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Polaroid – Tödliche Schnappschüsse

12 Jun

Polaroid

Von Andreas Eckenfels

Horror // Es tut gut, dass zur Abwechslung mal nicht das Logo des derzeit marktführenden Horror-Studios Blumhouse Productions zum Filmstart erscheint. Stattdessen flimmert der gute alte Schriftzug von Dimension Films über den Bildschirm, dem Studio, welches uns unter anderem Genre-Klassiker wie „From Dusk Till Dawn“ (1996), „Sin City“ (2005) oder die „Scream“-Reihe (1996–2011) bescherte. Allerdings hat dies heute einen durchaus bitteren Beigeschmack: Die Firma gehörte zu The Weinstein Company. Aufgrund des Skandals rund um Filmproduzent Harvey Weinstein wurde die Veröffentlichung einiger bereits abgedrehter Filme lange auf Eis gelegt. So erwischte es außer dem „Ziemlich beste Freunde“-Remake „Mein Bester & ich“ auch „Polaroid“, der ursprünglich im August, dann im November 2017 in den USA und im Dezember 2017 hierzulande hätte starten sollen. Der Termin wurde immer wieder verschoben, nach der Insolvenz von The Weinstein Company konnte sich schließlich 2018 Lantern Entertainment einen Großteil der Rechte an der Weinstein-Filmothek sichern. Und so gab es doch noch ein Happy End: Im Januar 2019 lief der Teenie-Horrorstreifen in den deutschen Kinos an, nun ist er fürs Heimkino erhältlich.

Sarah (l.) und Linda finden auf dem Dachboden eine alte Polaroid-Kamera

Die schüchterne Highschool-Schülerin Bird (Kathryn Prescott) bessert sich in einem Antiquitätenladen ihr Taschengeld auf. Nicht ganz ohne amouröse Hintergedanken überreicht ihr Tyler (Davi Santos) ein besonderes Geschenk, welches der Neffe des Besitzers auf einem Flohmarkt entdeckt hat: eine Polaroid-Sofortbildkamera. Die Hobbyfotografin ist völlig aus dem Häuschen. Wie sie sogleich bemerkt, handelt es sich um eine SX-70, ein rares Modell, welches in den 1970er-Jahren produziert wurde. Für Tyler gibt es im Gegenzug leider nicht den ersehnten Kuss. Bird ist nämlich heimlich in den coolen Connor (Tyler Young) verknallt. Immerhin schießt sie sogleich mit der Polaroid-Kamera ein Foto von Tyler – was den jungen Mann kurz darauf allerdings das Leben kostet. Denn was Bird noch nicht weiß: Jede Person, die von der Kamera abgelichtet wird, stirbt auf mysteriöse Weise …

Ein Kurzfilm wird auf Länge gestreckt

Für den norwegischen Regisseur Lars Klevberg ging wohl ein Traum in Erfüllung: Sein Horror-Kurzfilm „Polaroid“ (2015) wurde weltweit auf einigen Filmfestivals gezeigt – unter anderem sogar im spanischen Torremolinos prämiert – und eine Kopie davon landete auf dem Laptop des Hollywood-Produzenten Roy Lee („Ring“, „Der Fluch – The Grudge“)! Wie schon zuvor James Wan mit „Saw“ oder David F. Sandberg mit „Lights Out“ durfte Klevberg die Langfassung seiner Geschichte auch noch selbst inszenieren. Was will man mehr als junger Filmemacher? Den 15-minütigen Kurzfilm könnt ihr euch auf seiner Vimeo-Seite kostenlos und legal ansehen.

Die Kamera landet später bei Hobbyfotografin Bird

Der Vorspann, in dem „Riverdale“-Beauty Madelaine Petsch einen tragenden Gastauftritt hat und wir gleich erfahren, dass die Kamera wohl nichts Gutes hinter ihrer Linse führt, übernimmt dabei fast 1:1 die Geschichte des Kurzfilms. Danach zeigt sich wieder einmal das Problem, welches solche Projekte häufig mit sich herumtragen: Der knappe Inhalt muss mühsam auf Spielfilmlänge gestreckt werden. Drehbuchautorin Blair Butler bemüht sich zwar, eine glaubhafte und spannende Hintergrundgeschichte für den Fluch abzuliefern, bedient sich aber für die eigentliche Handlung zahlreicher bekannter Vorbilder, was auch schon auf dem DVD-Cover als Werbebotschaft passend formuliert wird: „The Ring“ trifft auf „Final Destination“! Mit der Kamera gibt es einen verfluchten Alltagsgegenstand und jeder und jedem, der auf einem Foto verewigt wird, droht der Tod – wobei der Fluch, wie die austauschbare Teenager-Clique bald herausfindet, natürlich eigenen Regeln unterliegt. Dazu gibt es die üblichen schemenhaften Schattenspiele – lauert da was Böses im Hintergrund? – und nervige Jump-Scares. Soweit, so bekannt sind die Zutaten.

Das Grauen ist erwacht

Viel zu selten blitzen hier und da ein paar originelle und atmosphärische Momente auf, die Klevberg leider nicht durch den kompletten Film platziert, aber immerhin eine eigene Handschrift erkennen lassen. So gibt es leider nur zu Beginn einige Einstellungen, die wirken, als ob sie durch einen Kamerasucher aufgenommen wurden. Auch die Idee, dass wenn ein Foto angezündet wird, die darauf befindliche Person in der realen Welt ebenfalls anfängt zu brennen, ist ziemlich gut – aus dieser Spielerei hätte man wesentlich mehr machen können. „Polaroid“ richtet sich ziemlich klar an eine jugendliche Zielgruppe, die auch durchaus ihren Gruselspaß haben wird. Es bleibt zu hoffen, dass Lars Klevberg in seiner kommenden Regiearbeit mehr zeigen kann: Sein „Chucky“-Reboot startet am 18. Juli in den Kinos und wird von Horror-Fans wohl wesentlich kritischer beäugt werden als dieser blasse „Polaroid“-Schnappschuss.

Kann Bird den Fluch stoppen, bevor sie selbst zum Opfer wird?

Veröffentlichung: 17. Mai 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Polaroid
KAN/NOR/USA 2019
Regie: Lars Klevberg
Drehbuch: Blair Butler
Besetzung: Kathryn Prescott, Tyler Young, Samantha Logan, Keenan Tracey, Priscilla Quintana, Mitch Pileggi, Madelaine Petsch, Erika Prevost, Davi Santos
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Filmtipps
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 capelight pictures

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