RSS

Rape Love – „Ihr seid doch alle krank!“

17 Jun

Rape Love

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Horror // „Rape Love“ – schon der Titel provoziert. Die Kombination von Vergewaltigung und Liebe erscheint erst einmal als Widerspruch in sich. Womöglich ist das Phänomen der Liebe zur Vergewaltigung gemeint – auch das mag bei politisch korrekten Zeitgenossinnen und -genossen Stirnrunzeln auslösen. Aber das kennen wir Horrorfans ja zur Genüge.

Produzent, Drehbuchautor, Regisseur, Soundtrack-Komponist und Cutter in Personalunion Sander Cage (Vin Diesel lässt grüßen) spielt die Hauptfigur, die zu Beginn des Films in irgendeiner Pinte am Tresen beim Bier sitzt und eine Zigarette raucht. Ein anderer (Kameramann Magicman) gesellt sich zu ihm, schiebt einen Zettel herüber: Wanna have special fun? Und einen zweiten Zettel mit einer Anschrift in Frankfurt/Main. Die beiden stoßen mit einem Schnaps an, dann gehen sie getrennte Wege. Neugierig begibt sich der Typ zur angegebenen Adresse. In einem spartanisch eingerichteten, nicht allzu sauberen Raum sitzt eine gefesselte und geknebelte Blondine in Unterwäsche. Der namenlos bleibende, stark tätowierte Mann verabreicht ihr eine Spritze, welche Substanz auch immer darin enthalten sein mag, vermutlich KO-Tropfen. Jedenfalls wirkt die Bedauernswerte ohnehin recht weggetreten, reagiert auch kaum auf die Ohrfeigen, die er ihr verpasst. Dann öffnet er seinen Gürtel …

Vor Kindern sicher aufzubewahren

Um nicht allzu sehr mit eigenen Worten ins Detail gehen zu müssen, zitiere ich an dieser Stelle den englischsprachigen Rückseitentext der DVD: One guy, one room, one victim. Rape love is showing no mercy! The brutal raping of the poor little girl includes rough analfucking, piss and puke action, relentless assfucking and hard slapping until the grand final. „Rape Love“ ist mit seinen gewalttätigen Hardcore-Szenen angetan, den unbedarft an den Film herangehenden Zuschauer nachhaltig zu verstören. Ich habe den vollständig ohne Dialoge inszenierten Kurzfilm bewusst geschaut, während Frau und Kinder nicht daheim waren. Abgesehen davon, dass meine Liebste ohnehin keine Horrorfilme mit mir schaut, muss sie auch nicht unbedingt ins Wohnzimmer platzen, während auf dem Bildschirm gerade in aller Deutlichkeit gezeigt wird, wie … Und da ich meine Kinder erwähnt habe: Liebe Leute, die sich diesen Film ins Regal gestellt haben, achtet darauf, dass er unter keinen Umständen eurem minderjährigen Nachwuchs in die Hände fällt. Die FSK würde den 33-Minüter vermutlich mit der Auflage „Bitte um eine halbe Stunde kürzen“ an Sado Messiah Productions zurückverweisen.

Spaß am Dreh

Nach der Sichtung empfiehlt sich das im Bonusmaterial der DVD enthaltene Featurette „Behind the Rape“, um sich etwas von dem schmutzigen Gefühl zu befreien, das der Genuss des Films verursacht hat. So erfahren wir immerhin, dass Anni, Darstellerin des Vergewaltigungsopfers, während des Drehs durchaus gut drauf und mit Einsatz bei der Sache war. In dem nicht ganz siebenminütigen Making-of bekommen wir auch die Entstehung der blutigen Make-up-Effekte gezeigt.

