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Brennender Tod – Die Hitze des Grauens

01 Jul

Night of the Big Heat

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Hoch im schottischen Norden auf der Insel Fara in der Bucht von Scapa Flow im Orkney-Archipel wundern sich die Einwohner über die tropischen Temperaturen von 40 Grad Celsius – weiter steigend. Im übrigen Land hingegen liegen die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, was der winterlichen Jahreszeit entspricht.

Dr. Stone und Frankie Callum macht die Hitze zu schaffen

In der von den Eheleuten Frankie und Jeff Callum (Sarah Lawson, Patrick Allen) geführten Herberge „The Swan“ sammeln sich derweil die Gäste, darunter der freundliche Arzt der Gegend, Dr. Vernon Stone (Peter Cushing). Der verschlossene und mürrische Godfrey Hanson (Christopher Lee) ist mit seiner Kameraausrüstung in den Büschen unterwegs, was auch immer er dort abzulichten hofft. Die junge Angela Roberts (Jane Merrow) ist gerade als Sekretärin für Jeff Callum eingetroffen, der nicht nur als Gastronom arbeitet, sondern auch Bestsellerromane schreibt. Der Gute erlebt allerdings eine Überraschung, als er entdeckt, dass es sich bei seiner neuen Sekretärin um die Frau handelt, mit der er vor einiger Zeit eine stürmische Affäre hatte – und sie will ihn partout nicht aufgeben.

Tod eines Landstreichers

Zusätzlich zu den unnatürlichen Temperaturen irritiert ein immer wieder auftretendes Sirren die Menschen. Ein Landstreicher wird erstes Opfer einer unbekannten Bedrohung. Er bleibt nicht der einzige Tote. Bald haben die Temperaturen die 50-Grad-Marke überschritten, und Jeff Callum verdächtigt Godfrey Hanson, mehr über die unbekannte Bedrohung zu wissen.

Angela Roberts will Jeff Callum zurückerobern

Peter Cushing und Christopher Lee in der Besetzung, Terence Fisher auf dem Regiestuhl – das muss doch wohl eine Produktion von Hammer Films sein?! Mitnichten. Planet Film Productions war mir bis vor Kurzem kein Begriff, es handelt sich dabei wohl um einen Epigonen von Hammer Films, also eine Produktionsfirma, die im Fahrwasser des Erfolgsstudios auf „Horror Made in Britain“ setzte. Einiges erinnert daher nicht von ungefähr an Hammer Films, allen voran die sorgfältig in Szene gesetzten Sets. Der Science-Fiction-Anteil des Films mag als weniger Hammer-typisch angesehen werden, aber letztlich sind die „Frankenstein“-Filme des Studios im weiteren Sinne auch Science-Fiction – und „Schock – The Quatermass Xperiment“ sowieso. Dennoch grenzt sich der Plot schon etwas von den Hammer-Storys ab. Dem Booklet des Koch-Films-Mediabook entnahm ich die Information, dass Planet Film Productions mit „Brennender Tod“ an den Erfolg der vorherigen Produktion „Insel des Schreckens“ anknüpfen wollte – den Film hat Koch Films ebenfalls gerade als Mediabook veröffentlicht.

Sexszenen für die Franzosen

Das Publikum bekommt die Bedrohung lange Zeit nicht zu Gesicht. Wenn das Sirren an Lautstärke gewinnt und die bedauernswerten Opfer in gleißendes Licht gehüllt werden, bleibt die Kamera auf ihnen, ohne zu den Auslösern des tödlichen Angriffs zu wechseln. Dafür bekommen die zwischenmenschlichen Interaktionen der Bedrohten ihren Raum, was bisweilen einen Hauch aufgesetzt wirkt. So treibt beispielsweise die schwierige Dreiecks-Gemengelage zwischen den Callums und der neuen Sekretärin Angela die Handlung selbst kaum voran. Allerdings kann man dem entgegenhalten, dass die Hitze den Menschen zu schaffen und sie aggressiv macht, was der Beziehungsstress betont. Eine gewisse sexuelle Spannung in der Luft bringt da zusätzliches Knistern. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge wurden für die französische Version des Films sogar zusätzliche Sexszenen mit Doubles gedreht, weil der französische Titel „La nuit de la grande chaleur“ („Die Nacht der großen Hitze“) schon mal per se zweideutig interpretierbar geriet.

