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Der Panther – Rauben, morden, fliehen, verstecken

01 Aug

Highway 301

Von Ansgar Skulme

Krimidrama // Die US-Bundesstaaten North Carolina, Maryland und Virginia werden von einer skrupellosen Räuberbande terrorisiert. Ihr Anführer ist George Legenza (Steve Cochran) – ein eiskalter Vollblut-Egoist, der lieber seinem Betthäschen in den Rücken schießt, als auch nur das kleinste Risiko einzugehen, an die Polizei verraten zu werden. Nur, wenn er selbst Todesangst hat, zeigt dieser Legenza echte Gefühle. Mit purer Berechnung lassen sich viele Verbrechen erfolgreich gestalten, doch wenn man sich beim Beseitigen von Spuren vom Hundertsten ins Tausendste verstrickt, wird das Eis immer dünner. Ärgerlich vor allem dann, wenn mal ein Coup schiefgelaufen ist und man trotzdem nun erst einmal die Nachwehen überleben muss.

„Der Panther“ ist ein von den Warner Brothers in die Kinos gebrachtes, auf wahren Begebenheiten basierendes Prestige-Projekt von Andrew L. Stone, der sowohl für Drehbuch als auch Regie verantwortlich war. Dieser Noir startet zwar reichlich absurd mit gleich drei ziemlich hölzernen Kurz-Gastauftritten der damaligen Gouverneure von North Carolina, Maryland und Virginia, die ihm zusätzliche Glaubhaftigkeit verleihen sollen, aber eher das Gegenteil bewirken – dann jedoch folgen rund 80 Minuten wirklich spannende, mit konsequenter Kompromisslosigkeit punktende Thriller-Unterhaltung.

Lektionen im steifen Textaufsagen vor der Kamera

Vor allem das deutsche Publikum kommt bestens auf seine Kosten, da die drei Gastauftritte der Gouverneure hierzulande glücklicherweise, wohl schon für die Kinoauswertung, geschnitten wurden. Mitsamt dieser skurrilen politisch verpackten Moral-Cameos hingegen hat „Der Panther“ leider von vornherein – bis hin zum ähnlich belehrend gearteten Schlusswort des allerdings von einem Schauspieler verkörperten polizeilichen Ermittlers – recht deutlich das eine oder andere Momentum eines Propaganda-Films auf seiner Seite. Dass es hier gegen Bankräuber und Raubmörder geht, und nicht gegen Kommunisten, ändert an der Vorgehensweise mit dem erhobenen Zeigefinger und der pauschalen Glorifizierung sämtlicher Gesetzeshüter letztlich wenig, was nun einmal unschön an im selben Zeitfenster in Hollywood entstandene antikommunistische Hetzfilme erinnert. Ob die Attitüde des Propaganda-Films in so einem Fall nun statthaft ist, da der Zweck die Mittel heiligt, und es diese Kriminellen – da es um aus reiner Geldgier handelnde Diebe und Raubmörder geht – ja eventuell wirklich nicht besser verdient haben könnten, als an den Pranger gestellt zu werden, ist eine moralisch schwierige, fast schon philosophische Frage; aber zum Glück ist das allem Anschein nach wenigstens nie ein Problem der deutschen Synchronfassung gewesen.

Du kannst nicht davonlaufen!

Eine von zwei großen Stärken dieses Films ist die Darbietung von Steve Cochran in der Hauptrolle, der hier eine der besten Verkörperungen eines eiskalten Gangsters im Film noir der 40er- und 50er-Jahre hinterlässt. Dieser Faktor allein macht „Highway 301“ – wie das Werk im Original heißt – schon wichtig für das Genre. Spannend auch insofern, als Cochran in dieser Rolle einen äußerst abwertenden Umgang mit Frauen pflegt, Prügel und Mord inbegriffen. Ausgerechnet Cochran, der in Hollywood seinerzeit als Frauenheld und Schürzenjäger bekannt war. So gesehen dürfte dieser Auftritt damals manch einen Kinogänger oder vielmehr manch eine Kinogängerin gleich doppelt geschockt und einige Traumbilder zerstört haben. Es war bei weitem nicht das einzige Mal, dass Cochran einen Kriminellen spielte, aber so böse und so respektlos gegenüber der Damenwelt wie hier hat man ihn selten gesehen. Da wird der Wunsch nach Nähe knallhart von der Angst abgelöst, ihm den Rücken zuzudrehen.

