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Puppet Master – Das tödlichste Reich: Nazi-Puppen greifen an

10 Jul

Puppet Master – The Littlest Rich

Von Volker Schönenberger

Horror // Asche auf mein Haupt: Mit der 1989 mit „Puppet Master“ gestarteten Reihe von Charles Bands Produktionsfirma Full Moon Features bin ich nie in Berührung gekommen – warum auch immer. Insofern kann ich auch keine Auskunft darüber geben, ob der 13. Teil „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ das Franchise würdig fortsetzt.

Was geht in André Toulon vor?

Nach seiner Scheidung quartiert sich Edgar Easton (Thomas Lennon) vorerst wieder bei seinen Eltern ein – seine Mutter Suzanne (Laurie Guzda) freut sich, sein Vater Tom (James Healy Jr.) weniger. Für den stellt der in einem Comicladen arbeitende und selbst Comics zeichnende Sohn eine Enttäuschung dar, erst recht, weil er seine Ehefrau ziehen ließ, die sich nach Toms Ansicht als Mutter gut geeignet hätte. Im Zimmer seines verstorbenen Bruders entdeckt Eddie eine morbide schwarze Puppe mit Totenkopfgesicht. Er findet heraus, dass in Kürze eine Convention stattfindet, auf der mehrere solcher Puppen versteigert werden sollen. Anlass der Veranstaltung: der 30. Jahrestag einer grausamen Mordserie durch den Erbauer der Puppen. Mit seiner Jugendfreundin Ashley (Jenny Pellicer) und seinem Boss und Kumpel Markowitz (Nelson Franklin) bricht er zu dem Ereignis auf.

Mit Udo Kier und Michael Paré

Kenner der Reihe werden es wissen: Der Puppenbauer heißt André Toulon. In „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ verkörpert ihn Udo Kier, der nach wie vor oft im Genrefilm anzutreffen ist. Offenbar muss man ihn nur fragen. Aber er adelt jeden Film, auch diesen, wenn auch leider denkbar kurz und lediglich im Prolog. Michael Paré („Straßen in Flammen“) ist mir als Police Detective nicht groß aufgefallen. Ebenfalls dabei: Barbara Crampton, seinerzeit schon bei „Der Re-Animator“ (1985) und „From Beyond – Aliens des Grauens“ (1986) am Start und auch in den gelungenen „You’re Next“ (2011) und „The Lords of Salem“ (2012) zu sehen. Eine echte Genrefilm-Expertin also, die auch schon im ersten, im Fahrwasser von „Chucky – Die Mörderpuppe“ (1988) produzierten „Puppet Master“ in einer kleinen Rolle mitgewirkt hat. Im neuen Teil spielt Crampton Officer Carol Doreski, die die Convention-Teilnehmer durch das Haus André Toulons führt. Bald darauf erwachen die Puppen zum Leben und richten mit ihren mörderischen Klingen ein blutiges Gemetzel an.

Ashley und Eddie kommen einander näher

Besonders im Gedächtnis bleibt mir eine an den Tod von John Hurts Figur in „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) erinnernde Sequenz, wenn ihr versteht, was ich meine. Die animatronischen Puppen sind angetan, Gorehounds viel Freude zu bereiten. Das sieht natürlich alles etwas trashig aus, ist aber CGI-Splatter allemal vorzuziehen. Ab und zu kann man auch mal wieder freigelegte Brustkörbe und aus Bäuchen hervorquellende Gedärme sehen. Einige offenherzige Sexszenen gibt es ebenfalls zu bewundern. Die FSK fand das nicht ganz so amüsant und verweigerte die Freigabe, sodass das Label Pierrot le Fou „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ mit dem SPIO/JK-Siegel für keine schwere Jugendgefährdung veröffentlicht.