Was weiß Godfrey Hanson (r.) über die Bedrohung?

Für einen Kritikpunkt muss ich in diesem Absatz ein wenig spoilern. Weshalb Godfrey Hanson die Natur der Bedrohung erkennt und mit seinen Vermutungen richtig liegt, wird wohl auf ewig das Geheimnis des Drehbuchs bleiben. Zudem gerät das einfallslose Ende enttäuschend, bei welchem die Überlebenden in den letzten Sekunden des Films ansatzlos vor der Bedrohung gerettet werden – Deus ex machina auf eher missratene Weise. Dennoch vermag „Brennender Tod“ zu fesseln, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Hammer Films in jenen Jahren.

Mediabook von Koch Films

Ich mag das gegenüber Veröffentlichungen anderer Publisher kleinere Format der Koch-Films-Mediabooks – ein schönes Herausstellungsmerkmal. Das Booklet überzeugt mit fachkundigem Text von Christoph Huber, über den wir leider nichts erfahren, da ein kurzes Autorenporträt fehlt. Lobend erwähnt sei auch die Tatsache, dass der Publisher eigens einen neuen Audiokommentar in Auftrag gegeben hat. Grundsätzlich auf bekannt hohem Niveau produziert, fiel mir am Mediabook nur durch Zufall auf, dass der Covertext den Handlungsort Fara fälschlicherweise als „Kanalinsel“ verortet, aber das dürfte den meisten Käufern entgehen und ist für den Film auch irrelevant. An Bild- und Tonqualität gibt es nichts auszusetzen. „Brennender Tod“ schließt nicht zu den Glanzlichtern in den Karrieren von Terence Fisher, Peter Cushing und Christopher Lee auf, war aber kurzweilig anzuschauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing und Christopher Lee unter Schauspieler.

Auch Angela gerät in Gefahr

Veröffentlichung: 13. Juni 2019 als limitiertes 2-Disc Mediabook mit zwei Covermotiven (Blu-ray & DVD), 27. März 2008 als DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Big Heat
US-Titel: Island of the Burning Damned
GB 1967
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Ronald Liles, zusätzliche Szenen und Dialoge von Jane Baker und Pip Baker, nach einem Roman von John Lymington
Besetzung: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow, Sarah Lawson, William Lucas, Kenneth Cope, Percy Herbert, Thomas Heathcote
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz und Uwe Sommerlad, Audiokommentar von Marcus Hearn, Christopher Lee und den Autoren Pip und Jane Baker, „British Legends of Stage and Screen – Sir Christopher Lee“ (Interview, 20:10), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber
Label/Vertrieb: Koch Films
Label/Vertrieb 2008: EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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6 Antworten zu “Brennender Tod – Die Hitze des Grauens

