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Torture Fetish 2 – Aus den Tiefen des Schweizer Untergrunds hervorgekramt

22 Mai

Torture Fetish 2

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Horror // Ein diesiger Morgen an irgendeiner Bergstraße. Ein maskierter Typ scheint zu viel Zeit zu haben. Doch schnell wechselt die Szenerie in einen düsteren Raum, in dem eine mit den Händen auf dem Rücken gefesselte, spärlich bekleidete Frau am Boden liegt. Jemand klapst ihr wiederholt auf die blanken, bereits blutigen Pobacken, sie stöhnt vor Schmerz, liegt dort offenbar schon eine Weile.

Morgenstimmung

Zwei Maskierte vertreiben sich die Zeit, sprayen Nazisymbole an Wände, zermatschen einen toten Welpen, ein Gartenstuhl wird zertrümmert, sie streiten. Als einer der beiden ihre Begleiterin mit einem langen Messer attackiert, erschießt ihn der andere. Nun liegt es an der jungen Frau, als Lockvogel einen Passanten zu ködern. Der Bedauernswerte ist schnell gekidnappt und wird nun ein wenig gequält – und ein wenig mehr. Ein nächstes Opfer wird kurzerhand in der Badewanne ertränkt.

Bedauernswert

Keine Erklärung, keine Erlösung. Der Schweizer Underground-Kurzfilmer Juval Marlon gibt uns mit seiner jüngsten Arbeit „Torture Fetish 2“ wenig, an dem wir uns entlanghangeln können. Die Tonspur wirkt wenig bearbeitet, auf musikalische Untermalung verzichtet Marlon völlig, den roten Erzählfaden müssen wir uns selbst suchen. Die Handlung springt vermeintlich unentschlossen von einer Szenerie zur nächsten, doch das scheint System zu haben – nur welches?

Das Zauberwort heißt Snuff

Der Kurztrailer des Vorgängers „Torture Fetish“ von 2015 ist leider zu kurz geraten, um uns wirklich Aufschluss über die Intention hinter dem Folterfetisch zu bringen, aber Halt: In einer erneuten Lockvogel-Szene findet sich darin der Satz „the first ever SNUFF film from Switzerland“. Marlon spielt also mit dem Snuff-Mythos, wonach Menschen Filme drehen, in denen andere Menschen ermordet werden. Nun denn.

Zorn

Die Entführung eines Folteropfers bekommen wir nicht zu sehen, vielleicht erkannte Marlon, dass die Ausarbeitung und der Dreh dieser Szene ihn für einen Kurzfilm an die Grenzen des Machbaren gebracht hätten. Das Gezeigte wirkt natürlich amateurhaft – ist es ja auch, das versucht „Torture Fetish 2“ gar nicht erst zu verbergen. Die Make-up-Effekte – viele wurden nicht benötigt – funktionieren aber, speziell eine Taschenmesser-Tötungsszene wirkt echt und äußerst schmerzhaft. Die – jawohl – Friss-Fäkalien-Sequenz hingegen hinterlässt ein wenig den Eindruck, mit Nutella gedreht worden zu sein.

Das Gegenteil von Mainstream

Was wird aus der gefesselten Frau? Am Ende sehen wir sie zwar noch einmal, aber die mit oben erwähnter Szene geschürte Erwartungshaltung erfüllt Juval Marlon nicht. Wie gemein von ihm! Auf eine sonderbare, nicht recht erklärbare Weise passt das aber zum Gesamtbild. Die DVD von „Torture Fetish 2“ kann auf der Facebook-Seite von Marlons Produktionsfirma Beheading Films geordert werden. Interessierte sollten sich sputen, die Auflage ist nahezu out of print. Wie so oft bei so speziellen Filmsegmenten wie einem Underground-Horror-Kurzfilm kann ich weder eine Empfehlung aussprechen noch davon abraten. Wer krudem Underground-Horror etwas abgewinnen kann, darf zuschlagen, viele Mainstream-Gucker von Blumhouse-Produktionen und Filmen wie „Conjuring“ dürften sich angewidert abwenden. Snuff als Zeitvertreib für Gelangweilte ist angetan, Horrorfans zu verstören. So auch in diesem Fall. Danach erst mal unter die Dusche.

Spott

Veröffentlichung: 24. November 2018 als DVD

Länge: 16:17 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Torture Fetish 2
CH 2018
Regie: Juval Marlon
Drehbuch: Juval Marlon
Besetzung: Juval Marlon
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Beheading Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Beheading Films

 

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