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Battalion – Schlachtfeld Erde: Aliens greifen mal wieder an

02 Apr

Battalion

Von Lucas Gröning

SF-Action // Denken wir an die großen Kriegsfilme oder Antikriegsfilme, kommen uns viele zeitlose Klassiker in den Sinn. „Apocalypse Now“, „Platoon“, „Full Metal Jacket“, „Der Soldat James Ryan“, auch aktuellere Filme wie „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ und „Dunkirk“ sind zu nennen. Gleichermaßen denken wir an Werke, welche dieses Genre in völlig andere Welten verlagerten: Die „Star Wars“-Saga, die „Terminator“-Reihe, „Starship Troopers“ und „Independence Day“ sind passende Beispiele. Michael Millers „Battalion – Schlachtfeld Erde“ merkt man an, dass der Regisseur all diese Filme kennt, und doch sehen wir hier etwas vollkommen anderes.

Angriff aus dem All

Worum geht es in „Batallion“? Sieben Monate zuvor haben Aliens die Erde angegriffen, auf der Oberfläche des Planeten tobt ein gewaltiger Krieg um die Vorherrschaft. Die jungen Rekruten John Blake (Jesse Richardson), Tracy Gleeson (Ellen Williams) und Chris Jackson (Michael Thomson) melden sich freiwillig beim US Marine Corps, um die Invasoren zurückzuschlagen. In Rückblenden bekommen wir zusätzlich die Gründe und Motivationen für diesen Schritt präsentiert. Tracy etwa hatte einen Bruder, welcher im Krieg gefallen ist, und John fand nach dem Tod seiner Familie keinen anderen Sinn mehr im Leben, als dabei zu helfen, die Außerirdischen zu bekämpfen. In der Folge werden die Rekruten ausgebildet und bald schon in den Kampf gegen den Feind geschickt.

Wirklich, wirklich schlecht

Soweit zur Story – reden wir über die Qualitäten des Films. Diese sind auf den ersten Blick schwer auszumachen. Die unglaublich banale Geschichte steckt voller Logiklöcher. Die Motivationen der einzelnen Charaktere wirken teils komplett unglaubwürdig. Alle Personen, die wir im Verlauf der Handlung treffen, sind reine Stereotypen ohne irgendeinen authentischen Charakter. Wir haben den mutigen, strahlenden Helden, den harten, strengen Ausbilder, die attraktive, dauerkichernde Blondine und den jungen Soldaten, welchem alles zu viel ist und welcher an dem enormen Druck zerbrechen wird. Die Leistungen der Schauspieler sind durch die Bank mies, ihre Synchronisation ist ebenfalls missglückt. Die Actionszenen sind teilweise schlecht geschnitten und die darin auftauchenden Effekte sind absolut furchtbar – man achte besonders auf Explosionen und die Darstellung der Alien-Roboter. Schnell kommt man zu dem Fazit, dass es sich hier um ein überaus mieses Machwerk handelt.

Gegenwehr

Doch dieses Miese ist kalkuliert. Bei „Battalion – Schlachtfeld Erde“ handelt es sich um einen klassischen Trashfilm, bei dem man die Geschichte getrost vergessen und sich ganz an der Schlechtheit des Films ergötzen kann. Ein Film, in dem so gut wie nichts stimmt, der aber dennoch zu unterhalten weiß. Man schaut dieses Werk nicht wegen einer tiefgründigen Story oder herausragender darstellerischer Leistungen, sondern einzig und allein wegen des Spaßes, den man hat, wenn man sich den nächsten furchtbaren Dialog und die nächste schlechte Actionsequenz anschaut. Dahingehend funktioniert der Film wunderbar, doch leicht übersieht man, dass der Film eigentlich mehr ist, als das. „Battalion“ ist mehr als einfach nur ein Trashfilm – er ist ein Plädoyer für Trash und eine Absage an die Notwendigkeit von Sinnhaftigkeit im Medium an sich.

Ein riesiges Zitat

Eingangs wurde erwähnt, dass man dem Film seine Kenntnis der Historie des Kriegsfilms und seiner verschiedenen Abzweigungen anmerkt. Nun, er kennt diese nicht nur, sondern zitiert sie teilweise eindeutig. Man denke nur an die Szene, in der die Rekruten ihrem Ausbilder begegnen. Dessen grober Umgang mit den Anwärtern und die Kameraperspektive, aus der die Szene aufgenommen wurde, erinnern klar an „Full Metal Jacket“, auch wenn der Härtegrad der sprachlichen Variationen nicht an die Worte herankommt, welche Gunnery Seargent Hartman in Stanley Kubricks Klassiker findet. Weiterhin sehen wir gleich zu Beginn eine Szene, in welcher John Blake in einer Militäruniform aus dem Wasser kommend einen Strand betritt. Sowohl der Blick der Kamera als auch die Farbästhetik lehnen sich hier an eine Szene aus Christopher Nolans „Dunkirk“ an. Auch die Angriffsflieger der Aliens scheinen wir irgendwoher zu kennen. Ihr Design erinnert an „Star Wars“und „Independence Day“, genauso wie ihre Anzahl in den jeweiligen Bildern und ihre Flugeigenschaften. Zitate dieser Art finden wir in Michael Millers Werk am laufenden Band. Auch andere berühmte Vertreter dieser Genres finden hier Erwähnung. So sehen wir mehrere Bilder, welche Erinnerungen an „Apocalypse Now“, „Platoon“, „Starship Troopers“, „Der Soldat James Ryan“, „Troja“ und andere in uns hervorrufen. Doch der Film beschränkt sich in seinem Zitieren von fiktionalen Werken nicht allein auf das Medium Film. In den Schlachtenszenen erinnert die Ästhetik des Films stark an Videospiele. Die Modelle von Häusern, Natur, Uniformen, aber auch der Alien-Roboter nehmen direkt Bezug zu Shooterspielen, deren Entwicklung mit dem Aufkommen und Etablieren der 3D-Technik in diesem Gaming-Genre einherging. „Halo“ oder „Ghost Reacon“ sind hier prominente Beispiele an die wir denken müssen. Warum aber zitiert der Film in einem derart großen Maße andere fiktive, digitale Werke?