Das Verhalten des Täters zwischen dem ihm gemachten Angebot und seinem zur Tat Schreiten erscheint mir nicht ganz schlüssig. Zu Beginn erhält er von einem ihm offenbar Unbekannten eine vage Offerte, ein geheimnisvolles Vergnügen zu erleben. Dass es sich dabei um die Gelegenheit handelt, eine Frau nach Belieben zu malträtieren, kann er noch nicht ahnen, doch am Ort des Geschehens angekommen, wirkt er keinesfalls überrascht, sondern schreitet sogleich zur schändlichen Tat. Hier hätte Sander Cage den Anschluss etwas durchdachter inszenieren können. Zugegeben: Die Logik der Story ist für „Rape Love“ nicht von herausragender Bedeutung.

Rape – ein Subgenre nicht für jede und jeden

Wer soll sich das anschauen? Nun, sollen zum Glück niemand. Fans von Torture Porn und ähnlichen Subgenres des Horrors auf der Suche nach weiteren Extremen dürfen ein Auge riskieren. Einen filmischen Genuss zur seichten Erbauung und Unterhaltung bekommt ihr hier definitiv nicht geboten. Wer mit Sprüchen wie Haut mal krasse Filme raus! Ich steh auf harte Sachen wie „Conjuring“. filmischen Nachschub einfordert, erlebt womöglich ein böses Erwachen. Andere werden den Produzenten, Rezensenten und Konsumenten von „Rape Love“ womöglich Frauenfeindlichkeit oder einen Mangel an geistiger Gesundheit attestieren – „Ihr seid doch alle krank!“ oder „Wer so was anschaut, muss krank sein!“ sind unter manchen ach so harten Horrorfans ja gern genommene Beschimpfungen, wenn ein Film den Horizont des eigenen Empfindens überschritten hat. Hat da etwa wieder jemand den Serben erwähnt? Nun ist natürlich nicht auszuschließen, dass sich tatsächlich jemand „Rape Love“ zum Antörnen anschaut, aber sonderbare Gestalten unter Filmkäufern kann eben niemand verhindern. Und zur Freiheit der Kunst gehört eben auch das Ausreizen von Tabubrüchen. Ja ja, ich weiß – „Das ist doch keine Kunst!“ Die Empörten mögen sich ihr Urteil ans Knie nageln. „Rape and Revenge“ ist mir als Subgenre des Horrorfilms natürlich ein Begriff, „Rape“ (ohne „Revenge“) mir aber neu. Es wird sicher nicht zu meinen Leib-und-Magen-Filmgenres aufsteigen, aber das gilt ja auch für „Rape and Revenge“. Als extreme Spielart des Gewaltfilms kann „Rape Love“ im Underground-Sektor punkten.

Menü und Frontcover der selbst produzierten DVD eint die suboptimale Lesbarkeit. Das mag als Stilmittel gewollt sein, als Service-orientierter Schreiber plädiere ich aber stets für mehr Komfort und empfängerbezogene Herangehensweise. Die am 31. Oktober 2017 erschienene Erstauflage von 33 nummerierten Exemplaren kam mit je einem individuellen Polaroidfoto daher und ist längst vergriffen. Die Neuauflage ohne das Foto kann über die Facebook-Seite von Sado Messiah Productions bezogen werden. Und wer weiß – vielleicht schreibe ich irgendwann doch mal einen Text über den Serben?!

Veröffentlichung: 31. Oktober 2017 als DVD

Länge: 33:34 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: keine (da dialogfrei)
Untertitel: keine
Originaltitel: Rape Love
D 2017
Regie: Sander Cage
Drehbuch: Sander Cage
Kamera: Magicman
Besetzung: Sander Cage, Anni, Magicman, Yrina
Zusatzmaterial: Featurette „Behind the Rape“ (6:41), Teaser „Rape Love“ und „My Kind of Hatred“, Trailer „The Meaning of Life“
Label/Vertrieb: Sado Messiah Productions

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 
 

Schlagwörter: , , , , , ,

Eine Antwort zu “Rape Love – „Ihr seid doch alle krank!“

  1. Frank Hillemann

    2019/06/23 at 21:15

    Bitte nicht über den Serben. Das Leben ist zu kurz für schlechte Filme, Die auf Skandal produziert werden.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: