steven-Soderbergh-Film als ein James-Cameron-Film. Da Cameron „Solaris“ aber produziert hat, reihen wir diese Rezension dreisterweise in seine Werkschau bei „Die Nacht der lebenden Texte“ ein. (Anm. des Bloggers)

Von Simon Kyprianou

Science-Fiction // Einem mysteriösen Hilferuf seines Freundes Gibarian (Ulrich Tukur) folgend, reist der Psychologe Chris Kelvin (George Clooney) zu Raumstation, auf der Gibarian stationiert ist – sie umkreist den Planeten Solaris. Dort findet er seinen Freund tot vor, angeblich habe er Selbstmord begangen. Die übrigen Astronauten auf der Raumstation (unter anderen Viola Davies) führen eine furchtsame, gespenstische Existenz, ohne Kelvin genau berichten zu können, was sie so verängstigt. Der erlebt die Auswirkungen von Solaris am eigenen Leib, als plötzlich seine verstorbene Frau Rheya (Natascha McElhone) vor ihm steht. Bald wollen die Menschen auf der Station vor dem Fiebertraum des mysteriösen Planeten zurück zur Erde fliehen.

Der Psychologe Chris Kelvin reist zum Planeten Solaris

Anders als in der gleichnamigen Romanvorlage des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lem und anders als in Andrei Tarkowskis filmischer Umsetzung von 1971 konzentriert sich Steven Soderbergh beinahe ausschließlich auf die Beziehung der beiden Liebenden und nicht so sehr auf die Koexistenz des Menschen mit der außerirdischen Lebensform des Ozeans, der Solaris bedeckt, die durch wundersame Weise in die Tiefe des menschlichen Wesens eindringen kann. Die Liebesgeschichte aber bleibt, wie die Bilder, an der Oberfläche, und die einander im Weltall so fatal Liebenden besitzen keine Fallhöhe.

Liebesgeschichte ohne Fallhöhe

Soderbergh gelingt keine Erzählung, keine wirksame Liebes-Erzählung, und ebenfalls keine Erzählung über das Wesen unserer Erinnerungen, was den Kern von Tarkowskis Versuch darstellte. Denn dafür müssten Soderberghs Oberflächen in eine Tiefe münden, wie die Manifestationen der Erinnerungen in die Vergangenheit oder in die Innerlichkeit der Figuren verweisen, aber das tun sie in Soderberghs Film nicht. Sein Kino ist immer dann ganz bei sich, wenn es in den Filmen selbst um Oberflächen geht, die Sinnlichkeit der Körper in „Magic Mike“, die Zerstörung von Körpern in „Haywire“, die Oberflächlichkeit der artifiziellen Welten in den „Oceans“-Teilen und die obsessive Beobachtung der technischen Abläufe in seinen Heist-Filmen. Und so elegant die Bilder von „Solaris“ auch komponiert und ausgeleuchtet sind, sie gehen dabei nicht über sich selbst hinaus, dringen nicht in die Tiefe vor, aber dort liegen die Erinnerungen und Schmerzen, die diese Liebesgeschichte konstituieren. Da der Film nicht zu dieser Tiefe findet, sind die Bilder zwar hübsch, aber langweilen bald schon, die Gefühle, die der Film zu erzählen versucht, bleiben ohne ein Gefühl für deren Fallhöhe und wirken bloß behauptet, schnell verliert man das Interesse an dem Film.

Missbilligung von Stanislaw Lem

George Clooney spielt eindrücklich einen Mann, der jede Sicherheit für sich selbst verloren hat. und Natascha McElhone nimmt eine geisterhafte Präsenz ein. Wenigstens in diesem undurchdringlichen und ungebrochenen Gefühl für die Unsicherheit gegenüber dem eigenen Wesen, das die Schauspieler heraufbeschwören, entsteht ein interessanter Aspekt, der den Film mit einem Gefühl für den unheilvoll verschwommenen Blick in das eigene Innere füllt, das die Inszenierung nicht herzustellen vermag und das in Tarkowskis Film deutlich dringlicher zum Vorschein kommt. Der Romanautor selbst jedenfalls hält Soderberghs Regiearbeit für „Blödsinn“. In seinem Roman sei es um das „Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz“ gegangen, nicht um Liebesgeschichten. Dagegen sei „sogar Tarkowskis Version ein Geniestreich“. Welche Stanislaw-Lem-Verfilmungen könnt Ihr empfehlen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Cameron und Steven Soderbergh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit George Clooney in der Rubrik Schauspieler.