Zwischendurch ein Sonnenbad

Der Grund ist einfach. „Battalion“ macht damit uneingeschränkt klar, dass es sich bei der Rezeption des Werkes um eine rein fiktive Erfahrung handelt. Durch das permanente Zitieren von Szenen, Momenten und einer generellen ästhetischen Darstellung, die wir so bereits aus zahlreichen anderen Werken kennen, wird klar, dass es sich hier um etwas handelt, was in keinster Weise Bezug zur Realität nimmt. Die Kriegs- oder Antikriegsfilme hingegen, die der Film zitiert, tun dies ständig. Die Darstellung historischer Ereignisse – in diesen Fällen Kriege – macht es unmöglich, sich nicht in irgendeiner Form zu diesen Ereignissen zu positionieren – egal ob auf politischer Ebene oder ob man eine Bewertung der Grausamkeit der gezeigten Geschehnisse vornimmt. Auch das ernsthafte Darstellen von fiktionalen militärischen Auseinandersetzungen bewahrt einen Filmemacher davor nur bedingt, sind diese Kriege doch meist als direkte Referenz zur Realität zu sehen. Der Film „Battalion – Schlachtfeld Erde“ jedoch geht dieser Verantwortung aus dem Weg, indem er uns zum einen einen fiktionalen Krieg zeigt, der keinen Bezug zur Realität, sondern nur zu anderen fiktionalen Werken nimmt, und den vorhandenen Stoff zum anderen in einen Trashfilm packt. Die Ereignisse werden dadurch teilweise so komisch, dass wir uns in keinem Moment an die tatsächliche Grausamkeit der Realität erinnert fühlen, auch weil das Genre des Trashfilmes praktisch dazu einlädt, den Film ohne große philosophische Gedanken einfach zu genießen. So bleibt der Film insgesamt harmlos, abwaschbar und zeigt ganz klar, dass er einfach nur unterhalten will – eine essenzielle Aufgabe fiktionaler Werke, die er immerhin einlöst, sofern man sich nicht vom Trash abgeschreckt fühlt.

Die Frage nach dem Sinn

Die eindimensionale Geschichte, die stumpfen Charaktere, die schlechten Effekte, die gewählte Ästhetik und die Flut an Filmzitaten tragen zu einem ordentlichen Unterhaltungserlebnis bei. Wie bereits erwähnt, suhlt sich „Battalion – Schlachtfeld Erde“ dabei nicht nur in der Sinnlosigkeit seiner Handlung, er plädiert sogar dafür, dass Sinnhaftigkeit nicht notwendig ist und verteidigt somit auch seine eigene Existenz. In einem Gespräch zwischen den Rekruten Tracy und John macht Tracy die Sinnlosigkeit der ganzen Operation zum Thema. John entgegnet ihr mit der Frage, ob es überhaupt einen Sinn brauche. Diese Frage kann man auch auf den Film an sich beziehen und „Battalion“ beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Es braucht keine sinnvollen Zusammenhänge für die schlichte Aufgabe, die sich der Film gestellt hat: pure, anspruchslose Unterhaltung. Und damit hat er vollkommen recht! Trash hat allein durch seinen Unterhaltungswert bereits eine Existenzberechtigung, auch wenn er teilweise komplett sinnlos ist. Natürlich erreicht der Film dabei trotzdem in keinem Moment den Unterhaltungswert, den die Filme bieten, die er so zahlreich zitiert, von der Tiefe und Vielschichtigkeit ganz zu schweigen. Dennoch schafft er es, zu unterhalten und dabei zugleich ein Plädoyer für sinnlosen Trash zu bieten und den universellen Anspruch von Sinn in der Fiktion zu negieren. Wer also recht anspruchslose, aber unterhaltsame Trash-Action sucht, kann zugreifen. Wer allerdings nur ein Minimum an Anspruch sucht, sollte die Finger von „Battalion – Schlachtfeld Erde“ lassen.

Dann wieder Gegenwehr

Veröffentlichung: 4. April 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Battalion
AUS 2018
Regie: Michael Miller (als Mike Holligan)
Drehbuch: Michael Miller (als Mike Holligan)
Besetzung: Ellen Williams, James Storer, Jesse Richardson, Kylie Loveday, Michael Thomson, Samuel Peacock, Darrell Plumridge, Katie Anderson, Naveen Varghese, Kyal Scott, Lauren Lee Innis-Youren
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Tiberius Film

 
 

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Eine Antwort zu “Battalion – Schlachtfeld Erde: Aliens greifen mal wieder an

  1. Walter Leonhardt

    2019/04/28 at 19:28

    In der Tat ist dieser Film so grottenschlecht mies, dass man ihn nicht ausschalten kann und zu Ende sehen muss, und sei es nur deshalb, weil man hoffe, dass er doch noch besser wird. Wird er nicht, ist aber trotzdem ganz gut.

     

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