  1. Thomas Hortian

    2019/07/10 at 21:16

    @Volker: Trash und Trashfilm sind dabei auch schon wieder zwei Paar Schuhe. Ich würde auch „trashiger Film“ und „Trashfilm“ nicht gleichsetzen, auch wenn es beides das gleiche bedeuten KANN. Bei Filmen, die ich als Trash bezeichne, klaffen Anspruch und Realität halt weit auseinander, wodurch sich gerne auch mal ein gewisser Unterhaltungswert ergibt. Trashfilme dagegen haben keinerlei Ambition, etwas nach gängigen Maßstäben „Gutes“ abzuliefern. Zu letzteren zählen auf Filme, deren Macher sich sehr wohl bewusst sind, dass es ihnen an der nötigen Kompetenz fehlt, einen Film abzuliefern, der einer halbwegs objektiven Betrachtung standhalten könnte.
    Allerdings sind diese Definitionen nicht absolut. Bei SchleFaZ z.B. werden beide Begriffe recht willkürlich durcheinander geworfen (wodurch eine neue Generation von Hipstern entstanden ist, die der Meinung ist, dass Trash weder hochwertig noch streitbar sein dürfe), obwohl Kalkofe und Rütten ja durchaus klar ist, dass es sehr wohl einen großen Unterschied zwischen anspruchslosen Billighobeln der Marke The Asylum und etwa den Werken eines Juan Piquer Simon gibt. Ich habe letzteren extra als Beispiel gewählt, um auch mal aufzuzeigen, wie schwierig es überhaupt ist, dort Grenzen zu ziehen; Simon war immer bestrebt, gute Horror- und Abenteuerfilme abzuliefern, war sich seiner Defizite aber durchaus bewusst und versuchte diese dann durch schrägen Humor zu kaschieren. Eindeutiger wäre es (bleiben wir mal auf der iberischen Halbinsel) im Falle von Amando De Ossorio. Der wusste, dass seine Filme zerrissen wurden und hatte auch größtenteils kommerzielle Gedanken beim Wahl seines bevorzugten Genres, aber er war stets bemüht, einen guten Film abzuliefern.
    Ganz verzwickt wird es da bei z.B. BAD TASTE, der lustvoll mit seinen Limitierungen und Unzulänglichkeiten spielt, sodass ich hier fast geneigt wäre zu sagen, es wäre vielleicht ein Trashfilm, aber kein Trash im eigentlichen Sinne.
    Ich mache es mir also nicht so leicht, wie es sich vielleicht anhörte. Ich hatte es auch ein wenig zu profan formuliert. Gerade die Diskussion „Trash oder nicht“ regt mich öfters dazu an, auch mal einsilbig und griesgrämig zu werden. 😉 Das ist natürlich meine eigene Schuld, es gibt schließlich wichtigeres im Leben (z.B. die Frage, ob Romeros …OF THE DEAD-Filme nun eher Horror oder Science-Fiction sind 🙂 ).
    Trash und Trashfilm sind zwei Paar Schuhe, darauf bestehe ich. Aber sie sind sich ähnlich. Man kann sie sich anzeihen, sie kleiden einen mal gut, mal weniger. Man kann in beiden laufen, und das klappt auch mit einem gemischten Paar.

     
    • V. Beautifulmountain

      2019/07/10 at 23:07

      So oder so bin ich sicher, dass du einen weit größeren Überblick über Trashfilme hast als ich. Den Namen Juan Piquer Simon beispielsweise habe ich noch nie gehört.

      Wie siehst du den Begriff Trashfilm bei Undergroundproduktionen? Ich frage, weil ich dort seit einiger Zeit etwas hineinrieche. Das sind ja oft Amateurfilmer, Leute, die ihre ersten Gehversuche machen, entsprechend sieht manches aus. Aber kann man ihre Filme deshalb als Trashfilme bezeichnen?

       
  2. Wortman

    2019/07/01 at 06:36

    Gut gemachter Trash 🙂

     
    • V. Beautifulmountain

      2019/07/01 at 06:57

      Wobei der sicher nicht als Trash gemacht war und insofern vielleicht doch nicht so gut gemacht ist. Mich hat er unterhalten, das reicht ja oft auch schon. Natürlich kein Meisterwerk, kommt bei Weitem nicht an die Highlights von Terence Fisher, Peter Cushing oder Christopher Lee heran.

       
      • TomHorn

        2019/07/01 at 13:55

        Trash wird nicht gemacht. Exploitation wird gemacht. Trash heißt schlicht „misslungen“. Passende Bezeichnung also für BRENNENDER TOD…

         
      • V. Beautifulmountain

        2019/07/01 at 17:07

        Da widerspreche ich mal. Auch Trash kann gemacht werden, die Asylum-Verantwortlichen können ein Lied davon singen. Trash auf „misslungen“ zu reduzieren, führt daran vorbei. Und nicht jeder missratene Film ist ein Trashfilm. Und auch nicht jeder schlecht gealterte Film. Bei BRENNENDER TOD will ich da nicht widersprechen.

         

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