Trugbild oder real? Kelvins verstorbene Frau Rheya taucht auf

Veröffentlichung: 1. März 2019 als Blu-ray im Mediabook, 19. Oktober 2018 als Blu-ray, 13. April 2018 als DVD, 29. September 2017 als Blu-ray im Digipack, 12. Mai 2017 als Blu-ray im Mediabook und als Blu-ray im Futurepak, 4. August 2005 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch
Originaltitel: Solaris
USA 2002
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Steven Soderbergh, nach dem Roman von Stanislaw Lem
Besetzung: George Clooney, Natascha McElhone, Jeremy Davies, Ulrich Tukur, Viola Davis
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Featurettes, Script, nur 2017er-Mediabook: 20-seitiges Booklet, Kinoplakat
Label/Vertrieb: FilmConfect Home Entertainment
Label/Vertrieb 2005er-DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2019 by Simon Kyprianou
Szenenfotos & Packshots: © FilmConfect Home Entertainment

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20 Antworten zu “James Cameron (V): Solaris – Stanislaw Lem war gar nicht angetan

  1. Jens

    2019/05/10 at 06:18

    Zu spät fürs Gewinnspiel, aber Ijon Tichy finde ich echt klasse 🙂

     
  2. Samara

    2019/05/05 at 09:40

    Ohje hier muss ich leider auch passen. Kenn da leider kein einzigen Film von ihm.

     
  3. Edgar Müller

    2019/04/30 at 01:03

    Kenne noch keine Verfilmung von ihm

     
  4. Melanie Wehrmann

    2019/04/29 at 21:05

    Asche über mein Haupt, aber ich muss zugeben, ich kenne noch gar keine Verfilmung von ihm.
    Solaris hab ich aber allein schon wegen George Clooney auf der Wunschliste.

     
  5. Katharina Stranz

    2019/04/29 at 06:27

    Kenne nur noch den Film The Congress und könnte ich auch empfehlen, auch wenn er stark von der Vorlage von Stanisław Lems abweicht.

     
  6. Frank Idstein

    2019/04/28 at 16:48

    Kenne leider nix von ihm, nicht mal die Solaris Verfilmung, aber die habe ich schon länger auf dem Schirm😊

     
  7. Thomas Oeller

    2019/04/28 at 09:00

    Kenne außer „Solaris“ nur noch die Serie „Ijon Tichy: Raumpilot“ als Verfilmung, und die fand ich jetzt nicht besonders. Deshalb würde ich wenn „Solaris“ empfehlen

     
  8. Christoph Marek

    2019/04/26 at 19:57

    Kenne nix von dem…noch nicht!

     
  9. Lexi

    2019/04/26 at 17:24

    Ich habe noch keine Verfilmung von ihm gesehen. Aber ich habe sein Buch „Eden“ gelesen. Hat mir gut gefallen

     
  10. Matthias Klug

    2019/04/26 at 16:48

    Also empfehlen würde ich aufjedenfall – Testflug zum Saturn ( 1979 ) Ein echter Klassiker in meinen Augen, den ich mir immer wieder anschauen könnte.
    LG Matthias

     
  11. Christoph Leo

    2019/04/26 at 13:46

    Ebenfalls The Congress von Ari Folman

     
  12. Frank Hillemann

    2019/04/26 at 12:49

    Ich kenne such nur die “ Solaris “ Verfilmungen.

     
  13. Rico Lemberger

    2019/04/26 at 10:50

    Bis auf Solaris kenne ich keine Verfilmungen seiner Werke.

     
  14. Michael Kleu

    2019/04/26 at 08:23

    Ich glaube, ich habe nur die Solaris-Verfilmungen gesehen, sonst nichts. Wird mal Zeit 😉

     
  15. Justin Rottstock

    2019/04/26 at 07:28

    Kenne ehrlich gesagt keinen von ihm.

     
  16. Christoph

    2019/04/26 at 06:56

    Ich kenne nur Tarkowskis Verfilmung von Solaris. Die finde ich grandios.

     
  17. Thomas aus Hamburg

    2019/04/26 at 06:29

    Ich habe noch keine Stanislaw-Lem- Verfilmung gesehen. Und ich habe auch noch kein Buch von ihm gelesen. Dieses Gewinnspiel erinnert mich daran, wie schnell die Zeit voranschreitet. Denn die Medienberichterstattung zum Kinostart von „Solaris“ erinnere ich noch. Damals habe ich zum ersten Mal von Lem gehört. Schon damals habe ich mir vorgenommen, mal ein Buch von ihm zu lesen. Dieser Vorsatz wurde durch das Gewinnspiel wieder erneuert. Vielen Dank dafür!

     
  18. Oliver Maey

    2019/04/26 at 06:26

    The Congress von Ari (Waltz with Bashir) Folman und natürlich die vom ZDF produzierte TV Serie zu Ijon Tichy..

     
  19. Frank Warnking

    2019/04/26 at 05:52

    The Congress….kenne aber auch nur den 🙂

     
  20. Sebastian Graf

    2019/02/26 at 11:40

    Auch wenn er nur lose an die Geschichte von Lem angelehnt ist, fand ich „The Congress“ von von Ari Folman, doch angemessen beeindruckend.

     

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