Luft nach oben

Wenn die Puppen rauskriegen, wo wir sind, sind wir geliefert. Sätze wie dieser machen deutlich, wie ernst „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ zu nehmen ist: überhaupt nicht. Wer mit der Reihe vertraut ist, wird einige Puppen aus vorherigen Filmen identifizieren können, ich spare mir die Nennung von Namen, die ich doch nur irgendwo abgeschrieben hätte. Was ich mitbekommen habe: Bei „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ handelt es sich offenbar um ein Reboot, das in einer anderen Realität angesiedelt ist als die Vorgänger. Das erklärt, weshalb André Toulon diesmal nationalsozialistisches Gedankengut hegt und seine Puppen die Jagd auf Juden, Schwarze und andere eröffnen lässt. Diese politisch potenziell unkorrekte Prämisse reizt der Film allerdings überhaupt nicht aus, da es letztlich um eine Aneinanderreihung unterhaltsamer Tötungssequenzen geht. Das Regisseursduo Sonny Laguna und Tommy Wiklund („Vittra“, „We Are Monsters“) verpasst die große Gelegenheit, daraus viel schwarzen Humor zu generieren, zumal die Puppen zwar ansprechend gestaltet ausfallen, aber stets nur kurz in Aktion treten und daher keine individuellen Merkmale entwickeln. Da ist in mancherlei Hinsicht noch massig Luft nach oben. Das Geschehen krankt obendrein etwas am Schlaftabletten-Charisma des Hauptdarstellers Thomas Lennon, aber wer sieht sich einen „Puppet Master“-Film schon in der Erwartung großer Schauspielkunst an?

Eine tödliche Puppe

„Puppet Master – Das tödlichste Reich“ feierte seine Deutschlandpremiere im Sommer 2018 beim Fantasy Filmfest. Das Drehbuch schrieb S. Craig Zahler, der als Drehbuchautor und Regisseur zuvor mit „Bone Tomahawk“ (2015) und „Brawl in Cell Block 99“ (2017) auf sich aufmerksam gemacht hatte. Eine Fortsetzung von „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ ist angedacht. Bereits fertig, aber hierzulande noch ohne Premieren- oder Veröffentlichungstermin: „Puppet Master – Blitzkrieg Massacre“, der aber nicht im selben Universum anzusiedeln ist wie dieser Film, wenn ich das richtig sehe. Wer sich auf einen Schlag alle elf dem offiziellen Kanon der Reihe zugehörigen Teile der Reihe zulegen will und das nötige Kleingeld übrig hat, kann bei Wicked-Vision Media zuschlagen: Dort erscheint im Oktober die auf 333 Exemplare limitierte Puppet Master Collection (Ultimate TRUNK Collection).

Werden die Fans der „Puppet Master“-Reihe bedient?

Ich vermute, dass „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ seine Freunde finden wird und auch schon gefunden hat. Ein Blick auf Rotten Tomatoes zeigt bei der Kritikerwertung Tomatometer anständige 67 Prozent, die Publikumswertung Audience Score liegt bei 54 Prozent, der gleiche Wert findet sich in der User-Wertung der IMDb (Stand Juli 2019). Ob Fans der gesamten Reihe angetan sind, kann ich nicht wirklich einschätzen, nehme es aber an.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Udo Kier und Michael Paré sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Und noch eine

Veröffentlichung: 12. Juli 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, limitiert auf 2.000 Exemplare)

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Puppet Master – The Littlest Rich
GB/USA 2018
Regie: Sonny Laguna, Tommy Wiklund
Drehbuch: S. Craig Zahler
Besetzung: Thomas Lennon, Jenny Pellicer, Nelson Franklin, Charlyne Yi, Michael Paré, Barbara Crampton, Udo Kier, Alex Beh, Matthias Hues, Anne Beyer, Victoria Hande, Betsy Holt, James Healy Jr., Laurie Guzda
Zusatzmaterial: Interviews, Drehtagebuch, Die Ankunft der Killerpuppen, Trailer, Poster, Booklet
Label: Pierrot le Fou
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Pierrot le Fou

 

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