Die zweite große Stärke sind drei von Andrew Stone sehr sorgfältig inszenierte, von großer Furcht im Angesicht des Todes durchzogene, spannend und mit Ausdauer in die Länge gezogene Katz-und-Maus-Spiele, in denen Cochran zweimal der Jäger ist – nur, dass er Frauen hier eben nicht jagt, um Zärtlichkeiten mit ihnen auszutauschen. Und schließlich ist er auch einmal der Gejagte. Drei denkwürdige Szenen mit wirklich harten Abschlüssen, wobei die letzte dieser drei Szenen obendrein eine recht realistisch gelungene Schießerei in einem Krankenhaus – ein durchaus perfide gewählter Handlungsort – mitbringt, die schon für sich genommen als kleines, aber feines Actionelement äußerst sehenswert ist. Man merkt allen voran diesen drei Episoden des Films sehr deutlich an, dass Stone klare Visionen hatte, die er umsetzen wollte, wofür er auch bereit war, sich einiges an Handlungszeit zu nehmen. Dass Drehbuchautor und Regisseur dieselbe Person waren, ist an diesen Stellen ziemlich gut nachvollziehbar. Irgendwann wird einem dann auch bewusst, dass der Film eigentlich nur ein recht kurzes Zeitfenster umspannt – und manchmal recht eng mit dem späteren „24“-Konzept kokettiert, Geschehnisse über lange Zeiträume in Echtzeit wiederzugeben – und dafür Dramatik und Spannung einiger Szenen besonders stark auskostet. Dass die gejagten Menschen hier vorzugsweise ziemlich wehrlos sind und zudem gern einmal der falschen Hoffnung unterliegen, bereits entkommen zu sein, ehe sie schließlich doch noch ins offene Messer laufen, lässt „Highway 301“ zu einem ausgesprochen bösen und heimtückischen Noir werden, der ein manchmal regelrecht Elemente des italienischen Giallo vorwegnehmendes Gesicht zeigt. Einigen Kritikern war das erheblich zu reißerisch – vielleicht ist dieser Aspekt aber auch gerade ein Zeichen dafür, dass dieser Film seiner Zeit voraus war. So oder so ist er mehr als nur ein Geheimtipp, spielte weltweit etwa das Dreifache seiner Produktionskosten, allein über Kinoauswertungen, ein und kann somit in jedem Fall als Publikumserfolg gewertet werden.

Bekannte Gesichter in frühen Rollen – vor der Kamera und hinter dem Mikrofon

Nicht zuletzt ist da der Bonuspunkt, dass man die später in einigen durchaus bedeutenden Filmen und großen Rollen zu sehen gewesenen Richard Egan und Robert Webber hier ganz früh in ihrer Karriere, als Teil der Räuberbande, erleben darf. Ergänzt von Wally Cassell in der Rolle von George Legenzas engstem Vertrauten. Cassell beendete zwar schon Mitte der 60er-Jahre seine Laufbahn als Film- und Fernsehschauspieler, starb aber erst 2015 im stolzen Alter von 103 Jahren, was ihn zu einem der am ältesten geworden Menschen macht, die jemals in Hollywood als Schauspieler tätig waren. Der abenteuerlustige Steve Cochran war zu dem Zeitpunkt bereits knapp 50 Jahre tot – 1965 im Alter von nur 48 Jahren an Bord seiner Yacht vor der Küste Guatemalas gestorben. Standesgemäß in alleiniger Begleitung von drei mexikanischen Girls. Eine üble Tragödie, zumal die jungen Frauen nicht wussten, wie man das Schiff bedient, und daher etwa zehn Tage mit dem Leichnam umhertrieben, ehe die Yacht schließlich an Land gespült wurde. Gerüchte, Cochran sei vergiftet worden, konnten nicht erhärtet werden.

Ähnlich wie Robert Webber und Richard Egan vor der Kamera, kamen auch für die deutsche Synchronfassung mehrere erst später (nicht nur hinter dem Mikrofon) ziemlich populär gewordene Schauspieler zum Einsatz: Wolfgang Kieling („Der zerrissene Vorhang”) ist als Stimme von Robert Webber zu hören, Erik Ode („Der Kommissar“) für Wally Cassell. Die Hauptrolle beziehungsweise in der deutschen Fassung „Der Panther“ gleichzeitig auch Titelrolle spricht der mit seiner Stimme, passend zum Part des George Legenza hier, unter anderem auf eiskalte Vollstrecker spezialisiert gewesene Friedrich Joloff („Raumpatrouille Orion“). Die Synchronfassung ist überzeugend gelungen, atmosphärisch dicht und versiert besetzt. Was diesem Film einzig fehlt, ist eine digitale Veröffentlichung in Deutschland. In den USA gibt es schon seit knapp zehn Jahren eine im Rahmen der „Warner Archive Collection“ erschienene DVD – wir warten.

Veröffentlichung (USA): 2. Dezember 2009 als DVD

Länge: 83 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Highway 301
USA 1950
Regie: Andrew L. Stone
Drehbuch: Andrew L. Stone
Besetzung: Steve Cochran, Virginia Grey, Gaby André, Edmon Ryan, Robert Webber, Wally Cassell, Aline Towne, Richard Egan, Edward Norris, John McGuire
Verleih: Warner Brothers

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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