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Deep Web – Die dunkle Seite des Internets: Vorsicht im Darknet!

21 Jun

Deep Web – Die dunkle Seite des Internets

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Thriller // Über das sogenannte Darknet wissen viele Menschen eher wenig – ich zum Beispiel kaum etwas. Angeblich wird dort alles gehandelt, was man sich an illegalen Gütern vorstellen kann – seien es Drogen, Waffen, Snuff-Filme, Kinderpornografie und und und. Der Ulmer Underground-Filmemacher Stefan Cersosimo nennt das Darknet „Deep Web“. Sein 19-minütiger Kurzfilm handelt von einem Teenager (Mike Lee Sepulvado), der der Faszination dieser für viele verborgenen Welt erliegt und seiner sadistischen Neigung frönt, indem er heftigsten Content sucht. Eines Tages stößt er auf einen Chat für Mörder und Pädophile und macht sich einen Spaß daraus, die dort aktiven User zu provozieren. Doch dann wird sein Rechner gehackt, und seine Identität wird dort allen offenbart. Zwei Monate später erhält er immer noch Morddrohungen …

Das Elternhaus ist umstellt

„Deep Web – Die dunkle Seite des Internets“ basiert auf dem zwei Jahre zuvor entstandenen knapp fünfminütigen Kurzfilm, den Stefan Cersosimo auf seinem YouTube-Kanal sowohl in deutscher
als auch in englischer Sprache zur Verfügung gestellt hat. Der Regisseur versteht es geschickt, beim Publikum das Interesse daran zu wecken, wie es mit dem namenlosen Protagonisten weitergeht. Sein Thriller verzichtet auf jedweden Dialog, die gezeigten Bilder werden von Anfang bis Ende mittels Stimme aus dem Off erläutert. Dabei hat mir die Sequenz mit der Hauptfigur vor dem Rechner deutlich besser gefallen als das anschließende Geschehen zwei Monate später. Während sich der Protagonist im Deep Web um Kopf und Kragen tippt, ahnt man, dass die Anonymität, in welcher er sich sicher aufgehoben wähnt, eine trügerische ist. An dieser Sequenz habe ich überhaupt nichts auszusetzen, sie fesselt und wirkt nicht einmal übertrieben.

Die Mama sitzt in der Ecke und weint

Ein Polizeieinsatz im Elternhaus des namenlosen Unglückseligen erscheint mir nicht ganz rund inszeniert. Das Gebäude ist umstellt und abgeriegelt, dennoch lässt man den Knilch einfach durchschlüpfen und durch alle Räume bis in sein Zimmer stürmen. Einen klitzekleinen Filmfehler hat sich Stefan Cersosimo dann geleistet: Mittels Stimme aus dem Off äußert der Protagonist über seine Mutter: Sie stand in der Ecke und weinte. Tatsächlich sitzt sie jedoch in der Ecke. Sofern Cersosimo das bereits selbst bemerkt hat, wird er sich darüber vermutlich mehr ärgern als jeder andere. Aber es handelt sich ja nur um einen kleinen Goof.

Die Reue kommt verspätet

Hauptdarsteller Mike Lee Sepulvado macht seine Sache anständig. Das tut natürlich auch Not, trägt er den Film doch schauspielerisch vollständig auf seinen Schultern. Nur ab und zu wirkt seine Mimik ein wenig überzogen, und Weinen vor der Kamera muss er vielleicht noch lernen, aber daran sind ja schon Profis gescheitert. Wir bekommen allerdings nicht seine Stimme zu hören, im Abspann wird ein Philip Wolf als Sprecher genannt. Auf Dauer missfiel mir etwas der weinerliche Unterton, aber zugegeben: Der Protagonist hatte auch allen Grund, weinerlich zu sein. Ganz am Ende folgt ein rabenschwarzer Twist, wobei schon vorher deutlich geworden ist, dass es eine wie auch immer geartete Wendung geben muss, da eine Szene etwas zuvor unvollendet geblieben ist. Das kann man im Nachhinein vorhersehbar finden, aber kommt erst mal drauf!

Als DVD oder zum Download verfügbar

Online ist zu erfahren, dass Stefan Cersosimos Kurzfilm Fans der Netflix-Serie „Black Mirror“ begeistern könnte. Mangels Kenntnis der Serie gebe ich das nur wieder, aber ich sehe keinen Grund, daran zu zweifeln. „Deep Web – Die dunkle Seite des Internets“ ist seit dem 4. Mai 2019 auf diversen Online-Plattformen verfügbar und kann zum Download oder als von Cersosimo selbst produzierte DVD auch direkt bestellt oder in Kürze bei „Die Nacht der lebenden Texte“ gewonnen werden. Die schmale Papphülle wirkt wertig gedruckt. Das Vorabendprogramm vieler Fernsehsender mit ihren unterirdischen Scripted-Reality-Formaten und Daily Soaps legt ja nahe, dass viele Zuschauerinnen und Zuschauer kein Problem mit Laiendarstellern haben. Insofern kann es auch für „Deep Web – Die dunkle Seite des Internets“ ein Publikum geben. Unter Underground-Freunden sowieso.

Veröffentlichung: 4. Mai 2019 als DVD sowie zum Download

Länge: 19 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Deep Web – Die dunkle Seite des Internets
D 2019
Regie: Stefan Cersosimo
Drehbuch: Stefan Cersosimo
Besetzung: Mike Lee Sepulvado, Giorgio Vindini, Tanja Emler, Calvin Harrigan, Jermaine Wolff, Steffen Cziupka, Christian Hauf, Alessandro Cersosimo, Michael Davis, Sprecher: Philip Wolf
Zusatzmaterial: keins
Studio/Label: Achilles Films

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Achilles Films / Stefan Cersosimo

 
 

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2 Antworten zu “Deep Web – Die dunkle Seite des Internets: Vorsicht im Darknet!

  1. Michael Kleu

    2019/06/28 at 18:06

    1. Mörder und Pädophile.

    2. Auf einem etwa 5-minütigen Kurzfilm.

    3. Die Mutter sitzt in der Ecke, obwohl gesagt wird, dass sie dort sitzt.

     
  2. Frank Hillemann

    2019/06/23 at 21:29

    Black Mirror ist eine absolute Empfehlung. Die letzte Staffel ( na ja , Staffel mit 3 Folgen ?) Ist eher mittel, aber davor grossartig.

     

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