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Speed Kills – Der Jordan Belfort der Motorboote

19 Mrz

Speed Kills

Von Lucas Knabe

Actionthriller // Eine Zigarette zu rauchen, ist eine Sache, sie zu bauen, um damit Millionen zu verdienen und letztlich auf die Liste der Mafia zu geraten, eine andere. John Travolta spielt den Protagonisten einer auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte, welche den Aufstieg und Fall des echten Donald Aronow in die heimischen Wohnzimmer bringen soll. Gelingt es der Regie-Novizin Jodi Scurfield, die Geschichte eines Magnaten annähernd so erfolgreich zu verfilmen, wie es Martin Scorsese mit „The Wolf of Wall Street“ 2013 schaffte, in welchem Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort brillierte?

Der stilisierte American Way of Life

Miami 1962. Der Unternehmer und Freigeist Ben Aronoff (John Travolta) gründet nach einer geplatzten Kooperation eine neue Firma im Süden von Miami. Nachdem er in der Immobilienbranche von New Jersey sein Glück verspielte, will er nun beruflich und privat neu anfangen, um früheren Lastern aus dem Weg zu gehen. Bei einem Glas Whisky und einem harmonischen Gespräch mit einem raffinierten Rechtsanwalt am Strand Miamis entdeckt er seine neue Passion – Motorboote. Ohne Umschweife entschließt sich der gerade noch arbeitslose Ben Aronoff, von nun an im Hafen von Miami als Speedboot-Designer in seiner eigenen Werft zu residieren. Schnell verschafft sich der tollkühne Entrepreneur durch Motorboot-Rennen in den Lagunen Miamis bei der ansässigen Hautevolee Gehör und wird zum gefragten Mann in Sachen Motorboote. Eines seiner ersten Erfolgsmodelle ist „The Cigarette“, welche das Offshore Powerboat Racing revolutioniert.

Eine Fahrt ins Unglück?

Der großspurige Genuss des Erfolges lockt neben leichten Mädchen allerdings auch unliebsame Freunde aus der Vergangenheit an, angeführt vom Mafiaboss Meyer Lansky (James Remar). Als er von diesen aufgrund eines finanziellen Engpasses ein Leihgeschäft erbittet, findet sich Ben Aronoff inmitten von Drogen, Erpressung und Gewalt wieder. Er droht zum Spielball der Mafia zu werden, da Meyer Lanskys heißsporniger Neffe Robbie Reemer (Kellan Lutz) keine Gnade kennt. Zu allem Übel werden die Drogenvollzugsbehörde und das FBI auf die kriminellen Machenschaften aufmerksam, in welche Ben Aronoff widerwillig hineingeraten ist. Umringt von der Mafia und der Staatsgewalt zieht sich die Schlinge um seinen Hals immer enger, sodass er bald um sein Leben und das seiner Geliebten bangen muss.

Potenzial verschwendet

Eine Kamerafahrt in Vogelperspektive über die schönen Flecken Miamis, dazu strahlender Sonnenschein, leichtbekleidete Frauen und das Ganze im Zeitraffer unterlegt von schmissiger Musik. Ein paar coole Szenen und Kameraeinstellungen kann man „Speed Kills“ nicht absprechen, immerhin hatte die Produktion mit Andrzej Sekula („Pulp Fiction“, „American Psycho“) einen überaus fähigen Kameramann am Set. Leider bleiben das die einzigen Höhepunkte des Films und man bekommt unreif wirkende Schonkost zu sehen. Der erste Dämpfer kommt gleich zu Beginn: Der Film eröffnet mit der finalen Sequenz, ehe er unmittelbar vor der Katastrophe abbricht und bei der eigentlichen Exposition 25 Jahre früher beginnt. Nach diesem Zeitsprung sieht der Hauptcharakter Ben Aronoff allerdings genauso aus, wie er 25 Jahre später aussehen wird – kennt John Travolta endlich das Geheimnis der Schönheitschirurgie? Weiterhin sind Double deutlich als Double zu erkennen, sei es beim Dressurreiten oder beim rasanten Fahren eines Motorboots. Daneben erscheint die Tatsache fast schon unerheblich, dass der bereits 50-jährige Schauspieler Jordi Mollà in der deutschen Synchronisation wie ein 20-Jähriger klingt. Diese deutlich erkennbaren Lapsus tragen zum unfertigen und lieblosen Charakter des Films nicht minder bei.

Die Kassen klingeln: Ben Aronoff (im blauen Hemd) gewinnt zahlreiche Meisterschaften

Der Cast um die „Pulp Fiction“-Legende John Travolta bleibt leider ebenso bleich wie die Zähne des 65-Jährigen. „Vikings“-Schildmaid Katheryn Winnick erreicht als blondes Liebchen leider nicht annähernd das Charisma aus den frühen Tagen der Wikinger-Saga und dient hier nur als Mittel zum Zweck – sehr schade. Sie verkörpert in der Rolle der Emily Gowen ein wohlhabendes It-Girl mit einer großen Leidenschaft für Pferde. Im späteren Verlauf des Films verfällt Emily dem Charme Ben Aronoffs und wird die Dame an seiner Seite. Im Allgemeinen wirken die Figuren während der 102 Minuten Laufzeit blutleer, austauschbar und schauspielerisch schlecht umgesetzt, sodass sie keinerlei Empathie beim Zuschauer erzeugen. Die gleichfalls unausgegorenen Dialoge wirken teilweise oberflächlich und steif – sie bestätigen die wenig nachvollziehbaren Aktionen der Figuren. In der Gesamtheit betrachtet, muss man die Konzeption des Drehbuchs in Frage stellen, da zu viele Ungereimtheiten auftauchen, welche einen plumpen und billigen Eindruck vermitteln. Der ästhetische Hochglanz-Look des Bildes kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Eine Hommage an den Materialismus (Spoiler)

„Speed Kills“ ist ein spürbar eindimensionaler Film. Getrieben von der Mafia zieht es den reichen Unternehmer krummer Geschäfte nach Miami. Von da an verliert er den Fokus des Gangster-Biopics und handelt von Geld, Freudenmädchen, Motorbooten und einer verkorksten Unterwelt. Die Gegebenheiten, dass nebenher Ben Aronoffs Ehe zugrunde geht, sein Sohn eine Querschnittslähmung erleidet und Ben dem König von Jordanien die Frau ausspannt, werden effizient und mit komödiantischer Trockenheit abgehandelt. Es zählt nur das Geld, über welches in Gesprächen und inneren Monologen bei endlosem Nikotingenuss schwadroniert wird. Das Bild des amerikanisierten Machos setzt sich im Antlitz des schönen Miamis in Szene und kreiert eine Scheinwelt ohne Botschaft.

Einem seichten B-Movie-Abend oder rustikalen John-Travolta-Marathon sollte der Film Genüge leisten. Anhängern intellektueller und spannender Werke ist von „Speed Kills“ schlichtweg abzuraten.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Travolta sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Emily Gowen spielt mit ihren Reizen

Veröffentlichung: 21. März 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Speed Kills
PRI 2018
Regie: Jodi Scurfield
Drehbuch: David Aaron Cohen, John Luessenhop
Besetzung: John Travolta, Matthew Modine, Tom Sizemore, Kellan Lutz, Charlie Gillespie, Katheryn Winnick, Jennifer Esposito, Michael Weston, Jordi Mollà, Amaury, Nolasco, James Remar, Moran Atias, Mike Massa
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Knabe
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Tiberius Film

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